Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 3 (20.1.1905)
- Date
- 1905-01-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 3 Dr. Bloitz's Wochenschrift. Seite 41 Es folgte sodann die Rede des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern. Und es ist ein Jahr her — gerade in diesen Tagen — daß Du aus dem Kreise des Vorstandes unserer Gemeinde, dessen Mitglieder tief erschüttert hier Deine Bahre umstehen, schiedest. In rührenden, ergreifenden Worten beklagtest Du es, daß Dein Leiden Dir ferner nicht gestatte, dem hohen, verantwortungsvollen Amte, zu welchem wir einhellig Dich berufen hatten und in welchem wir einhellig Dich ach! so gerne erhalten hätten, vorzustehen. Als Führer der Gemeinde bezeichnetest Du in Deinem Abschiedsschreiben die Wahrung des Ansehens und der Würde des Vorstandes, die Wahrung des Friedens in unserer Gemeinde als die Leitsterne Deines Handelns. Goldene Worte, quellend aus edelster Seele. Goldene Worte, welche unter Deinem Bilde prangen mögen, das die Stätte Deines langjährigen Wirkens, unseren Beratungssaal, schmücken wird. Und weiter zurückgreifend ersteht in mir die Erinnerung an jenen Vorabend unseres Neujahrsfestes, an den Tag, an dem Du das 70. Lebensjahr überschrittest, und ich, auch ein Siebzigjähriger, das Glück und die Freude hatte, Dir, dem verehrten Freunde, dem verehrten, geliebten Oberhaupte unserer Gemeinde, den Dank des Gesamtvorstandes für Dein unermüdlich segensvolles Wirken zum Ausdrucke zu bringen und Dir im Bilde vorzuführen die großen schönen Werke, die unter Deinem Präsidium ausgestaltet worden waren: Das monumentale Gotteshaus, die Siechenanstalt, das Krankenhaus. Und so wird in mir lebendig die Erinnerung an eine fast zwei Dezennien währende gemeinsame Tätigkeit, bei welcher wir in den anzustrebenden Zielen uns zusammensanden und mit der gleichen Liebe, mit dem gleichen Enthusiasmus, mit der gleichen Hingebung diesen Zielen znstrebten: Wahrung des Ansehens und der Würde des Vorstandes, Wahrung des Friedens in unserer Gemeinde, welche als die größte in unserem Vaterlande allen anderen voranleuchten möge. Äla nanmer, ma netlaber! Wie finde ich das Wort, wo ist es zu finden, das vollen Ausdruck geben könnte unserem innigen, herzlichen Danke an Dich für die gute Saat, d e Du gesäet, für den Segen, den Du geschaffen, für die warme, wohlwollende Anteilnahme, die Du allem Guten und Edlen, allen unseren gemeinnützigen Anstalten, den zahllosen Hilfsbedürftigen, die sich an Dich wandten, entgegengebracht hast, für die gewissenhafte Führung Deines Amtes, für das wohlwollende, freundliche Entgegenkommen, welches wir, die Mitglieder des Vorstandes und die der Beamtenschaft, stets bei Dir fanden. Wie vermag ich Ausdruck zu geben unserem heißen Schmerze, der tiefen Trauer, die uns Alle umfängt, nun da wir von Dir für immer scheiden! Ewel kowecl seh! Dieses Bibelwort schwebte mir vor, als wir, um Dir eine letzte Ehre zu erzeigen, Dir dort in jener Straße das Geleite gaben. Ewel kowed seh! Eine schwere, tiefe Trauer, tiefes Herzleid faßt' mich an, mich, Deinen treuen Freund und Verwandten, und uns Alle hier, die wir Dich nun zu Deiner letzten Ruhestätte geleiten. Dein Andenken ist und bleibt gesegnet für alle Zeiten! Im Namen der Familie sprach Kommerzialrat Hans Schulhof: „Alle, guter Onkel Heinrich, die zu Deiner Familie sich zählen, wollen Dir durch meinen Mund zum letztenmale danken und Dir noch einmal sagen, was Du ihnen warst und was sie durch Dich geworden sind. Wir wollen Dir danken dafür, daß wir uns emporranken durften an der Lauterkeit Deines Charakters, an dem Glanz Deines Lebens. Du warst uns ein treuer Führer, weithin sichtbar und stets hoch anfgerichtet, uns in allen Lagen des Lebens die Wege weisend der Rechtschaffenheit und der Ehre. Und deshalb wird die dankerfüllte Erinnerung an Deine edle Gestalt in unserem Herzen fortleben und uns wie ein Gelöbnis sein, auf den von Dir gewiesenen Pfaden zu wandeln, in Deinem Sinne zu leben und zu wirken. Und damit, teurer Onkel, nehmen wir von Dir Abschied, und rufen Dir aus tiefbewegtem Herzen zu: „Ruhe sanft!" Im Namen der Angestellten der Firma sprach der Prokurist Kommerzialrat Otto Adler: Teuerster unvergeßlicher Chef! In der großen Zahl der Leidtragenden, welche Dir zu Deiner letzten Ruhestätte das Geleite gegeben und deren Sprecher in beredten Worten Deiner edlen Eigenschaften gedacht, möge es auch mir gestattet sein, namens der Beamten der Firma unseren innigsten Gefühlen Ausdruck zu geben. Schwer wird mir wohl diese Ausgabe — gilt es doch, Abschied zu nehmen für immer von einem Chef, wie Du uns einer gewesen! — Du warst uns eben weit mehr! — — — — — Tiefbewegt umstehen wir nun Dein Grab, denn wir betrauern mit Deinem Hinscheiden den Verlust eines fürsorglichen Vaters, dessen allbekannte Güte und edle Menschenfreundlichkeit immer schirmend über uns gewesen. Jeder, der bei der Firma tätig war, konnte nach des Tages Mühen, der Sorgen frei, sein Haupt zur Ruhe legen, denn seine Existenz war gesichert. Vielen von uns ward es ermöglicht, unter der Aegyde Deines Hauses einen glücklichen Familienstand zu begründen, und so mancher aus unserer Reihe hat bei dem hochherzigen Chef Trost und Ausrichtung gesunden, wenn des Lebens Arbeitskraft erlahmte, oder sonst Schicksalsschläge sich einstellten. Innig verknüpft war und bleibt daher unser Schicksal mit dem Deines Hauses, und in unserem weiteren Wirken bei der Firma möge uns Dein edles und tatenreiches Leben stets als leuchtendes Vorbild dienen. So geloben wir denn in dieser ernstesten Stunde der Trauer, in welcher wir von Dir für immer Abschied nehmen, daß wir unentwegt weiter schreiten werden in den Bahnen, in welchen Du mit seltenem Geiste uns geführt, treu Deinem Sinne, alle geeinigt durch die Zusammengehörigkeit und Anhänglichkeit an die Firma und die Erben Deines Hauses. So lebe wohl für immer; — immer aber wirst Du unvergeßlich in unserer Erinnerung bleiben, denn Dein Angedenken ist umstrahlt von dem Glanze einer verklärten Menschenseele, die hienieden nur im Guten gewirkt." Der Sarg wurde dann bis zur letzten Ruhestätte geleitet, an der Oberkantor G u t t m a n n mit dem von Professor Joseph S u l z e r dirigierten Chorpersonal einen Trauerchor zum Vortrage brachte, woraus die irdischen Ueberreste Heinrich Klinger's in das Grab gesenkt wurden. Israelitische Kultusgemeinde Wien. (Konstituierung der Bezirkskommissionen) Bei der Donnerstag den 12. Jänner 1905 stattgehabten konstituierenden Sitzung sämtlicher Kultus-Bezirkskommissiouen hielt der Vorsitzende Präsident Dr. Alfred Stern folgende Ansprache: Bevor wir zur Tagesordnung übergehen, geziemt es sich, eines erschütternden Ereignisses zu gedenken, des heute erfolgten Ablebens des vormaligen Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn kais. Rat Heinrich Klinger. Die Erinnerung an diesen edlen, vortrefflichen Menschen wird besonders hier an der Stätte seiner nahezu zwei Dezennien währenden Tätigkeit als Kultusvorstand, seiner sechsjährigen Wirksamkeit als Präsident wachgerufen, sie wird besonders lebhaft angesichts dieser Versammlung. Unter dem Vielen, Vielen, das er zum Wohle der Kultusgemeinde geschaffen, ist auch die Institution der Bestrkskommissionen, deren Gründung trotz manchen Widerstandes im Vorstande selbst seiner Tatkraft zu danken ist. Wenngleich andauernde Krankheit ihn vor Jahresfrist zwang, aus dem Vorstande auszuscheiden, empfinden wir doch tief und unmittelbar die Schwere des Verlustes, den unsere Gemeinde erlitten hat.