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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-03 · 5 (3.2.1905) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Llocb's MocvenscbrM. Teile 67 Vermitteln in gutem Glauben eine Stellung, und dann hat der empfohlene jüdische Stellungsuchende außer dem Nicht-Engagement noch manche kränkende Bemerkung zu erleiden. Das alles kann nur durch jüdische Arbeitsnachweise vermieden werden. Vielleicht ist die irrige Anschauung verbreitet, als wenn jüdische Arbeitsnachweise nur und ausschließlich zwischen jüdischen Stellungsuchenden und jüdischen Arbeitgebern vermitteln. Dem ist keineswegs so, vielmehr werden auch manchem christlichen Arbeitgeber jüdische Bewerber mit Erfolg zugeführt. In solchen Fällen aber hat sich der jüdische Arbeitsnachweis vorher darüber erkundigt, welche Geschäftsprinzipien dort giltig sind; so werden viele jüdische Bewerber vor Zeitverlust und Kränkung bewahrt. Häufig sind auch schon größere Firmen durch Empfehlungen seitens des jüdischen Arbeitsnachweises von ihren früheren Vorurteilen gegen jüdisches Personal befreit worden. Wie sehr ein einmal bestehender Arbeitsnachweis zum Bedürfnis werden kann, zeigt das Beispiel von Berlin. Während 1896 überhaupt nur 661 Personen untergebracht wurden, ist diese Zahl im Jahre 1902 auf 1687 in dauernden und 474 in vorübergehenden Beschäftigungen gestiegen, gleich 53"/« aller Bewerber, im Jahre 1903 waren es bereits 2400 (1189 vorübergehend) gleich 63°/o aller Bewerber; zu gleicher Zeit stieg die Zahl der angemeldeten Vakanzen von 2404 auf 3386, ein deutliches Zeichen, daß in den Kreisen der jüdischen Arbeitgeber das Interesse und die Sympathie für diese Institution in stetigem Wachsen begriffen ist. Und in der Tat, es sind nicht nur die jüdischen Stellungsuchenden, die unter den heutigen Verhältnissen zu leiden haben und daher durch Einrichtung jüdischer Arbeitsnachweise eine erhebliche Förderung erfahren würden, auch die jüdischen Arbeitgeber werden in immer stärkerem Maße die Einrichtung solcher Institute mit Freuden begrüßen. Auch ihnen muß sehr daran gelegen sein, zuverlässiges Personal zugewiesen zu erhalten, und ein solches finden sie im allgemeinen unter jüdischen Bewerbern doch am leichtesten. Sind die unerträglichen Verhältnisse doch schon so weit gediehen, daß viele jüdische Firmen neben ihrem christlichen Personal gar keine jüdischen Angestellten halten können, ja in einem besonderen Falle soll sogar das gesamte Personal einer jüdischen Firma einen Verein mit antisemitischer Tendenz gegründet haben. Da ist es doch wirklich an der Zeit, daß jüdische Chefs sich mehr auf ihre eigene Würde — und ihren eigenen Vorteil besinnen. Von vielen Seiten wird der Errichtung jüdischer Arbeitsnachweise entgegengetreten mit dem Hinweis darauf, daß es ja schon in Deutschland in verschiedenen Städten solche gegeben habe, die aber zum größten Teil eingegangen seien oder ein kümmerliches Dasein fristeten. Die Tatsache kann nicht bestritten werden, wohl aber die Schlußfolgerung, daß deshalb das Prinzip als solches ein verfehltes sei. Weshalb sind manche jüdische Arbeitsnachweise wieder eingegangen? Um diese Frage beantworten zu können, muß man ihre Entstehungsart und Tätigkeit kennen. Sie waren hervorgegangen aus philanthropischen Erwägungen und geleitet von Männern, die, im Erwerbsleben stehend, zumeist nur wenig Zeit für die notwendige intensive Arbeitsleistung besaßen, die für ein solches Amt unbedingt erforderlich ist. Es soll hiermit in keiner Weise auch nur ein leisester Vorwurf erhoben werden gegen jene Männer, die sich in bester Absicht und mit freudigem Wollen dem Arbeitsnachweis widmeten. Aber man kann nicht, — wenn es sich nicht gerade um eklatante Ausnahmefälle handelt, wie zum Beispiel in Berlin — von einem Manne im Ehrenamt die volle Erfüllung einer solchen zeitraubenden Ausgabe verlangen, zumal die früheren Arbeitsnachweise meist von vornherein groß angelegt wurden und so sehr bald die Leistungskräfte eines Privatmannes überstiegen. Mehr noch als