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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-01-13 · 2 (13.1.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 20 Dr. Liocb's Mocdenscvrm. N.2 Rom, was nichts Anderes besagen will, als los von dem Kacholizismus. Die große Masse wußte von dem Vorfall nichts und hätte wahrscheinlicherweise auch nie etwas von ihm erfahren. Nun ist aber zu gegenwärtiger Zeit die allgemeine Disposition für Kreuzzüge und was drum und dran hängt, eine sehr günstige, und darum mußte die Konjunktur benützt werden. Die allgemeine Entrüstung konnte zum Faktor werden. Das Aergernis beginnt in den Hintergrund zu treten, und das Hauptgewicht wird nun auf die Forderungen gelegt, die durch das gegebene Aergernis begründet erscheinen sollen. Während in Rußland der Schrei der Millionen nach Freiheit und Konstitution ertönt, wird bei uns zunächst die Einschränkung der Rechte und Freiheiten der Presse gefordert. Damit fängt es gewöhnlich an. und aufhören wird es — darüber kann man ganz ruhig sein, wenn man sich nur halbwegs auf die Psychologie unserer klerikalen Volkstribunen versteht, — bei den Juden. Es ist zwar diesesmal direkt ein judenfeindlicher, ein antisemitischer Klopffechter, der den Anstoß zu der ganzen Bewegung geboten hat, aber der Ausgangspunkt wird sehr bald vergessen sein. Antisemitismus ist an sich ein mildernder Umstand, ihm wird bald und leicht verziehen. Das Bleibende im Wechsel ist aber Haß und Verfolgung der Juden. Die Geschichte ist ungeheuer einfach. Ein Antisemit bezahlt den Frevel und die Juden werden dafür abgestrast und haben das Bad auszugießen. Das ist bei uns die altneue große Bewegung. Whig. Zur zionistischen Bewegung. Ueber den Verlauf und die Ergebnisse der Konferenzen des großen zionistischen Aktionskomitees gab der Vorsitzende dieser Konferenzen, Herr Architekt Oskar Marmore k, einem unserer Mitarbeiter folgende Aufschlüsse: Das Hauptergebnis dieser Konferenz ist, daß sich die zionistischen Führer aus der ganzen Welt wieder verstanden und verständigt haben. So lange wir ferne von einander sind, in aller Welt zerstreut, kommt es vor, daß wir uns nicht verstehen oder mißverstehen. Wenn wir aber Zusammenkommen und von Angesicht zu Angesicht sprechen, unsere Gedanken, Auffassungen, Befürchtungen und Erwartungen austauschen, kommt es immer zu einer Verständigung, und das war auch diesmal der Fall, in jenen Angelegenheiten, welche die zionistische Welt in Atem halten. Die eine dieser Angelegenheiten betrifft O sta f r i k a. Es wurde nach dem strikten Wortlaute des VI. Kongresses die Einberufung eines eigenen Kongresses beschlossen, welcher als außerordentlicher Kongreß sich unmittelbar an den ordentlichen Kongreß.anschließen wird. In diesem eigenen Ostafrika-Kongresse wird der Bericht der Kommission, welche das Land erforscht, vorgelegt werden, und es wird in, hoffentlich gemäßigter, Diskussion erörtert werden, was mit dem Lande zu machen sei, wenn das Ergebnis der Untersuchung dahin lautet, daß sich das Land überhaupt für eine Ansiedlung eignet. Dann wird die zionistische Partei Mittel und Wege zu finden suchen, um aus dem ganzen Judentume eine Körperschaft herauszubilden, welche mit der Exploitierung des von der englischen Regierung großmütig zur Verfügung gestellten Landes für die armen jüdsschen Heimatlosen sich befassen soll. Der Zionismus als solcher hat dann mit der Sache weiter nichts zu tun, denn für diesen gibt es nur ein Streben und ein Ziel: die Gewinnung des heiligen Landes für das jüdische Volk. Die zweite Streitfrage im Leben der zionistischen Partei war die durch den Tod Herzl's notwendig gewordene Neugestaltung der Parteileitung. Hie Zentralisation, hie Dezentralisation, das waren die Losungsworte und hoffentlich wird die gefundene Lösung die Vorteile der beiden Richtungen vereinigen. Es wurde beschlossen, daß das Aktionskomitee, welches auch fürderhin aus 5 Mitgliedern bestehen soll, aus 3 Mitgliedern zusammengesetzt sein soll, welche in einer Stadt wohnen, die der Sitz des Zentralbureaus sein wird, während 2 weitere Mitglieder des engeren Aktionskomitees