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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-01-06 · 1 (6.1.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 1 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 3 Lorbeer des Sieges zuteil geworden, wird die Welt geneigt sein, ihre Größe in den Werken des Friedens zuzugeben. Auch dies ist eines der Paradoxen, die so charakteristisch sind für den Stand der arischen Kultur; die Arier messen die Höhe der Zivilisation noch immer an kriegerischen Erfolgen anstatt daß für sie ausschließlich die Errungenschaften des Geistes und der Phantasie maßgebend sein sollten. Der Fall Port Arthurs ist die Morgenröte einer neuen Aera der Weltgeschichte. Jetzt erst macht Japan seiner symbolischen Benennung Ehre: Es ist in Wahrheit das Land der ausgehenden Sonne. Der Herrscher, der über diesen Staat regiert, Kaiser Mutsuhito, wird in der Weltgeschichte künftig als einer der erfolgreichsten Monarchen gefeiert werden; und wahrscheinlich gibt es kein zweites Beispiel, daß unter der Regierung eines einzigen Herrschers so unerhörte Umwälzungen sich vollzogen hätten, wie unter ihm. Aus einem Feudalstaate, einem völlig abgeschlossenen und eine Welt für sich bildenden Lande hat er einen modernen Staat gemacht, aus einer Kleinmacht eine Großmacht, aus einem asiatisch regierten Reiche eine Monarchie mit modernen Institutionen; Revolutionen, zu denen man in Europa Jahrhunderte brauchte, haben sich in Japan innerhalb weniger Jahrzehnte abgespielt. Und nun hat das Land der ausgehenden Sonne die höchste Probe abgelegt, daß es würdig sei, unter die maßgebenden Mächte der Erde ausgenommen zu werden. Es hat über einen mehr als ebenbürtigen Gegner entscheidende und nachhaltige kriegerische Erfolge errungen. Sowie der Krieg die trostlose Verlotterung der inneren Zustände Rußlands, die Unfähigkeit und Korruption seiner Beamten, die Unhaltbarkeit seines Verwaltungssystems an den Tag brachte, so hat er die Ebenbürtigkeit Japans, die Gleichwertigkeit seiner Kultur erwiesen. Vor der ausgehenden Sonne erbleicht das flackernde Nordlicht .... Zur Geschichte der Juden in Deutschland. Unter dem Titel „Judenschutz der Reichsstadt Dortmund" veröffentlicht der „Vorwärts" folgende kulturhistorisch interessante Daten: „Die Juden standen ztvar als angebliche „Kammerknechte" des Kaisers unter dessen Schutz. Dieser Schutz aber bedeutete nur soviel, daß der jeweilige Kaiser sich an erster Stelle das Recht herausnahm, aus ihnen soviel Geld für seine Tasche herauszupressen, wie nur irgend möglich war. Der Dortmunder Judenschutz war 1248 unter Konrad von Hochstaden an die Erzbischöfe von Köln gekommen, was aber nicht hinderte, daß die Juden 1351 in Dortmund verfolgt, erschlagen, beraubt und ausgetrieben wurden. Als sie 1372 zurückgekehrt waren und unter dem Schutze der Grafen von der Mark standen, traf sie 1403 seitens König Ruprecht's die Acht, aus der sie sich erst Ende September 1405 mit schweren Opfern lösen konnten. Die Gelder, welche die Juden in Dortmund ihrem Schutzherrn, dem Grafen von der Mark, zahlen mußten, betrugen für ein Ehepaar je 4 Mk., für jeden einzelnen Juden oder Jüdin 2 Mk. Die Stadt selbst erhob von Fall zu Fall sich steigernde Abgaben, außerdem geschah die Aufnahme nur auf eine bestimmte Reihe von Jahren. Dortmund hatte sich das Recht, Juden aufzunehmen, 1372 von dem Grafen von der Mark für die Summe von 1300 Gulden gekauft. Demgemäß nimmt der Rat 1373 den Juden Vysche mit Frau, Kindern und Gesinde auf sechs Jahre in die Stadt auf. Vysche hatte das Recht, Wucher zu treiben, und die Verpflichtung, dem Rate jährlich 8 Mk., dem Grafen von der Mark 4 Mk. zu zahlen. Es heißt in dem Vertrage, er und sein Weib mögen Geld austuen auf Wucher und nehmen von denjenigen, die in der Stadt wohnen, von der Mark je 2 Pfennige die Woche, und von denen, die außerhalb der Stadt wohnen, 3 Pf. die Woche pro Mark. Was sie innerhalb einer Mark austuen, sollen sie von Jedermann pro Woche einen Vierling nehmen. Ihr Gesinde soll jedoch kein Geld auf Wucher ausgeben. Sie sollen dabei frei sein vom städtischen Schoße und anderen städtischen Diensten, außer Wachen, GräbSn und Wege, die sollen sie tuen wie die übrigen Bürger. Innerhalb der Stadt und Gericht Dortmund sollen sie ohne Zustimmung des Rates weder Grundbesitz noch Erbe erwerben. Stirbt einer von Beiden, so soll das Gefälle des Grafen bis zur Wiederverheiratung des Ueberlebenden nur 2 Mk. Pfennige betragen. Falls für die beiden Juden ein Schwur nötig ist, so sollen sie schwören ,,dat eme god so helpe nnde seyn ere“; wollen sie den Vertrag kündigen, so muß dies ein Vierteljahr im Voraus in einer der vier Kirchenspielskirchen geschehen. 