Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 792 Nr. Mocb's Mocbenscbrtkt. Nr. 49 'ifc :% J - Hä war, geht aus einem Briefe hervor, den er wenige Tage vor, feinem Tode an den Rabbiner Dr. Münz richtete. Dieses. Schreiben, ein Dokument edler Menschlichkeit, hat folgenden. Wortlaut: „Berlin, 14. November 1904. Hochgeehrter Her^ Doktor! Ich danke Ihnen sehr für Ihre freundlichen Zeilen von vorgestern und bin Ihnen außerordentlich verbunden, daß Sie sich meiner erinnert haben. Ich gestatte mir, Ihnen für den bewußten guten Zweck inliegend ... zu übersenden, und indem ich mich Ihnen stets zur Verfügung stelle, bin ich mit vielen und hochachtungsvollen Grüßen Ihr sehr ergebener - A. Benvenisti." Auf diesen Brief schrieb Dr. Münz an Benvenisti folgende Zeilen: „In den alten Schriften wird von einem .edlen Weisen erzählt, der sein Geld besser als die anderen Menschen zu verzinsen verstand. Die Wohltaten, die er übte, das waren die Zinsen für die Ewigkeit ..." — Alfred Benvenisti ist nun aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit eingezogen. Wir aber stehen hier in inniger Trauer, blicken seinen Lichtspuren nach, und eine heiße Träne fällt auf sein frisches Grab." — Die in Wien erfolgte Beisetzung Alfred Benvenisti's nahm einen erhebenden Verlauf und zeugte für die ungewöhnliche Beliebtheit, deren sich der Verstorbene als Kaufmann wie als Mensch zu erfreuen hatte. Zahlreiche Teilnehmer waren aus Berlin erschienen, darunter Geh. Kommerzienrat Fritz Friedländer und Frau, Karl Fürstenberg, Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft, v. Bleichröder, Geh. Kommerzienrat Eduard Arnhold, Generalkonsul Eugen Landau und Direktor Oppenheimer von der Firma Em. Friedländer & Co. Die Wiener Finanzwelt und die Kunstkreise waren reich vertreten. Direktor Theodor Taussig hielt die Grabrede. Geheimrat Friedländer rief dem Dahingeschiedenen bewegteste Abschiedsworte nach und Dr. Oppenheimer entwarf im Namen der Beamten des Hauses ein Charakterbild." S. Hammerschlag. Ueber den am 7. v. M. aus dem Leben geschiedenen ehemaligen Religionslehrer und Bibliothekar der israelitischen Gemeinde, Professor S. Hammerschlag, schreibt ein ehemaliger Schüler, Professor Freud: „S. Hammerschlag, der vor etwa 30 Jahren seine Tätigkeit als israelitischer Religionslehrer eingestellt hatte, gehörte zu den Persönlichkeiten, denen es möglich war, unverwischbare Eindrücke in der Entwicklung seiner Schüler zu hinterlassen. In seiner Seele glühte ein starker Funken von dem Geiste der großen jüdischen Wahrheitsbekenner und Propheten, der nicht eher erlosch, als bis hohes Alter seine Kräfte schwächte. Aber die Leidenschaftlichkeit seines Wesens war glücklich gemildert durch das ihn beherrschende Humanitätsideal unserer deutschen klassischen Periode, und seine Bildung ruhte aus dem Grunde philologischer und altklassischer Studien, denen er seine eigene Jugend gewidmet hatte. Der Religionsunterricht diente ihm als ein Weg der Erziehung zur Humanität, und aus dem Material der jüdischen Geschichte wußte er die Mittel zu finden, um die im Herzen der Jugend sich bergenden Quellen der Begeisterung anzuschlagen und sie weit hinaus über nationale oder dogmatische Beschränktheit sprudeln zu lassen. Wer von seinen Schülern ihn dann in seiner Häuslichkeit aufsuchen durste, der erwarb einen väterlich fürsorgenden Freund an ihm und konnte inne werden, daß eine verständige Zärtlichkeit der Grundzug seines Wesens war. Den Empfindungen einer durch Jahrzehnte ungeschwächten Dankbarkeit gegen den verehrten Lehrer hat an seiner Bahre der Historiker Dr. Friedjung würdigsten Ausdruck gegeben." Salomon Sternthal de Nagypsl. (Die neue ste Adelsv erleihung.) Temesvar. Se. Majestät hat dem Präsidenten des XXIlI. israelitischen Gemeindedistriktes, Stadtrepräsentanten und Generaldirektor Herrn Salomon Steruthal und seinen gesetzlichen Nachkommen als Anerkennung seiner auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten erworbenen Verdienste den ungarischen Adel mit dem Prädikate „d e Nagypäl" verliehen. Diese Kundgebung königlicher Huld ist eine Belohnung jener hervorragenden Verdienste, welche sich Salomon Sternthal auf seiner ganzen Laufbahn, besonders aber auf den verschiedensten 'Gebieten unseres öffentlichen Lebens in seinen Ehrenämtern, ins-' jbesondere als Präsident der Temesvarer israelitischen Religionsgemeinde ,und als Präsident des XXIII. israelitischen Gemeindedistriktes er- Wworben hat. In letzterer Eigenschaft ist es ihm als hohes Verdienst ksanzurechnen, daß es ihm gelungen ist, sowohl im Kreise seiner engeren Gemeinde, unter drn israelitischen