Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021597--14091-3038780
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 790 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 49 Karaer, die Schulen in ihren Händen hatten, was auch erklärlich ist, da die Karäer als die besten Kenner der Heiligen Schrift, in den Elementarschulen, wo doch fast ausschließlich nur Bibel gelehrt wurde, gut verwendbar waren. Mit anderen.Worten: die Lehrer jener Zeit waren Karäer, die bittersten Feinde der Rabbaniten und des traditionellen Judenttrms. Gegen diese karaischen Lehrer wendet sich jener Spruch. In dem Spruche selbst ist dies angedeutet durch den Ausdruck: „Lehrer, die da nur Bibel lesen, nicht aber Mischna lernen", was doch bekanntlich Grundsatz der Karäer war. Die Karäer waren die Rationalisten jener Zeit, die karaischen Lehrer die gefährlichsten Gegner des gesetzestreuen rabbinischen Judentums. Man eiferte gegen sie, wie vor einiger Zeit unsere orthodoxen Rabbiner gegen Schule und Lehrer eiferten, von denen sie die Vernichtung des Judentums befürchteten. Es sind dabei auch harte Worte gefallen und fallen heute noch, ganz so wie damals, doch braucht es nicht gesagt zu werden, daß die Zeiten und der Anlaß grundverschieden sind, und was damals richtig war, heute unrichtig ist. Budapest. Dr. Samuel Krauß. Korrespondenzen. Wahlen in den Wiener israelitischen Kultus- Vorstand. Friedlich, still und geräuschlos sind die diesjährigen Neu- und Ergänzungswahlen für den Wiener israelitischen Kultusvorstand Sonntag den 27. November vor sich gegangen. Die von dem „vereinigten Wahlkomitee", unter Führung der „Israelitischen Union" und des „PolitischenVolksvereines", vorgeschlagene Kandidatenliste fand auf keiner Seite eine ernste Gegnerschaft. Das formulierte „W a h l p r o g r a m m" wurde mit allgemeinem Beifall ausgenommen und mit ungeteilter Genugtuung begrüßt. Da weder sachlich, noch in der Personenfrage irgend ein Widerspruch sich hervorwagte, so entfiel jede Agitation für eine zahlreichere Wahlbeteiligung. Man verschmähte, selbst durch ein Inserat in den Tagesblättern die Wähler an die Wahlpflicht zu erinnern. Interne Angelegenheiten des Judentums brauchen der wetten Oeffentlichkeit sich nicht aufzudrängen. Die Wahlbeteiligung war demgemäß eine sehr geringe, wie das immer zu sein pflegt bei einer Wahl, bei welcher die Kandidaienliste eine unbestrittene ist. Dafür aber blieb die Wahlvorbereitung von jenen betrübenden und häßlichen Begleiterscheinungen frei, welche als Nachwirkung der leidenschaftlichen Agitation vor zwei Jahren in unliebsamer Erinnerung sind. Abgegeben wurden in den 13 Wahllokalitäten 1668 Stimmen, wovon 1608 als giltig erklärt wurden, so daß die absolute Majorität 805 Stimmen betrug. Gewählt wurden mit sechsjähriger Funktionsdauer Baurat Theodor Ritter v. Goldschmidt (mit 1553 Stimmen), kaiserlicher Rat Karl Hirsch (1547), Emil Horner (1548), Siegmund K a u d e r s (1537), Dr. Markus Spitzer (1546), Baurat Wilhelm Stiaßny (1541), Oskar Marmorek (1492) und Salo Landau (1492); mit vierjähriger Funktionsdauer: Kaiserlicher Rat Leopold Sachs (1515); mit zweijähriger Funktionsdauer: Med. Dr. Isidor Schnabl (1458). David Ritter von Gutmann. Am 2. Dezember l. I. vollendet einer unserer hervorragendsten Glaubcnsbrüder, der lvegen seiner großen Wohltätigkeit bekannte Herr David Ritter v. Gutmann sein siebzigstes Lebensjahr. Still, wie er stets gelebt, will er auch diesen Tag verbringen und allen geplanten Ovationen entgehen. Ein Leben voll rastloser Arbeit liegt hinter ihm. Und was ihm seine weitverzweigten geschäftlichen und industriellen Unternehmungen an freier Zeit lasten, widmet er edlen Mcnschenwerken. Er war nie zu bewegen, bei irgend einer Bahn oder Bank eine Verwaltungsratsstelle anzunehmcn — und er hätte deren in Hülle und Fülle haben können — die „Verwaltungsratsstellen", die er bekleidet, sind die Ehrenämter bei der Allianz, der Hirsch- Stiftung, der ArmenanstaÜ und dem Waisenhause u. a. Einfach, bescheiden und zurückgezogen, in der Oeffentlichkeit nie hervortretcnd, so ist er und so will er's bleiben. Von all den äußerlichen Ehrenzeichen, von all den Orden, die es