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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-23 · 52 (23.12.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 840 Dr. Llocb's MocbenscbrtN. Nr. 62 gleichgiltig, wie groß oder klein ihre Zahl in einer einzelnen Klaffe ist, überall den allein Erfolg versprechenden, regelmäßigen klaffenmäßigen, internen Unterricht. Bei den protestantischen Kindern in Wien wird die Härte der fraglichen Gesetzesbestimmung dadurch abgeschwächt, daß so große Minderheiten nicht leicht in einer Schule Vorkommen, da sie Gelegenheit haben und zum Teile diese Gelegenheit benützen, die protestantische Schule zu besuchen, für welche von der Stadtgemeinde Wien alljährlich eine ziemlich bedeutende Subvention bewilligt wird. Gerade aber bei den jüdischen Kindern kann der Unterricht von 79 Kindern bei dem Ausmaße von einer Stunde per Woche je in der I. und II., von zwei Stunden je in der III., IV. und V. Klaffe und bei der durch diese Bestimmung begünstigten Kontrahierung von Klaffen nur als ein Unterricht pro forma, d. h. at aliquid fecisse videatur erscheinen, zumal auch mit Rücksicht auf den Umstand, daß der Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht ein komplizierterer ist und sein muß. Hierzu kommt noch folgendes: Bisher bestand die Praxis, daß der Kultusgemeinde gestattet war, gegen einfache Anzeige Parallelklaffen zu errichten, die Teilung des Unterrichtes in den einzelnen Klaffen vorzunehmen, allerdings mußte eventuell die Kultusgcmeinde die Kosten dieser Parallelklassen, die Kosten dieser Teilung auf sich nehmen. § 12 al. 4 des Schulgesetzes ändert dies und verlangt überhaupt, also auch in solchen Fällen, wo die Kultusgemeinde die Kosten auf sich nehmen würde, eine besondere vorgängige Bewilligung des Landesschulrates zur Teilung der Klasse, macht also schon den Beginn des Unterrichtes von Fall zu Fall von einer besonderen Bewilligung abhängig. Auch gegen diese geplante Abänderung, welche sich gleichfalls als eine Verschlechterung des israelitischen Religionsunterrichtes darstellt, hat der Vorstand Einsprache erhoben. (Lebhafter Beifall.) Adolf v. Somienthal. Als Jüngling feierte Meister Sonnenthal seinen 70. Geburtstag. Niemand glaubt ihm sein Alter, nur die Lebensarbeit im Dienste der Kunst bestätigt die Tatsache, daß er zum Patriarchen avanciert ist. Wer sich ums Theater gekümmert hat, der weiß, daß er ehemals ein Schneider war und heute der würdigste Seigneur der deutschen Bühne ist; was er aber für die Kunst bedeutet, ist von so vielen klugen Männern so oft gewürdigt worden, daß man ein wenig Nachdenken braucht, um sich gleich zurechtzufinden. Die große Menschengüte ist der Naturboden der Sonnenthal'schen Kunst, und aus diesem fruchtbaren Ackerland hat der Künstler seine reifften Früchte gezogen, so wurde mit Recht seine urejgentümliche Genialität gekennzeichnet. Er ist nicht wie Baumeister ein Mann der innerlich verschlossenen Güte, der knappen, starken Männlichkeit, sondern ein Mann der überredenden, predigenden, herzlich ergreifenden Güte. Er ist ein Schauspieler, der sein Herz immer auf der Zunge trägt, dessen Gefühle leicht überströmcn, dem leicht die Träne quillt. Durch alle Tiefen seiner Kunst sieht man die gehaltvolle warme Menschlichkeit, die ihn von den schauspielerischen Virtuosen, welche die Worte gleich Federbällen in die Luft weiten und mit ihren Schauspielkünsten ein luftiges Spiel treiben, scheidet. In seiner Kunst offenbart sich die innere Natur des jüdischen Volksstammes, den: er stets in Treue ergeben blieb. Von den zahlreichen Deputationen, welche am Mittwoch, dem Jubiläumstag, beim Meister Sonnenthal zur Begrüßung erschienen waren, erwähnen wir das Kuratorium des „Jüdischen Museum ", deffen Vizepräsident der Gefeierte ist. Es hatten sich aus diesem Anlasse eingefunden: Der Präsident Baurat S t i a ß n y, der Vizepräsident Hofrat Profeffor Politzer, ferner die Kuratoren Professor Ignaz Brüll, Profeffor Dr. Sal. E h r m a n n, Baurat Max Fleischer, Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt, Maler