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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Blocb s Mocbenscorm. Seite 831 „Also" — er las weiter — „meine Mutter weinte Tag und Nacht, denn sie schämte sich sehr, es mir zu sagen. Ich wollte aber sür mein Leben gern in eine große Stadt, um etwas zu lernen, denn man bleibt in so einem kleinen Orte unwissend, und ich sehnte mich sehr nach Kiew. Auch sagte ich der Mutter, daß ich mich kränke, weil ich sie nicht sollte ernähren können. Eines Tages ging sie dann mit mir auf den Friedhof zu des Vaters Grab. Dort beteten wir lange, und die Mutter weinte sehr und bat ihn um Verzeihung, daß sie seinem Namen solche Schande zufüge. Dann beteten wir auf dem Grabe der Großmutter und des Großvaters, der ein berühmter Rabbi gewesen war." Iwan, der Wüterich, hatte sich auf eine lehnenlose Bank gesetzt, die an der Wand nahe dem Tische stand — er war recht nachdenklich geworden. Manchmal murrte er etwas Unverständliches vor sich hin, was sehr widerspenstig klang. Als der Beamte jedoch die Vorlesung unterbrach, rief er: „Nun, und?" „Nun?" entgegnete dieser. „Was denn noch? Wenn sie als ehrliches Mädel stenographieren lernen will — das darf sie nicht, wenn sie aus dem dumpfen, verfaulten Nest Herausgucken will ins Helle, freie Kiew — keine Möglichkeit, kein Ausweg. Wenn sie aber das gelbe Billet*) hat, pfui Teufel!" — er spie aus bei diesem Wort — „dann kann sie hingehen, wo sie will, Heiliger Wladimir, steh' uns bei, daß wir es nicht einmal büßen müssen!" rief er wie verzweifelt. Kommt sie und will arbeiten lernen, sich und allen anderen nützen und dienen — nein, hinaus mit Dir, das ist gefährlich! Kommt sie aber und sagt-' „Ich will meinen jungen Leib verkaufen — ich will ein Haufe voll Sünde und Pestilenz werden" — dann alle Freiheit für Dich und Dein Laster." Eine lange Pause folgte diesen Worten. Iwan ging in die Amtsstube, wo man ihn gerufen hatte. Er kam dann wie mit geheimer Gewalt angezogen zu dem Protokollschreiber zurück. „Nun", fragte er, „und wie ist es denn aufgekommen?" „Eine Denunziation, eine klare, nichtsnutzige, deutliche Anzeige. Isidor Gawrilowitsch konnte sich weiter nicht helfen und ließ sie holen." „ . . Ja und ich" — fuhr Iwan fort — „ich Hab' keine Ahnung, was da vorgeht, als ein Agent sie bringt. Sie steht mich mit weit aufgerissenen Augen an und weiß gar nichts zu sagen als „Bitte, bitte". Ich las den Zettel: „Die Prostituierte Hanna Feldblum." Sie sieht recht zierlich aus, zart Körper und Gesicht, mit großen, dunklen Augen, die immer nur so flehentlich bitten. Ich denke mir, was ist das für eine? Spielt sie sich auf, oder hat sie was Großes auf dem Kerbholz? Ich sperr' sie derweil in den Arrest und guck' hier und da durchs Loch. Sie sitzt immer auf demselben Fleck und schaut mit schreckhaften Augen auf die Tür., Dann kommt der Doktor. Wie der ihr sagt, was er will, schreit sie auf wie eine Wilde, fällt dann auf die Knie und bittet und weint wie eine Wahnsinnige. Da meint der Doktor, weiß Gott was bei der los ist, und befiehlt barsch, ich solle Hilfe holen. Hol' mir also den Einheizer, und die Komödie kann losgehen. Sie verdreht die Augen und stöhnt wie eine Sterbende: „O Mutter, o Mütterchen, o siehst Du es denn nicht! O, Herr Doktor", wimmerte sie, „wenn Sie eine Frau haben, eine Mutter, eine Tochter, Erbarmen!" Und die jungen Glieder zittern und beben. Da wird der Doktor feuerrot und sagt: „Ja, was ist denn das für eine Gemeinheit? Das ist ja ein ganz unschuldiges Kind! Und gibt mir in seiner Aufregung eine Ohrfeige, und rasch zur