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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-30 · 53 (30.12.1904) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
53 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 63 Dr. Llocb's MocvenscvrM. Seite 558 Generalversammlung zur Entscheidung zu unterbreiten. Bei der Abstimmung werden 29 Stimmen zu Gunsten des Antrages und 62 dagegen abgegeben, derselbe erscheint somit abgelehnt. Sohin tritt Herr Eltbogen den Vorsitz Herrn Dr. Rosenthal ab und es wird zur Erledigung des Punktes ' der Tagesordnung geschritten, nämlich zur Wahl der 4 Vorstandsmitglieder. Ueber Vorschlag des Herrn Dr. Rosen thal werden als Skrutatoren mit Akklaniation bestellt die Herren P o l l a t s ch e k, D u b, R a u b i t s ch e k. Langer und Pollak. Herr Heuer rechtfertigt sein Fernbleiben von d?r am 13. d. M. stattgefnndenen Wahlve'samnilnna; dies gibt dem Herrn Schnitzler Anlaß zu einer Erwiderung Nach vollzogener Wahl gibt der Obmann der Wahlkommission das Resultat wie folgt bekannt: Es wurden 138 Stimmen abgegeben, hievon erhielten Herr A. Traube 119, Herr Wünsch 115, Dr. I Roth und Herr Adolf Feuer je 98, Herr Filipp Weiß 51, Herr Berth. Kaiser 49, die übrigen abgegebenen Stimmen haben sich zersplittert. Es erscheinen demnach gewählt die vier erstgenannten. Dieselben erklären, die auf sie gefallene Wahl anzunehmen. Zu Eventuellen beantragt Herr Läufer, daß künftig im Mitgliederverzeichnisse die Beschäftigung der Vereinsmitglieder angeführt werde, welchem Wunsche der Herr Vorsitzende namens des Vorstandes nachzukommen verspricht. Sohin wird die Versammlung geschlossen. Israelitischer Humanitäts-Verein für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschnruu“. Am 20. Dezember fand die 37. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines im Freitischlokale VI. Bezirk, Kollergerngasse 1, unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Präses Herr Dr. Carl Löwy begrüßt die Vereinsmitglieder sowie die erschienenen Gäste, darunter Frau Th. König als Vertreterin des Frauen-Wohltätigkeitsvereines, Herrn Baurat Max Fleischer als Präsidenten des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau, sowie das Ehrenmitglied des Vereines Herrn Redakteur Doktor I. S. Bloch. Aus dem von Herrn Dr. Carl Löwy verlesenen Jahresberichte entnehmen wir, daß die segensreiche Tätigkeit des Vereines allseitige Förderung verdient, denn er erhält einen Freitisch für arme Schulkinder, gewährt Unterstützungen an Arme, bekleidete auch heuer wieder 50 arme Kinder und verausgabte im heurigen Jahre für diese Zwecke 7000 Kronen. Leider sind aber die Mitgliederbeiträge im Rückgänge und es ist dem Vorstande nur durch die Veranstaltung eines Theaterabends unter Leitung des Präsidenten sowie einer Akademie, welche Vorstandsmitglied Herr Lemberger arrangierte, möglich gewesen, den großen Anforderungen zu entsprechen, da diese Abende einen Reinertrag von 1518 Kronen abgeworfen haben. Der Präses bittet daher die Vereinsmitglieder, sich eifrig zu bemühen, neue Mitglieder und Gönner dem Vereine anzuwerben. Der Verein entspricht einem hohen Bedürfnisse für die Notleidenden dieses Bezirkes und verdient allseitige Unterstützung jedes Menschenfreundes. Herr Leopold Pick meldet sich, um ein Komitee zu bilden, welches in diesem Sinne wirken soll. Kassaverwalter Herr König verliest den Rechnungsabschluß, welcher ebenso wie der Bericht des Revisors Herrn H. Liebermann zur Kenntnis genommen wird. Die laut § 15 der Statuten heuer zum Austritte gelangenden Vorstandsmitglieder Herren Richard Knepler, Ignaz Reschofsky, Moriz Tiller und Jaques Winkler werden einstimmig wiedergewählt, ebenso die bisherigen Revisoren Herren Liebermann und Ernst Schüller. Herr Dr. Kahn gibt Anregungen, um die berechtigte Propaganda für diesen Verein ausgiebig zu verwerten. Herr Baurat Fleischer spricht als Vorstandsmitglied des Tempelvereines, wie auch als Vereinsmitglied dem Vorstände in warmen Worten den Dank für sein eifriges und selbstloses Wirken aus. Zum Schlüsse betont noch Herr Dr. Bloch, daß der Vereinsvorstand stolz darauf sein kann, solche Erfolge zu erzielen und speziell in den letzten 10 Jahren auf große Fortschritte Hinweisen kann, trotz der Ungunst der Zeiten. Er wünscht dem Vereine, auch weiterhin immer größere Ausdehnung zu gewinnen. Hierauf dankt der Präses für die Anerkennung, welche den Leistungen des Vereinsvorstandes zu Teil wurden und schließt die Generalversammlung. Budapest. Die gut besuchte Jahresversammlung des VI. israelitischen Gemeindedistrikts