Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-03 · 5 (3.2.1905) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021608--14252-3038950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 5 Dr. Dlocb s Mocbens wlft Sette 73 Nachdem die Worte des gefeierten Redners verklungen, setzte sich der imposante Trauerzug zur Familiengruft in Bewegung, jener sinnigen, stilvollen Ruhestätte, die sich Meister Fleischer als sein „ewig Haus" erdacht und erbaut und in welche die sterblichen Ueberreste Regine Fleischer's unter herzlicher Teilnahme aller Anwesenden gebettet wurden. Eine edle Seele ist heimgegangen in das Reich des Friedens; die Erde sei ihr leicht! Generalversammlung des Tempelvereines im VIII. Bezirke, Josefstadt. Montag, am 30. Jänner, 7 Uhr abends, fand im Zeremoniensaale des Tempelgebäudes im Vlll. Bezirke die diesjährige Generalversammlung des Tempelbau- und Tempelvei eines statt. Der Vorsitzende der Generalversammlung Präses des Tempelvereines Herr k. k. Hoflieferant Hermann Beck eröffnete wenige Minuten nach 7 Uhr die Versammlung, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder nnd Käste und richtete insbesondere an den erschienenen Delegierten der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde, den k. f. Baurat Herrn Theodor Ritter v. G o l d s ch m i d t, herzliche Begrüßnngsworte. Er gedachte in ehrender Anerkennung des erst vor wenigen Wochen Heimgegangenen, vielverdienten Präsidenten der Kultnsgemeinde. des kais. Rates Heinrich K l i n g e r. welcher sich auch um den Tempel im VIII Bezirke vielfache Verdienste erworben hat, ferner der im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Vorstandsmitglieder, der sel. Herren Michael Straßer, Abraham Adler und Max Adler, und bittet die Versammlung, sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen zu erheben (Geschieht.) Der Vorsitzende erteilte hierauf dem Schriftführer Herrn Dr. Sigmund Goldberger das Wort zur Erstattung des Tätigkeitsberichtes über das abgelaufene Verwaltnngsjahr des Tempelbauvereines und wurde dessen Bericht mit lebhaftem Beifalle ausgezeichnet. Herr Architekt Jakob Modern, der den Geschäftsbericht des Tempelvereines für das Jahr 1904 zur Kenntnis der Versammlung brachte, fand gleichfalls anerkennende Zustimmung. Herr Architekt Modern konstatierte mit Bedauern, daß der Vereinsrabbiner Herr Doktor B a u e r seitens der Knltusgemeinde noch immer nicht zum Gemeinderabbiner bestellt worden ist, gedachte des bei der heutigen Generalversammlung leider nicht anwesenden Erbauers dieser Gottesstätte, des Kultusvorstehers Architekten Max Fleischer, der hier mit den bescheidensten Mitteln ein Bau- und Meisterwerk geschaffen, welches allzeit dem Judentum und der Stadt Wien zur Ehre und Zierde gereichen wird. Mit dankbaren Worten erwähnte Redner der hochherzigen Förderung, welche Kultusvorsteher Herrn Salo Cohn unserem Bezirkstempel allezeit angedeihen läßt und dem er erst kürzlich wieder eine namhafte Spende znkowmen ließ. Der Vorsitzende Präses Herr Hermann Beck, erteilte dem Obmanne der Finanzkommission Herrn Samuel Steiner das Wort zur Erstattung des Kassaberichtes, welcher zur Kenntnis genommen wurde. Hierauf ergriff der Delegierte der Wiener Kultnsgemeinde Herr k. k. Baurat Ritter von G o l d s ch m i d t das Wort, um für den freundlichen und herzlichen Empfang, den er in dieser Versammlung gefunden, bestens zu danken. Er sei von dem Gehörten vollauf befriedigt und werde dem Kultusvorstande die Wünsche des Tempel- Vereines zur Kenntnis bringen. Er wünsche dem Tempelvereine, der auf eine so erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken kann, auch eine glückliche Zukunft, die er ihm angesichts der der heutigen Versammlung anwohnenden — wenn er so sagen dürfe — Dynastie Beck, von welcher drei Generationen, Vater, Sohn und Enkel, gleichzeitig in der Tempelverwaltnng Ehrenstellen bekleiden, wohl Voraussagen kann. Was die Amtierung der Vereinsteinpelftniktioiiäre bei Leichenbegängnissen anbelangt, führte Knltusvorsteher R. v. Goldschmidt weiters ans, so kann er der Versammlung die Mitteilung machen, daß dieses Thema im Kultusvorstande in mehreren Sitzungen beraten wurde und daß in allernächster Zeit die'e Angelegenheit zu Aller Zufriedenheit erledigt sein werde. Was aber die Ernennung des Vereinsrabbiners zum Gemeinderabbiner betrifft, so bat Herr R. v. Goldschmidt, die Sache mit der nötigen Ruhe und Reserve zu behandeln. Es werde auch hierin — wenn auch nicht in allernächster Zeit — eine Aenderung geschaffen werden, doch sei es nicht der Vlll. Bezirk allein, der mit diesem Ansinnen an den keineswegs beneidenswerten Kultusvorstand herantritt. Die Ausführungen des k. k. Baurates Ritter von Goldschmidt .wurden mit lebhaftestem Beifalle aufgenommen. Sodann dankte Herr Rabbiner Dr. Bauer, im Namen des Tempelvereines dem Delegierten der Kultnsgemeinde für seine warmen Worte, wie auch für die gegebenen Anregungen und schloß mit der Bitte, so wie Jethro nach Hanse ging nnd dort für das Schöne und Gute, das er bei den Israeliten gesehen. Propaganda machte, so möge auch der geehrte Herr Delegierte, bei der löblichen Kultnsgememde, von den edlen Bestrebungen des Vereines erzählen, die ja nur darauf gerichtet sind, den Ruhm und das Ansehen der ganzen Wiener jüdischen Gemeinde zu mehren und zu erhöhen. Zum Schluffe ergriff nochmals Herr Dr. Sigmund Goldberger daS Wort, um im Namen des gesammten Tempelvorstandes den Antrag zu stellen, den Senior Herrn Wilhelm Beck zum Ehreu-Beirat zu ernennen, welcher Antrag von der Versammlung mit stürmischem, lautem Beifall aufgenommen wurde. Nachdem noch von einem Mitgliede der Antrag gestellt wurde, mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde von dem Wahlmodus, der Stimmzettelabgabe und des Skrutiniums, abzusehen, die vorgelegte Kandidatenliste en bloe anzunehmen und auch dieser Antrag einstimmige Annahme fand, schloß der Vorsitzende Präses Herr Hermann Beck um ’/j. 10 Uhr die Versammlung. Wien. Der israelitische Frauen-Wohltätigkeits-Verein für den I V. und V. Bezirk versendet folgenden Ausruf: Alljährlich, wenn wir unserem Humanitären Zwecke, wie Beteilung 50 armer Schulkinder mit Winterkleidern, Unterstützung von Wöchnerinnen und sonstigen wahrhaft Armen, entsprochen haben, sind unsere Barmittel zumeist derart erschöpft, daß uns das überaus traurige Gefühl beschleicht, als müßten wir unsere über drei Dezennien ausgeübte humanitäre Tätigkeit beendigen, da die Einkünfte aus den Jahresbeiträgen der Vereinsmitglieder und aus sporadisch einlangenden Spenden nicht mehr ausreichen, die an uns gestellten Bittgesuche erfüllen zu können. Unsere bisherige Zuflucht bestand nun seit Jahren darin, eine Festlichkeit — Ball mit Akademie — zu arrangieren, wodurch wir, an den Wohltätigkeitssinn