Türe hinaus und hinein zu Isidor Gawrilowitsch." „Was, eine Ohrfeige hat er Dir gegeben?" frohlockte Wladimir. „O, Pawel Jgnatiewitsch, was bist Du doch für ein Ehrenmann!" Das ließ sich aber Iwan Blasni nicht gefallen. Diesmal wurde er wahrhaft wütend. . *) Das gelbe Billet ist die Ausweiskarte der eingeschriebenen Dirnen in Rußland. Die Redaktion. „Was, mein Herr? Wie? Da freuen Sie sich? Mir, einem alten Diener seines kaiserlichen Herrn, einem alten, treu gedienten Soldaten eine Maulschelle wegen so einer?" „Was für eine?" rief Wladimir drohend. „So eine ganz gemeine Schwindlerin! Die, die gibt sich für eine aus und ist gar keine! Pfui, die Schande! Den Menschen ist heutzutage gar nichts mehr heilig — gar nichts. Aber — dabei erhob er seine Faust gegen die Tür, die zu den Gefängnissen führt — „sie wird ihrer Strafe nicht entgehen. Stenokrafiehren muß sie lernen — freilich!" Nene Bücher. Rivista Israelitica. Periodico bimestrale per la scienza 6 la vita del Giudaismo. 1. Anno No. 5. Settembre—Ottobre 1904 Direzione e Amministrazione Galletti & Cassnto. Firenze. Dr. I. Rabbinowiez. Russische Dorfgeschichten. Eine Erzählung aus der Zeit des polnischen Aufstandes im Jahre 1863. Heit II und IN. Verlag der Pachtung der Genossenschafts-Buchdruckerei und Papierwarenfabrik, M ä h r.- Weißkirchen. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend. Redaktion und Administration: Wien, XI1/2, Untere Viaduktgasse 25. 1. Jahrgang. Heft Nr. 9, Dezember 1904. Inhalt: M. Heues: Das Fest des Lichtes. A. Freud: Chanuka. A. Stand: Brief an Hans Herzl. A. Z. S.: Zur Erziehungsfrage: El. Lädier: Jüdischer Herbst. Rabbiner D. A. L a t t e s: Die jüdische Nation. M. N a ch e r: Der Künstler. I. M e i s l: Moses Heß. I. L. P e r e z: Der Mond erzählt. H. Bergmann: Einiges über das Jüdische (Jargon). Scholem A l e i ch e m: Rjabtschik. I. L. P e r e z: Phantasie. A. Reisen: Das Bäumchen. Der eingefrorene Fluß. Der Bettler. I. Lin: Ein Schlafmittel. I. L. Perez: Das Chanukawunder. D. I i z ch a k i: Jüdischer Humor. Bücherschau. Rundschau. Dr. F. Hillel, Rabbiner in L e i p n i k, Festpredigt. I. Heft, Pessach und Schuwuaus. Preis X 1 20. Selbstverlag des Verfassers 1904. Report of the Eighty-FirstAnnual Meeting of the Hebrew Benevolent and Orphan Asylum Society of the City of New-York. 1904. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift sür modernes Judentum. Verlag Ost und West, G. m. b. H., Berlin N>V. 23, Altonaerstraße 36. IV. Jahrgang. November 1904. Heft Nr. 11. Inhalt: Das Freudenfest der jüdis.len Wissenschaft. Dr. Ludwig Levy, Breslau: Dasjüdisch-theologische Seminar zu Breslau. Dr. M. Güdemann: Das jüdisch-theologischeSeminar zu Breslau. Geh. Regierungsrat Prof. Dr. HermannCohen, Marburg: Ein Gruß der Pietät an das Breslauer Seminar. Prof. Leo Graetz, München: Aus dem Leben des Prof. Dr. H. Graetz. Ro salie P e r l e s, Königsberg i. P.: Briefe von Josef Perles aus dem Breslauer Seminar von 1856—1861. Dr. Bernhard Ziemlich, Nürnberg: David und Manuel Joel. R. Samuel, London: Jsaac Snowman (mit Illustrationen). H. Aork-Steiner, Wien: Koriander, der Chasan. (Erzählung). W. Bender, Berlin: „Die Gedichte der Bibel". Theodor Zlocisti, Berlin: November (Gedichte). Arno Nadel, Berlin: Hebräische Gesänge. Kriefkastr«. Im Begriffe, die Adreßschleisen für das Jahr 190» neu in Druck legen zu lassen, ersuchen wir unsere geschätzten Abonnenten, etwaige Richtigstellungen im Namen, Charakter oder Adresse gess. postwendend an uns gelangen zu lassen. Die Administration.

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