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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Mocv's MoebenscbrM Seite 793 selbe vor der Gefahr zu schützen, daß Unbefugte es mit Beschlag belegen sollten. Das kann als ziemlich allgemein bekannt angesehen werden. Nicht so allgemein dürfte es aber bekannt sein, daß einem älteren hebräischen Dichter etwas Aehnliches widerfahren und daß wir diesem Umstande ein schönes liturgisches Gedicht verdanken. Es ist dies das Lied, das wir unter dem Titel «Hin ®*np n~ir av" kennen und das unter die Auswahl der mi'rri für Freitag abend ausgenommen wurde. Dies Lied besteht aus neun kurzen Strophen, in den ersten acht derselben fordert der Dichter — sein Name ist frw — auf, den Sabbath durch den Genuß besserer Speisen und Getränke recht festlich zu begehen, den Schöpfer, der den Sabbath uns geschenkt, zu Preisen, und dann verherrlicht er den siebenten Tag der Ruhe als solchen. Die neunte Strophe lautet aber: 13'»' bai an ‘raa »a n-rc nj?a iib-irr nibip ’bip ms© ->>L' -ina lu&tfn i»anpnn ,'ban n">ma In sinngemäßer aber freier Uebersetzung heißt es: Verstummen müssen die Gerüchte, wenn mein Lied ertönt; denn gleich dem Taue werden sie zerfließen, mir aber werden sie nicht mein Gebiet streitig machen. — Indem das Dichten mir zu Teil wurde. — Schmückt euch nur (wenn ihr wollt, jedoch mit eigenen Federn), nicht aber bedient euch des Dichterkranzes, der mich ziert. — Man sieht, daß der Inhalt dieser Strophe ein Ausfall gegen unbekannte Gegner ist und mit dem Inhalt der früheren Strophen nichts gemein hat, was ganz unverständlich wäre, wenn man nicht die Vorgeschichte dieses Gedichtes kennen würde. Der Dichter hat nämlich einige Gedichte anonym in die Welt geschickt, die eine gute Aufnahme gefunden und sehr berühmt wurden. Da sie keinen Vater hatten, gewöhnte man sich, dieselben als herrenloses Gut anzusehen. — Bald fanden sich aber auch einige Dichterlinge, welche die schönen Gedichte für ihre ausgaben. Der wahre Verfasser jedoch, der wohl früher verzichtet, mit seinen Gedichten zu prunken, und sich damit begnügt, daß manches edle Gemüt an denselben sich erfreute und emporrichtete, müßte es doch schmerzlich empfinden, daß Streber dieselben sich aneignen wollten. Er trat daher hervor und bekannte sich als den Verfasser der Gedichte; allein es standen bloß Aussage gegen Aussage und man konnte auch ihm nicht mehr Glauben beimessen als den übrigen. Endlich wurde entschieden, daß alle diejenigen, die sich als die Urheber der Gedichte ausgeben, ein ähnliches Gedicht dichten sollen, damit man es vergleichen kann. Der wahre Verfasser der Gedichte verfaßte das in Rede stehende Gedicht als Legitimation gleichsam und bilden die Anfangsbuchstaben der Strophen seinen Namen ]roi,T und das Wort Pin (das hier gleichbedeutend mit Sieg) und in der letzten Strophe fertigt er noch obendrein seine Gegner mit großer Schneidigkeit und Ironie ab. Dr. I. Rabbinowicz. Köln. Unter dem Schlagwort: „Der Bankherr Salomon Heine" schreibt die „Köln.Zeitung": Heines Vater Samson mußte im Jahre 1819 Düsseldorf wegen schlechter Geschäfte verlassen und nach Lüneburg übersiedeln, von wo er sich nach Hamburg begab. Die wissenschaftliche Ausbildung seiner drei Söhne wurde ihm nur durch die Freigebigkeit seines Bruders Salomon Heine in Hamburg möglich, dem die Glücksgöttin freundlicher geläch'lt hatte. Aeltester Sohn eines jüdischen Händlers in Hannover, wanderte er in seinem 17. Lebensjahre „mit einem Paar Lederhosen und 16 Groschen in der Tasche auf gut Glück" nach Hamburg, wo er sich im Laufe der Zeit vom armen Wechselausträger zum berühmten Geldmanne und Millionenbesitzer emporschwang. Um seine Angehörigen hat er sich die größten Verdienste erworben. Erst hatte er Harry Heine in Hamburg ein Geschäft gegründet, als dieses geschlossen war, ließ er den Neffen studieren und warf ihm jährlich eine Summe von 400 bis 500 Talern aus; einmal gab er ihm für eine Badereise 50 Louisdor. Die Mutter empfing nach dem Tode ihres Gatten von Salomon eine jährliche Leibrente von 1000 Mark Banko mit testamentarischer Zusicherung ihrer Fortdauer. Von des Onkels Fürsorge für den jüngern Sohn Max, der als Arzt in Rußland weilte, zeugt der nachfolgende Brief (aus der Sammlung Braun in Düsseldorf): „Hamb, den 27 Okt. 1637. S. wohlgebohrnen, Baron Lud. von Stiglitz in S. Petersburg. Obschon sie meinen Neveu Herrn Dort. Max Heine kennen, erlaube ich mir denselben doch bestens zu empfehlen. Können Sie ihm auf eine oder andere Arth nützlich sehn, werden Sie mich sehr verbinden. Er ist ein junger braver Mann, l em die ganze famillie sehr gewogen ist, in Prag, wo Er ein Vortrag gehalten, hatt ihm in Deutschland sehr bekandt gemacht, mit Geld ist Er versehn, dennoch es kö'nten Felle kommen, wo seyn Caffe nicht hinreichen solle, in diesen Fall bitte ihm für mne. Rechg. Rb. 4000, sage vier Taufend Rubel B. B. zu geben. Dieser Credit bis Ult. Dec. 1638 gültig. Genehmigen Sie die Versicherung mein. Achtung und Ergebenheit. — Salomon