Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 3 (20.1.1905)
- Date
- 1905-01-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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-Zte^r^t!*l6:C*atm£.T3axaL2MaGi Sette 42 Dr. Dlocb's MocbenscbrlN. Nr. 8 Sie haben der Trauer um den Verewigten durch Erheben von den Sitzen Ausdruck gegeben und Sie sind gewiß damit einverstanden, daß diese Trauerkundgebung nicht bloß dem Protokolle einvcrleibt, sondern daß dieselbe auch als erste Kundgebung im Schoße der Gemeinde der tiefgebeugten Familie sofort zur Kenntnis gebracht werde. Hieraus wird in die Tagesordnung eingegangen und die Konstituierung der Bezirkskommissionen vorgenommen. Gewählt erscheinen- I. Bezirk:. Obmann: Dr. Leopold Kohn; Obmann- Stellvertreter: S. Heit; Schriftführer: Dr. Jakob Löwinger. II. u. XX. Bezirk: Obmann: Adolf Schramek; Obmann-Stellvertreter: Markus Bondi; Schriftftührer: Dr. Josef Winternitz. HI. u. XI. Bezirk: Obmann: Dr. Jakob Ornstein; Obmann-Stellvertreter: Osias Juer; Schriftführer: Adolf Unger. iY., V. it. X. Bezirk: Obmann: Adolf Lichtblau; Obmann-Stellvertreter: Karl Seligmann; Schriftführer: Franz Frankl. VI. u. VI5. Bezirk: Obmann: Dr. Jakob Engel; Obmann-Stellvertreter: S. Steiner; Schriftführer: Leo Bauer. VIII. 11. IX. Bezirk: Obmann: Donat Zifferer; Obmann-Stellvertreter: Gottlieb Bettelheim; Schriftführer: Jakob Modern. Bezirke XII.—XV.: Obmann; Samuel Mor; Obmann- Stellvertreter: Alexander Hecht; Schriftführer: Anton Pick. XV*. ii. XV. J. Bezirk: Obmann: Leopold Trebit^ch: Obmann-Stellvertreter: Moriz Pick; Schriftführer: Sigm. Schickler. XVIII. II. XIX. Bezirk: Obmann: Anton Korctz: Obmann-Stellvertreter: Dr. Ignaz Winter; Schriftführer: Ignaz Katz. Der Schwindel des Antisemitismus offenbart sich, so schreibt die „Arb.-Ztg." in schöner Dentlichkeit an der Tischleraussperrung. Hier verrückt gewordener Unternehmerhochmut, dort mahtvolle Solidarität der Arbeiter, em Kampf, bei dem von Klassengegensatz und sonst von nichts die Rede sein kann. Aber was ein richtiger Christlich-Sozialer ist, der entdeckt dieQuelle des Nebels überall im Inden. So schimpfte das „Deutsche Volksblatt" ani Sonntag wütend gegen den „Inden Sandor Jaray", der an der Spitze der Majorität der Tischlermeister steht, die an der hirnverbrannten Aussperrung nicht tcilnehmen wollen. „Der Jude ist eben der Schädiger eines jeden Gewerbes", schreibt Vergani. In der nächsten Spalte aber druckt er die Namen von ein paar großen Firmen ab. die an der Aussperrung teilnehmen, und siehe da, wer wird unter den ersten genannt? Herr Siegmund Jaray, der nicht so vernünftig nnd nicht so anständig wle sein Bruder Sandor ist und den aussichtslosen Erpressungsversuch der Herren Müller und Jedlicka untmacht. Ist dieser Jude nicht auch der „Schädiger eines jeden Gewerbes"? Antisemitismus, wirst du vor Siegmund Jaray- Jeitteles, wie Vergani den Namen des Bruders schreibt, plötzlich blind? Uebrigens gäbe es noch eine hübsche Anzahl schwerer Juden unter den Bundesgenoffen des Herrn Jedlicka. Freilich, Namen wie Israel Pattak nehmen sich als christlichsoziale Bundesgenossen nicht ganz hübsch aus. Das Schönste aber an der Haltung der Christlich- Sozialen ist eine Zuschrift des Herrn Spalowsky, des Obmannes des Verbandes der christlichen Tischler gehilfen. Herr Spalowsky wiederholt in seiner Zuschrift alle Erwägungen der Vernunft, die die sozialdemokratische Gehilfenschaft schon früher oft ausgesprochen hat. Zur Widerlegung seiner Parteigenossen Jedlicka, Müller rc. rc. erklärt Herr Spalowsky: Wenn die Meister verlangen, daß in der Werkstätte gearbeitet werden soll, so wird ihnen das kein vernünftiger Arbeiter Lbelnehmen; das Verhalten des Arbeiters aber außer oer Betriebsstätte „regeln" zu wollen, das war den Juden und Judenfrcnnden Vorbehalten, die in der Meistervereinignng den Ton angaben. Also auch an der erprefferischen Anssperrung sind die «Juden und Judenfreunde" schuld! Jetzt soll sich ein Leser des „Deutsct.en Volksblattes" auskennen. Auf der einen Seite sind die Juden „Verderber des Gewerbes", weil sie nicht aussperren, auf der nächsten Seite sind wieder die Juden an der ganzen Aussperrung schuld. Lächerlichere Widersprüche sind wohl selten hart nebeneinander in einer Nummer eines Blattes gestanden! Aber ist die Verwirrung und Verlogenheit weiter zu verwundern? Die Christlich-Sozialen sind die unbedingte Partei der gemeinsten christlich,n und jüdischen Ausbeuter geworden, in jedem ernsten, wirklichen Kampf zeigt sich das. Die paar bisher gefoppten christlichen-sozialen Arbeiter können in solchen ernsten Stunden, wo die Masken fallen, erkennen, in