Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 50 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 810 Dr. Dlocb's MlocbenscbrM. Sir. 60 sich und die Seinigen vor Mißhandlungen zu bewahren, sich durch Zahlung von fünf Rubeln aus den Händen der Exzedenten befreien wollte, rief der anwesende Polizeiwachtmeister Rone: „Das ist zu wenig!" wofür ihn die Exzedenten unter Hurrarufen auf die Schultern hoben. Der Polizeimeister gab diesen sogar aus seiner eigenen Tasche Geld und feuerte sie an, „nach Herzenslust ihre Sache zu tun." Derselbe Wachtmeister Rone hörte die Hilferufe eines mißhandelten Bürgers, dessen Haus währenddessen geplündert wurde, und auf seine Beteuerungen, er sei doch kein Jude, rief er ihm zu: „Warum stellst dn dann kein Heiligenbild ins Fenster, daß man es weiß!" Der Soldat Ivan Monachow sagt aus, er sei in der kritischen Zeit einer Patrouille zugeteilt gewesen und habe, da die Kaufläden der Juden in unmittelbarer Nähe geplündert wurden, dem Polizeimeister gemeldet, daß die PatrouAe bereit sei, Ordnung zu schaffen, worauf ihm dieser antwortete: „Das geht uns nichts an." Ueber den Zweck, den die Polizeiorgane mit diesen von ihnen angestisteten Judenexzessen verfolgten, geben die vielen Aussagen in der Beschwerde, wie zum Beispiel: „Geschieht euch recht, ihr sollt eben keine Demokraten sein", volle Aufklärung. Die gelungenen revolutionären Demonstrationen, die in der letzten Zeit von den jüdischen Arbeitern veranstaltet wurden und gegen welche die Polizei sich ohnmächtig erwies, hatten die Rachsucht des Polizeimeisters aufgestachelt und er benützte die Mobilisierung, während welcher ohnehin Unruhen auszubrechen pflegen, um den „Demokraten" die revolutionäre Tätigkeit heimzuzahlen. Nur in einer Hinsicht war die Polizei von Mohilew während der Krawalle nicht untätig: sie verhinderte nämlich auf das Strengste alle Versuche der jüdischen Bevölkerung zur Selbstwehr, indem sie jeden jüdischen Arbeiter, bei dem sie den Besitz einer Waffe vermutete, verhaftete. Der Gouverneur v. Klingenberg aber hatte auf die Klage der Judenschast, die bei ihm vorsprach und auf das Verhalten der Polizei und den großen materiellen Schaden, den sie durch die Plünderungen erlitten, hinwies, wie ein Ohren- und Augenzeuge aussagt, bloß folgende Antwort: „Was wollt ihr denn, soll ich euch vielleicht die Fenster einsetzen?" Vermischtes. Wrerr. (Oeffentliche Vertreter-Sitzung der israelitischen Kultusgemeinde.) Samstag den 10. d. M., 5 Uhr abends, findet im Sitzungssaale der Kultusgemeinde eine öffentliche Vertreter-Sitzung statt. Tagesordnung: Ermittlung und Verkündigung des Resultates der am 9. Dezember stattfindenden Wahlen. Bortrag aus jüdischer Geschichte. Donnerstag den 15. Dezember präzise V28 Uhr spricht im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgaffe 9 Herr Dr. E. Da v id über „Maimonides anläßlich seines 700jährigen Todestages." Eintritt ftei ohne Karten. Wien. (Trauung.) Sonntag den 18. d. M. um 4 Uhr Nachmittags findet im Tempel IX., Müllnergasse die Trauung des Frl. Margaret Königsberger, Tochter des Direktors des „Gisela-Vereines" Herrn Richard Königsberger, mit Herrn Moriz Beck statt. Wie» (Verlobung.) Fräulein Paula Grünwald, Tochter des Herrn Ignaz Grünwald, Prokuristen der Großindustriellenfirma M. & I. Mandl, hat sich mit Herrn Max G e r ö, Beamten des Wiener Bankvereines, verlobt. Wien. (Verlobung.) Herr Moritz Auerbach, in Firma Brüder Auerbach, Wien, I., Eßlinggasse, hat sich mit Frl. Irma Kohn, Ung.-Brod, verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 11. d. M. um halb 3 Uhr Nachmittags findet im Tempel XV., Turnergasse die Trauung des Frl. Ludmilla Fuchs, Tochter des Herrn Jakob Fuchs, mit Herrn Robert Goldschmied, k. k. Rechnungs-Assistent im Finanzministerium, statt. Wien. Der jüdische Männer-Gesangverein „Schir Zion" hält jeden Mittwoch von 8—0 Uhr abends seine wöchentlichen Gesangsübungen im Vereinslokale IX., Türkcnstraße 9 ab und werden Neuaumeldungen stets vor Beginn der Hebung entgegengenommen. Schriftliche Auskünfte erteilt bereitwilligst der Schriftführer Wilhelm David, IX., Porzellangasse 22 a. Wien. Vortragsabend im Vereine zur Hebung der Gewerbe. Am 4. Dezember fand im großen Festsaale des Niederösterr. Gewerbevereines einer jener Vortragsabende des Vereines statt, wie sie seit fast 15 Jahren unter der geschickten Inszenierung des Vereinspräsidenten B r o d abgehalten werden. Heute war der Vortrag des kais Nates Adolf