Heine. — Auf der Rückseite ist vermerkt, daß bereits am 25. Oktober (alten Stils) 1837 2000 Rubel erhoben worden find." — Also in Wahrheit ein Goldonkel! Berlin. (Mitteilungen desVerbandes für Statistik der Juden, Zentrale: Berlin-Halenfee.) Dem Verband für Statistik der Juden ist es nach langwierigen Verhandlungen über die Beschaffung der pekuniären Mittel dank den Bemühungen seines Kuratoriums, an dessen Spitze Sanitätsrat Dr. Maretzki und Geh. Sanitätsrat Dr. Blumenthal stehen, gelungen, die von der letzten Plenarversammlung in Aussicht genommene Errichtung eines ständigen Bureaus für Statistik der Juden zu verwirklichen. Das Bureau, das seine Geschäftsräume in Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46, hat und von dem Nationalökonomen und Statistiker Dr. Arthur Ruppin geleitet wird, ist seit dem 1. Oktober 1904 in Tätigkeit und hat neben anderen Aufgaben die Bearbeitung des neuen Jahrgangs des „Statistischen Jahrbuchs des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" und eine Untersuchung über den Anteil der Juden am Schulwesen in Preußen in Angriff genommen. Das Bureau wird (voraussichtlich schon vom 1. Jänner 1905 ab) eine „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" herausgeben, die neben monographischen Abhandlungen alle über die Juden in den einzelnen Ländern veröffentlichten statistischen Daten enthalten und auf diese Weise ein Archiv für die Statistik der Juden sowie ein Mittel zur Vorbereitung der angestrebten Demographie und Statistik der Gesamtjudenheit bilden soll. Die Errichtung eines fachmännisch geleiteten Amtes für die Statistik der Juden stellt den ersten bedeutsamen Schritt zu einer genauen Erforschung der sozialen Verhältnisse der Juden dar. Es ist zu hoffen, daß die Erkenntnis von der Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser Forschungen sich vertiefen und in der Ausrüstung des Bureaus mit entsprechenden Mitteln seinen Ausdruck finden wird, damit das Bureau sich entwickeln und seiner Aufgabe in immer weiterem Umfange gerecht werden kann. Berlin. (Ein neuer russischer Dramatiker.) Eugen T s ch i r i k o w ist am 27. v. M. im Kreise der Freien Volksbühne zum ersten Mal vor einem größeren deutschen Publikum zu Worte gekommen. Man spielte im Metropoltheater sein Drama „Die Jude n", von dem an dieser Stelle schon im Sommer, nach seiner Aufführung durch Mitglieder der russischen Studentenkolonie Berlins, die Rede war. In dem Schauspiel werden in höchst lebensvollen und teilweise stark packenden Bildern die Leiden aufgezeigt, die die Juden im Rußland der Gegenwart zu erdulden haben und die im Blutbad von Kischenew ihr jüngstes furchtbares Fanal erhalten haben. Aber mit diesen schweren Leiden, die von außen her, nicht gehemmt von einer pflichtvergessenen Regierung, auf das schuldlose Volk Hereinbrechen, sind — im Leben wie in Tschirikows Drama — andere Leiden verknüpft, die aus dem Innern der Juden unserer Tage aufkeimen. Bitterer Zwiespalt erschüttert die Familie des greisen Uhrmachers Leiser Frenkel, in deren Kreis sich das Drama abspielt. Der alte Frenkel und der seinem Hause befreundete Lehrer Nachmann hängen fest am Glauben ihrer Väter, träumen und predigen von einer Zeit, da ihrem Volk in Palästina eine neue Heimat voll Glück und Frieden beschieden fein wird; doch Frenkels Sohn und Tochter find ihrem Glauben entfremdet, sind von den Gedanken des Sozialismus gewonnen und halten es für ihre Pflicht, für alle armen leidenden Menschen zu kämpfen und nicht nur für das unterdrückte jüdische Volk. Hitziger Streit um diese sich entgegenstehenden zionistischen und sozialdemokratischen Anschauungen erfüllt das Dasein im Hause Leiter Frenkels, und er erlischt kaum in dem Augenblick, da eine neue Judenhetze begonnen hat und eine aufgeregte Volksmenge raubend und mordend in die Wohnung Frenkels einbricht. Der Autor steht jedenfalls auf Seite der Sozialdemokraten gegen die Zionisten, aber im weiteren Verlaufe des Stückes scheint er auch den Sozialdemokraten unrecht geben zu wollen, indem er eine neue Figur einführt, den Doktor Fuhrmann, einen angesehenen und zum Wohlstand gelangten jüdischen Arzt, der die sozialdemokratischen wie die zionistischen Ideale als Utopien bezeichnet, die niemals verwirklicht werden können, die aber ihren Zweck schon dadurch erfüllen, daß sie den Unterdrückten und Verfolgten eine Hoffnung geben. Vor allen Dingen, sagt Dr. Fuhrmann, ist der Zionismus unmöglich, da die jüdische Nationalität sich auf der Religion aufbaut und da die gebildeten Juden heute zumeist nicht mehr religiös sind. Dr. Fuhrmann hat die Frage für sich zu lösen gesucht, indem er sich bemüht hat, ein Vermögen zu erwerben — halb ironisch und halb ernst setzt er seine opportunistische Anschauung auseinander und sagt: „Den armen Juden verachtet man, vor dem reichen bückt man sich, folglich muß der Jude sich anstrengen, reich zu werden." Das find die Hauptideen, die in dem Stücke vorgetragen

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