Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Dr. Mocb's Mocbenscbritt. Seite 51 Nicht, ganz derselben Ansicht ist bedauerlicherweise das „Deutsche Volksblatt", dessen Philosophie sich doch einigermaßen von der des großen Friedrich unterscheidet. Das Blatt hat eine geradezu niederschmetternde Entdeckung gemacht und bringt seine Enthüllung triumphirend der entsetzten Mitwelt zur Kenntnis. Einem Generalversammlungsberichte des Arbeiter-Bildungsvereines „Bildungshort" entnimmt es die erschreckende Tatsache, daß die Liste des neugewählten Ausschusses, höre es, arme und betrogene Welt, nicht weniger als vierzehn jüdische Namen ausweist. „Hast mir ä Bildung!" fügt das „Deutsche Volksblatt" mit attischer Feinheit hinzu. Wir wollen nicht untersuchen, ob man sich auf die jüdischen Namen unbedingt verlassen kann. Es gibt so manchen Gesinnungsgenossen Herrn Vergani's mit echt jüdischem Namen und es gibt unter diesen auch solche mit ganz unverfänglichen Namen, die trotzdem unverfälschte Juden sind. Wir wollen aber annehmen, daß hier Verlaß aus die Namen sei und daß wir es wirklich mit vierzehn Juden zu tun haben. Was folgt daraus? Ist es denn wirklich so schmachvoll, wenn jüdische Arbeiter ein Bildungsstreben bekunden und wenn sie sich innerhalb der großen Arbeiterschaft in diesem Bestreben so hervortun, daß man ihrer gleich vierzehn in den Ausschuß wählt? Man sollte meinen, daß das ein Ehrenzeugnis für sie sei; nach dem „Deutschen Volksblatt" ist es eine Schande. Sollten sie lieber in den Wirtshäusern sitzen und den Offenbarungen Herrn Bielohlawek's und anderer Apostel der großen Meister Lueger und Liechtenstein lauschen? Wir haben nicht die ausschweifende Phantasie, uns vorzustellen, daß das Herrn Vergani recht wäre. Sein Geschäft ist es einfach, Alles für schlecht zu finden, was die Juden auch tun oder lassen mögen. Und dieses Geschäft nährt seinen Mann. Whig. Der russische Kriegsstiefel. Der Herr Reichsrats- und Landtagsabgeordnete Ernst Schneider ist bekanntlich ein begeisterter Nagaika- und Knutenschwärmer. Wenn wir nicht irren, hat er selbst schon den heiligen Boden des „Väterchens Zar" betreten. Selbstverständlich muß so ein Russenschwärmer auch des heiligen russischen Reiches Einrichtungen, dessen Armee, Armeclieferungen u. s. w. glorifizieren. Hören wir aber, was sogar ein russisches Blatt, der „Wolyn",über den — Kriegs st iefel berichtet: Die Kiewer Intendantur hatte die Lieferung von 30.000 Filzstiefeln ausgeschrieben. Diese Lieferung übernahm der — Polizeimeister von Schitomir, Naswetow, zum Preise von 5 Rubeln 50 Kopeken für das Paar. Naswetow, der offenbar ein spekulativer Kopf war, trat den Auftrag an den Kaufmann R. in Berditschew für 4 Rubeln 25 Kopeken für das Paar ab und dieser wiederum gab den Regierungsauftrag um 3 Rubeln 25 Kopeken für das Paar an eine Anzahl kleiner Handwerker weiter. Der erste Unternehmer hatte somit einen Reingewinn von 30.750 Rubeln, der Kaufmann einen von 30.000 Rubeln erzielt, ohne das Geringste zur Lieferung beigetragen zu haben. Welcher Art die schließlich gelieferten Stiefel sind, das erzählt uns ein Bericht, den wir im „Russk. Wjed." finden: „Die im Kiew'schen Gouvernement angefertigten Stiefel — so heißt es dort — sind von einer ganz „eigenartigen Qualität". Man kann den Wert eines solchen „Kriegsstiefels" darnach beurteilen, ob er, wenn man ihn gegen einen harten Gegenstand schlägt; auf der Stelle in Stücke zerfällt oder nicht. Auch Damenstiefel älterer Jahrgänge sind in größeren Quantitäten untergeschoben worden. Bis zum 19. Dezember waren überhaupt nur 16.600 Paar fertig; davon sind aber nur 8900 Paar von der Intendantur empfangen worden. Der Rest war absolut unbrauchbar. Die Zwischenlage der Doppelsohle bestand vielfach aus Papier. Ein besonders geriebener Schuster hatte sogar Stiefelsohlen aus Pappe genäht. Andere hatten statt Pechdraht gewöhnliches Garn genommen. Auch so manches Marterwerkzeug fand sich unter diesen Stiefeln, dem man gut