Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Mocb's MoebenscbrM. Seite 791 storbenen Herrn Sigmund Rosenfeld. Auf die Tätigkeit des Bureaus zurückkommend, betonte er das Prinzip der Individualisierung, von welchem ausgegangen werden müsse, da ja die Feinde der jüdischen Gemeinschaft diese für jeden Einzelnen, der etwa durch schlimme Verhältnisse auf Abwege gerät, verantwortlich machen. Durch die Worte des Vorsitzenden angeregt, sprachen noch die Herren Reichsratsabgeordneten Dr. Julius Ofner vom Standpunkte menschlicher Fürsorge für Unterdrückte, wie es die jüdischen Arbeiter sind, und Rabbiner Dr. E. D a v i d vom Standpunkte der jüdischen Wohlfahrtstradition. Reichlicher Beifall lohnte die Redner, mit deren dankenswerten Ausführungen die anregende Versammlung schloß. Wien. (Schulkinderbekleidung des Vereines „F r a u e n h o r t", IX., Müllnergasse 21.) Dnser Verein, an dessen Spitze bekanntlich Frau Rosa Zifferer als Präsidentin, die Frauen Regine Kopstein und Johanna Fröhlich als Vizepräsidentinnen, Clotilde Benedikt als Schriftführerin und Regine Bettelheim als Kassierin stehen, veranstaltete, wie alljährlich, seine diesjährige Bescheerung am 19. November, dem Namenstage der unvergeßlichen Kaiserin Elisabeth. Der Verein vermeidet bekanntlich aus pädagogischen und sanitären Gründen eine öffentliche Bescheerung und übermittelt seine Gaben jeder Familie ins Haus. Doch fanden sich zahlreiche Gönner des Vereines am 19. November Vormittags im Saale des „Vereines zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" ein, um die aufgestapelten Schätze zu bewundern. Die reichlichen Materialspendcn hatten dem Vereine ermöglicht, abermals die Kinder mit Wäsche, Kleidern, Schuhwerk, warmen Mänteln, Hüten, Naschwerk, Spielzeug, Schulrequisiten und Lektüre zu versehen, so daß jedes Kind des Mittelstandes mit größtem Glücke diese Bescheerung hätte in Empfang nehmen dürfen. Auch erfreut sich diese „Frauenhort"-Bescheerung schon einer solchen Anerkennung, daß Hunderte von Schulkindern abgewiesen werden mußten, besonders weil die immer spärlicher tverdenden Geldmittel dieses Jahr dem Verein nur gestatteten, 207 Kinder zu bekleiden. Das arme jüdische Kind, das nicht nur hungert und friert wie sein armer christlicher Kamerad, sondern zudem in der Schule und auf der Gasse unter dem Spott und Hohn seiner Kameraden leidet, wie humane Lehrer mit Recht klagen, verdient gewiß die Unterstützung seitens der Glaubensgenossen. Möchten d.cher unsere Leser bei keinem Ereignisse im Lause des Jahres, das nach guter altjüdischer Sitte zu Spenden an die Armen veranlaßt, des „Fra u e n h o r t" vergessen, der nicht nur sich der armen Schuljugend annimmt, sondern auch durch seine Kur-Aktion (Versendung von über hundert Frauen und Männer in alle Weltkurorte der Monarchie), durch seine Osterbrot-, seine Kohlenverteilung, durch sein Arbeiterinnen-Erholungsheim für arme kränkliche Mädchen, sowie durch zahllose Wohltätigkeitsakte sich zu einem Bedürfnis für die bedürftige Familie herausgebildet hat. Bis jetzt hat, trotz aller Förderung, sich der „Frauenhort" viel mehr der Dankbarkeit der armen Glaubensgenossen als der Spenden der reichen und wohlhabenden zu erfreuen gehabt, was gewiß nur an der bescheidenen Art seines Wirkens gelegen ist. Hat doch ein bekannter Schriftsteller auf humanitärem Gebiete gesagt, jede wohlhabende jüdische Frau würde dem „Frauenhort" beitreten, wenn sie einmal von dem aufopferungsvollen persönlichen Wirken des Vorstandes sich überzeugen könnte, der keine Furcht vor Ansteckung oder Gefahr kennt, wenn es gilt, in die Wohnung der kranken armen Familie helfend und tröstend einzudringen. Möchten diese Zeilen dazu beitragen, daß der Wunsch dieses hochangesehenen Schriftstellers, wenigstens teilweise in Erfüllung geht. Dies ist umsomehr zu wünschen, als der „Frauenhort" niemals mit irgend welchen Vergnügungsveranstaltungen herangetreten ist, so daß alle