Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Blocbs 'Mocbenscvrttl. ©ctte 87 Der einheitliche Lehrplan für den Religionsnnterricht an Mittelschulen. Zu den unter diesem Schlagworte gemachten Ausführungen des Herrn Prof. Dr. Weiß halte ich es für nötig, einen darin fehlenden wichtigen Faktor hervorzuheben, der zu dem Wesentlichen gehört, das diese Bewegung hervorrief. Alljährlich werden zwei, oftmals drei Bogen mit Namen von Mittelschülern zur Zirkulation gebracht, die sich als Konvertiten oder Konfessionslose erklärt haben, und an die Religionslehrer der Mittelschulen die Anfrage gerichtet, ob der eine oder andere der genannten Schüler zu den Zöglingen des Adressaten gehöre. Die Zahl dieser Konvertiten häufte sich in erschreckender Weise und aus der Mitte von Gläubigen ertönte es wie eine Anklage gegen die zur Erteilung und Ueberwachung des Unterrichtes berufenen Faktoren. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde sah sich daher veranlaßt, zu untersuchen und zu prüfen, um die Ursachen der massenhaften Fahnenflucht unserer Jugend zu ergründen, obzwar die öffentliche Meinung ganz laut Namen von Männern nannte, denen sie die Schuld an diesen Desertionen beimaß. So kamen denn alle diese Konferenzen. Es wäre beleidigend und traurig, anzunehmen, daß man nach einem halben Jahrhunderte der Pflege des Religionsunterrichtes plötzlich fand, daß der ganze bisherige Unterrichtsplan verfehlt sei und es an Pädagogen mangle, die auf diesem Gebiete Ersprießliches zu leisten vermögen. Ich habe den meisten dieser Konferenzen beigewohnt und kenne daher auch genau die Provenienz derselben; doch auch die Oeffentlichkeit soll darüber nicht im Unklaren sein und wissen, daß die Wächter wachen, und, wo es nötig und auch möglich ist, Abhilfe schaffen werden. Man soll das Kind beim rechten Namen nennen, sonst wird der Zweck nicht erreicht werden. Herr Prof. Weiß hat bei Aufzählung der Namen der Mitglieder, welche der von unserem hochgeehrten Vorstande einberufenen Fachmännerkommiffion angehören, in der Eile meine Wenigkeit vergessen. Es ist vielleicht nicht von Belang, doch nachdem ich eine Einladung zu dieser Konferenz erhielt und ein von mir ausgearbeitetes Referat vom löblichen Kultusvorstande in Druck gelegt wurde, so berichtige ich dies im Interesse der Wahrheit. Gemeinderabbiner G. L. Reich. Wien. Sonntag den 29. Jänner d. I., um 5 Uhr nachmittags, fand die Generalversammlung des Bethausvereines „Am Volkert", II., Fugbachgaffe 7, unter dem Vorsitze seines Obmannes Herrn Ad. Sch.ramek statt. Seitens der Kultusgemeinde war Niemand erschienen, da der Delegierte Herr Doktor Marcus Spitzer durch Unwohlsein verhindert war, zu erscheinen. Der Vorsitzende bringt diese Entschuldigung zur Kenntnis. In seiner Eröffnungsansprache gedenkt der Obmann des verstorbenen Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn kaiserl. Rates Heinrich K l i n g e r, Ehrenmitgliedes dieses Vereines, und hat sich die Versammlung zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben. Sodann wird der Rechenschaftsbericht verlesen und genehmigend zur Kenntnis genommen. Ueber Antrag der Revisoren Wessely und Kraus wird dem Vorstande das Absolutorium erteilt und der Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen. Die ausscheidenden Herren Schrame k, Ehrenfeld, Bauer, Reiser, Bernhard Fischer und Josef Fischer werden wiedergewählt, als Vertrauensmann Herr David K o h n cooptiert, als Revisoren die Herren Simon Wessely und Isidor Kraus auf 1 Jahr wiedergewählt. In der hierauf erfolgten Konstituierung des Vorstandes wurden gewählt: Adolf S ch r a m e k, Obmann; Hermann Ehrenfeld, Obmann-Stellvertreter; Jg. Reiser, Schriftführer; Julius Beck, Schriftführer-Stellvertreter;Josef Fischer, Kassier; Elkan Bauer und H. Kaiser, Kontrollore; Salomon Beck, Mittler, Singer und Wilh. B a n d l e r zu Tempelvorstehern. Entscheidung kontroverser israelitischer Religionsgemeindefragen in Ungarn. Um die verschiedenen