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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 Dr Dlocb s Mocbenscbrttt. Seite 789 führt uns die wichtig st en Personen und Begebenheiten sowie den moralischen Kern jeder einzelnen Erzählung vor und zeigt dem Lehrer, worauf er beim Unterrichte das Hauptgewicht zu legen hat. Diese äußere Einrichtung kommt im großen Ganzen auch dem Lehrbuche für die Oberklassen zu, selbstredend mit dem Unterschiede, daß die Teilung der Erzählungen entsprechend der Reife und Vorgeschrittenheit der Schüler durchgeführt ist und daß auch die Randbemerkungen nach diesen Gesichtspunkten zur Anwendung kommen. Da aber der Schule gegenwärtig ganz besonders die Pflicht erwächst, der reiferen Jugend religiöses Empfinden und Denken anzuerziehen, ihr aber auch die Befähigung zur Teilnahme am Gottesdienste und Liebe zum Judentume beizubringen, um so wenigstens einigermaßen das zu ersetzen, was früher zumeist Erziehung und Uebung besorgten, muß das Lehrbuch für diese Stufe auch alles das enthalten, was sich auf den Gottesdien st und die Liturgie bei demselben bezieht. Das Gebet, seine Zeit und Einteilung, die Feste und Fasttage und ihre Bedeutung, die jüdische Zeitrechnung, so weit sie zum Verständnisse der gottesdienstlichen Handlungen und der Festtage nötig ist, die wichtigsten Zeremonien und religiösen Gebräuche, besonders jene, welche sich auf das nationale und Familienleben sowie auf die kindliche Pietät beziehen re., gehören mit zum Inhalte eines zeitgemäßen Lehrbuches für den Religionsunterricht, jedoch so, daß sie nicht in Form von kleingedruckten Anmerkungen dem Schüler von vorneherein als nebensächlich und minderwertig erscheinen, sondern schon äußerlich durch Ueberschrift und Druck als besonders wichtig zu erkennen sind. Bei der Fülle des Stoffes und bei der knappen Zeit, welche dem Religionsunterrichte zugewiesen ist, kann dies alles selbstverständlich nur kurz und übersichtlich im Buche gegeben werden. Umsomehr bedarf es der erfahrenen und verständigen Hand des Fachmannes, welcher hier, wohl auch die gegenwärtigen Zeitverhältnisse berücksichtigend, die richtige Grenze zwischen zu viel und zu wenig zieht. Daß auch den Schülern dieser Stufe Gelegenheit geboten wird, aus ihrem Lernbuche die Hauptteile, aus denen die heilige Schrift besteht, zu erfahren, ferner, welchen Büchern derselben die bedeutendsten biblischen Ereigniffe und die wichtigsten Stücke des Gebetbuches entnommen find, steht außer allem Zweifel. Dies im allgemeinen die Anforderungen, denen zeitgemäße Lehrbücher für den Religionsunterricht in Bezug auf Inhalt und Form unbedingt gerecht werden müssen. Ihre Einführung wird allerdings die Hindernisse, die die geänderten Zeit- und Schulverhältniffe dem Religionsunterrichte gebracht, nicht beseitigen, daher keineswegs vollständige Abhilfe verschaffen. Aber da es eine von allen erfahrenen Schulmännern anerkannte Tatsache ist, daß gediegene Lehrbücher — selbst in der Hand minder gewandter Lehrer — bessere Unterrichtserfolge ermöglichen und schon die Erreichung dieses Zieles von größtem Werte ist, haben die interessierten Kreise die unabweisbare Pflicht, für diesen Zweck geeignete Lehrbücher mit allen Mitteln sofort anzustreben. Eine abfällige Ae«ßer««g über Hehrer. In dem