Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Slvch's Wochenschrift. Seite 85 Kirchenvater Eusebius in der Praeparatio evangelica, Kap. 10 anführt. Eine andere ist eine Darstellung des Damascius in seiner Abhandlung äs primis principiis 125. Eine dritte ist eine etruskische, welche man bei Suidas findet. (Vergl. Gottfried Müller: Die Etrusker, II, 28). Die ausführlichste Kosmogonie aber bietet das babylonische Epos Enuina elis. Dieses auf sieben Tafeln der Steinbibliothek Asubanipals erhaltene Fragment berichtet folgendes: Als noch der Himmel und die Erde nicht benannt waren, Apsu, Mumn und Tiamat herrschten, da wurden die Götter erschaffen. Die neuen Götter empören sich gegen die alten. Tiamat bedrängte die neu entstandenen Gottheiten. Da stellt sich für die junge Göttergeneration Marduk zum Kampfe, welcher für den Sieg den Preis der Weltordnung sich ausbedingt, welcher ihm in einer Ratsverfammlung der Götter auch bewilligt wird. Hierauf tötet Marduk die Tiamat, zerschlügt ihren Körper in zwei Teile, aus der einen Hälfte erbaut er den Himmel, aus der anderen die Erde. Er schuf dann die Himmelskörper, auf der Erde brachte er die Pflanzen, die Tiere und den Menschen hervor. (Siehe Jensen, Keilinschriftliche Bibliothek, VI, S. 42.) Diese Kosmogonie, die gleichzeitig eine Theogonie ist, ist aber keine feststehende; in manchen Punkten erscheint sie schwankend, so wie die Lehre von der Menschenschöpfung Varianten aufweist. So heißt es in einen: Keilinschriftfragment: „Als die Götter zusammen den Himmel geschaffen und die Erde gemacht haben re." Nach einem Gedicht, das Gilgames-Epos genannt, sind Ea und seine Gattin Aruru die Schöpfer der Menschen. Da heißt es: als Aruru solches vernahm, da bildete sie in ihrem Herzen ein Ebenbild des Anu. Auch der Jstar wird die Erschaffung des Menschen zugeschrieben. Dieser altorientalischen Doktrin tritt schon die Thora auf ihren ersten Blättern entgegen, indem sie ein Weltbild entwirft, welches durch Gottes unumschränkten Willen und Kraft hervorgebracht wurde. Aber in der prophetischen Literatur wird direkt gegen die Behauptungen der altorientalischen „Wissenschaft" im Einzelnen polemisiert. Nach dem Enuma elis-Epos ist der Welterbauer ein Epigone, ein Demiurg, vor ihm sind schon Götter dagewesen. Der Prophet aber lehrt nicht bloß die Einzigkeit Gottes, sondern seine Unerschaffenheit, sein einziges Dasein von Ewigkeit her, er ruft: „So spricht Gott der König Israels und sein Erlöser: Ich bin der Erste und ich bin auch der Letzte und außer mir gibt es keinen Gott." (Jesajas 44—6). „Fürchtet euch nicht und zittert nicht, fürwahr, von altersher habe ich dir es kund getan und es euch gesagt: Gibt es denn einen Gott außer mir? Nein es gibt keinen Schöpfer, den ich nicht kenne. Daß sie alle wissen, die vom Sonnenaufgang und vom Sonnenuntergang, daß keiner außer mir da ist. Ich bin Gott und keiner sonst. Der Schöpfer des Lichtes und der Hervorbringer der Finsternis. Der Schöpfer des Heiles und der Hervorbringer des Unheiles. Ich der Ewige bin der Schöpfer Aller." „So spricht Gott: Ich habe erschaffen die Erde und habe die Menschen aus derselben ins Dasein gerufen, ich habe mit meiner Hand den Himmel ausgespannt und die Himmelsheere hervorgerufen." (Das. 45, 5—8, 11). Am feierlichsten und nachdrücklichsten betonten dieses folgende Ausrufe: „Alle Völker sollen sich versammeln, alle Nationen sollen sich zusammentun, wer ist unter ihnen, der solches verkündet und das Kommende uns kund tun kann, sie mögen ihre Zeugen stellen und gerecht sein, sie sollen hören und die Wahrheit sprechen. Ihr seid meine Zeugen, spricht Gott, und mein Diener, den ich auserwählt habe, damit Ihr es erkennet, glaubet und begreifet, daß ich es bin, vor mir ist kein Gott erschaffen und nach mir wird keiner sein." (Das. 43—9.) „Ich der Ewige habe alles erschaffen, habe allein die Himmel gewölbt und die Erde selbst ausgespannt." (Das. 44. 