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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-01-06 · 1 (6.1.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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’Jtr. 1 Dr. Wlocb's MlocvenscdrtN. Seite W einem gewissen Gehaltsschema; sobald der Verein nicht in der Lage ist, solche Gehalte zu bezahlen, so soll der Kultusvorstand die Bezahlung übernehmen. Der Vorsitzende Baurat Fleischer erklärt, derlei Personalfragen gehören nicht in die Generalversammlung und müssen anderwärts vorberaten werden. Herr kais. Rat Adolf Ruzicka bemerkt, daß unsere Vereinsfnnktionäre keine weitere materielle Förderung brauchen, als die der freien Konkurrenz. Würde eine solche ehrlich und unverfälscht bestehen, so ließe die materielle Lage unserer Beamten nichts zu wünschen. Wir sind sonst überall gegen alle Privilegien, aber in diesem Punkte wünscht ein anderer Faktor nicht diese Konkurrenz. Es ist unglaublich, daß ein ganzes Jahr nicht genügt hat, unseren Antrag zu beraten und über eine Antwort schlüssig zu werden. Er beantragt deswegen, die alte Resolution in verschärfter und dringenderer Form an den israelitischen Kultus- Vorstand zu leiten. Kultusvorsteher Herr Salo Cohn empfiehlt dem Vereine, jedenfalls seine Selbständigkeit zu schützen und die eigene Autonomie um den Preis einer Subvention der Vereinsfunktionäre nicht zu opfern. Den Ausführungen des Herrn kais. Rates Ruzicka stimmt Redner zu und erbittet sich den Wortlaut dieser verschärften Resolution, um sie persönlich dem Kultusvorstand zu überreichen. Antrag Ruzicka wird einstimmig zum Beschluß erhoben. Zum dritten Punkt der Tagesordnung entwirft der Kassaverwalter Herr kais. Rat Friedrich P o l l a k in einem interessanten Finanzexposs eine ausführliche Darlegung der finanziellen Situation des Vereines, beleuchtet die einzelnen Posten des Rechnungsabschlusses und erläutert die verschiedensten Ziffern der Bilanz. Die Ausführungen werden mit großem Interesse von der Versammlung entgegengenommen und mit lebhaftem Beifalle begrüßt. Im Namen der Revisoren beantragt Herr Ignaz R es ch o v s k y, der Vereinsleitung das Absolutorium zu erteilen und den Dank für ihr erfolgreiches Wirken auszusprechen. Kassaverwalter kaiserl. Rat Friedrich P o l l a k beantragt sodann im Namen der Vereinsleitung die Aufnahme eines Anlehens von 50.000 Kronen und bei dieser Gelegenheit eine Konvertierung der auf den Vereinsrealitäten lastenden Schulden. Redner zeigt, daß die baulichen Veränderungen, dank der äußersten Sparsamkeit und energischen Tätigkeit des stets opferbereiten Vereinspräsidenten, mit sehr geringen Kosten verbunden waren und daß die Abzahlung ohne erhebliche Belastung der Vereinsmitglieder erfolgen wird. Vereinsmitglied Herr S. Steiner empfiehlt einstimmige Annahme der Anträge. Beim letzten Punkt der Tagesordnung beantragt Herr Salo Cohn, daß die aus dem Vorstand scheidenden Herren: Leo Bauer, Hermann Liebermann, Friedrich P o l l a k und kaiserl. Rat Josef T o f f l e r, welche sich in ihrem Amte so trefflich bewährt haben und von denen einige bereits Jahrzehnte hindurch an der Spitze des Vereines segensreich wirken, ersucht werden, die Kandidatur wieder anzunehmen. Herr S. Steiner unterstützt diesen Antrag. Der Vorsitzende, Baurat Fleischer, bringt sodann ein Schreiben des Herrn Bernhard I a n o w i tz e r zur Verlesung, welcher, da er geschäftlich verreist ist, schriftlich seine Kandidatur anmeldet. Er erachte es als Pflicht der Pietät gegen seinen verewigten Vater und verewigten Schwiegervater, welche beide dem Vereine mit Liebe und Hingebung dienten, in ihre Fußtapfen zu treten und das von ihnen begonnene Werk weiter zu fördern. Vizepräsident Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Jakob Engel empfiehlt in einer warmen Ansprache diese Kandidatur. Herr Bernhard Janowitzer ist ein seelensguter, außerordentlich charaktervoller Mann, der nicht allein die Traditionen feines Vaters, sondern auch die seines Schwiegervaters, des unvergeßlichen Jakob Strauß, hochhält. Mit seiner Wahl würde der Verein eine tüchtige Kraft gewinnen. Herr Ignaz R e s ch o v s k y verweist die Generalversammlung auf Herrn Leopold Waller und empfiehlt, ihn für den Vereinsvorstand zu gewinnen: Herr Ignaz Klein kandidiert Herrn G o l l e r st e p p e r. An der Debatte beteiligten sich ferner die Herren David K o h n, Salo Cohn, kaiserl. Rat Friedrich P o l l a k, worauf die Abstimmung mittels Stimmzettel erfolgte. Als gewählt erschienen die Herren: Leo Bauer, Hermann L i e b e r m a n n, Friedrich P o l l a k, kaiserl. Rat Josef T o f f l e r und Bernhard Janowitzer, worauf der Vorsitzende, Baurat Fleischer, mit einem Dank an die erschienenen