durch diese innere Schwierigkeit aber wurde die Entwicklung der Arbeitsnachweise gehemmt dadurch, daß sie, wohl nach dem Muster des Berliner Arbeitsnachweises aber nicht in Zusammenhang mit ihm begründet waren. Hierin lag von vornherein für die meisten der Keim des Todes. Wie konnte denn auch ein einfacher lokaler Arbeitsnachweis in einer Provinzialstadt bestehen? Wie selten wird es der Fall sein, das;, rvenn sich eine gute Vakanz in einer deutschen Klein- und Mittelstadt findet, gerade dort auch die geeignete Kraft für diesen Posten vorhanden ist. Und wie soll dann einer solcher isolierter Arbeitsnachweise imstande sein, ans einer nahe gelegenen Gemeinde einen passenden Bewerber heranzuziehen, oder im llmgekehrten Fall den Bewerber, den er selbst am Platze hat, nach einer anderen Stadt dirigieren können, wo eine geeignete Stellung für ihn offen ist. Ein lokaler Arbeitsnachweis kann stets nur die am Platze vorhandenen Vakanzen besetzen, einen wirklichen Ausgleich von Angebot und Nachfrage über die Grenzen des Ortes hinaus vermag er nicht zu erreichen. Diese notgedrnngene Beschränkung aus die lokalen Berhältnisse ist es weil mehr als die personelle Frage, die die bisherigen Arbeitsnachweise nicht hat zur Blüte kommen lassen. Darum gilt es,'möglichst zahlreiche Arbeitsnachweise und, wo diese nicht lohnend sein sollten, Stellenvermittlungen einzurichten, die alle mit einander durch eine Zentrale in Verbindung stehen. In erster Linie kommen für die Einrichtung von Arbeitsnachweisen die jüdischen Gemeinden selbst in Betracht. Sie haben ein ständiges Bureau mit eingearbeiteten Kräften zur Verfügung, während ein solches sollst erst neu errichtet werden muß. Das Gemeindebureau kann mit Leichtigkeit den Nachweis seiner Tätigkeit eingliedern. Aber nicht nur, daß die Gemeinden voll vornherein hierfür prädestiniert erscheinen, es muß geradezu als ihre sittliche Pflicht angesehen werden, hier helfend einzugreisen; sind sie doch in vorderster Reihe berufen, für die wirtschaftliche Stärkung und Kräftigung der Judenheit Sorge zu tragen. Und auch in ihrem ganz lokalen Interesse liegt es, diesem Werke näher zu treten, da sie in hervorragendem Maße ihren eigenen Etat verringern würden. Je schneller die Gemeinde notleidenden Stellungsuchenden ein Einkommen verschafft, um so weniger werden ihre Woltätigkeitssonds in Anspruch genommen lverden. Aus dieser Erkenntnis heraus subventioniert die jüdische Gemeinde zu Berlin in der Tat den dortigen Arbeitsnachweis mit 2000 Mark jährlich. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebuud hat seit Jahren bereits diesem Problem seine Aufmerksamkeit zugewandt. Nicht nur, daß er selbst mit Erfolg in zahlreichen Fällen versucht hat, eine Vermittlung zu erzielen, hat er auch stets die Gemeinden auf die ihnen obliegende Pflicht verwiesen. Möge der Appell des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes nicht ungehört verklingen, mögen in zahlreichen Gemeinden Arbeitsnachweise, resp. Stellenvermittlungen errichtet werden! _ Der einheitliche Lehrplan für den Religionsnnterricht an Mittelschulen. lieber eine vom Ausschüsse des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen ausgehende Anregung tritt am 13. Februar d. I. 9 Uhr vormittag in der Religionsschule der Wiener Kultnsgemeinde eine <zachmännerkommission zusammen, welche über einen einheitlichen Lehrplan für den Religionsunterricht an Mitreftchulen schlüssig werden soll. Dieser Fachmännerkommission werden folgende Herren angehören: Rabbiner Dr. Moriz Bauer «Wien), Isidor Bernseld (Stryj), Dr. I. S. Bloch (Wien), Pros. Tr. Biach (Brüx), Rabbiner Dr. U. Brettholz (Triest), Pros. Tr. Adolf Büchler (Wien), Rabbiner Dr. Jecheskiel Caro (Lemberg), Rabbiner Dr. H. David (Wien-, Rabbiner Tr. David Feuchlwang (Wien), Rabbiner Dr. S. Funk ftBoskowitz), Professor Dr. Leopold Goldhammer (Wien), Rabbiner Dr. Leopold Goldschmied (Proßnitz), Pros. David Graubart (Wien), Professor Dr. Max Grünfeld (Brünn), Dr. B. Hausner (Lemberg), Pros.

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