und gern das Epirheton „spanisch" hätte geben können: das waren solche, die an der Innenseite der Sohle nichtabgefeilte Nägel trugen. Die Schuldigen taten immer, als sei ihnen nicht bekannt gewesen, welches die Anforderungen der Intendantur seien. Ein „Unternehmer" bot in der Kanzlei der Intendantur einen Rabatt von acht Kopeken für das Paar an „zum Besten des Hilfskomitees". In Wahrheit müssen die armen Soldaten den Rabatt für die Schundware zahlen und zwar mit ihrer Gesundheit. Aber das kümmert die ehrenwerten Herren Tschinowniki und ihre Helfershelfer wenig. ..." Warum wir All' dies hier anfiihren? Nun einfach deshalb, weil Herr Schneider in seiner dreifachen Eigenschaft als Land- und Reichsbote, sowie als Delegierter mit Vorliebe sein Leibpferd von jüdischen Armeelieferanten in Oesterreich herumtummelt und sogar angeblich von Juden gelieferte, s ch w i n d e l h a f t e S ch u h e in diesen K ö r p e r f cha f t e n ad ocnlos den nicht-antisemitischen Delegierten demonstriert. Und darum haben wir ihm den russischen Kriegsstiefel unter die Nase gehalten. Herr „Jwri". Von Professor Dr. Bi ach. Rabbiner in Brüx. Ein sogenannter Herr „Jwri" — ob er auch Jbri versteht, wissen wir nicht — liebt es, in der in Berlin erscheinenden „Allgemeinen Zeitung des Judentums" unter der Marke „Brief aus Oesterreich" die Pose des wahrhaften und unerschrockenen Propheten anzunehmen und seinen Spott über die österreichischen Vorstände, Gemeinden und Rabbiner anszugießen. Wir kennen Herrn „Jlvri" nicht und vermögen daher nicht zu behaupten, ob er die Wahrheitsliebe der Propheten besitzt oder ob er den falschen Propheten gleicht, welche ideale Interessen vorschützen und hiebei nur an das eigene Interesse denken und in einer kleineren oder größeren Jntrigue gar nichts Verachtenswertes finden. In der letzten Numrner fühlt sich Herr „Jwri" veranlaßt, eine Anregung, die ich am 2. Dezember in der „Oesterreichischen Wochenschrift" anläßlich des 700jährigen Todestages des Maimonides gab, zum Gegenstand seiner Spottlust zu machen. Ich machte damals darauf aufmerksam, daß man tagtäglich von Vorbereitungen zur Schiller-Feier lese, daß man aber von Vorbereitungen zur Maimonides-Feier gar nichts höre. Ich machte ferner darauf aufmerksam, daß wir billige Volksschriften brauchen, welche wissenschaftlich und zu gleicher Zeit populär sind, um die Kenntnis der jüdischen Literatur in die großen Massen zu tragen. Ferner bemerkte ich zum Schluffe: „"Auch sollte meiner Anschauung nach der Sabbath, der dem 20. Tebeth folgt, der Sabbath Schemos in allen Gemeinden zum Anlasse genommen werden, Maimonides in besonderen Gedenkreden zu feiern." Diese Anregung veröffentlichte ich erst am 2. Dezember, weil bis dahin für das große Publikum von keiner anderen Seite aufmerksam gemacht worden war, und zwar in der „Oesterreichischen Wochenschrift", weil diese zu den verbreitetsten jüdischen Zeitungen gehört. Ter sogenannte Herr „Jwri" findet aber nur Worte des Spottes über diese Anregung und schreibt hierüber: „In einer in Wien erscheinenden Wochenschrift machte der Rabbiner einer kleinen (!) Gemeinde auf diesen Todes- und Gedenktag aufmerksam. Für diejenigen, die sich mit jüdischer Wissenschaft beschäftigen, war dies unnötig. Auch der Vorschlag, des großen Denkers in der Predigt sich zu erinnern, scheint uns kleinlich. (!) Dies kann mit Leichtigkeit geschehen." Ich frage Sie, Herr Jwri: Ist Ihnen bekannt, daß Brüx — von Prag und den Vororten abgesehen — unter den 200 Kultusgemeinden Böhmens die siebent- oder achtgrößte Gemeinde ist? Ja oder nein? Wenn ja, so gehört eine Unverfrorenheit dazu, mich in spöttischer Absicht als „Rabbiner einer kleinen Gemeinde" zu bezeichnen. Wenn nein,' so haben Sie auch nicht das Recht, über Verhältnisse Bericht zu erstatten, die Sie nicht kennen. Ich frage Sie, Herr Jwri: Ist Ihnen bekannt, daß die „Oesterreichische Wochenschrift" nicht bloß von Gelehrten, sondern auch von vielen Tausenden von Laien gelesen wird?