Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 74 Dr. Dlocd's MocvenscvrM. Nr. 8 Lösung der Tempelbaufrage geschritten werde, da eine weitere Verzögerung, mit Rücksicht auf den Zustand des jetzigen Tempels, unmöglich geworden und die Glaubensgenossen der beiden Bezirke auf die Erstehung eines den Bedürfnissen dieser beiden Bezirke genügenden würdigen Gotteshauses dringen. Delegierter Herr Seligmann versichert, in dem an den Kultusvorstand zu erstattenden Berichte über die heutige Generalversammlung die Wünsche und Beschwerde! des Vereines zur Kenntnis zu bringen; er bedauere jedoch, daß der Vorstand der Kultusgemeinde nicht ein Mitglied seines Vorstandes zur Generalversammlung entsendet habe, welches in der Lage wäre, die Wünsche des Vereines im Schoße der Kultusgemeinde zum Ausdrucke und zur Geltung zu bringen. Herr Seligmann verspricht, seine gesammelten Erfahrungen im Falle des Tempelbaues dem Vereine zur Verfügung zu stellen. In der konstituierenden Sitzung am 26. Jänner d. I. wurden die bisherigen Funktionäre und zwar: Herr Adolf Hofmann zum Obmanne, Herr kaiserl. Rat Adolf Lichtblau zum Obmann- Stellvertreter, Herr Franz Frankl zum Schriftführer. Herr Sigmund Wiesner zum Kaffier wiedergewählt, Herr Anton Beck zum Revisor neugewählt. Die Generalversammlung des humanitären Vereines „Die Bruder" fand Donnerstag den 26. v. M. in der Restauration Schwarz statt, zu welcher erschienen waren die Präsidentin des Brigittenauer Frauenvereines Frau Dr. Emilie Weiß, Herr Kultusvorsteher Hermann Eltbogen, der Obmann des Brigittenauer Unterstützungsvereines Herr Adolf Schreiber und viele andere Damen und Herren. Der verdienstvolle Obmann der „Brüder" Herr Heinrich Weiner eröffnete die Versammlung indem er vorerst des Hinscheidens des gewesenen Präsidenten der Kultusgemeinde Heinrich Klinger in wehmütigen Worten gedachte, und erstattete sodann Bericht über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre. Er betonte, daß eine Anzahl von 342 arnren Schulkindern mit guten Schuhen und warmen Winterkleidern versehen wurde, welche Leistung von allen Anwesenden unter großem Beifalle als hervorragend bezeichnet wurde. Sodann wurde über Antrag des Herrn Bäck dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Bei der Neuwahl wurden gewählt die Herren: Heinrich Weiner, Eltbogen, Faltitschek, Grab. Bauer, Jofef Kohn, Pollatschek, Goldner, Leopold Spira. Wünsch, Kaiser, Liebl. Hierauf dankte Herr Josef Kohn in einigen warmen Worten dem Vorsitzenden, welcher durch seine überaus eifrige Tätigkeit als Obmann des Vereines und durch seine große Munifizenz die Erreichung eines so glänzenden Resultates ermöalichte. Sodann brachte Herr Kultusvorsteher Eltbogen die Frage der Zentralisation der Wohltätigkeitsvereine zur Sprache; an der Debatte beteiligten sich Frau Emilie Weiß, Herr Heinrich Weiner und viele Andere. Zum Schlüsse dankte der Vorsitzende den Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen und schloß die Versammlung. Moses Bloch. Zur neunzigsten Wiederkehr seines Geburtstages: 27.Jänner 1905. Von einer dreifachen Krone geschmückt, feierte der um die Wissenschaft des Judentums und des Rabbinenbildungswesen überaus verdiente Vorsitzende des Professorenkollegiums der Budapester Landes-Rabbinenschule, Professor Moses Bloch, die neunzigste Wiederkehr seines Geburtstages. Auf seinem ehrwürdigen Haupte strahlt im milden Glanze wahrer Menschenliebe die Priesterkrone, leuchtet weichin Klarheit und Licht verbreitend die Krone der Wissenschaft und glänzt Verehrung gebietend die Krone des hohen Greisenalters. Wie die Farben des Regenbogens vereinigen sich die Strahlen der drei Kronen zu einer harmonischen, belebenden und erwärmenden Lichtquelle, der der bescheidene Träger unermüdlich aus eigener Kraft stets neue Nahrung zusührt. Nicht leicht ließe sich in den Annalen der Gelehrtengeschichte ein zweites Beispiel dafür finden, daß ein neunzigjähriger Greis mit der an ihm stets bewunderten und einen seiner vielen Ruhmestitel bildenden Klarheit, mit lauter, deutlich vernehmbarer Stimme alltäglich zwei Stunden hindurch streng wissenschaftliche Vorlesungen hält, über eine Disziplin, die die konzentrierteste Aufmerksamkeit und die vollste Sammlung erheischt. In einem Alter, in dem wohl die Meisten nach Ruhe sich sehnen, nach siebenunddreißigjähriger öffentlicher Tätigkeit als Verkünder von Gottes Wort und als vielgesuchter Lehrer der talmudischen Wissensgebiete, erhielt Moses Bloch die Berufung an die neugegründete Budapester Landes-Rabbinenschule, das