außerhalb des Sitzes dieser Zentrale wohnen tö, nen. Dadurch wird sich die Gelegenheit er- | geben, daß auch Gesinnungsgenossen, welche außerhalb des Sitzes I der Zentrale wohnen, in die Parteileitung gewählt werden können. | Außerdem hat die Konferenz viel praktische Arbeit geg leistet, insbesonders in Bezug auf verschiedene Gründungen in I Palästina: die einer Farm in Verbindung mit der Kischenewer I Waisenschule, und einer wirtschaftlich-praktischen Versuchsstation I in Palästina. Außerdem konnte man befriedigende Berichte hören 1 über die zionistische Bewegung in-der ganzen Welt, deren stetes I Wachstum und Vertiefung. | Die Wahl des Ortes des nächsten Kongresses ist noch 1 nicht definitiv. Schwierigkeiten technischer Natur — ein ge- I eignetes Lokal — sind vorderhand noch nicht gelöst. Leider wird I das bewährte Kongreßlokal in Basel heuer umgebaut. Aber über I den Zeitpunkt der Tagung des nächsten Kongresses hat man 1 sich dahin geeinigt, daß derselbe am Jahrzeitstage Dr. Herzl's I eröffnet werden soll, d. i. am 27. Juni in einer Stadt der 1 deutschen Schweiz. I Der jüdische Kolonisations-Berein. I Die Beratungen des zionistischen Aktionskomitees haben eine erhebliche Anzahl hervorragender Parteiführer nach Wien gebracht. Eine der vornehmsten und interessantesten Persönlichkeiten unter den fremden Gästen war unstreitig Professor Dr. O. Marburg aus Berlin, der als wissenschaftliche Kapazität ebenso geachtet dasteht, wie er als opferfreudiger Gönner und Förderer allgemein humanitärer und speziell jüdischer Unternehmungen mit Recht verehrt wird. Herr Prof. Marburg benützte seinen Wiener Aufenthalt, um den hier vor wenigen Wochen ins Leben gerufenen Kolonisations-Verein für Palästina und Syrien zur Ausnahme einer zweckentsprechenden Tätigkeit zu animieren, und wir dürfen hoffen, daß gerade diese Intervention won. glücklichem Erfolge begleitet sein wird.. Dieser Verein verfolgt ähnliche Tendenzen wie der Verein „Esra" in Berlin, der ebenfalls die Förderung der Kolonisation der erwähnten Länder zum Ziele hat. Die Bestrebungen beschränken sich indeß nicht auf Bodenkultur allein, welchem Tätigkeitszweige mächtigere Faktoren, wie Baron Rothschild und die „Jca", ihre Fürsorge widmen. Für die Vereine handelt es sich vielmehr darum, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der bereits in Palästina ansäßigen Juden zu heben, und zwar durch Unter- I stützung und Förderung von Handel und Kleingewerbe, durch 1 Einführung einer Kunst- und Hausindustrie, sowie durch Ver- 1 befferung und Vermehrung der bereits bestehenden Kleinindustrie. fl Daß all diese Bestrebungen nicht erfolglos waren und | bereits erfreuliche Resultate aufweisen, lehrt die Tatsache, daß fl sich die Notwendigkeit ergeben hat, für den Vertrieb und den fl Absatz der landwirtschaftlichen und Jndustrieprodukte Palästinas fl im Auslande Vorsorge zu treffen. Dieser Aufgabe will sich die in fl Hamburg neulich gegründete „Palästina-Handels-Gesellschast" fl unterziehen, die, auf streng kommerzieller Basis aufgebaut, der fl Produktion, sowie der ganzen gewerblichen Tätigkeit Palästinas fl durch Zuweisung von lohnenden Absatzgebieten in Europa Vorfl schub leisten wird. fl Daß diese Art von Kolonisationsbestrebungen auch für die jüdische Massenauswanderung aus Galizien von Bedeutung ist, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Wandern doch jährlich so viele Juden aus Galizien auch nach Palästina, und insofern entlasten diese Kolonisations-Vereine indirekt die jüdische Armenpflege in Oesterreich und Ungarn, ebenso wie sie österreichische und ungarische Interessen fördern. Schon von diesem Standpunkte aus ist eine rege Anteilnahme der Juden Oesterreichs und Ungarns an diesen Bestrebungen erforderlich, da sich einerseits unter denPalästinafl Einwanderern und Bewohnern viele aus Oesterreich und Ungarn befinden; anderseits unsere Monarchie schon durch ihre geographische Lage geradezu prädestiniert erscheint, im Handelsverkehr mit dem Orient, speziell mit Syrien und Palästina eine dominierende Stellung einzunehmen.

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