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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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mw—wr- W11" jTiiffFitvWror f -r i Seüe 90 Dr. Llocb's MocdenscbrtN. Nr. 6 zu einer Sitzung zusammen, in der einhellig der Wille zum Ausdruck kam, die Fortführung und Weiterentwicklung der in der Anstalt verkörperten Ideen mit allen Kräften zu verfolgen. Die großen Pläne Simons werden nicht mit ihm begraben fein. Eine antisemitische Geschmacklosigkeit. Die „Kölnische Zeitung" schreibt: Die Bezeichnung „judenfreier" oder „judenreiner Gasthof" ist im Großherzogtum Baden nach einer Entscheidung des Ministeriums des Innern, sowie des Verwaltungsgerichtshoss unzulässig. Vor einigen Jahren hatte ein Wirt in Oberlauchringen bei Waldshut an seiner gegenüber dem Bahnhof gelegenen Wirtschaft einen Schild angebracht mit der schon vom Eisenbahnzug aus sichtbaren Inschrift „Judenfreier Gasthof". Auf eine Beschwerde der dort ansässigen Juden hin verfügte die untere Verwaltungsbehörde in Waldshut eine zwangsweise Entfernung der Inschrift. Ungeachtet des großen Geschreies, das die antisemitische Presse im ganzen Deutschen Reich gegen diese angebliche Willkür einer badischen Behörde erhob, schlossen sich das Ministerium, sowie der Verwaltungsgerichtshof der Entscheidung des Bezirksrats Waldshut an. Daraufhin änderte der Wirt die Bezeichnung „Judenfreier Gasthof" in „Judenreiner Gasthof" um; aber auch dagegen erhob vor einigen Wochen der israelitische Oberrat in Karlsruhe Beschwerde und verlangte eine Beseitigung des Schildes. Der Verwaltungsgerichtshof, der die Beschwerde für begründet erklärte, wies in seinen Urteilsgründen darauf hin, daß die Bezeichnung „judenfreier" oder auch „judenreiner Gasthof" eine Verunglimpfung einer ganzen Klaffe und eine Verächtlichmachung von Angehörigen einer vom Staat anerkannten Religionsgemeinschaft bedeute. Die Inschrift sei im hohen Maße geeignet, die Gefühle eines Teils des Publikums zu verletzen und einen nachteiligen Einfluß auf das friedliche Zusammenleben der Konfeffionen auszunben. Diese Entscheidung ist sehr erfreulich, wenn auch eigentlich selbstverständlich. Wenn schon die blinde Bekämpfung alles Jüdischen nur deshalb, weil es eben jüdisch ist, ebenso dumm wie geschmacklos ist, so ist eine derartig beleidigende Form des Kampfes wie die hier in Frage stehende aufs allerschärfste zu verurteilen. Proklamation des „Bundes". Nachdem die Proklamation den politischen und ökonomischen Standpunkt des Proletariats gegenüber dem der Bourgeoisie seststellt, führt sie zum Schlüsse aus: ... In dem großen Befreiungskampf wird nicht die jüdische Bourgeoisie die politischen und bürgerlichen Rechte für das jüdische Volk erringen; diesem toten Gebein kann man kein neues Leben mehr cinflößen. Das jüdische Proletariat — und nur es allein unter allen Klassen des jüdischen Volkes — hält in seinen Händen die rote Fahne — die Fahne des Kampfes um die Freiheit. Es braucht jene Freiheit, um seinen proletarischen Klassenkampf zur Entfaltung zu bringen — den Kampf der Arbeiterklasse aller Nationen gegen die kapitalistische Ordnung. Eine Reihe von Jahren hindurch hat es zugleich mit seinen Arbeiterbrüdern des ganzen Rußland mit seinem heißen Blute die kalte Erde des geknechteten Landes genetzt; lange Jahre hindurch hat es sie mit seinen edelsten Opfern gedüngt. Aus diesem Boden wird der mächtige Baum der Freiheit emporwachsen, der dem jüdischen Proletariat (und durch dieses auch dem gesamten jüdischen Volke) die gewünschten Früchte bringen wird: die bürgerliche und politische Gleichberechtigung. Doch wird die bürgerliche Gleichberechtigung für sich allein noch lange nicht das jüdische Proletariat in allen Rechten mit dem Proletariat der herrschenden Nationen gleichstellen. Um in der Lage sein zu können, alle seine seelischen Kräfte frei zu entwickeln, damit keine unberufenen Elemente sein Klassenbewußtsein verdunkeln, um mit ehernem Schritte dem heiligen Ideal des Sozialismus entgegenzugehen, müssen die speziellen Forderungen des jüdischen Proletariats verwirklicht werden — die Forderungen aller unterdrückten Nationen: 1. Die Freiheit der kulturellen Entwicklung, verbürgt durch das Gesetz und gesichert vom Staate und der lokalen Selbstverwaltung durch entsprechende Institutionen. 