Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 1 (6.1.1905)
- Date
- 1905-01-06
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021602-3021604--14191-3038885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 16 Dr. Ltocv's Mocvenscvritt. Nr. 1 kleinen Stadt Murten in den Jahren 1399 getroffenen Abkommen für die Benutzung der über das Flüßchen Thielle (Zil) führenden Brücke *« erheben waren. Es hatten danach alle Personen zu Pferde zwei Denier (ein Pfennig) zu entrichten, wobei Edelleute und Priester ausgenommen waren. Weiter heißt es in der Liste: „Es zahlt jeder Fußgänger einen Denier. Jedes Maultier fünfzehn Denier. Jeder Esel dreißig Denier. Jeder Jude dreißig Denier." Warum man die Juden so „hochschätzte", weiß jeder mit dem Leben der Vergangenheit einigermaßen Vertraute, dagegen sind wir nicht imstande, die Gründe für die Gleichstellung zwischen Esel und Jude anzugcben. Bei dieser Gelegenheit sei übrigens auch noch ein anderes hübsches Beispiel für die hohe Einschätzung der Juden angeführt. Zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts mußte in Preußen jeder, der sich seine Hausmusik nicht selbst besorgte, sondern dazu Leute benutzte, die die Musik „gewerbsmäßig betrieben", also Klavierspieler, Sänger usw., einen Erlaubnisschein „Musikzettel" genannt, lösen. Für diesen wurde eine Taxe entrichtet, und zwar hatten (pro Tag) zu bezahlen : Generäle, Staats minister. Personen von hohem Adel einen Taler und acht Groschen. Bankiers, Engroshändler. Fabriksunternehmer vier Taler und Juden fünf Taler. „Treuer Leser". Wie allen Blättern telegraphisch gemeldet wird, bezeichnete ein vielbemerkter Artikel des Petersburger „Ruß" als Ursache des russischen Mißgeschickes auch in Ostasten „das selbstmörderische System Plehwe's". Der journalistische Vertreter dieses Systems in Oesterreich, Herr Vergani, bringt ebenfalls diese Depesche; nur wird in derselben die Charakterisierung dieses Systems als eines „Selbstmörderischen" ausgemerzt. Die arische Redlichkeit! B. Z. C. Zum Eintritte in die Akademie der bildenden Künste in Men ist erforderlich der Nachweis einer über die Elemente der bildenden Kunst hinausreichenden Ausbildung, erstens durch Vorlage von Zeichnungen nach antiken Büsten, zweitens Ablegung einer Aufnahmsprüfung, bestehend in an der Akademie auszuführenden Zeichnungen nach der Antike und nach der Natur. Hat der Kandidat die Nachweise geliefert, so erlangt er vorläufig die Zulassung zum Unterrichte auf ein Jahr. Die definitive Aufnahme erfolgt nur dann, wenn der Kandidat in dieser Zeit Beweise einer entschiedenen Fähigkeit zu künstlerischen Berufsstudien geliefert hat. Schulgeld für das Semester sO Kronen, Matrikelgebühr 4 Kronen. Das Schuljahr beginnt Anfang Oktober. 1©0. Ein solcher Fall ist in Wien vorgekommen. Das betreffende Vorstandsmitglied hat selbstverständlich sofort sein Mandat zurückgelegt. Aufruf! In keinem Bezirke Wiens ist die jüdische Bevölkerung so rapid angewachsen als in der Brigittenau, denn während vor 15 Jahren kaum einige hundert Juden hier wohnten, ist die Zahl derselbe ’ während dieser Zeit auf beinahe 15.000 gestiegen. Tie billigeren und bequemeren Wohnungs- und Mielverhältniffe haben diesen Zuzug bewirkt und kein Wunder, daß die größte Zahl der Eingewanderten der armen und ärmsten Menschenklasse angehört. Die schlechten Erwerbsverhältnisse der zumeist aus armen Hausierern bestehenden Juden und die unter ihnen vorkommenden Notfälle haben es bewirkk, daß eine Anzahl den befferen Ständen angehöriger Glaubensgenoffen vor ungefähr 10 Jahren einen Wohltätigkeitsverein gründeten, der den Namen „Brigittenauer israelitischer Unterstützungs-Verein" bis zum heutigen Tage führt und dessen Tendenz cs ist, in Not geratene Glaubensgenoffen wirksam zu unterstützen. Nur zu oft leider wird an die Leistungsfähigkeit dieses Vereines appelliert, und viele tausend Kronen beträgt die Summe der für Unterstützungen verausgabten Beträge. Es ist kaum möglich, die Not und das Elend der hier zusammengepfercht lebenden Glaubensgenossen nur annähernd zu leichrciben und fast täglich hat der Verein bei Delogierungen zu intervenieren und zu helfen. Die