Bereinsmitglieder und Gäste die Generalversammlung für geschlossen erklärt. Wien. (JsraelitischerFraue n-W o h l tätigk e i t s v e r e i n für den VI. und VH. Bezirk.) Am 11. v. M. fand die diesjährige Kinderbekleidung statt, bei welcher 60 arme Schulkinder mit kompleter Winterkleidung beteilt wurden. Die Verteilung fand in der Vorhalle des Tempels in der Schmalzhosgaffe statt, nachdem der Vorstand des Tempelvereines hiezu in der liebenswürdigsten Weise seine Zustimmung gegeben hatte. Bei der Verteilung war lediglich der Vorstand des Frauen-Wohltätigkeitsvereines anwesend, da, wie seit Jahren, von einer öffentlichen Beteilung aus Rücksicht für die Kinder Umgang genommen wurde. Herr Rabbiner Dr. Taglicht hatte die Güte, bei diesem Anlaffe an die Kinder eine ungemein herzliche und warme Ansprache zu halten, wofür der Vereinsvorstand dem verehrten Seelsorger seinen verbindlichsten Dank zum Ausdrucke brachte. Desgleichen dankte der Vorstand auch an dieser Stelle allen edelmütigen Spendern, die durch Widmung von diversen Naturalfpenden es ermöglichten, daß die heurige Bekleidung besonders reich und ausgiebig sich gestalten konnte. Brief aus Bielitz. Um den vielfach irrigen Ansichten, die über unser fast an der Grenze westeuropäischer Kultur gelegenes Gemeinwesen herrschen, einigermaßen wirksam entgegenzutreten, dieselben womöglich zu widerlegen, erlaube ich mir, ein aufklärendes Bild zu liefern, die Organisation der Gemeinde, deren Institutionen und namentlich die erziehliche Aufgabe, welche ihr vermöge ihrer Lage zufällt, vom Standpunkte des objettiven Beobachters zu beleuchten. Die hiesige Kultusgemeinde besteht erst seit einem halben Jahrhundert, ist aber durch starken Zuzug aus Galizien und Preußen rasch gewachsen und kann beute zu den größten Provinzgemeinden Oesterreichs gerechnet werden. Der Zuwachs rekrutiert sich allerdings aus meist minderbemittelten Elementen, doch liegen die Erwerdsverhältnisse unseres mächtig emporblühenden Jndustriebezirkes heute noch derart günstig, daß Viele sich bald eine gesicherte Existenz zu gründen vermögen. Mit dem Anwachsen der Gemeinde haben sich naturgemäß deren kulturelle Bedürfnisse gesteigert, und daß denselben bisher in vollstem Maße Rechnung getragen wurde, ist nur der zielbewußten Leitung, dem jetzigen Vorstande und hauptsächlich dessen verdienstvollen Präsidenten Herrn Salomon Pollak zu danken. Die Organisation der Gemeinde sowie deren Verwaltung ist mustergiltig, ebenso müssen ihre Institutionen die Anerkennung jedes Unbefangenen ernten. Die Gemeinde besitzt einen prachtvollen Tempel, der sich aber leider schon längst als zu klein erweist, ein geräumiges Schulgebäude, sowie eine mit einem Kostenaufwande von 72.000 Kronen erbaute Zeremonienhalle. Zu den hervorragendsten Schöpfungen des jetzigen Vorstandes gehört jedoch das neuerrichtete Gemeindehaus. Dieser Prachtbau, der einen großen Festsaal, Kanzleien, Beamtenwohnungen und Vereinslokalitäten enthält und dessen Kosten sich auf 140.000 Kronen belaufen, dürfte demnächst seiner Bestimmung übergeben werden. Bis vor Kurzem besaß die Gemeinde eine sechsklassige Volksschule, die von mehr als vierhundert Kindern besucht wird und an welcher zehn Lehrkräfte wirken. Hunderte von Kindern, deren Wiege in Galizien stand, haben hier deutsche Bildung genossen, wurden hier zu Kulturmenschen herangebildet, sind durch diese Anstalt oft vor geistiger und körperlicher Verwahrlosung bewahrt worden. Tie Schule hat durch die Veränderung ihren konfessionellen Charakter nicht cingebüßt, sie wird im bisherigen Sinne weitergeleitet und seitens des Vorstandes werden keine Opfer gescheut, dem Unterrichte in der hebräischen Sprache die größtmöglichste Pflege angedeihen zu lassen. Die Segnungen eines regelmäßigen Unterrichtes, eines ordentlichen Studiums müßten jedoch Vielen vorenthalten bleiben, wenn ihnen nicht durch die Munifizenz der Gemeindemitglieder Mittel zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse geboten werden möchten. Der von der Bielitzer Loge des Vereines „Bnei-Brith" ins Leben gerufene Freitischverein speist täglich 80 Volks-, Bürger- und Mittelschüler, der Handwerkerverein sorgt für 25—30 Lehrlinge und der Frauenverein, sowie mehrere Tischgesellschaften versehen ca. 100 Kinder mit reichlicher Kleidung. Der außergewöhnliche Wohltätigkeitssinn der Gemeinde äußert sich auch noch in anderen Vereinen. Es bestehen hier: Eine Filiale der Allianz, eine Ortsgruppe des Hilfsvereines für galizische Juden, Kranken- und Unterstützungsvereine und viele andere Wohltätigkeitsvereine. Nur an Einem mangelt es, an einem Vereine, der sich die Weckung und Förderung der geistigen Kräfte, die Pflege der alten und

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