Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 52 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 52 Dr Dlocb's Mocbenscbrttt. Seite 841 Z«w Antrag des KuLtusvorftehers Herrn Vars» Rates W. Pollak in der Borftandssitzung vom 11. Dezember. In der Sitzung vom 11. Dezember hat kais. Rat Herr Wilhelm Pollak die dankenswerte Anregung geboten, in einzelnen Wiener Bezirken den täglichen Morgengottesdienst zweimal abhalten zu lassen. Der Antrag verdient volle Würdigung und Unterstützung. Zahlreiche Gemeindemitglieder, speziell in der Inneren Stadt, empfinden das Bedürfnis, Kaddisch zu sagen. Viele von ihnen sind aber gewöhnt, erst um 8 Uhr aufzustehen. Des Gottesdienstes wegen würden sie sich vielleicht bequemen, eine Stunde früher das Bett zu verlassen. Wenn aber der Gottesdienst um 7 Uhr stattfindet, so müssen diese Leute bereits um um 6 Uhr aufstehen, was in der Winterszeit für viele ein schweres Opfer ist, das man hie und da bringt, aber nicht die ganze Saison hindurch. Die Institutionen der Kultusgemeinde sollen aber so eingerichtet sein, daß sie geeignet find, den Besuch des täglichen Gottesdienstes zu fördern. In der Kirche wird die Messe um 6, um 7 und um 8 Uhr gelesen. In einzelnen Synagogen wird speziell am Sabbath ein Frühgottesdienst abgehalten. Warum sollte an Wochentagen nicht ein doppelter Gottesdienst abgehalten werden können, um von den besser situierten Leuten, wenn sie den Tempel besuchen wollen, nicht erst ein Opfer ihrer Lebensgewohnheit zu verlangen? Es liegt im konservativen Interesse der Kultusgemeinde, die Pietät zu fördern und den Besuch des Gotteshauses zu erleichtern. Herr kais. Rat Wilhelm Pollak hat durch diese seine Anregung zweifellos ein hohes Verdienst sich erworben und hoffentlich wird auch sein Antrag bei der Majorität des Kultusvorstandes Anerkennung finden. Die deutsche Sprache und die „Deutsch-Bölklichen". In der Nummer 51 vom 18. Dezember 1904 der in Wien erscheinenden „Juristischen Blätter"- (Seite 608) finden wir folgende zwei Inserate: 1, „Advokaturskandidat, Dr. jur., Deutscher (Arier), sucht Konzipientenposten ab 15. Jänner bei deutschem (arischem) Advokaten. Selber hat sein Gerichtshofsjahr mit vorzüglicher Qualifikation absolviert und ist der tschechischen Sprache in erforderlichem Aus maß mächtig. Offert e n unter Dr. M. an die Admin." Ein deutscher Doktor, der der deutschen Sprache mächtig ist, hätte den den zweiten Satz des Inserates stilisiert wie folgt: „Derselbe hat das Gerichtshofsjahr . . . absolviert und ist der tschechischen Sprache in erforderlichem Maße mächtig. Offerte . . ." 2. Konzipientenposten pro Jänner in Wien wird gesucht von einem Arier mit zweijähriger Gerichtspraxis. Zuschriften erbeten ..." Dieser arische Doktor sucht offenbar eine Stelle „in Wien ab Jänner". Nach dem Wortlaut seines Inserates sucht er aber einen Posten „pro Jänner in Wien" — also pro Februar in einer anderen Stadt! Wien. Am verflossene» Sabbath — Ehanuka — hielt Seine Ehrwürden Herr Gemeinderabbiner M Mayer sohn in der Synagoge des Beth-Jsrael-Vereines vor einem zahlreichen Publikum die übliche Festderascha. Dieselbe gliederte sich in Halacha und Hagada und verstand es der geistreiche Redner, die beiden Teile meisterhaft zu verschmelzen und zu einem Ganzen abzurunden. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die zahlreichen Talmudzitate zu reproduzieren, die in dem mehr als eine Stunde währenden Vorträge eine treffliche Auslegung fanden. Wenn wir dennoch ans der reichhaltigen Derascha einige Momente hervorheben und wiedergeben, so geschieht dies, weil sie das öffentliche jüdische Leben berühren und weil sie eine aktuelle religiöse Frage behandeln, die, erst jüngst aufgerollt, speziell für die Judenschaft Niederösterreichs Interesse erregen und auf der Tagesordnung stehen sollte. Auf die Bedeutung des Chanukafestes übergehend und an die damaligen Ereigniffe anknüp end, kam der Redner auch auf die jetzige Situation des Judentums zu sprechen. Gleichwie das Judentum der damaligen Zeit — betonte der Redner — zur Verteidigung des Glaubens den moralischen Kampf gegen seine Feinde aufnehmen mußte, ebenso ist dies jetzt der Fall, an.n D'a’a das, was sich in jenen Tagen abspielte, ntn ja72 das spielt sich auch jetzt vor unseren Augen ab. Nicht genug, daß die reaktionären Elemente der Gegenwart uns in unserer sozialen und materiellen Existenz bedrohen, haben sie es auch auf nnsere Religion abgesehen und schrecken auch davor nicht zurück, gewiffe religiöse Einrichtungen, die von dem Judentume Jahrtausende hindurch frank und frei ausgeübt und auch von Andersgläubigen nie bemängelt wurden, anzutasten und sie ° ls dem modernen Zeitgeiste zuwiderlaufend hinzustellen. Das Schächtgebot, jenes