von dem verdienten Lektor am Wiener Beth-Hamidrasch und Dozenten am Wiener Seminar M. Friedmann im diesjährigen Jahresbericht der israelitisch-theologischen Lehranstalt herausgegebenen Stück des Elijahu Zuta muß jeden Leser ein Satz peinlich berühren. Es heißt dort (e. l p. 5) mit Bezug auf das Wort „die euch Verstoßenden" (Jesaja 66, 5): „Das sind die Kinderlehrer, die da nur Bibel lesen und die Mischna nicht lernen; aber auch wenn sie Bibel lesen und Mischna lernen, ist kein Wiffen in ihnen; es ist verboten, sie zu ehren; wer sie ehrt, der erwirbt sich das Gehinnom, die Hölle)." Fürwahr, ein hartes Wort! Der gelehrte Herausgeber findet die Stelle verblüffend, schon .aus dem Umstande, da ja nach einem bekannten talmudischen Aussprüche die Lehrer zu denjenigen gehören, die die Gesamtheit zum Verdienst verhelfen (mazdikä ha-rabbim). Friedmann bringt bei seiner großen Belesenheit noch eine Menge alter Aussprüch Über die Lehrer bei, aber keine, die eine solche Verachtung, die geradezu einen solchen tötlichen Haß gegen die Lehrer atmen würde, als die berufene Stelle. Einer jener Aussprüche besagt: „Sieben sind es, die sich die Hölle erwerben, wenn sie ihre Arbeit nicht getreu verrichten: Der Thoraschreiber, der Notar, der Fleischhauer, der Arzt, der Zöllner, der Richter und der Schullehrer." — Ferner: „Wenn du Jemanden siehst, der allzu schlotternd (linkisch, verwahrlost) einhergeht, wisse, daß er ein Notar, ein Arzt, oder ein Schullehrer ist. ... R. Jose sagte Folgendes: Einst ging ich meines Weges, da gewahrte ich einen Menschen, der allzu schlotternd einherging, und dabei war er mit einem Rock bekleidet, der achtundvierzig Dukaten wert war. Als ich ihn so sah, bebte ich vor ihm zurück, zitterte und fiel aufs Angesicht und sprach zu mir selbst: Er ist wohl der König. Nach einer Weile jedoch ging ich zu ihm und sagte ihm: Wie heißt du? Jener sagte mir: Ich heiße Isaak ben Chonja. Ich sprach: Hast du etwa Mischna- Kenntniffe? Jener: Nein. Ich : Was denn ist deine Beschäftigung? — Ich bin ein müssiggehender Mensch. — Aber hat denn Gott auf dieser Welt etwas Unnützes erschaffen? Da sprach er: Ich bin Kinderlehrer. Sofort betete ich um seinetwegen (daß er bestraft werde), da fuhr ihm eine Mücke in die Nase und die tötete ihn. In derselben Stunde sprach R. Jose: Gelobt sei Gott, der die Weisen und ihre Jünger erwählt hat, denn sie hatten Recht, als sie sagten, die Kinderlehrer seien stolz wie ein König, aber ihr Wissen ist das eines Kindes; wer den Kinderlehrern wohl will, ist, als ob er wohl wollte den Götzen und ihren Dienern, und wer sie ehrt, erwirbt sich die Hölle, der sie grüßt, hat ein Verbrechen begangen, als habe er dem Merkur (dem Götzen der Römer) Verehrung bewiesen; ja, wer bei ihrem Tode den üblichen Segensspruch: Gelobt, der wahre Richter — spricht, hat keinen Anteil am zukünftigen Leben." Man sieht, die Sache wird bitter ernst. Das heißt ja geradezu, man soll den Lehrer wie die Pest meiden, und jede Annäherung an ihn, jeder Beweis menschlicher Teilnahme an ihm wird aufs schärfste verpönt. Hat es jemals ein Volk gegeben, das die Lehrer so haßte? Und Israel soll es sein, das doch Lernen und Wissen und die Träger des Wissens so überaus hochschätzt? Es ist unnötig, beweisen zu wollen, daß dieser Lehrerhaß unmöglich