24.) Unter den israelitischen Stämmen waren wohl die religiösen Lehren verbreitet, daß die Welt durch Schöpferskrast hervor- - gebracht wurde und daß es bloß einen Gott gibt. Allein diese Theorien bedurften angesichts der altorientalischen Weltansicht einer genauen strengen Determiniernng, denn sonst liefen sie Gefahr, dem herrschenden System eingeordnet zu werden. Die Welt konnte wohl von einem geschaffen worden sein, dem aber dabei andere behilflich waren, entsprechend den Worten des Fragmentes: „Als die Götter zusammen den Himmel geschaffen". Gott konnte wohl einer sein, dessen Einheit konnte aber eine temporäre sein. Er könnte ein Erschaffener sein wie Marduck, der nicht von Ewigkeit, nach der Vergangenheit hin, da war, er könnte wie Anu oder Ansar seine Einheit in der Zukunft verlieren, indem andere Götter im Verlaufe der Zeiten entstanden sind. Diesen Behauptungen de» altorientalischen „Systems" treten die Propheten protestierend entgegen, indem sie die altisraeltischen Doktrinen präzisieren. Diese prophetischen Enunziationen, welche sich vermehren lassen, erhalten von diesem Gesichtspunkte einen feierlichen Ernst. Der These von der Götterentstehung und der Weltschöpsnng durch mehrere Mächte gegenüber ruft der Prophet im Namen Gottes: „Vor mir ist kein Gott erschaffen worden und nach mir wird keiner sein. Als ich die Erde ausspannte, war keiner bei mir. nns: ‘rs -isu *6 ':zb .'ns*ö psn rpn .n'nxb Daß die prophetischen Aeußerungen als eine Polemik gegen die altvrientalische Weltanschauung von der Weltschöpsnng auszusassen sind, ist auch die Ansicht des Midrasch. Zu den Worten: „Ihr seid meine Zeugen, spricht oer Ewige, ich bin Gott" heißt es: daraus ist zu entnehmen, daß zur Zeit als Gott seine Welt erneuern wird, er sich selbst aufrichten wird und in Reihen wird ausstellen die Ordnungen der Frommen, der Demütigen, der Könige, der Propheten, der Ausseher, Berater der Generationen. Er wird Henoch, den Sohn Jernds, dessen Namen Metatraton ist, herabsteigen lassen, ebenso die vier Chajot von den kreisenden Rädern des Himmelswagens. Er wird seinen Thron nach einer Richtung errichten. Er wird Korah und seine Rotte von der Unterwelt heraufsteigen lassen. Alle Weltbewohner wird er erscheinen lassen und ihnen zurusen: „Habet Ihr einen Gott außer mir im Himmel oben, oder aus der Erde unten, oder in allen vier Richtungen der Welt gesehen?" Leget Zeugenschaft ab und sprechet die Wahrheit. Da werden sie alle in einer Sprache gegenüber allen Weltbewvhnern erwidern: „Wir haben Deinesgleichen im ganzen Universum nicht gesehen, keinen Gott im Himmel oben oder aus der Erde unten, es gibt keinen König wie Du und kein Hort außer Dir." (Jalkut zu Jesajas, § 316). Noch nachdrücklicher wird vom Midrasch auf das polemische Moment in folgender Bemerkung hingewiesen. Zu den Worten: „Ich der Ewige habe alles geschaffen, die Ausdehnung der Erde gemacht, habe den Himmel gewölbt, außer mir keiner." Jes. 44. 24) heißt es: Wann sind die Engel erschaffen worden? Rabbi Luleynu, der Sohn, Tabrinis sagt im Namen des Rabbi Jizchak: „Alle Meinungen stimmen darin überein, daß am ersten Tage keine erschaffen wurden. Damit man nicht sage, der Engel Michael hat den Süden, der Errgel Gabriel den Norden der Welt ausgespannt, und Gott stand in der Mitte. Denn Gott spricht wer war mein Gehilfe bei der Weltschöpsung? Ein irdischer König wird im Reiche gepriesen und seine Großen werden mit ihm gerühmt, weil sie ihm die Staatslast tragen Helsen. Aber der Heilige, gelobt sei er, schuf seine Welt ganz allein und wird allein gepriesen." (Genesis rabba 1.) Die Psalmisten kennen auch die Thesen der altorientalischen Kosmogenie und Theogonie verhalten sich ebenfalls ablehnend gegen dieselben, vermeiden aber jede Polemik, gehen jedem Proteste aus dem Wege, beschränken sich aus positive Verkündigungen monotheistischer Lehren, auf nachdrückliche Betonung der pentateuchischen Prinzipien, auf poetische Darstellung der Schöpsungstheorie der Thora. Der Psalmist singt: „Lobet den Ewigen, denn er ist gütig, ewig dauert seine Gnade. Lobet ihn, der große Wunder allein vollbringt, der den Himmel mit Weisheit geschaffen, der die Erde über die Gewässer ausgespannt hat, der die großen Lichter erschaffen hat. Die Sonne für die Herrschaft am Tage, den Mond für die Herrschaft in der Nacht. Ewig dauert seine Gnade." (Ps. 136, 1—10). Dieselbe Methode beobachten teilweise die Psalmen 33, 95 und andere. (Fortsetzung folgt.) j \ 3 i I