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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-03 · 5 (3.2.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 68 Dr. Dlocb's Mocbenscbrm. Nr. 8 Dr. Leopold Herzel (Brody), Rabbiner Dr. Armand Kaminka (Wien), Prof. M. Kanitz (Wien), Prof. Dr. M. Kurrein (Teplitz), Prof. Dr. Alexander Kisch (Prag), — die beiden letztgenannten als Delegierte des Rabbiner-Verbandes für Böhmen — Rabb. Dr. Ludwig Lazarus (Göding), Rabbiner Dr. Samuel Mühsam (Graz), Prof. Dr. Heinrich Pollak (Wien), Rabbiner Doktor I. Rabbinowicz (Mähr.-Weißkirchen), Prof. Dr. Heinrich Redifch (Brünn), Oberrabbiner Dr. M. Rosenfcld (Czernorvitz), Rabb.iner Dr. M. Rofenmann (Wien), Prof. Dr. M. Schorr (Lemberg), Rabbiner Dr. Jakob Spira (Mähr.-Ostrau), Rabbiner Doktor- Markus Steiner (Bielitz), Rabbiner Dr. A. Tänzer (Hohenems) und Prof. Dr. Adolf Weiß (Wien). Die meisten der genannten Herren haben ihre Teilnahme an diesen Beratungen in Aussicht gestellt. Es steht dem Unterzeichneten als Teilnehmer an dieser Versammlung nicht zu, über die einzelnen Herren oder über ihre Gesamtheit ein Urteil abzugebcn, allein die öffentliche Meinung im weitesten Sinne wird die Wahl derselben zweifellos mit Befriedigung aufnehmen und es darf angenommen werden, daß die Bürgschaft für eine sachkundige und auch sachliche, ernste Beratung der zu erörternden Fragen gegeben ist. Wohl hätte diese Versammlung noch um eine große Zahl hervorragender Gelehrten und Pädagogen bereichert werden können, — an solchen fehlt es, gottlob, in unserem Vaterlande noch nicht — allein erfahrungsgemäß sind sehr große Versammlungen sehr schwierig zu handhaben, und so mußte denn hauptsächlich auf die Mitwirkung aktiver Schulmänner und solcher, die eine langjährige Erfahrung hinter sich haben, gesehen werden. Da jedoch die meisten Teilnehmer nur für einen sehr kurzen Aufenthalt nach Wien kommen können, andererseits auch ein längerer Aufenthalt für jeden mit großen Kosten verbunden wäre, so mußte der Ausschuß des Religionslehrerverbandes dafür sorgen, daß ein Substrat für die Verhandlungen vorliege, und hat einen Entwurf für einen gcmeinsanien Lehrplan und der zu demselben nötigen Instruktionen vorbereitet, welcher den Teilnehmern der Versammlung im Laufe der nächsten Woche zugehen wird. Dieser Entwurf ist das Ergebnis langwieriger, eingehender Beratungen des Ausschusses und kann mindestens die Eignung in Anspruch nehmen, als Leitfaden für die Verhandlung zu dienen. Damit soll der Initiative der Teilnehmer keineswegs ein Hindernis in den Weg gelegt werden, wie auch der vom Ausschuß vorgelegte Entwurf nicht saus pdrass angenommen werden muß, sondern es soll durch die Vorlage desselben nur eine uferlose Debatte vermieden und die Auftncrksamkeit auf die Hauptaufgabe der Versammlung gelenkt werden. Amendements werden zur Abstimmung gebracht und wenn sie die Zustimmung der Mehrzahl finden sollten, angenommen werden. Die Bedeutung des einheitlichen Lehrplanes liegt im Wesentlichen darin, daß über die Ziele und Aufgaben des Religionsunterrichtes an den Mittelschulen eine einheitliche Auffaffung vorherrschen muß. Dies war bisher keineswegs der Fall. Zweifellos wird es aber bei dieser Versammlung möglich sein, durch sachliche Erörterung die darüber bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu vereinigen. Bisher war ein einheitlicher Vorgang aus dem Grunde nicht zu erzielen, weil Einzelne sich an die bestehenden Lehrpläne nicht hielten und weil in den Provinzstädten der Religionslehrer, der zugleich der Rabbiner ist, fich selbst den Lehrplan gegeben hat und daher auch in sich allein das „Maß aller Dinge" gesehen hat. Dabei konnte es nicht fehlen, daß jeder sein Steckenpferd ritt und seine Lieblingsthemen für ein unerläßliches Bedürfnis der Schüler ansah. Dies soll nun anders werden. Jetzt soll jeder seine Freiheit freiwillig beschränken und sich der Gesamtheit unterordnen, die dann die von ihr geschaffene Einrichtung unter der Kontrolle der Behörde stellt, die dadurch auch eine richtige Vorstellung von dem Wesen des israelitischen Religionsunterrichtes empfangen soll. Die Ordnung und Regelung des Religionsunterrichtes