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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-01-06 · 1 (6.1.1905) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 8 Dr. Bioch's Wochenschrift. Sir. i Redner begrüßte insbesondcrs als Delegierten des Kultusvorstandes und Gönner des Vereines Herrn Salo C o h n, den Vereinsrabbiner Herrn Dr. T a g l i ch t, den Präsidenten des Vereines „Nachlath Jeschurun" Herrn Dr. Carl L ö w y und die Vertreterin des israel. Frauenvereines Frau Dr. Engel, sowie die übrigen Gäste. Der Schriftführer Herr Hermann L i e b e r m a n n verliest das Protokoll d.r letzten Generalversammlung, welches einstimmig verifiziert wird. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung erstattet der Vorsitzende den Bericht über die Vereinstätigkeit und widmet zunächst dein verstorbenen Vorstandsmitgliede Kommerzialrat Albert I a n o w i tz e r einen warmen Nachruf. „Mehr als ein Dezennium hat Albert I a n o w i tz c r seine Kraft dem Dienste des Vereines gewidmet, die übernommene Ehrenpflicht gewissenhaft und treu, im Sinne der Traditionen seines Vaters, des unvergeßlichen ehemaligen Vereinspräsidenten, erfüllt und die gemeinnützigen Vereinsinteressen mit freigebiger Hand gefördert." Ferner gedenkt der Vorsitzende des Hingeschiedenen kaiserl. Rates Alois P o l l a k, welcher ein stets opferbereiter Gönner des Vereines war, und des verstorbenen Herrn Adolf Rosenbaum, welcher als Obmann der Bezirkskommission durch viele Jahre gewirkt hat. Endlich erwähnt Redner den Heimgegangenen Karl H e l l m a n n, welcher ein eifriges und treues Chormitglied war. Ueber Aufforderung des Vorsitzenden ehrt die Versammlung das Andenken dieser Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Der Geschäftsbericht konstatiert einen Mitgliederstand von 269 beitragenden Vereinsgenossen. Die Agenden des Vereines wvrden in 9 Plenar- und 7 Sektivnssitzungen beraten. In üblicher Weise wurde am 11. Mai die Mädchenkonfirmation und am 18. August die Kaiserfeier abgehalten. Außerdem haben im Tempel 51 Trauungen, 37 Barmizwahs und 16 Namengebungen stattgefunden; die Kanzlei hat 470 Schriftstücke erledigt. Die Julie und Netti Mittler'sche Jahrzeitstiftung wurde aktiviert und der Baurat Max Fleischer'schen Stiftung wurde die Widmung des Herrn Salo Cohn mit K 1000.— zugeschlagen. Herr Kommerzialrat Max Eisenberger errichtete zum Andenken an seinen Bruder Alfred Eisenberger ein Maskir mit 2000 X, der verstorbene Kommerzialrat J a n ow i tz e r testierte dem Vereine 3000 X, der im Vorjahre verstorbene Nestor des Vereines Herr Josef I. H o ck vermachte dem Vereine für eine Jahrzeit-Abhaltung 400 X; Frau Regina Fleischer spendete ein kostbares seidenes Thora-Mäntelchen, Herr Hermann K ö n i g einen Teppich für die Tempelvorhalle. Den Wohltätern wird im Namen der Generalversammlung der Dank votiert. Der Bericht erwähnt die durch die Abtragung der Kaserne und durch den Ausbau der Schmalzhofgasse notwendig gewordenen baulichen Veränderungen in dem Vereinshause in der Nähe des Tempels. Nach langen Beratungen ist ein Projekt zustande gekommen, das nunmehr vollendet der Beurteilung der Generalversammlung überlassen wird. Da auch das Haus in der Hirschengasse einer Renovierung dringend bedürftig war, so wurde gleichzeitig auf vielseitigen Wunsch ein Ausgang, bezw. eine Durchfahrt vom Tempel in die Hirschengasse eröffnet. Die Kosten sämtlicher Durchführungen betragen ca. 50.000 Kronen. Der Bericht erwähnt dankbar eines entgegenkommenden Verhaltens der Großkommune Wien bei Bewilligung einer angemessenen Entschädigung für den zu Straßenzwecken abgetretenen Grund im Ausmaße von zirka 140 nr. Dem Herrn Baumeister Z i f f e r e r, welcher die Arbeiten ausgeführt hat, wird für seine Leistung sowohl, als auch für seine entgegenkommenden Bedingungen der Dank votiert. Zur Verschönerung des neuen Sitzungssaales hat Herr Friedrich P o l l a k (Schmalzhofgasse) die Beleuchtungskörper gespendet, Herr Wilhelm Landau eine Pendeluhr und Herr Heinrich Bäck den Sitzungstisch. (Lebhafter Beifall.) In dem Berichte heißt es ferner: „Die im Vorjahre von der Generalversammlung beschlossene Resolution in Angelegenheit der Funktionen unserer Angestellten bei Leichenbegängnissen