Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 3 (20.1.1905)
- Date
- 1905-01-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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dir. 3 Dr. Mocb s Mocbens >rm. Seite 43 sowie über hebräische Sprache und Grammatik und leitet die Jugend« zu Uebungen im mündlichen wie schriftlichen Gebrauche des Neuhebrä-8 ischen an. In beiden Kursen ist der Erfolg ein sehr guter, indem die« Beteiligten das regste Interesse entgegenbringen. Außerdem werdenZ jeden Winter einige allgemein zugängliche Vorträge von hiesigen undI auswärtigen Fachleuten über jüdische Geschichte und Literatur veranstaltet, die mit großem Danke vom Publikum entgegengenommen werden. U. a. dielt auf Wunsch des Vorstandes im vergangenen Jahre Herr Dr. Faerber einen Vortrag über „Der Talmud, sein Wesen und seine Bedeutung" und diesmal am 28. passe über „Majmuni", anläßlich dessen 700. Todestages. Herr Rabb. Dr. Spira hatte die Freundlichkeit, einen solchen über „Raschi" für die nächte Zeit in Aussicht?,it stellen. Von Zeit zu Zeit ist es den Vereinsmitgliedern sogar vergönnt, aus dem Munde unseres verehrten Kultuspräsidenten Herrn Dr. Alois Hilf selbst eine ebenso geistreiche wie wissenschaftliche Erklärung der „Völkertafel in der Genesis" oder eines der „Propheten" zu vernehmen. Bei der unermüdlichen Tätigkeit des Obmannes und solch' seltener persönlicher Beihilfe aller Herren des Vorstandes kann es nicht fehlen, daß der Verein, von dessen 108 Mitgliedern — mit der bedauerlichen Ausnahme des Aerztestandes — die besseren und besten Kreise der hiesigen jüdischen Gesellschaft einen wesentlichen Teil bilden, größter Sympathien sich erfreut. Möge er wachsen, blühen und gedeihen! ' D. R. F.7k7 Berlin. Die zweite Generalversammlung der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" hat am 26. Dezember v. I. im Saale des Logenhauses dahier stattgefunden. Weit über hundert Personen waren anlvesend, die Mitglieder zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilt. Der Vorsitzende, Herr Professor Dr. Martin Philippson, gab an der Hand des gedruckt vorliegenden Jahresberichtes ein Bild von den Leistungen und Erfolgen der Gesellschaft. Zum erstenmale sind in diesem Jahre Werke erschienen, die sie herausgibt, so Cohen's, „Ethik und Religionsphilosophie in ihrem Zusammenhang", und Iahuda's Einleitung zu den „Herzenspflichten", dem Hauptwerk des großen mittelalterlichen Religionsphilosophen Bachja ibn Pakuda. Andere Schriften sind in kurzer Zeit zu erwarten, so „das Wesen des Judentums" von Bäck und „Judentum und Christentum" von Eschelbacher. Wie in ihren Leistungen, so ist die Gesellschaft auch in ihrer inneren Entwicklung ein gutes Stück weiter gekommen. Die Mitgliederzahl ist erheblich gestiegen, desgleichen die Summe der Beiträge, und auch zwei große Stiftungen, die im vergangenen Jahre gemacht wurden, erleichtern der Gesellschaft die Erfüllung ihrer Aufgaben. Nach debatteloser Genehmigung des Jahresberichtes wurden die Mitglieder des Ausschusses einstimmig wiedergewählt. Den Schluß der Sitzung bildete ein Vortrag, in welchem Herr Rabbiner Dr. Bloch-Posen „die Kabbala auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung und ihre Meister" zu schildern unternahm. Redner bezeichnete die Kabbala als den Ausdruck ienes tiefen Dranges, in dem das Menschenherz alles Vergängliche als ein Gleichnis einer höheren, ewigen Welt schauen möchte. Er entwarf packende Bilder von Lnria, von Vidal und ihren Schülern. Gegenüber den Angriffen auf die Kabbala wies Redner am Schluß eindringlich darauf hin, wie diese vielverlästerte Geheimlehre einst die Gemüter erhoben, wieviel sie zur Verinnerlichung des Lebens beigetragen hat. Reicher Beifall lohnte Herrn Dr. Bloch's schöne Ausführungen, mit denen die anregende Versammlung ihr Ende fand. Großfürst Sergius von Rußland und die Juden. Wie der Telegraph bereits gemeldet hat, haben die in Rußland hochgehenden Wogen der Freiheitsbewegung einen der erbittertsten und emflußreichsten Freiheitsfeinde in Rußland, den Großfürsten Sergius über Bord gespült. Großfürst Sergius mußte, selbstredend nur aus Gesundheitsrücksichten, seinen einflußreichen Posten als Generalgouverneur von Moskau aufgeben. Mit ihm zugleich wurde auch sein willfähriges Werkzeug, der Moskauer Polizeipräsident Trepow gegangen. Die Moskauer Juden dürfen erleichtert anfatmen, da Großfürst Sergius ein erbitterter Judenhasser war, der die seiner Macht unterstehenden Juden wie selten ein Antisemit gepeinigt hatte. Er war der erste Antisemit, der den Vorschlag eines der Paladine Luegers, ein Schußgeld auf Inden festzusetzen, in die reale Wirklichkeit zu übertragen versucht hat. Noch ging er zwar nicht soweit, auf den Mord eines Juden eine Prämie auszusetzen, aber für den Fang eines Juden Hal en die Organe der Moskauer Polizei wirklich fünf Rubel bekommen. Dies mußte der Kronsrabbiner von Nischni-Nowgorod am eigenen Leibe erfahren. Derselbe reiste von Nischni-Nowgorod nach seinem im Gouvernement Wilna gelegenen Heimatsstädtchen Smargon und mußte bei dieser Gelegenheit einen Tag in Moskau verbleiben, um auf den «Zug zu warten. