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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-30 · 53 (30.12.1904) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
53 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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L>ett 854 Dr. Dlocb's Mlocbenscbrttt. Sir. 53 wird es sein, die geeigneten, leistungsbereiteu Mitglieder aus ihrer Mitte zu finden und der Beaufsichtigung der Kinder bestimmte, kontrollierbare Formen zu geben. Die anderwärts bei Waisenvätern und Vormünder gemachten Erfahrungen, daß dieselbe ihre Schutzbefohlenen nicht einmal von Person kennen, werden sich hoffentlich bei den Bezirkskommissionen keineswegs wiederholen. Uebrigens ist die Beaufsichtigung an sich keine leichte Arbeit. Die Pflege der Kinder, angesichts der bescheidenen Wohnräume, der primitiven hygienischen Behelfe, welche bei den wenigbemittelten Pflegeparteien verfügbar sind, ins richtige Geleise zu bringen, erfordert ernsten Willen und eine gewisse Routine; sehr erwünscht wäre es, zu dieser Seite der Beaufsichtigung die Frauen heranzuziehen — zunächst die Gattinnen der Kommissiousmitglieder. Noch schwerer erscheint es, die moralische und konfessionelle Führung der Kinder zu behüten und dieselben wenigstens vor argen Störungen zu bewahren. Solche Störungen kommen nicht selten vor, zumal die Kinder in ihrer schulfreien Zeit fast immer ohne Aufsicht sind. Hierauf sind zunächst alle Bestrebungen zu konzentrieren und muß, jedenfalls für ein fachkundiges Hilfsorgan gesorgt werden- Um bessere Zustände herbeizuführen, wurden von berufener Seite zwei Wege vorgeschlagen: Die Kinder nicht einzelweise, sondern in Gruppen von 5—10 Köpfen einer geeigneten Pflegepartei au zuvertrauen, und durch solche Summierung von Pflegegeldern wirtschaftlich Besseres zu ermöglichen — sodann Kinderhorte zu errichten, um die Kinder in der schulfreien Zeit unter Aufsicht zu haben. Es wird Sache der Kommissionen sein, diesfalls Erfahrungen zu sammeln und Anträge zu stellen, welche den Bedürfnissen der Kinder, sowie den Finanzen der Kultusgemeinde entsprechen. Gewissenspflicht jedes Kommissionsmitgliedes, das sich der obgedachten Aufgabe unterzieht, wird es sein, das Ziel der ganzen Aktion im Auge zu behalten: es sollen die „verlassenen Kinder" zu guten Juden und anständigen Menschen heran gebildet werden. Dr. M. St. Die Generalversammlung des Brigittenauer israelitischen Tempelvereiues hat am 15. Dezember stattgefunden. Der Obmann Herr Herm. Eltbogen begrüßt die Erschienenen und teilt mit, daß der von der Wiener israelitischen Kultusvorstehung zur heutigen Generalversammlung delegierte Obmann der Bezirkskommission für den II. und XX. Bezirk Herr Schramek sein Fernbleiben entschuldigt hat. Der Herr Obmann gedenkt des Hinscheidens des gewesenen Vorstandsmitgliedes Herrn Adolf Kummermann, der vormaligen Vereinsmitglieder der Herren Adolf Weiß, Hermann Ranzenhofer, Jakob L i e b l e i n und Marc. Elias, sowie des gewesenen Kultusvorstandes Herrn T e l t s ch e r und des Herrn Doktor Theodor H e r z l und erbittet sich die Zustimmung der Vereinsmitglieder zur Einverleibung dieser Trauerkundgebung in das Protokoll über diese Versammlung. Sämtliche Anwesende erheben sich zum Zeichen der Trauer und der Zustimmung zu dem gestellten Anträge. Herr E! t b o g e n erwähnt sohin das Ausscheiden des gewesenen Präsidenten Herrn