Verfügungen betreffend die Kompetenz hinsichtlich der Entscheidung solcher kontroverser Fragen, die zwischen Israeliten im Leben ihrer Religionsgemeinde auftauchen, unter einander im Einklang zu bringen, hat Kultusminister Dr. Berzeviczy eine Verordnung erlassen und diese auch den Stadtbehörden mitgeteilt. Kontroverse Angelegenheiten — so heißt es in der Verordnung —, die zwischen Israeliten im Leben ihrer Religionsgemeinden auftauchen und dem administrativen Verfahren unterstehen, sind in den Komitatsmunizipien in erster Instanz durch den Oberstuhlrichter (in Städten mit geordnetem Magistrat durch den Bürgermeister), in zweiter Instanz durch den Berwaltnngsausschuß zu entscheiden. Der Weg des Rekurses an den Minister, beziehungsweise des Superrevisionsgesuches ist offen zu halten. Diese Verfügungen gelten für den Fall, daß die Parteien sich dem im israelitischen Kongreßstatute oder dem orthodoxen Organisationsstatute vvrgeschriebenen Schiedsgerichte nicht unterwerfen wollen. Es ist überflüssig, hinsichtlich des Verfahrens in identischen Fällen für das Gebiet der Haupt- und Residenzstadt, beziehungsweise für das Gebiet der mit Munizipalrecht ausgestatteten Städte neue Verfügungen zu treffen, da die dortigen, hieraus bezüglichen Bestimmungen ohnehin mit dem § 1 des G.-A. XX: 1901 im Einklänge stehen. Unterricht der Analphabeten in der Armee. Der Budapester jüdische Lehrer Julius Gabel demonstrierte auf Anordnung des Korpskommandanten Erzherzog Friedrich in der Pivnnierkaserne in Pozsvny sein Schreib- und Lesesystem, welches Kriegsminister FZM. v. Pitreich zum Unterrichte der Analphabeten in der gemeinsamen Armee anwenden läßt. Etwa 120 Offiziere waren anwesend, unter ihnen auch der Kommandant des 5. Husaren-Regiments, Oberst Baron Wernhardt. Der Probeunterricht war von glänzendem Erfolge begleitet. Die zur Tafel gerufenen Analphabeten, etwa 80 Mann, konnten binnen zehn bis zwölf Minuten eine große Zahl von Buchstaben lesen und teilweise auch schreiben. Der Oberst drückte dem Erfinder der Methode den Dank im Namen der ganzen Garnison aus; von nun an sollen alle Analphabeten derselben nach diesem System unterrichtet werden. Der ungarische Minister für Kultus und Unterricht Dr. Albert von Berzeviczy hat das folgende Glückwunschschreiben an Direktor M. Bloch gerichtet: Budapest, 29. Jänner 1905. Geehrter Herr Direktor! Anläßlich Ihres 90. Geburtstages beglückwünsche ich Sie, Herr Direktor, aus aufrichtigem Herzen. Sie können mit der größten Befriedigung und mit dem erhebenden Bewußtsein der Pflichterfüllung auf Ihre bisherige lange Laufbahn zurückblicken. Möge es der Herr des Alls gewähren, daß Sie, Herr Direktor, zu unser Aller Freude in voller Gesundheit noch viele Geburtstage feiern können. Mit aufrichtigem Gruße bin ich Ihr treuer Albert Berzeviczy. Baden. Unter dem Vorsitze der Frau Vize-Präsidentin Julie Leitner wurde am 4. Februar 1905 die Generalversammlung des israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines in Baden abgehalten. Zu Beginn der Generalversammlung widmete die Vorsitzende der kürzlich verstorbenen Frau Bettina Schreiber, welche sich durc'.i 15 Jahre als Präsidentin dieses Vereines große Verdienste um denselben erworben hat, einen warm empfundenen Nachruf, welchen die Anwesenden stehend anhörten. Zum Zeichen der Anerkennung dieser Verdienste hat die Bereinsleitung von der verstorbenen Frau Präsidentin ein Bild anfertigen lassen. In Erwiderung hierauf wird von Frau Marie Schreiber namens der Familie Schreiber der Dank ausgesprochen. Sodann wird vom Schriftführer Anton Schneider der Rechenschaftsbericht verlesen und mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Der Kaffa-Verwalterin Frau Agnes Felder, dem Schriftführer sowie der ganzen Vereinsleitung wird für ihre Mühewaltung Dank und Vertrauen votiert. In die Vereinsleitung wurde Frau Rabbiner Jenny Reich gewählt. In der hierauf erfolgten Konstituierung der Vereinsleitung wurde als Präsidentin Frau Julie