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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-03 · 5 (3.2.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Mocb's MocbenscvrM. Leite 71 f) Vorberatung aller jener Angelegenheiten, welche der Verbandsversammlung zu unterbreiten sind (Tätigkeitsl ericht, Voranschlag, Rechnungsabschluß u. a.); g) Beschlußfassung über Vereinbarungen und Verträge, die Anstellung der erforderlichen Hilfskräfte, sowie die Geldgebarung im Rahmen des Voranschlages. II. Die Bezirks-Armenkommissionen. Für den Sprengel einer jeden der neun Bezirkskommissionen der Kultusgemeinde wird eine Bezirks-Armenkommission gebildet. Es bestehen sonach neun Bezirks-Armenkommissionen. Mitglieder je einer Bezirks-Armenkommission und Armenpfleger bezw. Armenpflegerinnen sind: 1. Kraft ihres Amtes: a) die Gemeinderabbiner, welche im Sprengel der Bezirks- Armenkommission ihren Amtssitz haben; d) die Mitglieder der territorial zugehörigen Bezirkskommission der Kultusgemeinde; e) die Vorstandsmitglieder der verbandsangehörigen Institutionen, welche im Sprengel der Bezirks-Armenkommission ihren Sitz Haben. 2. Zufolge Bestellung durch die Zentral-Armenkommission über Vorschlag der Bezirks-Armenkommission: Personen, welche der Kategorie 1 nicht angehören und eine besondere Eignung für die Funktionen des Armenpflegers besitzen. Hiebei ist vorzugsweise auf die Heranziehung von Personen, welche dem ärztlichen oder dem Lehrerstande angehören, Bedacht zu nehmen. Die Bezirks-Armenkommission konstituiert sich durch die Berufung eines Obmannes, zweier Obmann-Stellvertreter und zweier Schriftführer. Als Obmann der Bezirks-Armenkommission füngiert der jeweilige Obmann der Bezirkskommission der Kultusgemeinde. Die Obmann-Stellvertreter und die Schriftführer werden von den Mitgliedern der Bezirks-Armenkommission aus ihrer Mitte gewählt. Die Bezirks-Armenkommissionen halten allmonatlich einmal an einem festgesetzten Tage, und zwar vierzehn Tage vor der Sitzung der Zentral-Armenkommission, in einem bestimmten Amtslokale ihres Bezirkes ihre Sitzungen ab. Agenden der Bezirks-Armenkommissionen sind: a) Besprechung des Armenwesens des Bezirkes im allgemeinen und Beschlußfassung über diesfalls an die Zentral-Armenkommission zu leitende Anregungen und Anträge; b) Erörterung der von der Zentral-ArMenkommission erlassenen Normativbestimmungen und Direktiven; e) Einteilung des Sprengels der Bezirks-Armenkommission in Rayons, für welche je eine in denselben befindliche, verbandsangehörige Institution als Bezirks-Auskunfts- und Hilfsstelle zu fungieren hat; d) Zuweisung der Armenpfleger und Armenpflegerinnen der Bezirks-Armenkommission als Recherchenten an die einzelnen Bezirks-Auskunfts- und Hilfsstellen; s) Besprechung konkreter Unterstützungsfälle auf Grund der Berichte der mit denselben befaßten Armenpfleger bezw. Armenpflegerinnen behufs Erzielung eines Einverständnisses über Mittel und Wege, durch welche im einzelnen Falle Hilfe geschaffen werden soll, einerseits, sowie zwecks Erhaltung der gemeinsamen Grundsätze des Unterstützungswesens und Verwertung der Kenntnisse der einzelnen Armenpfleger hinsichtlich der persönlichen und örtlichen Verhältnisse in speziellen Unterstützungsfällen andererseits. (Schluß folgt.) Oesterreichisch-Jsraelitische Union. Montag den 30. v. M. fand unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Dr. Moriz Ascher eine Plenarversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen U n i o n" statt. Der Vorsitzende begrüßt die Erschienenen, insbesondere den Reichsratsabgeordneten Dr. Ofner, Gemeinderat Dr. Hein, ferner die Mitglieder des Kultusvorstandes kais. Rat Leopold Sachs, Baurat Stiaßny, Architekt Marmorek, Bezirksschulrat Dr. Spitzer und Salo Landau, ferner die Rabbinnen Dr. Feucht w a n g, Dr. G e l b h a u s und Dr. K a m i n k a, und teilt mit, daß in einer durch den Beirat verstärkten