welches Lager sie naturgemäß gehören! Prag. (Gedächtnisfeier für Dr. Moritz L i ch t e n st e r n.) Die Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreiches Böhmen hat am 8. d. M. eine der Ehrung des Andenkens ihres am 21. Dezember 1904 verstorbenen langjährigen verdienstvollen Obmannes des Herrn Dr. Moritz Lichtenstern gewidmete außerordentliche Sitzung abgehalten. Der Obmann-Stellvertreter der Repräsentanz Herr JUDr. Sachsl, Advokat in Chrudim, pries in einer ergreifenden tiefempfundenen Trauerrede die hervorragenden Verdienste, welche sich der Verblichene während seiner mehr als 30jährigen aufopferungsvollen Tätigkeit an der Spitze der Repräsentanz um diese erworben, für die er noch über das Grab hinaus seine warme Sympathien bekundete, indem er die Verwaltung namhafter, von ihm letztwillig errichteter Stiftungen in ihre Hände legte. Mit Worten innigsten Dankes für Alles, was Herr Dr. Lichtenstern für die Repräsentanz getan und geschaffen, und mit dem Gelöbnisse, in seinem Geiste und Sinne weiter wirken zu wollen, schloß Herr Dr. Sachsl seine von den Versammelten in tiefer Ergriffenheit angehörte Rede, worauf die Sitzung geschlossen wurde. (Das alte jüdische Rathaus.) Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat sich an den Stadtrat mit dem Ansuchen um Erhaltung des alten jüdischen Rathauses gewendet, welches ein architektonisches Denkmal und ein paffendes Seitenstück der denkwürdigen Alt-Neu-Synagoge ist. Die Angelegenheit wird den Gegenstand einer Verhandlung mit den Vertretern der Kultusgemeinde bilden. Auch wird ein Gutachten von Fachmännern eingeholt werden. Olmütz. Der hiesige israelitische Frauenverein veröffentlicht soeben seinen Jahresbericht für das Jahr 1904. Dem Berichte ist zu entnehmen, daß die dem Vereine gewidmeten Spenden und Beiträge die Höhe von K 6426 13 erreichten und durch die erhöhten Anforderungen an den Verein ein Abgang gegen das Vorjahr von X 288 32 resultiert. Das Vereinsvermögen beträgt derzeit 22.388 22. An Unterstützungen wurden im abgelaufenen Vereinsjahre ausgegeben: An 30 Arme mit monatlichen Unterstützungen per X 2024, an 100 Arme mit temporären Unterstützungen X 1950, an 6 sieche Frauen K 750, an Ausstattung für 2 Bräute X 100, an Kurkosten für 6 Frauen K 260, für Ausbildung von 5 Mädchen zu Näherinnen und Komptoiristinnen X 290, für einen Gymnasiasten Iv 100, für einen Lehrling X 60, weiters wurden 28 arme Schulkinder mit einem Kostenaufwande von X 642'13 mit vollständigen Winterkleidern ausgestattet. Die Zahl der Vereinsmitglieder beträgt 343. Die Vereinsleitung, an deren Spitze die Damen Sofie Zweig und Sofie Kaufmann stehen, spricht in dem Berichte allen Förderern des Vereines den innigsten Dank aus und bittet dieselben, dem Vereine auch fernerhin ihre Gunst zu bewahren. Mährisch-Ostrau Unter dem Vorsitze seines Begrü dcrs und Obmannes, des Herrn Advokaten Dr. Max Beer, hielt am I I. dieses Monats der hiesige Beth-Hamidrasch-Verein seine vierte Generalversammlung ab. Hierbei wurden der Obmann, sowie sämtliche Herren des Ausschusses: Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Spira, der Kultusprösident Dr. Alois Hilf, I. U. Dr. Hermann Fuchs, Oberingcnieur Heinrich Berger, Nordbahnbeamter Josef Adler. Kaufmann Bernhard Krieger und Sekretär Robert Kläger wiedergewählt, lieber Anstichen des Kassiers wurden die Herren Jonas Levy und Lehrer Ferdinand Kraus zu Revisoren neu ernannt. — Wer den Niedergang vieler jüdischer Gemeinden Mährens nnd die Zunahme an religiösem Jndifferentismus in manchen Orten dieses Landes nicht gleichgültig ansieht, der wird es mit Freude begrüßen, daß es in unserer mächtig aufblühenden Kultusgemeinde an Männern nicht fehlt, die nicht nur selbst moderne Bildung mit jüdischem Wissen vereinigen und eines religiösen Wandels sich befleißigen, sondern auch unablässig bemüht sind, lezakkoth etb barabbim, den Geist des Judentums in seinen Bekennern zu wecken und ihnen die Kenntnis seines erhabenen Schrifttums zu vermitteln. Von solchen Bestrebungen ist auch unser Verein getragen Er scheut daher weder Mühe noch Kosten, um während der Winterabende Vorträge für Alt und Jung abhalten zu lassen, und einen Lesesaal, in dem mehrere jüdische Zeitschriften anfliegen, sowie eine Leihbibliothek mit entsprechenden belletnsti'chen und wissenschaftlichen Werken Interessenten zur Verfügung stellen zu können. Herr Rabb. Dr. Spira liest je einmal wöchentlich vor Erwachsenen Bibel im Urtext mit Kommentaren, wie Raschi, Jbn-Esra, Malbim u. a. Ebenfalls einmal in der Woche hält Herr Dr. R. Faerber aus Witkowitz vor den Mittelschülern Vorlesungen über biblische Texte,