bedeutet aber auch die Hebung seines Ansehens und seines Einflusses, wie auch die Hebung des Ansehens der Religionslehrer. Aber der einheitliche Lehrplan ist auch eine bedeutende Wohltat für die studierende Jugend, welche meist im Falle der Uebersiedlung in die mißliche Lage kam, infolge der Ungleichheit der Lehrpläne dem Unterrichte an der neuen Anstalt nicht folgen zu können und Einbuße in ihrem Fortgange zu erleiden. Zweifellos wird die bevorstehende Versammlung von Schulmännern auch auf die Wünsche der Elternkreise Bedacht zu nehnien haben und die ständigen Klagen, die über die Belastung der Schüler durch den Religionsunterricht laut werden, nicht überhören dürfen. Man darf wohl überzeugt sein, daß alle ernsten und pflichttreuen Berufsgenossen mit ganzem Herzen bereit sein werden, alle möglichen und ausführbaren Erleichterungen zu schaffen, welche mit dem Zwecke des Religionsunterrichtes vereinbar sind. Es darf aber nicht verkannt werden, daß manche dieser Wünsche nicht durch den Lehrplan zu befriedigen sind, sondern durch die Vervollkommnung der Methode des Unterrichtes sowie durch die Schaffung geeigneter Lehrbücher, an denen es noch immer mangelt. Da jedenfalls die Wiener Schuljugend ein. gutes Drittel der ganzen israelitischen Schuljugend an den Mittelschulen Oesterreichs darstellt, so wird wohl auch auf die recht schwierigen Verhältnisse des Wiener Religionsunterrichtes Rücksicht genommen werden müssen. Allerdings muß schon jetzt ausgesprochen werden, daß,' falls die ausgesprochenen oder auch nicht ausgesprochenen Wünsche aus manchen Laienkreisen auf die Abschaffung des Hebräischen abzielen, ihnen für jetzt wohl und für absehbare Zeit die Erfüllung versagt bleiben dürfte. Die Unentbehrlichkeit der Kenntnis des Pentateuchs und des Gebetes im Urtexte dürfte kaum einer Meinungsverschiedenheit in den Religionslehrerkreisen begegnen. Hingegen sind alle Faktoren eifrigst bemüht, nach einem solchen didaktischen Vorgänge zu suchen, welcher der Jugend über die nicht zu leugnenden Schwierigkeiten liebevoll und wohlwollend hinweghilft. Sollte es gelingen, eine Einigung der nächstinteressierten Fachkreise her.beizuführen, so wird es dann die Aufgabe des Verbandes sein> mit den Gemeinden in Fühlung zu treten und sie um ähre Mitwirkung zu bitten. Und so. rrffen..wir denn dieser Versammlung den aufrichtigen Glückwunsch zu: Zflach ur’chaw al d’war emes! Gott gebe das Gelingen! Dr. Adolf Weiß, k. k. Professor. Korrespondenzen. Reform der Wiener jüdischen Armenpflege. In einer vom Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern einberufenen und unter dessen Vorsitz tagenden Versammlung der Wiener jüdischen Wohltätigkeits- und Humanitäts-Vereine und -Anstalten, welche am 30. Jänner l. I. im Sitzungssaale der Kultusgemeinde stattfand, erstattete Herr kaiserl. Rat Med. Dr. S. K o h n ein Referat, betreffend die Reform der Wiener jüdischen Armenpflege, dessen beachtenswerte Ausführungen von der Versammlung mit großem Interesse beifällig entgegengenommen wurden. An dieses Referat knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, an welcher sich beteiligten: die Damen Frau Rosa Z i f f e r e r, Präsidentin des „Frauenhort", Frau Berta K o h n, Präsidentin des Leopoldstädter Frauen-Wohltätigkeits-Vereines und Kaiserin Elisabeth Lehrmädchenhortes, Frau Marie B a r a n y, Frau Dr. Frischa u e r, Frau Katharina K o h n, Frau Amalie Beck, Präsidentin des Frauen-Vereines Josefstadt und des Rekonvaleszentenheimes für jüdische Frauen; ferner die Herren kaiserl. Rat Wilhelm A n n i n g e r, Doktor Schorstein (Baronin Hirsch-Wohltätigkeits-Stiftung), Al. Schreiber (Brigittenauer israelitischer Unterstützungsverein), Simon B u ch w a l d (Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten), Dr. Carl L ö w y (Naehlath Jeschumn), Oberfinanzrat Dr. Rappaport, Dr. Ascher (Baron Hirsch-Schulstiftung), Rabbiner Dr. David, Sigmund Kaud ers, Regierungsrat Dr. Schlag, Dr. Winternitz und Dr. Winter. Die Versammlung sprach sich dahin aus, es möge ein aus den Vertretern der beteiligten Faktoren bestehendes Komitee die im Referate des Herrn kaiserl. Rates

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