Isidor Kaufmann, Hoftat Sigmund T a u s s i g, Ehren-Sekretär Dr. Bela T a u s s i g und Custos Emil I e l l i n e k. Schriftlich hatten ihre Abwesenheit entschuldigt: die Kuratoren Oberrabbiner Dr. Moriz. Güdemann, Abraham E p st c i n, Hoftat G r ü n h u t und Maler Leopold H o r o v i tz. Baurat S t i a ß n y hielt folgende Ansprache: „Verehrter Meister! Am heutigen Tage huldigt Ihnen die Gesamtheit der gebildeten Welt aller Orten. In den weiten Kreis der Glückwünschenden treten auch wir, Ihre Kollegen im Kuratorium des jüdischen Museums. Heute wie immer nennen wir Sie mit Stolz und Bewunderung den Unserigen. Heute aber mehr denn zu anderen Zeiten fühlen wir, was Sie, hehrer Meister, uns galten, was wir alle Ihnen schulden. Lassen Sie uns dies mit schlichten Worten, welche die Dankbarkeit uns eingegeben, zum Ausdrucke bringen." Die Adresse, welche nunmehr zur Verlesung gelangte, hat folgenden Wortlaut: „Hochverehrter Meister! Am heutigen Tage feiert die gesamte gebildete Welt Ihren 70. Geburtstag. Wo immer der Name Sonnenthal ertönt, erweckt er die Gefühle der Begeisterung und Bewunderung in jedem, der auch nur ein einzigesmal so glücklich gewesen ist, die wundervollen, lebenswahren und doch gleichzeitig idealen Gestalten zu erschauen, welche Ihr unvergleichlicher Genius vor dem Auge und dem Herzen des Zuhörers hervorzuzaubern vermochte. Gestalten aus alter und neuer Zeit, Heroen und Menschen der modernen Gesellschaft, Könige und Bettler, Greise und Jünglinge, haben Sie in vollendeter Form geschaffen wie Keiner vor Ihnen und wohl kaum Einer nach J(nen. Aber uns, die wir Ihnen glaubensbrüderlich nahestehen, uns erfüllt es mit besonderem Stolze, daß Sie eine der herrlichsten Glorifikationen unseres Volksstammes, ein Wahrzeichen jüdischer Tugenden, den edlen, weisen Nathan durch Ihre große Kunst zu neuem Leben erweckten. Was Sie, hochverehrter Meister, in Ihrem bekannten Edelmute für unsere Gesellschaft geleistet haben, wie die Töne, die aus Ihrem fühlenden Herzen gekommen, magisch die Herzen Ihrer Zuhörer angezogen, ihre Gemüter über die Sorgen des alltäglichen Lebens hinweggehoben haben. Dies Alles wird nicht nur ein Ehrenblatt in den Annalen unserer Gesellschaft bilden, sondern dies wird auch in der Geschichte unseres Volkes bis in die fernsten Zeiten fortleben. Der Name: Adolf Sonnenthal wird unvergeßlich bleiben. Möge es Ihnen gefällig sein, unserer Gesellschaft, welcher Sie seit ihrer Begründung als leuchtendes Juwel angehören, auch der Zukunft Ihre Synipathien zu erhalten und uns durch Ihr freundschaftliches Wohlwollen zu beglücken. Wir geben dem innigen Wunsche Ausdruck: Sie mögen uns in der geistigen und Körperfrische, deren Sie sich erfreuen, noch lange erhalten bleiben, zur Freude Aller, die Sie lieben und verehren." Die Adresse, in einfacher aber geschmackvoller Weise von dem Maler D. Marcus ausgeführt, ruht in einer weißen, mit Lorbeerblättern und vergoldeten Ornamenten verzierten, im Atelier B u ch w a l d hergestellten Enveloppe, welche mit dem Embleme, des Museums, einem siebenarmigen Leuchter, geschmückt ist. Nach Ueberreichung der Adresse richtete der Präsident folgende Schlußworte an S o n n e n t h a l: „Indem ich Ihnen, verehrter Meister, dieses Zeichen der Erinnerung, der Liebe und Treue Ihrer Kollegen überreiche, gestatte ich mir noch die Mitteilung, daß das Kuratorium beschlossen hat, Ihr Bildnis in einer Guß-Plaquette aus Edelmetall durch Künstlerhand ausführen zu lassen, das Original Ihnen, unserem verehrten Vize-Präsidenten, in feierlicher Sitzung des Kuratoriums zu überreichen und ein zweites Exemplar in unserem Museum für immerwährende Zeiten zur Aufstellung zu bringen." Auf diese Mitteilung des Baurates S t i a ß n y erwiderte Svnnenthal, daß ihn die Ehrung, die ihm* durch Anfertigung einer Plaketie zu teil werden soll, besonders freue, und daß er dieselbe mit bestem Danke annehme. Sonnenthal überreichte jedem der Herren ein ihm gewidmetes Breloque, das ihm Meister Schwerdtner zugesendet hatte.

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