1374 im Mai nimmt der Rat den Juden Vyvelin, Salomons Sohn von Kempen, unter den gleichen Bedingungen auf. Dieser muß jedoch pro Jahr in vier Terminen 40 schwere Gulden zahlen, und als der Rat im November des gleichen Jahres den Juden Koepmann ausnimmt, steigert er den jährlichen Zins abermals um 10 Gulden auf 50 Gulden. Als dem erst aufgenommenen Vysche sein sechsjähriger Aufenthalt abgelaufen ist, wird ihm bei der neuen Erlaubnis nicht nur sein jährlicher Zins auf 35 Gulden gesteigert, sondern auch der vou ihm zu nehmende Wucherzins auf die Hälfte herabgesetzt. Neu ist die Vorschrift, daß sie auf Waffen oder Waffentuch, das den Bürgern, Helfern oder Dienern der Stadt gehört, kein Wnchergeld leihen sollen. Unter Ausnahmegesetzen standen die Juden bis zur Zeit des Königreichs Westfalen. Noch 1725 werden die Juden in Dortmund unter die nützlichen Haustiere gerechnet, und es heißt in dieser Rubrik „von einem Juden, so durchgehet 3 Stüber 6 Pfennig . ., von jeder Nacht, so er darinnen benachtet, 5 Stüber 9 Pfennig . Semiten und Arier. Universitätsprofefsor Otto Speeck in seinem berühmten Werke: „Geschichte des Unterganges der antiken Welt" schreibt: „Jeder Fortschritt der Spekulation auf heidnischem wie aus christlichem Gebiete ging (in den ersten Jahrhunderten des Christentums) von denjenigen Provinzen aus, in welchen eine tiefe Schicht semitischen Volkstums mit einem dünnen Firniß griechisch-römischer Bildung überkleidet war, von Syrien mit seinen Nachbarlandschaften, von dem phönizischen Afrika, namentlich von dem halbjüdischen Alexandria." „Auch wo sich in der weltlichen Literatur eine Kraft regt, die über die allgemeine Mittelmäßigkeit hervorragt, da ist ihre Heimat immer semitisch oder doch halbsemitisch." „Luzian, der geistvollste Satiriker des Zeitalters, Libarius, der freimütigste und formgewandteste Redner, Ammianus Marcellinus, der tiefsinnigste Geschichtsschreiber, stammen alle aus Syrien; Claudius, der geschmackvollste Poet, war Alexandriner.'' _ Zur Abstammung der Japaner. Der bekannte Ethnolog und Anthropolog I. Ranke schrieb vor mehreren Jahren in seinem Werke „Der Mensch" über die Abstammung der Japaner folgende Sätze: „Während die Gesichter aus dem Volke für den Europäer etwas Fremdartiges und in der Regel wegen der uns anerzogenen ästhetischen Begriffe etwas Häßliches, oft Abstoßendes haben, begegnen wir unter den höheren Ständen nicht selten Gesichter, die uns bekannt scheinen, man glaubt hier Judenphysiognomien zu erkennen. Die eigentümlich gekrümmte Nase, die Gestalt der Oberlippe, die vorstehenden Augen bilden die wichtigsten Aehnlichkeitsmerkmale. Solche Gesichter finden wir im ganzen Kriegs¬ und Hofadel bis zur kaiserlichen Familie hinauf hie und da zerstreut. Der mutmaßliche Thronerbe Japans hat ausgeprägte, feine jüdische Gefichtszüge, und viele der schönsten Frauen Tokios würden in Europa unzweifelhaft für jüdischen Geblüts gehalten werden. Das Vorkommen derartiger Gesichter unter den herrschenden Klassen hat bekanntlich gewissen Autoren Veranlassung gegeben, die Japaner von den verlorenen zehn Stämmen Israels abzuleiten." Die große Begabung der Japaner, die Raschheit und der Eifer, womit sie sich alle Errungenschaften der modernen Kultur aneigneten, spräche wohl für ihre israelitische Abstammung, aber das Fehlen jeder Spur mosaischer Religion spricht wieder dagegen. Und so dürfte diese Frage wohl zu jenen gehören, die erst „nach Ankunft des Messias" zur Entscheidung gelangen.

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