wurde dem löblichen Kultusvorstande ineiner wohlmotivierten Eingabe überreicht, hat jedoch bis heute noch keine Erledigung gefunden." Der Bericht fährt fort: ' „Vor Monatsfrist wurden in diesem Saale die diesjährigen Ergänzungswahlen in den Kultusvorstand vorgenommen. Wir wünschen und hoffen, daß der Vorstand, aus diesen Wahlen gestärkt und gekräftigt, auch ferner das Bild einträchtigen Wirkens im- Interesse des Judentums behalten wird. Wir werden stets bemüht sein, so wie es uns zusteht, mit einzutreten für die Ehre und Würde unserer Gemeinde. Wir bitten den Herren Delegierten der Kultusgemeinde, unsere diesbezüglichen Versicherungen am geeigneten Orte zum Ausdruck zu bringen, ihm selbst aber sagen wir besten Dank für sein Erscheinen, sein spezielles Wohlwollen und sein Interesse an dem Gedeihen unseres Vereines." (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Jakob Eng e l erbittet sich das Wort zum Jahresbericht, welcher lückenhaft erscheint und einer Ergänzung bedarf. „Unser verehrter Präsident" fügt Redner hinzu, „welcher alle erfreulichen Geschehnisse m der Familie eines jeden Vereinsmitgliedes mit herzlicher Teilnahme begleitet und in seinem Berichte wandelbilderartig vor unserem geistigen Auge vorüberziehen läßt, leidet an einer merkwürdigen Gedächtnisschwäche, sobald irgend ein Vorkommnis seine eigene Person betrifft. Zunächst ist der Präsident im abgelaufcnen Verwaltungsjahre mit dem längstverdienten B a u ratstitel ausgezeichnet worden. Der Vereinsvorstand hat aus diesem Anlasse seinen Präsidenten beglückwünscht und Redner stelli. hiermit den Antrag, die Generalversammlung möge sich diesen Glückwünschen für den gefeierten Vorsitzenden anschließen. (Lebhafter Beifall.) Die Vollendung der Bauarbeiten, welche die Umgebung unseres Tempels verschönert haben, die Aufführung unseres Sitzungssaales, welcher den Eindruck eines Schmuckkästchens macht, ist ein herrliches Werk, auf welches unser verehrter Präsident eine Unsumme von Arbeit und Fleiß, von Zeit und Mühe selbstlos und uneigennützig aufgewendet hat. Indem wir ihm alle für diese seine Opferwilligkeit danken, sprechen wir den Wunsch aus, es möge ihm von der Vorsehung vergönnt sein, noch viele Jahrzehnte an der Spitze unseres Vereines zu wirken (lebhafter Beifall) und viele bauliche Kunstwerke zu schaffen, welche seinen künstlerischen Namen verewigen. "(Beifall.) Redner wendet sich an den Vorstandsdelegierten Herrn Salo Cohn und spricht ihm im Namen der Versammlung aus Anlaß seiner Wahl zum Präsidenten der „Chewra-Kadischa" die Glückwünsche aus. (Lebhafter Beifall.) Kultusvorsteher Herr Salo Cohn dankt für die freundlichen Wünsche. Seine Berufung an die Spitze der ehrwürdigen „Chewra-Kadischa" betrachte er als eine hohe Auszeichnung und er werde bemüht sein, für das Gedeihen der „Chewra-Kadischa" nach Kräften zu wirken. Redner erzählt von seiner amerikanischen Reise, berichtet über die Wohlfahrtsinstitutionen der amerikanischen Juden und bemerkt schließlich, daß die Entwicklung des Mariahilfer Tempelvereines, ohne die geringste äußerliche Förderung und Unterstützung, einen amerikanischen Zug aufweise. Er vereinigt seine Wünsche mit denen der Generalversammlung für die Person des hochverehrten Präsidenten. (Lebhafter Beifall.) Die Anträge des Herrn Dr. Engel, betreffend die Ergänzung des Protokolles, werden einstimmig angenommen. Vereinsmitglied Herr Ignaz Reschovsky interpelliert den Delegierten des Kultusvorstandes Herrn Salo Cohn, warum die vom Verein überreichte Eingabe, betreffend die Funktionen seiner Angestellten bei Leichenbegängnissen, so lange auf eine Erledigung warten muß? Herr Dr. Karl L ö w y dankt der Vereinsleitung für seine Tatkraft und seine Mühewaltung und gibt schließlich in schärfster Form seinem Befremden Ausdruck über die Zurücksetzung und die verletzende Behandlung, welche dem Vereine widerfährt, daß der Kultusvorstand seine Eingaben nicht einmal einer Antwort würdig erachtet. „Unsere Funktionäre sind denen der Kultusgemeinde gleichwertig" und Redner möchte dementsprechend eine Resolution beantragen, daß Schritte eingeleitet werden behufs Gleichstellung unserer Beamten in materieller Beziehung nach

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