großherziger Menschen appellierend, auch stets in die glückliche Lage kamen, ein günstiges Erträgnis zu erreichen. In den letzten Jahren jedoch haben aber die Unkosten derartiger Festlichkeiten rnehr als die Hälfte der Einahmen verschlungen, weshalb wir für 19n5, mit Rücksicht aus die fich noch höher gestaltenden Auslagen und mit Rücksicht darauf, daß unsere Leiterin dieser Arrangements, unsere unvergeßliche Vizeprüsidentin Frau Charlotte Lichtblau vor kurzem leider ans dem Leben schied, von einem Feste absehen und an unsere edlen Wohltäter mit der Bitte herantreten, uns eine kleine Spende widmen zu wollen, damit wir unser gottgefälliges Werk wie bisher fvrtsetzen können. Wir hoffen zuversichtlich, nicht ohne Erfolg an den Edelmut und die Munifizenz in Würdigung unserer Humanitären Tendenz unsere Bitte gerichtet zu haben und zeichnen mit dem Ausdrucke der vor.üglichsten Hochachtung der Vorstand: Trebitsch Amalie, Präsidentin, I., Augustengasse 3; Bamberger Emma, Vizeprüsidentin, V., Schönbrunuerstrcffe 26; Blaßkopf Anna, VI., Mariahilserftraße 89; Drach Irma, IV., Theresianumgasse 2 i>; Drexler Rosa, IV., Heumühlgasse 4; Hofmann Karoline, V., Schönbrunnerstraße 99; Simon Sara, V., Margarethenstraße 87: Spitz Rosa, V., Wehrgasse 3: Ullmann Amalie, IV., Heugasse 4: Walter Eugenie, V., Diehlgasse 19; Weiß Emma, I V., Hechtengasse 3; Kaiserl. Rat Adolf Lichtblau, Beirat, V., Wienstraße 12. Generalversammlung des Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk vom 22. Jänner d. I. Obmann Adolf Hofmann begrüßt die erschienenen Ehrengäste und Mitglieder, darunter die Herren Karl Seligmann, Obmann des Tempelvereines Favoriten als Delegierter der israel. Kultusgemeinde, Jacob Straßberg, Obmann der Schulsektion im X. Bezirk, und gedenkt der im abgelausenen Vereinsjahre verstorbenen Mitglieder der Herren Jacob Fischer, dessen Gattin nnd Söhne eine Stiftung von X 1000. errichteten, deren Zinsen alljährlich am Sterbetage an arme Israeliten des V. Bezirkes zur Verleitung gelangen, des Herrn Siegmund Simon, dessen Erben K 6l 0.— für wohltätige Zwecke deur Vorstande übergaben, des Herrn Gutmann Rieß und des Architetten Herrn Siegniund Schneider. Er gedenkt außerdem des Ablebens des um das Wiener Judentum hochverdienten ehemaligen Präsidenten Herrn kaiserlichen Rat Heinrich Klinger, welcher dem Tempelvercine ein treuer Freund und Gönner war, und endlich des Ablebens der Frau Charlotte Lichtblau, Vizepräsident»! des mit unserem Tempelvereine eng befreundeten Israelitischen Franenwohltätigkeitsvereines im IV. und V. Bezirke, der Gattin unseres Obmannstellvertreters Herrn kaiserl. Rat Adolf Lichtblau, einer durch ihren Wohltätigkeitssinn ausgezeichneten Frau, deren Verlust von zahlreichen Armen der beiden Bezirke und Allen, die die Verstorbene gekannt, tief betrauert wird. Mitgliederzahl und Vermögensverhältnisse des Vereines blieben unverändert Tie hieraus vorgenommenen Neu- und Ersatzwahlen ergaben folgendes Resultat: Wiedergewählt die Herren : Leo Diamant, Jacob Herlinger, Arnold Selka. Neugewählt die Herren: Dr. Gustav Abeles, Anton Beck, Ignatz Fischer, Dr. B. Singer, Ignatz Taußik. Zu Revisoren : Die Herren Jacob Friedberg und Leopold Löwy. Obmann Hosmann begrüßt die Neugewählten auf das Herzlichste und teilt mir, daß nunmehr mit aller Entschiedenheit an die seit Jahren schwebende

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.