2. Das Recht, in allen staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen neben der Staatssprache sich seiner Sprache zu bedienen. Alle sozialdemokratischen Parteien stellen diese Forderungen in ihren Programmen auf. Das gesamte bewußte Proletariat muß für sie kämpfen. Das Proletariat der unterdrückten Nationen aber, dessen Interessen am meisten mit jenen Forderungen verknüpft sind, muß sie in seinem Kampfe besonders betonen, besonders auf ihnen bestehen. Indem es für die gemeinsame Sache des Proletariats kämpft, kann es auch nicht für einen Augenblick diese seine speziellen Forderungen aus dem Auge verlieren. Inmitten der heftigen politischen Stürme, die nach dem Untergang des Absolutismus das Dasein Rußlands bis zu seiner Neubegründung erschüttern werden, inmitten des unbeschreiblichen Chaos, da Klasse gegen Klasse erstehen wird und Nation gegen Nation, werden wir jüdische Proletarier die uns nötigen Rechte nur dann erlangen, wenn wir wohlorganisiert Seite an Seite mit dem Proletariat des gesamten Rußland gegen alle finsteren Mächte der heimatlichen Erde kämpfen werden. Der große Tag naht. Das schreckliche Ungeheuer wälzt sich im Todeskampfe. Die blutige Morgenröte seines letzten Tages — die ersten Strahlen eines neuen Lebens — wird uns nicht unvorbereitet, zerstreut und geschwächt finden. Sie wird unsere wohlgeft'igten nnd mutigen Reihen beleuchten — eine einige, wohlgemute, großartig gewappnete, kampfbereite Schar. Die Zeit entrinnt! Die Tage vergehen! Zu den Waffen, Genossen! Vorwärts! Wie Trepow Rnhe schaffen will. Trepow hat hervorragenden Persönlichkeiten jüdischer Konfession hier insinuieren lassen, daß „Judenkrawalle in der Provinz nicht zu verhindern sein" würden, wenn nicht die angesehenen und führenden jüdischen Kreise dafür zu sorgen verständen, daß ihre Glaubensgenossen überall die Arbeit wieder aufnehmen und die Regierung durch Angabe der Rädelsführer unterstützten.. Als Gerücht wird verbreitet, daß drei Emissäre der geheimen Polizei, deren Namen seit Kischenew bekannt sind, in die polnischen Fabriksbezirke entsandt worden sind. Der christlichen Intelligenz hat Trepow gleichfalls eröffnen lassen, daß das Schicksal ihrer Freunde sich umso erbarmungsloser gestalten würde, wenn sie nicht jede Auflehnung zu verhindern wissen und ihre Regierungssreundlichkeit durch entsprechende Eröffnungen über die geheimen Vorgänge der letzten Zeit beweisen würden. Die Empörung über dieses Vorgehen ist eine allgemeine. — Der Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, Trepow erklärte einem deutschen Korrespondenten, es sei moralisch sicher und könne fast bewiesen werden, daß die gesamte Bewegung von Juden arrangiert wurde, die die Arbeiter mit fremdem Gelde bezahlten. Die Absicht dieser ewigen Feinde Rußlands sei, Schwierigkeiten für das Zarentum während dieser kritischen Periode der russischen Geschichte herbeizuführen. Diese Aeußerung erklärt gewisse amtliche Anschläge in Moskau und Odessa, nur wurden in diesen nicht die Juden, sondern die Engländer und Japaner, beziehungsweise die Japaner und deren europäische Verbündete hierfür verantwortlich gemacht. Gegen diese Unterstellung hat die englische Botschaft protestiert, indem sie darauf hinweist, daß dadurch Leben und Eigentum englischer Untertanen in Rußland gefährdet würden. Das russische Auswärtige Amt versprach, eine Untersuchung anzuordnen. General Trepow bekleidete sein Amt in Moskau seit sechs Jahren und ähnelte in allem seinem Vater, einem verstockten Bureaukraten, der sogar nicht zurückschreckte, die unter dem Verdachte revolutionärer Propaganda verhafteten russischen Studenten der körperlichen Züchtigung unterziehen zu lassen. Auch der jüngere Trepow war ein brutaler Staatswürdenträger, welcher während seiner langjährigen Amtstätigkeit in Moskau Tausende von Studenten schonungslos nach Sibiren verbannte und jede freiheitliche Strasenkundgebung der Studenten durch die Kosaken rücksichtslos unterdrücken ließ. Trepow war es auch, welcher kranken Juden verbot, in den Moskauer Kliniken Heilung suchen zu dürfen; er war es auch, welcher jedem Polizisten für die Auffindung eines „ungesetzlich" sich in Moskau aufhaltenden Juden den Betrag von zehn Rubeln auszahlen ließ. Die größte Rücksichtslosigkeit, die auch den unmittelbaren Anlaß zu dem Anschläge auf sein Leben gegeben haben dürfte, bekundete Trepow vor ungefähr 4 Wochen bei der Unterdrückung der Moskauer

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