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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-03 · 5 (3.2.1905) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1 ivm Z2r:'zt£. :si&wtz&mam& '&m&2Mssu Sette 78 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Nr. 5 „Gebt mir eine Feder, so kann ich auch schreiben," erwidert ich und schrieb meinen Namen mit fester Hand unter das Papier, steckte die zehn Goldstücke ein, verabschiedete mich von dem alten Mr. Samuel und in der anderen Stunde war ich schon im Hafen von Kingstown und schte mich auf das Paquetschiff, das nach London ging. Als ich diesmal den Strand betrat, da war mir anders zu Mute, als damals, wo ich über Tower-Hill vor den Matrosen fortlief. Ich hatte Geld in den Taschen und kam mir schon halb wie ein gemachter Mann vor. Ich suchte so rasch als möglich nach Lombardstreet zu kommen und ich erreichte sie auch ohne weitere Schwierigkeiten, und stand bald vor dem Hause mit der Inschrift: „Mr. Bar and Cie." Hier trat ich ein und begab mich in das große Geschäftslokal rechts. Sie kennen es, lieber Landsmann, Sie sind heute selbst darin gewesen — ich fragte nach Mr. Bar, und man führte mich ein Treppchen hinauf in das Gemach, in welchem Sie mich heute Morgen gefunden haben. Mr. Bar saß, über einem großen Buche, in Zahlen vertieft, an seinem Schreibtische. „Jetzt dürfen wir den Herrn nicht stören," sagte der Klerk, der mich führte. „Seht, er sitzt bei dem Hauptbuche." „Nun gut," erwiderte ich, „so will ich warten, bis er fertig ist." — Ich wollte in der halbgeöffneten Tür umkehren. Doch kaum hatte der gute Mann meine Stimme gehört, als er aufsah, die Brille auf die Stirne schob und fragte: „Wer will mich sprechen?" „Ich bin es, Sir", sprach ich, „David Barney . . . ." „David Barney?" wiederholte er mit dem Ausdrucke der größten Freude und Ueberraschung.... „David Barney? . . . . Kommt, kommt — seid mir herzlich, seid mir tausendmal willkommen, mein Retter, mein Wohltäter! Er schloß mich gerührt in die Arme, und der Clerk, erstaunt darüber, daß der reiche, vornehme Chef des Hauses einen armen Menschen, der beinahe aussah wie ein Bettler, in die Arme schloß, wich voll Ehrfurcht zurück und ging hinaus. Mr. Bar aber schlug das große Buch zu, nahm seinen Ueberrock und sagte: „Der Tag, an welchem Ihr zu mir kommt, soll ein Feiertag für mich sein — kommt, David, wir wollen in mein Wohnhaus fahren." Arm in Arm ging er mit mir durchs Kontor, wo alle Clerks die Köpfe voll Verwunderung über die Pulte streckten und ehrfurchtsvoll grüßten. Vor der Tür nahm Mr. Bar einen Wagen und wir fuhren nach Finsbury-Square und hielten vor dem Haus, das ihr kennt, vor dem Haus an der Ecke, mit den Treppen. — Mr. Bar führte mich in das Wohnzimmer seiner Frau, wo diese mit ihrer Tochter Miß Rachel saß; ihr Sohn, Mr. Lewis, ein junger Herr, mit mir dazumal in einem Alter stand am Fenster und sah auf die Straße. Nachdem wir eingetreten waren, rief Herr Mr. Bar: „Hier, liebe Frau und liebe Kinder, stelle ich Euch Mr. David Barney, den jungen Mann vor, von dem ich Euch schon so viel erzählt habe, der mir vor zwei Jahren in der irischen Dorfschenke auf so wunderbare Weise geholfen hat." Mrs. Bar reichte mir die Hand und hieß mich freudig willkommen; Mr. Lewis umarmte mich wie einen Bruder und Miß Rachel — ach, Miß Rachel ... mit ihren dunkelbraunen Augen sah sie mich an und mit ihrer feinen Hand drückte sie die meine .... ich werde diesen ersten Blick ihres dunkelbraunen Auges nie vergessen und den Druck ihrer feinen Hand habe ich noch jahrelang nachher gespürt. Es war ja das erste Mal in meinem ganzen Leben gewesen, daß mich ein schönes Mädchen fteundlich angesehen hatte! Mr. Bar sagte, nun lasse er mich nie wieder von sich gchen; er gab mir eine Stelle in seinem Geschäft und da ich erträglich rechnen und schreiben konnte, so Mte ich sie zu seiner Zufriedenheit aus und sie ernährte mich nicht nur auf's beste, sondern gab mir auch noch Gelegenheit, Ansehnliches zurückzulegen. Meine Kollegen behandelten mich mit großem Respekt, da sie sahen, wie der Prinzipal mit mir umging und da sie hörten, daß ich einfür allemal an jedem Samstag Mittag im Hause desselben am Familientische mitzuspeisen eingeladen war. Mr. Bar war nach wie vor herzlich gut gegen mich, mit Mr. LewisHtand ich auf dem fteundschaftlichsten Fuße und Miß Rachel — nun, ich glaube, daß sie mich damals so lieb hatte, als ich sie. Aber ich näherte mich ihr in keiner Weise; ich hätte jeden Versuch für Undankbarkeit gegen meinen lieben guten Herrn gehalten. Als ich nun ein Jahr so im Geschäft des Mr. Bar gearbeitet hatte, sagte ich eines Tages zu ihm: „Sir, wollt ihr mir