die herrschende Auffassung des Judentums sein könne, denn vom Talmud angefangen, alle jüdischen Schriften hindurch bis auf den heutigen Tag. hören wir nur die Hochschätzung des Lehrers, die Verdienstlichkeit seines Wirkens. Höchstens wird der unwissende und gewiffenlose Lehrer getadelt und bedroht, was gerade aus der Erkenntnis fließt, daß kein Amt mehr Heiligkeit, mehr Hingabe, mehr Gewissenhaftigkeit erheischt, als das des Lehrers. Die berufene Stelle wird noch schlimmer, wenn man weiß, daß der zum Ausgangspunkt dienende Jesaia-Vers — und dieser wird auch in der hier berührten zweiten Stelle benützt — zwar auch im eigentlichen Talmud (Baba Mezia 33 b) derart gedeutet wird, aber da find die „Verstoßer" durchaus nicht Lehrer, sondern unwissendes Volk, der Pöbel (ame ha-arez), die bekanntlich mit den Talmudlehrern nicht sympathisierten und darum von diesen oft hart gerügt werden. Wenn nun Elijahu Zuta, diese sväte Kompilation, der Deutung eine solch lehrerfeindliche Wendung gibt, so muß irgend ein Zeitereignis die Veranlassung sein, denn nur in den bitterbösen Stunden der Polemik fallen solche haßerfüllte Worte. Auch Friedmann gelangt zu dieser Meinung, indem er sagt, der Ausspruch wurzele in einer gewiffen Zeit und an einem bestimmten Orte, doch gibt er über Zeit und Ort keine nähere Andeutung. Seit den sechs Monaten, daß ich F r i e d m a n n's Arbeit gelesen habe, haben mir die Worte jenes Buches stets Verdruß bereitet, bis ich nun zu einer Lösung gelangt bin, die ich den sich für diese Dinge Interessierenden in Folgendem mitteile. Jedermann kennt den erbitterten großen Kampf, der im 8. und 9. Jahrhundert zwischen Rabbaniten und Karäern gewütet hat. Die Träger der rabbinischen Lehre hatten damals keinen ärgeren Feind als die Karäer. Zahllos sind die polemischen Schriften, die die Anhänger der beiden Richtungen des Judentums gegen einander schleuderten. Viele namhafte Gelehrte haben schon früher in dem ganzen Tanna di be Elijahu, von welchem das Elijahu Zuta nur ein Anhängsel ist, antikaräische Tendenz erkannt. Friedmann bestreitet zwar ihre Ansicht, auch hat er für Elijahu Zuta einen anderen literarischen Platz, aber trotzdem mag daran erinnert sein, daß in jenem Werke die Welt der Karäer den Hintergrund abgibt. Dem sei jedoch, wie ihm wolle, für mich handelt es sich bloß um die Erklärung jenes auffallenden Satzes, und die glaube ich, im Hinblick auf die Karäer, gefunden zu haben. Aus jenen Kämpfen wird uns eine sehr wichtige Episode berichtet. Chivvi al-Balchi (d. i. aus der persischen Stadt Balch), ein karäischer Gelehrter, hat gegen den Schöpfungsbericht der Thora, überhaupt gegen die Glaubwürdigkeit der heiligen Schrift die schwersten und infamsten Einwürfe erhoben. Wir kennen den Sachverhalt nicht mehr genau, obzwar gerade in jüngster Zeit der so schätzereiche Boden Egyptens uns ein Fragment geliefert hat, das jene Angriffe gegen die Thora zu enthalten scheint. Nun war es aber jenem Chivvi, wie kein geringerer als Saadja Gaon berichtet, gelungen, seine gottlosen Lehren schon in mehreren Schulen einzuführen, und das ist für die damalige Zeit eine sehr wichtige Tat (s. Juchasin, ed. London, S. 207). Es scheint also, daß Chivvi's Gesinnungsgenosstn, die

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