nahm folgenden Verlauf: Präsident Martin Schweiger eröffnet die Versammlung und führt aus, er sei nun seit fünfunddreißig Jahre Präsident des Gemeindedistrikts und habe den Interessen der Judenheit stets nach besten Kräften gedient. Sein vorvorgeschrittenes Alter hindere ihn daran, diese Würde weiter zu behalten; es bedürfe einer neuen, im Kampfe gestählten Kraft, welche der makellosen Fahne zum Siege verhelfen soll. Er ersucht, seinen Rücktritl zur Kenntnis zu nehmen und ihm ein gutes Andenken zu bewahren. (Lebhafte Eljenrufe.) Dr. Paul Mandel sagt, er könne die Abdankung des Präsidenten nur schweren Herzens akzeptieren. Er beantragt, daß dem Danke für den scheidenden Präsidenten im Protokoll Ausdruck verliehen und Schweiger zum Ehrenpräsidenten des Gemeindedistrikts gewählt werde. (Begeisterte Eljenrufe.) Aus Antrag Paul S a n d o r's erfolgten hieraus die Wahlen mit Akklamation.' Präsident wurde Dr. Moriz Mezei, Präsident-Stellvertreter Joseph v. Hatvany- Deutsch, Vorsteher Sigmund B r o d y, Dr..Ludwig Ke csk e m e t i (Kecskemet), Sigmund K o h n e r, Dr. Franz M ez ey, Karl S v a b, Paul T e n c e r, Berthold Weiß, Dr. Simon Weiß (Kalvcsa). Dr. Moriz Mezei übernahm, mit stürmischen Eljenrusen begrüßt, das Präsidium und entwickelte sein Programm. Nachdem er mit Anerkennung die Verdienste seines Amtsvvrgängers und des ersprießlichen Wirkens des Leiters der Zentralkauzlei Dr. Joseph Simon gedacht hatte, kennzeichnete er die Richtung, welche er als Präsident befolgen will. Er betont vor Allem, daß es eine jüdische Autonomie, von welcher Optimisten behaupten, dieselbe sei verkümmert, eigentlich gar nicht gebe. Von dem, was der vor 35 Jahren abgehaltene Kongreß geschaffen hat, ist nichts übrig geblieben als der Gemeindedistrikt. Der sonstige Landesverband konnte seitdem nicht hergestellt werden. Sein ständiges Bestreben wird in Hinkunft dahin gerichtet sein, daß ein die ganze ungarische Judenschaft umfassender Verband geschaffen werde. Bis dies möglich sein wird, wird er dahin, streben, daß die Distriktseinheit ein unmittelbareres Leben als bisher entwickle. In der Leitung der Distriktsaugelegenheiten will er zwischen dem Distrikt und den einzelnen Gemeinden eine häufigere Berührung schaffen. Er will die Gemeinde» besuche einsühren und den Gemeinden hilfreich beistehen, wo dies sich als nvttoendig erweist. Hievon erhofft er die Entwicklung der lebendigen und gegenseitigen Rückwirkung und der Sympathie. Es muß das Interesse für die Autonomie geschaffen werden. Redner bemängelt es, daß bei der bisherigen Gebarung die Gemeinden niemals davon Kenntnis erhalten konnten, was in der Zentrale geschah. Deshalb wünscht er, der Oeffentlichkeit größeren Raum zu gewähren. Seiner Ansicht nach müssen periodisch und systematisch Vorstandssitzungen abgehalten werden. Er als Präsident werde an allen das ungarische Judentum interessierenden Angelegenheiten teilnehmen. Dafür ist er dem Kongreß verantwortlich. Wenn kein Kongreß stattfindet, dann ist er jener Körperschaft Rechenschaft schuldig, an deren Spitze er gestellt wurde. Hierauf geht er auf jenen Punkt des Jahresberichtes über, welcher von der Herstellung des Friedens mit den abgefallenen Brüdern handelt. Auf dem 1868er Kongresse waren es zwei grundlegende Fragen, wegen deren die Sezession erfolgte. Die eine dieser Fragen war das israelitische Seminar, von welchem die Orthodoxen nichts hören wollten. Hätte die Judenheit in dieser Frage nachgegeben, so wäre der Friede vielleicht zustande gekommen. Er glaube aber, daß cs in der Versammlung keinen einzigen Juden gebe, der diese Institution opfern wollte. Die zweite Frage war die Angelegenheit der althergebrachten Zeremonie; in diese konnte man sich aber gleichfalls nicht einlassen, weil sich der Kongreß mit Religionssragen nicht befaßte. Wenn mit- Aufrechterhaltung dieser beiden Angelegenheiten der Friede hergestellt werden kann, so ist er geneigt, bis zur äußer st en Grenze der Nachgiebigkeit zu gehen. Wenn die Verhandlungen zu keinem Resultate führen sollten, wird er mit voller Kraft dahin wirken, die Autonomie zu erkämpfen. Redner wird bestrebt sein, durch Einberufung eines neueren Kongresses die Sache zur Entscheidung zu bringen. Aus den gegenwärtigen Wirren müsse man auf jeden Fall herauskommen. Dr. Soma V i s o n t a i spricht seinen Dank dafür aus, daß der Bericht die triste Lage der Judenschaft unverhüllt darlege. Es seien das sehr betrübende Dinge, die der Bericht zur Kenntnis bringt. Während die Protestanten

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