verdienen w ü r d c n, seine Brust zn schmücken, besitzt er bloß den — schon 1879 ihm nebst dem Ritterstande verliehenen — Eisernen Kronenorden und ist auch nicht Mitglied des Herrenhauses, dessen Zierde er gewiß schon seit langem bilden würde; weil er es eben vermeidet, ja geflissentlich zu verhindern sucht, öffentlich von sich sprechen zu lasten. Er wirkt enorm viel Gutes, aber ganz im Stillen und nur jene wissen es, denen es zuteil wird. Und so beglückwünschen auch wir ihn zum heutigen Tage, gleich vielen Tausenden, im Stillen. Möge er noch lange Jahre in ungeschwächter Kraft fortwirken zum Heile der Armen und Dürftigen, die bis jetzt an ihm eine so mächtige Stütze gesunden haben. Generalversammlung des Vereines für Arbeitsnachweis. Samstag den 26. v. M. Abends fand im Lesesaale des Kaufmännischen Vereines die diesjährige Generalversammlung der „Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" statt. Der Vorsitzende, Herr Dr. Alois Klemperer, begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste und zwar mit Namen: den Vertreter des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemcinde Herrn kaiserl. Rat Jonas Weil, Frau kaiserl. Rat Hirsch und Frau Clotilde Benedict als Vertreterinnen des „Frauenhort", die Vertretung des Vereines „Bnei Brith", die Herren Direktor I o l l e s und Emil I e l l i n e k als Vertreter des „Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender", Herrn S. B r o d als Vertreter des „Vereines zur Hebung der Gewerbe", den Reichsratsabgeordneten Herrn Dr. Julius Ofner, die Herren Rabbiner Dr. E. David, Dr. D. Feuchtwan g, Dr. Max G r u n w a l d, Dr. L. Mandel, den Vertreter des Bankhauses S. M. v. Rothschild Herrn Emil Horner und den Vertreter der Firma Max Springer, Herrn Carl N e u st a d t. An die Begrüßung der Gäste schloß der Vorsitzende einen tiefempfundenen Nachruf für das im Betricbsjahre verstorbene Vorstandsmitglied, Herrn Heinrich Teltscher und erteilte sohin das Wort zuerst dem 06*.. manne des Exekutivkomitees Herrn Dr. Bela T a u s s i g zur Berichterstattung, dann dem Schriftführer Herrn Dr. Gustav L a n g st e i n zur Mitteilung des Ziffernmaterials und schließlich dem Herrn kaiserl. Rat Carl Hirsch zur Verlesung des Gebahrungsausweises. Sehr beifällig wurde die Mitteilung ausgenommen, daß das Bureau schon Mitte Oktober die zehntausendste Vermittlung seit seiner Eröffnung (im November 1899) überschritten habe. Nicht minder erfreute die Konstatierung, daß die steigende Tendenz in den Erfolgen des Vereines auch ttn Betriebsjahre angehalten hat. Die Zahl der erzielten Vermittlungen ist auf 2524 gestiegen, wovon 1936 auf männliche und 588 auf weibliche Arbeitskräfte der verschiedensten Berufe entfielen. Mit Interesse vernahm man auch, daß im Betriebsjahre fast 47.000 Parteien an den Schaltern abzusertigen waren. Nach Erstattung des Berichtes erbat sich Herr kaiserl. Rat Jonas Weil das Wort, um dem Vereinsvorstande den Dank des Vorstandes der Kultusgcmeinde für die erfolgreiche und aufopfernde Tätigkeit auszusprcchen. Hiebei hob er hervor, daß er als Mitglied einer Abordnung der Kultusgemeinde das Bureau des Vereines besucht und eine musterhafte Organisation und Tätigkeit vorgefunden habe. Im Namen der Mitgliederschaft dankte Herr M. Baum dem Vorstande für dessen ersprießliche Tätigkeit und brachte mehrere Anregungen vor. Hierauf wurde der Jahresbericht samt dem Gebahrungsausweis einstimmig genehmigt. Bei den nun vorgenommcnen Ergänzungs- und Ersatzwahlen wurden die auf Grund des Statuts nach fünfjähriger Mandatsdauer ausgelosten Herren Dr. Alois Klemperer, kaiserl. Rat Johann Lichten st adt und Dr. Bela Taussig wieder-, an Stelle der verstorbenen Vorstandsmitglieder die seit einiger Zeit ohnehin kooptierten Herren: kaiserl. Rat Carl Hirsch, Direktor Moriz Koritschoner, Sigmund Popper durch Akklamation neugewählt. In einer Schlußansprache wies der Vorsitzende Herr Dr. Klemperer darauf hin, daß der Verein nunmehr sein erstes Lustrum vollendet habe und gedachte in warmen Worten des um die Organisation des Vereines so hochverdienten ersten Obmannes des Exekutivkomitees, des ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.