Schwarz, Sekretär des Oesterr Export-Vereines über: „Die sozialen Verhältnisse in Amerika und die Weltausstel ln n g in St. Louis" am Programme. Nahezu 500 geladene Teilnehmer versuchten in dem allerdings geräumigen Saale Platz zu finden, doch nur einem Teile war es ermöglicht, weil der Saal lange vor der angekündigten Vortragsstnnde von Teilnehmern besetzt war. Die Besucher gehörten den verschiedensten Ständen, den Vertretern von Körperschaften und Korporationen der Industrie, Gewerbe und der höchsten Intelligenz an. Der Vortragende verstand es aber, vom Beginne bis zum Schlüsse der Versammlung sowohl die Herren als auch die vielen anwesenden Damen über die amerikanischen Verhältnisse und über die freie Entwicklung daselbst auf allen Gebieten des Handels und der Gewerbe, der Industrie und der Landwirtschaft immer Neues vorzuführen, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, daß der Abend sich tatsächlich zu einem genußreichen gestaltete. Gar manche sehr nützliche Einrichtung für die Handels- und Gewerbewelt lernte man kennen, die zur Nachahmung sehr zu empfehlen wäre. Es wäre nur zu wünschen, daß die Angehörigen aller Stände und B e r u f s a r t e n, die endlich in der Veredlung der wirtschaftlichen Faktoren eine tatsächliche Besserung der Verhältnisse erblicken, als M i t g l i e d e r dem Vereine zur Hebung der Gewerbe in Wien, I., W i p p l i n g e r st r a ß e Nr. 26 beitreten. Die Aufgaben des Vereines, der an die materielle Unterstützung der Bevölkerung nicht herantreten will, sind so vielseitig, daß die materiellen Mittel zur Erreichung all seiner Ziele viel zu geringe sind. Wien. (Kinderbekleidungssest des Vereines „Zwanglos".) Sonntag fand die Bekleidung von ISO armen Schulkindern durch den seit 15 Jahren bestehenden Verein „Zwanglos" unter dem Protektorate Ihrer Exzellenz der Frau Gräfin Anastasia Kielmansegg (Obmann Julius Ehrlich) im Festsaale des kaufmännischen Vereines statt. Herr Julius Ehrlich begrüßte die anwesenden Ehrengäste: Landtagsabgeordneten kais. Rat Dr. Emil Meelinger, Gemeinderat Bürgerschullehrer Oswald Hohensinner, Handelskanimerrat kais. Rat Wilhelm Pollak u. a. m. und eröffnete die Feierlichkeit mit einer Rede, in welcher er den Zweck der Feierlichkeit bekannt gab und hauptsächlich betonte, daß der Verein, unbekümmert um politische Verhältnisse, sich das Motto stets vor Augen hält: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Die Rede schloß mit einem zündenden dreifachen Hoch auf den Kaiser, wobei es in der sehr zahlreich besuchten Versammlung zu stürmischen Ovationen für den greisen Herrscher kam. Die Festrede hielt der Obmann-Stellvertreter Dr. Josef Winternitz, der die Kleinen anspornte, wenn sie herangewachsen sind, ihrer Mitmenschen zu gedenken. Es. sprachen noch Gemeinderat Oswald Hohensinner und Handelskammerrat kais. Rat Wilhelm Pollak, welche dem Vereine für dessen Wirken dankten und ihn zu seinen Tendenzen beglückwünschten. Nach dem Danke des Obmannes an die Gönner und Spender des Vereines, sowie an die ganze Versammlung begaben sich alle Kinder zu einer vom Vorstandsmitgliede Ludwig Riedel wie alljährlich, so auch diescsmal gespendeten opulenten Jause, womit die schöne Feier ihren Abschluß fand. Später folgte ein gemütlicher Unterhaltungsabend, der sehr animiert verlief. Wien. (R u d o l f s b u n d.) Dieser humanitäre Verein zur Bekleidung armer Schulkinder, unter der ausgezeichneten Leitung des vielverdienten hochherzigen Obmannes Armenrat Josef Pollak stehend, begeht am 11. d. M., Nachmittags halb 3 Uhr, in dem großen Saale des „Hotel Central", II., Taborstraße 8 zum fünfzehnten Male das Fest der Kinderbekleidung. Aus dem Festprogramm heben wir hervor: Die Festchorale Oberkantor Bauer und Kantor L ö w i t und des Chores, Festprolog gesprochen von Frl. Paula Steinmann (Worte von Nascher), Ansprache des Obmannes, „der Dank der Kinder" von einem Mädchen, Schlußwort von Prof. Ed. N a s ch 6 r u. A. Gäste willkommen. Wien. In der Vereinssyuagoge, II.. Leopoldsgosse 29, fand am Sonntag den 4. Dezember l. I. wie alljährlich zur Erinnerung an das 50jährige Regierungs-Jubiläum Sr. Majestät unseres erhabenen Monarchen Kaiser Franz Joseph I. die feierliche Trauung eines würdigen Brautpaares statt, welches mit einem Ehrengeschenke von 400 Kronen aus dem Fonde der im Jubiläumsjahre 1898 vom Synagogenvereine „Beth Israel" gegründeten lio22N-Stiftung bedacht wurde. Vor stattgehabter Trauung hielt der Vereinsobmaun Herr S. Deiches im