Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-01-06 · 1 (6.1.1905) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021604--14190-3038884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. Blocb’s MocbenscvrM. Sette 15 Nr. 1 ursachte ihm nicht nur großen Gram, sondern brachte über ihn auch schweres Mißgeschick. Israel mußte seine Niederlassung in Regensburg schwer bereuen. Nach dem Tode Anschel's wurde der Rabbi von Brünn zum „I u d e n m e i st e r" erhoben. Aber nun mußte auch er die Wahrheit des Satzes erfahren: Deine Zerstörer und Verwüster sollen aus Deiner Mitte Dir erstehen. Der Klerus von Regensburg verband sich gegen ihn mit drei Juden, welche die Taufe genommen hatten und nun, wie so viele Renegaten des Mittelalters und der späteren Zeit, ihrem Hasse gegen die angestammte Religion freien Lauf ließen. Der erste dieser Apostaten heißt Kalman, er war früher Vvrbeter gewesen. Auf seine Anklagen hin wurde der „Judenmeister" verhaftet, nach dreizehn Tagen wurde er aber wieder „gegen Bürgschaft" aus dem Kerker entlassen. Wenn Kal i.an meinte, man könne gegen die Juden nichts ausrichten, „denn sie und ihr Meister hätten kaiserliche Privilegien", so belehrten ihn die mit ihm verbündeten Geistlichen eines Besseren. Zunächst richteten diese ihr Augenmerk auf des „Judenmeisters" Tochter, die sie gewaltsam zum Christentum zu bekehren beschlossen. Man sieht, es sind die ewig alten und doch wieder so neuen Mittelchen, die gegen das verhaßte Judentum angewendet wurden. Mortara und Araten und andere Beispiele aus unserer erleuchteten Zeit belehren uns, daß bei uns wirklich schon alles dagewesen. Hören wir also, wie die „Nottaufe" bei Mino, Israels von Brünn Tochter, vorgenommen wurde. „Die Sabbathsrau", die im Hause der Tochter des Judenmeisters jeden Samstag „Feuer und Licht bestellte", wurde bei Androhung aller Höllenstrafen veranlaßt, am Sabbathe, beim Anzünden des Feuers das Kleid Mina's' in Flammen zu setzen, und beim Löschen mit Wasser die „Taufformel" auszusprechen. Das geäng.igte Weib tat also, des Judenmeisters Tochter wurde als getauft erklärt und — mehr als 400 Jahre nachher geschah ja ähnliches — ins Kloster gesperrt. Die Verzweiflung des „lebenden Witwers", des Gatten Minas, der Kummer Israels waren grenzenlos. Sie sollten Mina nie Wiedersehen. Israel reiste nach Prag. Vergebens rief er, der geborene Böhme — er war aus Budweis — die Hilfe des Königs an. Er flehte auch um den Schutz des Kaisers — aber die Macht des Klerus war größer als die der Kaiser und Könige. Er kehrte unverrichteter Dinge nach Hause zurück zu seinem in solcher Weise verwitweten Schwiegersöhne, zu seinen mutterlos gewordenen Enkeln. Sein trauriges Geschick rührte sogar den Renegaten Ephraim Kalman. Dieser kehrte zum Glauben seiner Väter wieder zurück, wurde jedoch auf Betreiben des Klerus gefangen genommen, in den Kerker geworfen und endlich 1470 öffentlich ertränkt. Der eine Renegat war tot, ein zweiter mit Namen Wolfram trat gegen Israel auf und bezichtigte ihn der Hostienschändung. „Der Judenmeister" wurde zum zweitenmale verhaftet, zur Folter geschleppt und furchtbar gepeinigt. Da war es der Böhmenkönig Georg von Podiebrad. der dem Rate der Stadt Regensburg den Befehl gab, „den Judenmeister in die Freiheit zu setzen, weil er als des Königs von Böhmen Kammerknecht (ssrvns eamsrarins) nur von seinem rechtmäßigen Herrn gerichtet werden könne." Der Rat der Stadt Regensburg wurde aber von dem aufgewiegelten Volke genötigt, nachdem Israel von Brünn in die Freiheit geletzt worden war, die Untersuchung gegen Wolfram einzuleiten. Doch der Klerus ließ den Renegaten nach Italien entkommen. Dieser setzte seine Verleumdungen gegen die Juden Regensburgs fort und brachte noch viel Unheil über sie. Nun trat 1474 der dritte Apostat gegen Israel von Brünn auf, es war dies Hans Veyo l. Er beschuldigte, wie unser Gewährsmann Joseph Karl von