Vorstandssitzung der „Union" der Beschluß gefaßt wurde, im Schoße des Vereines eine Kommission für Kultusgemeindeangelegenheiten zu konstituieren, welche für die Durchführung des bei den letzten Kultusgemeinde- Wahlen vom vereinigten Zentral Wahlkomitee aufgestellten Wahl- Pro g r a m m e s zu sorgen und A n r e g u n g e n, W ü n s ch e und Beschwerden, welche sich aus die Kultusgemeinde beziehen, entgegenzunehmen habe. (Beifall.) Redner betont schließlich die Notwendigkeit der Aussprache über die jüngsten Ereignisse in Europa, speziell in Ungarn und Rußland, welche auch für das Judentum höchstwahrscheinlich einen Markstein bilden dürsten, und erteilt dem Referenten Herrn Siegfried Fleischer das Wort. Der Referent bemerkt einleitend, daß die heutige Versammlung in einem welthistorischen Augenblicke einberufen wurde, in welchem mächtige, als unerschütterlich geltende Werte, wie die dualistische Grundlage der Monarchie und das Bollwerk der Reaktion in Europa, der ruffische Zarismus, ins Wanken geraten find. Redner bespricht sodann den Kabinetswechsel in Cisleithanien. Er charakterisiert zunächst den bisherigen Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber als eine Persönlichkeit, welcher jeder ehrlich und gerecht denkende Mensch seine vollste Sympathie entgegenbringen müsse. Herr v. Koerber sei ein wohlwollender, entgegenkommender und gerechter Mann. Wenn es Herr Dr. v. Koerber, gleich seinen Vorgängern seit dem Ministerium Taaffe, auch nicht gelungen sei, eine politische Mission zu erfüllen und das Parlament arbeitsfähig zu machen, so habe er doch in der Verwaltung neue Bahnen gelegt und gewiesen, welche von seinen Nachfolgern nicht leicht werden verlassen werden können. (Beifall.) Herr Dr. v. Koerber habe auch die Beschwerden der Juden in vollem Maße gewürdigt und Abhilfe geschaffen. Referent geht zur Charakterisierung des neuen Ministerpräsidenten Dr. Freiherrn von Gautsch über, von dem er hervorhebt, daß er gewiß nicht antisemitischer Gesinnung sei, da er seinerzeit den Hetzverein ..Xaroüni obrami", der die Prager Judenexzesse inzseniert hat, auslöste und den Abgeordneten Schneider verhinderte, eine Hetzrede gegen die Inden zu halten. Er werde gewiß korrekt das Gesetz handhaben. Die Bestrebungen des Baron Gautsch, das Parlament wieder arbeitsfähig zu machen, müssen die Juden mit aller Kraft unterstützen, weil der Konstitutionalismus die Basis ihrer staatsbürgerlichen Rechte bildet. Allerdings hänge die Arbeitsfähigkeit von dem Ausgleich zwischen Deutschen und Czechen ab, zu dessen Abschluß die gegenwärtigen Parteien aber nicht fähig sind, weil sie nur Klassen- und Jnteressenvertreter sind. Der nationale Friede werde nur durch die Heranziehung der breiten Massen des Volkes im Wege des allgemeinen Wahlrechtes erreicht werden. Die Stellung der Juden werde von der Kraft und Einsicht abhängen, mit welcher sie auch fernerhin ihre staatsbürgerlichen Rechte verteidigen und an der Spitze aller fortschrittlichen und freiheitlichen Bewegungen stehen werden. (Lebhafter Beifall.) Reichsratsabgeordneter Dr. O s n e r betont, daß die Juden nur im Anschlüsse an die freiheitsliebende Arbeiterschaft ihre politische und wirtschaftliche Existenz sichern können. Redner bespricht eingehend die grundstürzenden Vorgänge in Ungarn und die freiheitliche Bewegung in Rußland, welche die Hoffnung auf bessere Zustände in ganz Europa erwecke. Wenn die Sonne der Freiheit irgendwo ausgehe, werde von ihrem Abglanz die ganze Welt erleuchtet. (Anhaltender Beifall.) Es sprachen noch die Herren Dr. W e i s e n g r ü n und Dr. K a d i s ch vom jüdisch-nationalen, Dr. P i e k a r s k i vom zionistischen Standpunkte, ferner die Herren Rosenzweig, T e w e l e s, Redakteur Kraus und S a x, worauf nach einem kurzen Schlußworte des Referenten die anregende Versammlung in vorgerückter Stunde geschlossen wurde.

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