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, ging er den weiten ^Weg vom Knrskernach dem Brest-Litowsker Bahnhof zu Fuß, wobei : er unterwegs gelegentlich stehen blieb, um sich die Sehenswürdigkeiten Moskaus anznsehen. Plötzlich dröhnte ihm ein donnerndes „Halt!" entgegen. „Halt Jude!" rief ein Mann, der sich ihm als geheimer Polizist legitimierte. „Was machen Sie hier? den Juden ist der Aufenthalt in Moskau verboten!" Der Rabbiner zog sein direkt von Nischni- Nowgorod nach Smargon lautendes Eisenbahnbillet aus der Tasche und erklärte dem Gestrengen, daß er ans den Zug warten müsse und nun die Wartezeit zur Besichtigung der Straßen von Moskau benütze. Der Polizist blieb jedoch unerbittlich und erklärte, daß Juden nicht einmal der Anblick auf Mütterchen Moskau gestattet fei. Rabbiner Steinmann mußte mit auf die Polizei. Unterwegs teilte ihm der Polizist mit, daß er eigentlich die Juden persönlich sehr gern habe. Allein er bekomme für jeden eingebrachten Juden ein Fanggeld von fünf Rubel und so weit ginge seine Liebe zu den Juden nicht, daß er ihretwegen auf einen so hohen Betrag verzichten könnte. . . . Auf der Polizei wurde der Vorfall zu Protokoll genommen, worauf der eingebrachte Jude, nachdem ihm sein Paß abgenomwen wurde, von einem Schutzmann zur Baku gebracht und in den nach Brest gehenden Zug gesitzt wurde. Die Sache hatte noch ein Nachspiel vor dem Smargoner Friedensrichter. Da kein Paragraph des russischen Gesetzbuches den Inden verbietet, Mütterchen Moskau anzusehen, (Darf ja die Katz den Kaiser ansehen!) wurde Rabbiner Steinmann wegen Bannbruchs verklagt und vom Bagatellrichter zu 50 Kopeken Strafe verurteilt. Der Staat, der 50 Kopeken Strafgelder eingeheimst und dafür 5 Rubel Fanggeld bezahlt hatte, hat dabei zwar ein sehr schlechtes Geschäft gemacht, Großfürst Sergius hat jedoch seinen Willen durchgesetzt, indem nunmehr gerichtlich festgestellt wurde, daß einem Juden bei Strafe des Bannbruchs verboten ist, Mütterchen Moskau anzublicken. Aber noch etwas anderes ist durch den aufsehenerregeiideii Prozeß erreicht worden. Die liberale russische Presse schlug ob dieser unerhörten Tyrannei des großfürstlicken Antisemiterich Lärm und erreichte damit, daß Fürst Swiatopolk-Mirski das in Moskau ausgesetzte Fanggeld aufheben ließ. Die Behandlung russischer Rekruten. Eine Anzahl jüdischer Rekruten sandte folgendes Telegramm an den Minister des Innern: „Wir, die Rekruten aus dem Bezirk Kowel, die wir hier in der erdrückenden Lust des Polizeigefängnisses ersticken, bitten Ew. Exzellenz, uns vor Demütigung, Schande und Leiden zu retten. Wir kamen freiwillig, um die geheiligte Bürgerpflicht des Militärdienstes zu erfüllen. Direkt aus dem Raum des Militärausschusses hinweg wurden wir, wie Gefangene, unter bewaffnetem Geleit, zur Polizeistation geschafft. Wir find hier in einem kleinen, düsteren, dunstigen Raum eingeschloffen, der von Ungeziefer verpestet ist, und werden in jeder Beziehung wie verruchte Verbrecher behandelt. Weshalb? Wegen welcher Verbrechen müssen Männer, die zur Verteidigung ihres Vaterlandes herangeholt werden, erst die teuflischen Qualen physischer und moralischer Demütigung durchmachen? Der Vorsitzende des Militärausschusses und der Polizeihauptmann verletzen zum Schaden der jüdischen Rekruten das Gesetz, indem sie unmögliche und unerhörte Dinge verlangen und Gewalttaten gegen die Person begehen. Im Namen des Gesetzes und der Menschlichkeit befehlen Sie unsere Freilassung aus dem Gefängnis und schicken Sie uns unter einen militärischen Befehlshaber." Der Kampf gegen die jüdische Einwanderung. London. Die englische Regierung wird auch in dieser Session wieder die verunglückte Fremdenbill einbringen. Das ist die neueste Mitteilung aus London. Kaum hat sich der Ministerpräsident Balfour von seiner Krankheit erholt, hielt er eine Rede vor der Primelnliga und zog gegen die „unckesirabls aliens“ los und die bösen Liberalen, die in der letzten Tagung den von dem Minister des Innern eingebrachten Gesetzesvorschlag zur Erschwerung der Einwanderung zu Falle gebracht haben. Das genannte Gesetz war dem Wortlaut nach nur auf die unerwünschten Fremden, die aus dem Auslande gegen England kommenden Verbrecher, Notarmen und ansteckenden Kranken gemünzt, aber es war, wie aus den Verhandlungen klar hervorging, nur das dünne Ende des Keils, dessen dickes Ende alle in London seßhaften Ausländer treffen sollte. Im Auge des Mannes in der Straße, zu dem Herr Chamberlain und Herr Balfour sprechen, sind alle Fremden unerwünscht, weil sie ihm, in den Worten der „Daily Mail" und des „Daily Expreß" das Brot aus dem Mund nehmen. Der nichtjüdische Bericht-