koloffaleu Ansprüche, die an den Verein gestellt werden, überbieten die bescheidenen Einnahmequellen desselben und der Vorstand des Vereines weiß kein anderes Mittel, als an die große Oeffentlichkeit, an die hochherzigen Gönner und Wohltäter unserer großen Gemeinde heranzutreten und zu bitten, daß ein Jeder, dem es nur irgendwie möglich, für die Aermsten der Armen, für die Enterbten des Glücks, welche es in unserem Bezirke gar so viele gibt, sein Scherflein beitrage! Hochachtungsvoll Für den Vorstand des Brigittenauer israelit. Unterstützungs-Vereines: S. Dub, Ph. Weiß, Adolf Schreiber, David Pollatschek, Kontrollore. Obmann. Schriftführer. Hermann E l t b o g e n, Kultusvorsteher. Auf Wunsch stehe ich nicht an, obigen Aufruf aufs wärmste zu befürworten. Dr. E. D a v i d, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Wien II. Gütige Spenden zu senden an den Obmann Herrn Adolf Schreiber, XX., Kluckygasse Nr. 1, welche in den jüdischen Wochenblättern ausgewiesen werden. Wir ersuchen unsere gLsckätzten Abonnenten um reckizeitige Einsendung der laufenden AbonnLmeutsgebülir, Damit die Zusendung ftgg Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man fick der beigelegten Posteriagscheine bedienen. Die Administration der ..Orkerr Wochenschrift.' Banrat Max Flcischer'sche Wohltätigkeits-Stiftung. Vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien wird hiermit bekanntgegeben, daß am 29. März 1905 die einjährigen Zinsen der obgenannten Stiftung per L 96.— an einen mittellosen, würdigen, israelitischen, Handel- oder gewerbetreibenden Bewohner derWienerGem ein de bezirke Mariahilf und Neubau und in E>manglung eines solchen an ein sonstiges stiftbiieflich peeignetes Mitglied der israelitischen Kultusgemeinde Wien zur Verleihung gelangen. Unter den Bewerbern genießen ehenialige Mitglieder des Tempelvereincsfürdiebeiden Ge mein debezirke Mariahilf und Neubau oder Angehörige von solchen oder endlich Angehörige Angestellten des bezeichn cten Tempel ver eines den Vorzug. Die mit den legalen Nachweisen über den Betrieb eines Handels- oder Gewerbeuiitlrnehmcns in den Bezirken Mariahilf und Neubau, die Mittellosigkeit und die eventnelle Vorzugsberechtignng, sowie mit dem Geburtsscheine des Bewerbers belegten Gesuche sind bis längstens 31. Jänner I9Ü5 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien (I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock), woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt werden, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags, zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder nach Ablauf der Konkursfrist überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde,- Konkurs. Bei dem israelitischen Bethausverelne in Wien, II., Fugbachgasse 7, ist die Stelle eines musikalisch gebildeten Kantors [TT welcher den Gottesdienst mit Chor nach altjüdischem Ritus zu verrichten hat, am 1. April 1905 zu besetzen. Mit dieser Stelle ist ein fixer Jahresgehalt von 1800 Kronen und die üblichen Emolumente verbunden. Bewerber, nicht über 40 Jahre alt, wollen bis längstens 31. Jänner an den unterfertigten Obmann ihre Offerte mit Zeugnisabschriften, welche nicht retourniert werden, einsenden. Nur dem Akzeptierten werden die Reisespesen vergütet. Adolf Schramek, Obmann Wien, II., Novaragasse 21. Samuel W. Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, offeriert in reichster Auswahl Professor Kämpf's allgemein beliebte Brautgebetbachcr nnd deutsche ftndachtsbncher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden- und Woll-Talesim, Gold- und Silber-Borten._,_ Im Verlage von Samuel Rk. Pascheies, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, in neuer Auflage und prachtvoller Ausstattung erschienen das berühmte Prachtwerk prof. j)r. Julius Furst’s illustr. fünf Bacher Moses mit deutscher Uebersetzung, erläuternden Erklärungen und über 230 Illustrationen. Ein Geschenkwerk ersten Ranges! Preis in hochelegantem Prachtband ö. W. fl. 6—, Die frühere Auflage ist gänzlich auawerkauft. Versendung ertolgt gegen Einsendung des Betrages. &fron«artcr unb verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIR