Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 51 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 51 Dr. Mock) s Mocbenscürm. Seite 835 3) Daß periodische Konferenzen zur Behandlung der östlichen Emigrationsfragen zusammentreten. Die Einberufung steht dem Vorsitzenden des Berliner Bureaus für Jnformationszwecke zu oder sie findet auf Antrag einer der großen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen statt. Nach Annahme dieser Resolutionen, die fast einstimmig von der Versammlung gebilligt wurden, ging man zur Erörterung der Detailfragen über die Lage in einzelnen Ländern und Städten über. Das Ergebnis dieser Debatten läßt sich kurz in folgender Weise zusammenfassen: Da die Auswanderung infolge starker Ansammlungen in den Großstädten Englands und infolge der vielfach traurigen Lage des jüdischen Proletariats in Amerika keine Aussicht auf eine Linderung der Not bietet, so erklärten sich die verschiedenen Organisationen bereit, zur Besserung der Lage der osteuropäischen Juden in deren Heimatländern nach allen Richtungen, insbesondere auch durch die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten, entsprechend den Landesgesetzen helfend beizutragen. Der Vorsitzende Herr James Simon, schloß mit Dankesworten die durchaus harmonisch verlaufende Versammlung, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die gefaßten Beschlüsse unseren Glaubensgenossen zum Segen gereichen werden. Nach den ernsten zehnstündigen Beratungen vereinigte ein von dem Frankfurter „Hilfskomitee für die osteuropäischen Juden" in bewährter Gastfreundschaft veranstaltetes Festmahl die auswärtigen und die heimischen Delegierten. Nachdem Herr Josef Wisloch-Frankfurt a. M. die Tafelrunde begrüßt, ergriff Herr Justizrat Timendorser-Berlin das Wort, um der innigen Genugtuung über das verheißungsvolle Ergebnis der Konferenz Ausdruck zu geben und in Worten gerechter Anerkennung die Verdienste des Herrn Dr. Paul Nathan zu feiern, dessen unermüdlicher, einsichtiger Vorarbeit das Gelingen des Werkes vorwiegend zu danken sei. Herr Dr. Nathan erwiderte mit einem Trinkspruch auf die Organisation, deren einträchtiges Zusammenwirken allein die gedeihliche Ausgestaltung der heutigen Beschlüsse gewährleiste. In überaus eindrucksvollen Ausführungen, denen die Anwesenden mit gespannter Aufmerksamkeit folgten, verwies sodann Herr Direktor Dr. Bärwald auf die erfreuliche Tatsache, daß jener Geist hilfseifriger Bruderliebe, der Adolphe Crömieux, Charles Netter, Narcisse Lewen re., in richtiger Erkenntnis der Forderungen der Zeit zur Begründung der Alliance israelite universelle veranlaßte und der in der fast fünfzigjährigen Wirksamkeit dieses Weltbundes so reichen Segen zeitigte, in immer weiteren Kreisen unserer Glaubensgemeinschaft tätigen Widerhall geweckt habe. Aus diesem Geiste heraus sei auch der „Hilfsverein der deutschen Juden" entstanden, der sich Dank der Hingebung und Tatkraft seiner wackeren Leiter in der kurzen Zeit seines Bestehens zu einem so ansehnlichen Faktor innerhalb der gleichstrebenden Körperschaften entwickelte. Jubelnder Beifall beantwortete den Wunsch, mit dem der greise Redner schloß, daß dem „Hilfsverein" ein weiteres kräftiges Gedeihen und segensreiches Leisten beschieden sein möge. In schlichter Ergriffenheit dankte Herr James Simon für die freundlichen Worte und schloß mit einem Hoch auf die Alliance Israelite, deren vorbildliches Wirken dem „Hilfsverein" Beispiel und Ansporn fein und bleiben werde. Es sprachen sodann die Herren Frumkin- Warschau auf die jüdische Gemeinde in Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Rosenack-Bremen auf die Großloge U. O. B. B. für Deutschland, Herr Adolf Gordon-Wilna auf die Jewish Colonization Association und ihre anwesenden Vorstandsmitglieder, Justizrat Cohn-Tilsit auf die jüdischen Frauen, deren Mitwirkung die geplante Organisation nicht entraten könne, Herm. Landau- London auf die Stadt Frankfurt, Dr. Moses-Mannheim auf das einträchtige Zusammenwirken der Vereine, Moritz Marburg auf die Einzelkomitees, Rechtsanwalt Dr. Gordon-Petersburg auf den jüdischen Geist, der die heutigen Beratungen beseelte, Rabbiner Dr. M. Horowitz-Frankfurt a. M. mit dem Ausdrucke der Freude, daß auch die Zionisten an der praktischen Arbeit tätigen Anteil nehmen, und mit dem Wunsche, daß dies auch in Zukunft der Fall ebenso sein möge, auf den, unbeschadet seiner Endziele in dieser praktischen Arbeit sich betätigenden Zionismus, Herr Redakteur Sokolow-Warschau in geistvollen, humordurchwürzten Darlegungen auf die Widerstandskraft des jüdischen Volkes. Nachdem zum Schluß Herr James Simon den Grenzkomitees sein Glas geweiht, wurde die Tafel aufgehoben. Bon der ostafrikanischen Kommission. Ueber die Mitglieder der Kommiffion, welche sich demnächst nach Ostafrika begibt, um das den Juden von den Engländern angebotene Gebiet zu besichtigen, ist Major Gibbons, ein berühmter Afrikaforscher, der den schwarzen Erdteil von Süd nach Nord durchquert und überdies Zentralafrika speziell durchforscht hat. Professor Kaiser ist ein geborener Schweizer und wissenschaftlicher Berater der Nordwest-Kamerun-Gesellschast. Auch er hat schon Afrika und speziell Ostafrika, das er als Mitglied der Expedition unter Professor Schweinfurth besucht hat, kennen gelernt. Dagegen hat das dritte Mitglied der Expedition, der Dr. Wilbusch, keine Vergangenheit hinter sich. Wahrscheinlich ist auch der Name Wilbusch nicht richtig. Es handelt sich um den Dr. Wilbuschewitz aus Grodno, der in Berlin Ingenieur studiert hat. Die Mitglieder der bekannten Familie find begeisterte Chowaweh-Zion und von 2 Mitgliedern des Hauses ist bekannt, daß sie längere Zeit in Palästina geweilt haben. Doktor Wilbuschewitz begleitet die Expedition als Ingenieur. Die Mitglieder der Expedition treten ihre Reise am 12. Jänner an und werden bis Mitte März in Ostafrika verbleiben. In April gedenkt die Kommission ihren Bericht fertig zu stellen. Mit dem demnächst stattfindenden siebenten Baseler Kongreß hat diese Expedition übrigens wenig zu schaffen, da bekanntlich die Entscheidung der Frage, ob Palästina oder Uganda von einem ad hoc zusammenberufenen außerordentlichen Kongresse entschieden werden muß. Rom. Der Ingenieur Umberto Pugliese aus Alessandria wurde zum Hauptmann im Marine-Jngenieurkorps ernannt. Er lieferte für das Arsenal zu Castellamare di Stabia einen neuen Typ für Panzerkreuzer der italienischen Kriegsmarine. Pugliese ist erst 25 Jahre alt. — Die Familie des verstorbenen Kriegsministers Ottolenghi überwies für speziell jüdische Wohltätigkeitszwecke 1500 Lire. — Im neugewählten italienischen Parlamente sitzen 13 jüdische Abgeordnete. Die in Betracht kommenden Namen sind: Artom (Castelnuova di Garfagnana), Barzilai (Rom, V. Wahlbezirk), Cassuto (Livorna), Franchetti (Cittä di Castello), Luzzati Luigi (Albano), Luzzatto Artur (Montevarchi), Luzzato Richard (San Daniele), Melli (Comacchio), Morpurgo (Cividale bet Friuli), Pavia (Soresina), Romanin-Jacur (Piave), Sorani (Scansano), Wollemborg (Cittadella). Botschaft des Präsidenten Roosevelt. Die am 6. d. M. im Senat und im Repräsentantenhaus in Washington verlesene Botschaft des Präsidenten Roosevelt hebt einleitend hervor, daß die Vereinigten Staaten sich fortwährend eines bemerkenswerten Gedeihens erfreuen. Bezüglich der Einwanderung und der Naturalisation führt die Botschaft aus, es wäre absurd, einen Unterschied machen zu wollen zwischen dem Manne, dessen Eltern nach Amerika einwanderten, und dem Manne, dessen Eltern schon vor mehreren Generationen landeten. Jeder sei berechtigt, lediglich nach seinem Werte als Mensch beurteilt zu werden. Aus welchem Lande die Einwanderer kamen, sei gleichgiltig. Wenn sie körperlich und geistig gesund, vor allen Dingen aber guten Charakters seien, dann solle man sie mit herzlicher Gastfteundschaft bewillkommnen. Die gute Lebenshaltung der amerikanischen Lohnarbeiter aufrechtzuerhalten sei wesentlich und deshalb sollten nicht Massen von Leuten zugelassen werden, deren Lebenshaltung, Gewohnheiten und Gebräuche derart seien, daß dadurch die amerikanischen Lohnarbeiter auf eine niedrigere Stufe herabgedrückt werden könnten. Die Botschaft kommt dann auf die Rechte der amerikanischen Bürger im Ausland zu sprechen, die ohne Rücksicht auf deren Glauben und Rasse gewahrt werden müßten. Es habe sich als sehr schwierig erwiesen, von Rußland für die amerikanischen