Gebot, von dem mau sagen kann -pa -prc “mim daß es der Jude gleichsam mit dem inneren Organismus seines Körpers zur Geltung bringt, sei — so erklärten einige jener bekannten Kulturverbesserer in der jüngst stattgehabten Sitzung des Niederösterreichischen Landtages — ein Verstoß gegen den humanen Geist unserer Zeit, eine Prozedur, die nichts anderes als eine Tierquälerei bedeutet und nach Ansicht der modernen Tierschutzvereine behördlicherseits nicht geduldet und untersagt werden sollte. Abgesehen davon, daß beim Schächten laut Bestimmungen des Schulchan-Aruch — dessen Inhalt die Herren Gegner angeblich so genau kennen — strenge darauf hingewiesen wird, alles zu v rmeideu, was dem Tiere Schmerzen und Qualen bereiten könnte, haben ja auch schon die zahlreichen Gutachten seitens nichtjüdischer Fachmänner längst dargetan, daß das Schächten dem Tiere fast gar keinen Schmerz verursachte und demnach als das praktischeste Tötungsmittel der Tiere bezeichnet werden muß. Aber auch vom hygienischen und sanitären Standpunkte aus ist es längst erwiesen, nanrm aanaarr Hin -- c-ayn TJ?1? daß das Schächten, d. i. die rasche Bltttentleerung, sowie die darauf folgende nbm die Untersuchung des Tieres auf seinen Gesundheitszustand seitens des Schächters, rituelle Vorschriften seien, die sich nickt nur in ihrer Eigenschaft als religiöse Akte, sondern auch vom praktischen? tandp nkte aus seit uralter Zeit als w ise Einrichtungen bewährt haben. Wohl haben die Behörden in neuester Zeit die Verfilzung getroffen, daß das geschlachtete Vieh von berufenen Tierärzten im Schlachthause auf seinen Gesundheitszustand geprüft werde, allein gerade darin, weil diese Verordnung erst in neuester Zeit erflossen und weil dieselbe sich nur über das Groß- und Kleinvieh und nicht über das Federvieh erstreckt, trotzdem auch bei letzteren nicht minder sanitäre Vorsichtsmaßregeln erforderlich sind, gerade darin liegt die unverkennbare Tatsache, daß dem Judentume in pnueto der geeignetsten Schlachtmetbode und Untersuchung des geschlachteten Tieres das Prioritätsrecht eingeräumt werden muß. Sollten aber die Herren vom grünen Tische trotz all dieser Argumente darauf beharren, daß das Schächtverbot eine Errungenschaft unserer fortschrittlichen Zeit involviere, dann rufen wir ihnen zu: vcia by mbraa rbl'n ab Versuchet nicht auf dem Schächtgebiete Vorteile und Verbesserungen einzuführen “HPK vbp inny nb:n sb weil ihr damit aus den angeführten Gründen euch nur Blößen geben und Blamagen anssetzen würdet. Hoffen wir — schloß der Redner unter sichtlicher Begeisterung der Zuhörerschaft — daß der bin®' "ia'tf der uns nnn Q’a'3 feine Hilfe hat angedeihen lassen rnn jan auch in unserer jetzigen Zeit in Schutz nehmen und uns beistehen wird in dem mc>ralllchen Kampfe um die Verteidigung unseres Glaubens und um die Verherrlichung und Verehrung Gottes und seines heiligen Namens, jas Prag. (Regelung des Religionsunterrichtes.) Bekanntlich haben sowohl die Prager Kultusgemeinde- Repräsentanz als auch der Rabbinerverband und der Landeslehrerverein im Lauft der Jahre wiederholt sich an den Landesschulrat und Mt das Unterrichts-Ministerium mit Wünschen und Anträgen, betreffend den israelitischen Religionsunterricht an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen, gewendet, ohne daß bisher eine Erledigung ersolgt wäre. Der Vertreter unserer Konfession im Landesschulrate Herr Dr. B e n d i e n e r hat nun abermals Veranlassung genommen und eine Reihe von Anträgen gestellt, worüber in der gestrigen Plenarsitzung unter dem Vorsitze Sr. Exzellenz des Statthalters verhandelt wurde. Wie wir erfahren, wurde beschlossen, zunächst sich mit der Prager Kultusgemeinde ins Einvernehmen zu setzen, um eine Prüfungskommission ins Leben zu rufen, weiters beim Ministerium zu befürworten, daß den Gemeinden in Böhmen ein einheitlicher Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht anempsohlen werde, ferner die Beschaffung von approbierten hebräischen Lehrtexten und Lehrmitteln anzustreben. Es ist noch eine Reihe weiterer, den jüdischen Religionsunterricht fördernder Beschlüffe gefaßt worden und hoffen wir, die günstige Wirkung derselben bald zu erfahren. Bericht des israelitischen Proseminarvereines in Brünn für die Jahre ISQ1—19411 Eine Erfahrung, die man bei Begründung und Entwicklung gemeinnütziger Vereine öfter zu niachen Gelegenheit findet, trat auch im letzten Triennium bei unserem Vereine in keineswegs erfreulicher Weise hervor: daß nämlich eine'Wirksamkeit, die ihrem ganzen Wesen nach eine bescheidene Reserve zu bewahren hat, die nicht augenfällig sich entfalten kann und ebenso wenig auf sofortige Erfolge Hinweisen, als eine übereiftige, um nicht zu sagen, reklamehafte Agitation befunteit