Train bemerkt, den „Judenmeister" des Mordes an einem Christenknaben, den er ihm für 30 Gulden verkauft habe! Man erlaube uns hier eine kleine Abschweifung. Um diese Zeit war es, daß Capistrano, der Franziskanermönch, ungeheures Unglück über die Juden im Osten Deutschlands heraufbeschwor, und im Jahre 1475, also ein Jahr nach den Beschuldigungen Veyol's, klagte der Franziskaner B e r n h a r d i n u s d i e j ü d i s ch e n B e w o h n e r T r i e n t s der Ermordung des d r e i e i nh al b I a h r e a l t e n K n ä b l e i n s S i m o n a n. Wie man sieht, verbreiteten sich diese Anklagen damals wie eine Pest. Doch kehren wir wieder zu Israel zurück. Zum drittenmale wurde der Rabbiner von Brünn in Haft gebracht. Die Mordwnt des Regensburger Pöbels kannte keine Grenzen. Der Schrecken, den Israel ausgestanden, verbunden mit der Furcht vor der grausamen Folter, Entbehrungen und Schlaflosigkeit, die unbeschreibliche Angst, die den frommen Rabbiner ergriffen, dies alles brachte ihn in eine solche Gemütsverfassung, daß er sich fast schon zu der Schreckenstat bekannt hätte, an deren Möglichkeit er nie gedacht. Während ein geistlicher Kapellan ihm heftig' zusetzte, seinen Glauben zu verleugnen, um sich das Diesseits und Jenseits zu retten, öffnete sich die Türe seines Kerkers, und seine beiden Söhne, Menasse und Moses, brachten die frohe Botschaft, durch den Befehl Königs W l a d i s l a w s vom 18. Mürz 1474 und durch das Reskript Kaiser Friedrichs, Mittwoch nach Oculi 1474, sei dem Rate aufgetragen worden, Rabbiner Israel von Brünn, „als des Kaisers unmittelbar untertänigen Knecht, ohne Entgeltnis dessen Leibs und Guts, augenblicklich in Freiheit m setzen." Nun wurde die Untersuchung gegen Veyol ausgenommen. Dieser bekannte endlich, in die Enge getrieben, wie man dies damals so meisterlich verstand, den unschuldigen „Judenmeister" fälschlich angeklagt zu haben. Seine Aussage sei nur Lüge und Verleumdung. Der kaiserliche Spruch, vom Rate der Stadt angerufen, datiert vom Samstag nach Balerians Tag 1474, verfügt: Israel von B r ü u n, solle sogleich in Freiheit gesetzt w e rd e n, Hans Veyol aber seine nichtswürdige Verleumdung auf dem Scheiterhaufen büßen. Nur kurze Zeit überlebte der tiefgebeugte „Judenmeister", dem seine Auswanderung nach Regensburg so wenig Glück und soviel Unheil gebracht, diesen Urteilsspruch. Nach seinem Tode wurde er feierlich beerdigt und ihm ein schöner Grabstein gesetzt, freilich wurde dieser zerstört vom Pöbel, den der Bischof, der 1475 von Trient nach Regensburg die Anklage wegen Ermordung eines Christenkindes gebracht, gegen die Juden der Stadt aufgehetzt hatte. So wirkte das Blutmärchen von Trient noch nach dem Tode des „Judenmeisters" in unheilvoller Weise auf die Juden Regensburgs fort. Der Grabst-in des Rabbiners konnte vernichtet werden, aber unzerstörbar ist die Rechtsgutachten-Sammlung des Meisters, sie verkündet den Geist und die Gelehrsamkeit des Rabbiners Israel von Brünn. Dr. Max Grünfeld. Nene Bücher. Dr. M. ÄNargel. Deutsch-hebräisches Wörterbuch. Vollständig in 40 Heften, Heft 13 und 14. Preis eines Heftes 50 Heller. Subskriptionspreis 15 Kronen 15 Mark. Preis des vollständigen Werkes nach Erscheinen 20 Kronen 20 Mark. Kommissionsverlag von Leopold Klein, Pozega, 1904. Sakomon Bnchlvald. E k e vv A n o w e. Herausgeber: der Sohn Simon B u ch w a l d, Wien, II., Rembrandtstraße 24, III. St. Gewidmet zu wohltätigen Zwecken des Vereines zur Unterstützung armer, kranker Israeliten in den Krankenhäusern Wiens. __ Briefkasten. S. K. 17. Die Nachricht stand vor einiger Zeit in Reklams Universum wie folgt: In der die Jahre 1001—1479 umfassenden Schweizerchronik des Landamtmanns Aegidius Tichudl wird das in französischer Sprache abgefaßte Verzeichnis der Zollbeträge mitgeteilt, die nach einem zwischen dem Grafen Konrad von Fiyburg und der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.