nicht vier Wochen Urlaub geben? — ich bin jetzt fast sechs Jahre vom Hause entfernt — ich habe Sehnsucht, meine Mutter und meine Geschwister einmal wieder zu sehen." Der gute Herr bewilligte mir den Urlaub gern, und als ich am anderen Morgen von ihm Abschied nahm, da gab er mir ein Etui und sagte dabei: „Gebt das Eurer Mutter mit meinem besten Gruße und sagt ihr, da sei ihr Goldstück wieder, das sie Euch einst eingenäht habe." Es war eine kostb re Uhr mit Kette, an welcher außer anderem Zierrat auch ein Sovereign hing, genau so wie der, den meine Mutter einst für mich eingetauscht hatte. — Mit einem Packetboot fuhr ich nach Hamburg. ... (Schluß folgt.) Literatur. L- London, Epitrs historique du E. Scherira Gaon, Anvers 1904. Auf den ersten Blick glaubt man das Bedürfnis einer französischen Uebertragung des berühmten Scherirabriefes, da für die des Urtextes Unkundigen eine lateinische und probeweise deutsche Uebersetzung vorliegt, bezweifeln zu dürfen. Der Verfasser bietet jedoch, abgesehen davon, daß er seinem Unternehmen den von Neubauer edierten Text und die von ihm erwähnte Damascener Handschrift zugrunde legt, einen besonders für externe Kreise wertvollen kritischen Apparat, vor allem eine Einleitung, welche, die im Scherirabrief behandelte Traditionsfrage ausführlich erörternd, unter Anderem Rappaport und Grätz in der Darstellung der gaonaischen Literatur zu berichtigen versucht. Wenn man Wallerstein's Dissertation (1860) mit der vorliegenden Arbeit vergleicht, kann man sich nur der Zunahme des Forschungseifers freuen, welche auch auf diesem Gebiete der jüdischen Wissenschaft wahrzuriehmen ist. 6. „Kaiser Titus und der jüdische Krieg", von Bruno Wolff- B e ck h, Verlag von Friedrich G. B. Wolff-Beckh in Berlin-Steglitz. Preis M. 1.80. Dem Verfasser ist es gelungen, den Nachweis zu führen, daß Kaiser Titus, der in dem bluttriefenden Jüdischen Kriege den jüdischen Staat vernichtet und das Heiligtum der Juden, den wegen seiner Pracht berühmten Tempel von Jerusalem, zerstört hat, irrsinning gewesen ist. Die vorliegende Arbeit ist zwar schon in den „Neuen Jahrbüchern für das klassische Altertum, Geschichte und deutsche Literatur" (Verlag von B. G. Teubner in Leipzig) erschienen und somit der Gelehrtenwelt bereits zugänglich. Da die Arbeit jedoch einem über die gelehrten Kreise hinausgehenden allgemeineren Interesse zu begegnen scheint, so hat sich der Verfasser entschlossen, sie auch in Buchform herauszugeben. Seine Ausführungen werden zweifellos überall Zustimmung finden und hoffentlich nebenher alle diejenigen, die es vergessen haben, daß auch das hart geprüfte Volk der Juden eine ruhmvolle Vergangenheit und mutige Freiheitskämpfe aufzuweisen hat, eindringlich daran erinnern und sie zu duldsamer Liebe führen. Das gemeinverständlich und überaus fesselnd geschriebene Buch ist dem Kaiser der Osmanen gewidmet als dem Herrn Palästinas, des Kampfgebietes des Jüdischen Krieges. Die vornehme Ausstattung des Werkchens macht es auch zu Geschenkzwecken geeignet. Festpredigten von Dr. F. Hille l, Rabbiner in Leipnik. I. Heft: Pessach und Schuwuaus. 1904, Selbstverlag des Verfassers. Gewidmet Herrn David Ritter von Guttmaun zum 70. Geburtstage in Anerkennung dessen Verdienste um die jüdische Gemeinde seiner Vaterstadt, darf das Erscheinen dieses Büchleins auch von allen Freunden einer guten und gut jüdischen Predigt mit Interesse begrüßt werden. Es sind Reden eines geübten Predigers, die uns dasselbe bietet. Diesen Eindruck gewinnt man schon aus der 1. Rede, welche in anmutiger Weise dartut, wie „die wahre Freiheit" des Israeliten in seinem Bewußtsein, Träger der auf Sinai geoffenbarten Religion zu sein, liegt, und die an eben diesem Bewußsein zunächst den für sein Bekenntnis trotz vielen Ungemachs immer noch begeisterten Juden des Mittelalters und dann den zumeist indifferenten der Gegenwart prüft. Von einer musterhaften Disposition zeugt die 2. R e d e „Gedenke, daß du ein Knecht gewesen in Egypten und der Ewige, dein Gott, dich befreit hat". Einleitung, Ausführung und Schluß stehen hier im Verhältnis schönster Harmonie zu einander. Vermöge des logischen Aufbaues bildet jeder Teil, obwohl für sich abgerundet, doch die natürliche Voraussetzung des nächsten, so daß dem Hörer oder Leser mit dem Ende ein einheitliches Ganze vor der Seele schwebt. Dazu trägt auch die fließende Sprache bei, sowie die Fertigkeit des Verfassers, bei Vermeidung aller Umschweife und leerer Phrasen sachlich aufs Thema einzugehen und dasselbe zu vertiefen. Von gleichen Vorzügen ist die 3. Rede „Glaube und Wunder", welche die moderne, wenn auch nicht

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