Heinrich K l i n g e r aus dem Präsidium des israelitischen Kultusvorstandes in Wien und des Eintrittes des Herrn Dr. Alfred Stern an dessen Stelle. Der Herr Obmann hebt das steigende Gedeihen des Vereines hervor und schreibt dasselbe der aufopferungswilligen Mitwirkung der Vereinsmitglieder an den Bestrebungen des Vereines zu. Das Vereinsvermögen für das abgelaufene Vereinsjahr ist gewachsen, allerdings nur um einen kleinen Betrag; hoffentlich werde sich die finanzielle Lage des Vereines bessern. Hieran knüpft der Herr Obmann einen Appell an die Vereinsmitglieder, ihre Opferwilligkeit auch in der Zukunft nach Kräften zu betätigen. Ter Vorstand sei bestrebt gewesen, die Einnahme zu fördern, die Mitgliederzahl zu erhöhen. Herr Ellbogen erwähnt ferner, daß der Tempelbesuch ein guter gewesen sei und daß der Vorstand für einen schönen Gottesdienst gesorgt habe. Bezüglich der Rabbinerfrage stehe der Verein auf dem alten Standpunkt; der Vorstand mache es sich jedoch zur Aufgabe, den Wunsch der Vereinsmitglieder, wenn möglich, in Erfüllung zu bringen. Es mögen die Letzteren den Vorstand in jeder Richtung auch künftighin bei Austrebung der Vereinszwecke unterstützen. Herr Hermann Plaschkes erhebt gegen den Herrn Obmann den Vorwurf, daß durch sein Verschulden der Verein in der Rabbinerfrage nicht vorwärts gekommen sei; der Delegierte der Kultusgemeinde bei der vorjährigen Generalversammlung, der seither verewigte Herr Teltscher, habe die Zusage erteilt, in der Kultusvorstehung für die Gewährung einer Subvention an den Verein behufs Bestellung eines Rabbiners einzutreten und habe auch in der Kultuskommission des Kultusvorstandes einen Antrag auf eine solche Subvention in der Höhe von 2000 Kronen eingebracht. Der Herr Vizepräsident Dr. K o h n habe diesen Antrag unterstützt, Herr Eltbogen sei jedoch dagegen gewesen, habe vielmehr die Bestellung eines Gemeinderabbiners für den Verein verlangt. Bei der aus Mitgliedern des engeren und verstärkten Vorstandes zusammengesetzten Deputation, an das Präsidium der Kultusgemeinde, habe sich wohl Herr Dr. R o s e n t h a l für einen Rabbiner, der dem Vereine beigegeben werden soll, eingesetzt, es wäre jedoch Pflicht des Herrn Obmannes gewesen, in der Kultuskommission für Bewilligung einer Subvention von 2000 Kronen einzutrcten; es sei Pflicht der Kultusgemeinde, uns einen Rabbiner zu bestellen. Wenn der Herr Obmann sagen würde, du Kultusgemeinde mußt unsere Geschäfte besorgen, sonst legen wir die Mandate nieder, würde er die Bestellung eines Rabbiners für den Verein durchsetzen. Herr Dr. R o s e n t h a l stellt die Ausführungen des Vorredners dahin richtig, daß Herr E l t b o g e n sich bei der erwähnten Deputation mit einer seltenen Energie für die Bestellung eines Rabbiners für unseren Verein eingesetzt hat. Der Deputation fei es aber nicht möglich gewesen, das Präsidium für die Sache zu gewinnen; es seien bloß dezitirte Versprechungen gemacht worden, daß bei allen Anlässen, wo die Anwesenheit eines Rabbiners im Vereinstempel notwendig sei, ein solcher uns beigcstellt werde. In der Rabbinerfrage identifiziert sich der gesamte Vorstand mit seinem Obmann. Ueber Antrag des Herrn B a u m g a r t e n wird nun Schluß der Debatte über den l. Punkt, nämlich Bericht des Obmannes angenommen. Herr Dr. Joh. Schreiber erklärt sich im Großen und Ganzen mit den Ausführungen des Herrn P l a s ch k e einverstanden, jedoch