Schmerzenskind der fortschrittlichen ungarischen Judenheit. Es war eine schr glückliche Wahl, die ewig ein großes Verdienst der maßgebenden leitenden Kreise bilden wird, und eine rühmliche Tat des Berufenen, daß er weder nach rechts noch nach links blickend, sondern einzig und allein von sachlichen Gründen bestimmt dem Rufe Folge leistete. Es galt, einen in allen Lagern als unbestrittene Autorität, als makellosen Charakter, als glaübensfesten Mann anerkannten Gelehrten für die schwierige und wichtige Stelle zu gewinnen. An Moses Bloch fand selbst die böswilligste Nörgelei und Tadelsucht auch nicht das Geringste auszusetzen. Vor seinem umfassenden theologischen Wissen, vor seinem spiegelktaren Charakter, seinem gottergebenen Lebenswandel neigten selbst die Führer des gegnerischen Lagers ehrerbietig die Fahne. Seit dem Jahre 1877 wirkt der den Frieden predigende und den Frieden liebende Mann segensreich, anregend, belehrend, richtung- und beispielgebend an der Landes-Rabbinenschule, heute mit nicht geringerem Eifer als ehedem, und in üngeschwächter Kraft. In etwa hundert vaterländischen und ausländischen jüdischen Gemeinden und an einzelnen theologischen Lehranstalten verkünden seine an dem von ihm geleiteten Institute ausgebildeten Jünger die hehren Lehren der jüdischen Glaubens- und Sittenlehre, verbreiten in Wort und Schrift die Wissenschaft des Judentums und bilden einen sehr beachtenswerten Faktor der Verbreitung und Förderung der nationalen Sprache und Kultur des nationalen Geistes und Fortschrittes. Und wie Moses Bloch als Lehrer anregend und befruchtend wirkt, so entfaltet er bis auf den heutigen Tag eine sehr reiche literarisch-wissenschaftliche Tätigkeit. Neben seinem Hauptwerke (dessen sechsten Band er eben jetzt für die Drucklegung vorbereitet) über „Die Institutionen des Judentums" hat er die verschiedenen Gebiete des mosaisch-talmudischen Rechts im Vergleiche mit den entsprechenden Bestimmungen des römischen Rechts in einer Reihe von Monographien wissenschaftlich bearbeitet und sich dadurch besonders um die vergleichende Rechtswissenschaft in hohem Maße verdient gemacht. Und ebenso wie als Gelehrter erfreut sich der ehrwürdige Jubilar als Mensch allgemeiner Hochachtung und Liebe. Bescheidenheit, Friedensliebe, Milde, Wohltätigkeit, Achtung fremder Ueberzeugung, Heiterkeit und ein gesunder Humor, diese Eigenschaften gehören zu dem reichhaltigen Bestände seiner persönlichen Vorzüge, die es begreiflich machen, daß er an dem heutigen, nur wenigen Lieblingen der Vorsehung gegönnten schönen Festtage von seinen zahlreichen Schülern, Freunden und Verehrern in aufrichtiger Liebe und unwandelbarer Hochachtung begrüßt und gefeiert wird. Möge es ihm gegönnt sein, noch viele Jahre in ungetrübter Geistes- und Körperkraft sich der großen Erfolge seines ernsten Strebens und heilsamen Wirkens zu erfreuen. Welch großer Sympathien und hoher Wertschätzung sich Prof. Moses Bloch in den weitesten Kreisen erfreut, das zeigte sich am Tage, an dem der gelehrte Professor anläßlich seines Jubiläums den Mittelpunkt zahlreicher, inniger Ovationen bildete. Den Reigen der Deputationen eröffnete das vollzählig erschienene Professorenkollegium der Landes-Rabbinenschule, in dessen Namen Professor Dr. Wilhelm Bacher den Vorsitzenden der erwähnten Körperschaft mit einer herzlichen, die hohen Verdienste des Gefeierten um die Wissenschaft des Judentums und die von ihm geleitete Anstalt würdigenden Ansprache begrüßte. Auf diese Deputation folgten die Vertreter der früheren Schüler des Jubilars unter Führung des Professors Dr. Samuel Kraus. Der Redner begrüßte den gefeierten Lehrer mit einer huldigenden Ansprache, in der er die großen Verdienste des Meisters um seine Schüler und um die Wissenschaft des Judentums charakterisierte. Hierauf überreichte er das „Gedenkbuch" („Bmlckkön^v. Bloch Mözes tiszteletöre eletönek kilenczvenedik övfordulöja alkalmäböl kiadjäk tanitvänyai4', Budapest 1905, Singer & Wolfner), einen stattlichen Band, der eine Reihe wissenschaftlicher Abhandlungen in ungarischer und hebräischer Sprache enthält, die fast ausschließlich an die literarische Tätigkeit des Jubilars sich anlehnen. Im Namen der israelitischen Lehrerpräparandie, deren Professorenkollegium vollzählig erschien, begrüßte Herr Direktor B a n o c z i den Jubelgreis, dessen Verdienste er in eloquenter Weise pries. Gleichzeitig überreichte er ihm eine Adresse. Der Sprecher der gegenwärtigen Hörer der Landes-Rabbinenschule, Herr Dr. Aron Schönfeld, gab seinen