Bürgern Temesvars, als auch in dem Gemeindedistrikte, also in den weiten Schichten des südungarischen Judentums jenes niustergiltige, ungestört friedliche Verhältnis aufrecht zu erhalten, m welchem hier das Judentum lebt und daß er jedenfalls, einen hervorragenden Anteil an jener patriotischen Haltung für sich beanspruchen kann, durch welche sich seine Glaubensgenossen in diesem Landstriche auszeichnen. Die Pflege dieser Gesinnungen war jederzeit ein Leitprinzip seiner Tätigkeit. Auch sonst hat sich Sternthal während seiner nahezu zwanzigjährigen öffentlichen Tätigkeit in Temesvar wiederholt rühmlichst hervorgetan. Seit mehreren Jahren ist er Mitglied des städtischen Munizipalausschusses, des Verwaltungsausschusses, der Handels- und Gewerbekammer, des Ausschusses der Llohdgesellschaft, Wechselbeisitzer des königlichen Gerichtshofes, Zensor der österreichisch-ungarischen Bankfiliale und Mitglied und Förderer aller kulturellen und Humanitären Institutionen. Herr v. Sternthal wurde mit Gratulationen überhäuft. Unter den Ersten, die ihn beglückwünschten, befanden sich die Herren Obergespan Dr. Viktor v. Molnär und Bürgermeister königl. Rat Dr. Karl Telbiß. Prag. Zu dem großen Brande der Synagoge in Petschau. der am 23. v. M. um 8 Uhr früh dort ausbrach, werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Tempel war über 600 Jahre alt und enthielt viele wertvolle Gegenstände und interessante Urkunden, die alle dem Feuer zum Opfer fielen; nur die Gesetzesrollen konnten im letzten Augenblicke von einem Bahnbediensteten noch gerettet werden. Hervorragenden Anteil an den Rettungs- und Bergungsarbeiten nahmen die Herzogin von Beaufort mit der Komtesse Marie und der zur Jagd hier weilende Fürst L o b k o w i tz. Der Amtsleiter der Bezirkshauptmannschaft von Tepl Herr Sommer, sowie der Kommandant der Gießhübler Feuerwehr Herr Heinrich von M a t t o n i juu. machten sich gleichfalls um das Rettungswerk verdient. Der "Kondukteur der k. k. Staatsbahnen Herr K v e ch beteiligte sich hervorragend an den Bergungsarbeiten und drang auch in das Innere des brennenden Tempels; Kvech erlitt mehrfache Brandwunden. — In einem Berichte des „Prager Tagblattes" heißt es: Der Brand war in der unmittelbaren Nachbarschaft der Synagoge, in dem Konrad-Noleder'schen Anwesen ausgebrochen und ergriff binnen kurzer Zeit den israelitischen Tempel, das S e k e l e s's ch e und Reich'sche Wohngebäude. Zum Glücke strömten bald von allen Seiten Feuerwehren herbei und ihren angestrengten Bemühungen gelang es, den Brand auf die genannten vier Objekte zu beschränken, was bei dem Umstande, als dieser Stadtteil zumeist aus sehr alten Holzbauten besteht, für Petschau als ein großes Glück bezeichnet werden muß. Von den Einrichtungsstücken der Abbrändler konnte nichts gerettet werden und es muß mit Rücksicht auf die frühe Morgenstunde, zu der der Brand ausbrach, geradezu Wunder nehmen, daß kein Menschenleben zu beklagen ist. Die wenigen stehengebliebenen Mauern, die durch Einsturz hätten Unheil anrichten können, wurden noch im Laufe des Tages von den Feuerwehrmännern demoliert und weggeraumt. Die Entstehungsursache des Brandes konnte bisher nicht ermittelt werden, doch wird allgemein böswillige Brandlegung angenommen. Der ziemlich bedeutende Schaden ist umso bedauerlicher, als durch denselben zumeist recht arme Leute betroffen wurden, die ihr Hab und Gut nicht einmal gegen Brandschaden versichert hatten. In der altertümlichen Synagoge ist ein wertvolles historisches Wahrzeichen der Stadt Petschau verloren gegangen. Mährisch-Weißkirchen. Sehr geehrter Herr Redakteur! Vielleicht haben Sie die Freundlichkeit, nachstehende Zeilen in Ihrem geschätzten Blatt zu veröffentlichen. Aus Anlaß des Ablebens des Schriftstellers S. Kohn wurden in verschiedenen Blättern die Schriften und die Persönlichkeit des Verstorbenen gewürdigt. Manches Blatt jedoch hob auch die „Eigentümlichkeit" des Dichters, immer und immer als „Verfasser des Gabriel" sich zu bezeichnen, hervor, weshalb ich mir gestatten möchte,. zu bemerken, daß der Schriftsteller mit diesem Hinweis auf sein erstes und bedeutendstes Werk nicht etwa lediglich sich empfehlend einführen, sondern dadurch in erster Reihe betonen wollte, daß er und kein Anderer Verfasser von Gabriel ist. Denn S. Kohn, der sein Erstlingswerk, das aber zugleich das beste von seinen Schriften ist, nicht unter seinem vollen Namen hat erscheinen lassen, kam später in die unangenehme Lage, dieses sein schönes Werk als sein geistiges Eigentum nachdrücklich zu reklamieren, und so suchte er durch die Verbindung seines Namens mit seinem Lieblingswerk das-