Spenden, die er erhält, unverkürzt den Armen zufließen. Aus der Gemeinde Baden. Letzten Sonntag, 27. November, versammelten sich über Einladung des P r ä s i d e n t e n des Kultusvorstandes Herrn Moriz Lettner der G e s a m t v o r st a n d, der verstärkte Ausschuß und die angesehensten Mitglieder der Kultusgemeinde Baden mit ihren Frauen im Sitzungssaale des Kultusvorstandes daselbst, um anläßlich der bevorstehenden Schlußsteinlegung der neu errichteten Zeremonienhalle auf dem Badener Friedhofe den Inhalt einer in den Schlußstein einzusügenden geschichtlichen Urkunde zu vernehmen. Unter den Anwesenden befanden sich: Der Gemeinde-Rabbiner Herr Wilhelm Reich und Frau, Baurat Stiaßny aus Wien und Frau, ferner die Vorstandsmitglieder Herren Dr. Emil Raab, Sigmund Rausnitz, Simon Mandl, Anton Schneider, ferner vom Bau-Komitee die Herren Alois F l e i f ch m a n n und Gustav Ödenburger, und viele auswärtige Gäste. Präsident Moriz Lettner begrüßte die Erschienenen und setzte den Zweck der Einberufung der heutigen Versammlung auseinander. Er wollte vor Allem die Vollendung des neuen Friedhofbaues offiziell bekanntgeben und vor den Gemeindemitgliedern eine die dreißigjährige Geschichte der Kultusgemeinde Baden und der Chewra-Kadischa daselbst behandelnde Denkschrift zur Verlesung bringen. Gemeinde-Sekretär Herr I. I n f e l d verlas die von ihm verfaßte Denkschrift, welche die Vorgeschichte der Badener Chewra-Kadischa vom Jahre 1868 angefangen, und sodann die Entwicklungsgeschichte der Gemeinde enthielt, die von allen Seiten Beifall und Anerkennung erhielt. Hierauf teilte Herr Präsident Moriz Leitner dem in der Versammlung erschienenen k. k. B a u r a t e W i lh e l m S t i a ß n y, nach dessen Plänen und unter dessen Leitung die neue Zeremonienhalle erbaut worden ist, mit, daß die Badener Chewra-Kadischa ihn in der am 26. November 1904 stattgefundenen Vorstands-Sitzung in Anerkennung seiner Verdien e um die Förderung und Durchführung des Baues zum E h r e n m i t g l i e d e ernannt habe. Der Rabbiner Herr Wilhelm Reich schilderte in glänzender Rede die außergewöhnliche Tätigkeit und Umsicht des Präsidenten im Dienste der Gemeinde. G e m e i n d e a r z t Dr. Emil Raab feiert den Vorred n e r und sein großes Verdienst um die Fortschritte der Badener Kultusgemeinde. Baurat Stiaßny dankt für die ihm zuteil gewordene Ehrenbezeigung, welche er mit Freude und Dank annimmt. Er schilderte den ihm aus eigener Wahrnehmung bekannten Eifer und die Gründlichkeit, von welchen sich der Ausschuß und der Kultusvorstand in der Behandlung von Gemeinde-Angelegenheiten leiten lassen. Er gedenkt des ausgezeichneten Predigers und Seelsorgers, welcher der geistige Führer der Gemeinde sei, und rühmt zum Schlüsse die Aufopferung und Hingebung des bei allen Gemeindemitgliedern in hohem Ansehen stehenden Präsidenten Leitner. Alle Ansprachen wurden von der Versammlung lebhaft akklamiert. Zum Schlüsse gab der Präsident bekannt, daß die Schluß st einlegung und feierliche Einweihung der Zeremonienhatte im Laufe des Monates Dezember stattfinden wird. Ein Gedenkblatt für Alfred Benvenisti. Von sehr geschätzter Seite wird dem „Oberschlesischen Anzeiger" geschrieben: „Alfred Benvenisti in Berlin, dessen srüher Heimgang weite Kreise in tiefe Trauer versetzt hat, war Mitinhaber der bekannten Firma Emanuel Friedländer & Co., deren Stammhaus in Gleiwitz sich befindet. Bei seiner Anwesenheit in Gleiwitz besuchte einmal Benvenisti den sabbatlichen Gottesdienst in der Synagoge. Nach Beendigung der Andacht trat er auf deu Rabbiner Dr. Münz zu und richtete an ihn im Laufe des Gesprächs etwa folgende Worte: „Ich hätte eigentlich Grund, über Sie ungehalten zu fein. Sie schreiben mir zu selten, und nehmen mein Portemonnaie für Ihre Wohlfahrtsbestrebungen zu wenig in Anspruch. Ich bitte Sie, mich nicht zu vergessen." Wie sehr aber dem Menschenfreunde Benvenisti Wohltun eine freudige Herzenssache