nicht mit dem von ihm ausgesprochenen Mißtrauen an den Obmann und an den Vorstand. Herr Dr. Schreiber bedauert das Nichterscheinen eines Delegierten der Knltusgemeinde und spricht sein Mißfallen darüber aus. Es sei zu prüfen, ob die Befriedigung der Kultusbedürfnisse eine Sache des freien Ermessens sei oder ob der Verein einen rechtlichen Anipruch habe. Die Kultusvorstehung habe in der Rabbinerfrage nicht ihre Pflicht erfüllt, dagegen sei dem Vorstände des Tempel- Vereines und dessen einzelnen Mitgliedern Anerk nnung auszusprechen.' Die Frage stehe so: entweder sei ein Rabbiner für einen Tempel notwendig oder nicht, ist er notwendig, was zu bejahen sei, dann müßte er auch bestellt werden, und wenn es dem Kultusvorstande gegenüber nicht mit dem Bitten geht, so müßte es mit dem Fordern gehen; es sei ein Vereins-Rabbiner anzustellen und die erforderlichen Mittel seien von der Kultusvorstehung beizustellen. Herr Schnitzler verliest den von ihm in der Wählerversammlung vom 13. Dezember 1904 eingebrachten und von derselben angenommenen Resolutionsantrag auf Verzicht der Kultusvorstehung rücksichtlich der Zinsen ihres auf dem Tempel hypothczierten Darlehens und Gewährung einer Subvention von X 4000.— für die Dauer von fünf Jahren. Der Obmann widerlegt Herrn Plaschkes, definiert den Unterschied zwischen Gemeinde- und Vereinsrabbiner und berichtet, daß er in der Kultnssektion der Kultnsgemeindevorstehung die Dotierung eines Betrages von K 4000. jährlich für einen für den Vereinstempel zu bestellenden Vereinsrabbiner beantragt habe, der Antrag sei sohin in das Vetreterkollegium gebracht worden, wo derselbe gefallen ist; dessen ungeachtet sei die Angelegenheit in das Plenum gekommen, dort sei der Antrag gleichfalls abgelehnt worden. Herr Eltbogen weist den von Herrn Plaschke gemachten Vorwurf mit großer Entrüstung zurück. Dem Herrn Dr. Schreiber gegenüber bemerkt der Obmann daß er es selbst bedauere, daß von den mehreren Delegierten zur heutigen Versammlung niemand erschienen ist. Was die von Herrn Schnitzler beantragte Resolution betreffe, so stimme er derselben bei; sie sei aber nicht notwendig, da ohnehin ein ähnlicher Vorstandsbeschluß bestehe. Hierauf wird dem Vereinsvorstande das Absolutorium erteilt mit allen gegen eine Stimme. Herr Jos. Kohn, Sekretär des Herrn Rudolf Auspitz, begründet seinen rechtzeitig eingebrachten Antrag auf Erhöhung der Mitgliederbeiträge von K 8.— auf X 12.— jährlich. Es bestehe bei keinem einzigen Tempelverein ein so niederer Mitgliederbeitrag wie im Brigittenauer, auch erheische die finanzielle Lage eine Erhöhung der Beiträge. Nicht an die Kultusgemeinde haben wir uns zu wenden, sondern aus eigenen Kräften müssen wir uns helfen. Sohin empfiehlt Jos. Kohn die Annahme seines Antrages. Gegen denselben iprechen die Herren Federmann, Läufer und Steiger, und nachdem über Antrag des Herrn Schnitzler Schluß der Debatte angenommen wird, .Herr Dr. Heinrich Schreiber und Herr Dr. Landesberger, dagegen spricht für den; ntrag Herr Dnb. Herr Sekretär Kohn erklärt, seinen Antrag nicht zurückzuziehen und empfiehlt nochmals die Annahme desselben. Herr Pollak beantragt Konstatierung des Stimmenverhältnisses. Auf Wunsch des Herrn Dr. Schreiber, die Ansicht des Vorstandes in dieier Frage zu erfahren, erwidert Herr Eltbogen, daß der Vorstand cs dafür gehalten habe, den Antrag der

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