Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 48 (25.11.1904)
- Date
- 1904-11-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 48 Dr Dwcb's Mocbenscbrttt Seite 779 Menschen und die Schädigung der Dina und die dadurch der ganzen Jakobssippe angetane Schmach läßt uns die strenge Züchtigung nur als gerecht erscheinen. Dasselbe gilt von den anderen kanaanitischen Bastardenvölkern. Die Kanaaniter waren Bastarde. Denn sie verkehrten geschlechtlich mit ihren „Göttern"^). Die Sodomiterei war der Inhalt der bacchiischen, eleusinischen, orphischen, ja noch der Templermysterien, sie war zur Religion erhoben worden, und die Züchter dieser Wesen waren die Priester. Es wird nunmehr der gewaltige Einfluß der Religion und Priesterschaft bei allen alten Lölkern verständlich. Diese Tempelbuhlen brachten den Heiligtümern unermeßliche Reichtümer ein. Davon berichten Herodot und andere Schriftsteller, von der Bibel ganz abgesehen, an zahlreichen Stellen. Die Sodomie war nicht etwa ein exzeptionelles Vorgehen. Sie war bei allen antiken Völkern ein Gewohnheitslaster. Besonders arg trieben es die Weiber (Leviticus XVIII, 23). Sie empfanden im Beischlaf mit diesen Faunen einen erhöhten Sinnenreiz. Ezechiel XXIII, 20 sagt deutlich: daß die Weiber rasten vor Wollust bei dem sodomitischen Beischlaf. — Bileam's „sprechender Esel" kann nunmehr ungezwungen als Bastard gedeutet werden, während die bekannte Stellel8), von der bei einem Eheweib angetroffenen „Schändlichkeit" sich gleichfalls auf Sodomie bezieht. Die griechische Uebersetznug gibt das fragliche Wort mit ,,perverser Liebe", (charis enantios). Da „Holz und Stein" Geheimworte für das „Anthropozoon" sind, so ist uns auch der Verkehr"') damit begreiflich. Die Erlösung der Menschheit, von der die Propheten und Christus so viel predigen, besteht darin, daß das Menschenweib wieder zur natürlichen Liebe, zur Liebe zum Mann znrückkehrt. Das meint Jeremias XXXI, 22. Neu besamt soll das Menschengeschlecht werden, sorgsam soll sich wieder Mensch von Menschenvieh (bedowab) scheiden. (Wir machen auf die 3 nach Photographien hergestellten genauen Abbildungen der „Umschau", 1904, Nr. 43, die diesem Artikel beiliegt, besonders aufmerksam.) Korrespondenzen. Jüdischer Kolonisationsverein. Der Jüdische Kolonisationsverein, über dessen Begründung wir bereits kurz berichteten, hielt seine konstituierende Versammlung im großen Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde in Wien ab. In seiner Eröffnungsansprache führte Präsident Dr. Alfred Stern aus, daß die unmittelbare Anregung zur Gründung des Kolonisationsvereines die Ausstellung der Produkte der jüdischen Kolonien Palästinas in Wien gegeben hätte, welche den Beweis erbrachte, daß dieses Hilfswerk befriedigende Resultate erzielt und daher, besonders in Anbetracht der stets wachsenden Judennot im Osten, tatkräftigste Förderung verdient. Das von Doktor F. E. Weist und Dr. W. Pappenheim redigierte Statut des Kolonisationsvereines wurde von den zuständigen Behörden ohne Einspruch zur Kenntnis genommen; die formellen Bedingungen zur Konstituierung des Vereines seien also gegeben. Dr. Arthur Kaminka forderte hierauf die Anwesenden zu einem Akt der Pietät auf. Willy Bambus, einer der ersten und eifrigsten Förderer des jüdischen Kolonisationswerkes, sei vor kurzem gestorben. Die Versammlung ehrt den Verblichenen durch Aufstehen. Dr. Alfred Nossig erstattete als Vertreter des Pariser Zentralkomitees der Kolonisationsvereine das Referat über die Bestimmung und den Plan der Kolonisationsaktion, deren Organe die Kolonisationsvereine sind. Die jüdische Hilfsaktion hat in den letzten Jahren auf Grund der gesammelten Erfahrungen einen wesentlichen Fortschritt gemacht. In ihren Anfängen begnügte sie sich mit Interventionen von Fall zu Fall, nach dem Eintritt von Katastrophen. Sie befolgte das Prinzip, mittels einmaliger Hilfeleistungen die Emigranten in Kulturländern zu zerstreuen, und hatte einen rein philanthropischen Charakter. Es stellte sich jedoch heraus, daß man auf diesem Wege weder neuen Katastrophen Vorbeugen noch die Emigranten entsprechend versorgen könne. Neben den improvisierten Aktionen müsse eine präventive in Angriff genommen, die Philanthropie müsse durch rationelle Sozialpolitik ersetzt werden. Da eine einmalige kleine Hilfe in vielen Fällen zur Gründung einer Existenz nicht genüge, und selbst die liberalsten ") Exod. XXXIV, 15. ,8) Deut. XXIV. I. ,9) Jerem. III, 9. Kulturländer sich allmählich den Einwanderern zu verschließen beginnen, so müsse man Veranstaltungen treffen, um die Existenz der Emigrantenfamilien dauernd zu sichern. Dies geschehe am besten durch ihre Ansiedelung auf zusammenhängenden Terrains in einem noch dünn bevölkerten Lande. Als das geeignetste Gebiet für die Kolonisation von Juden habe sich erfahrungsmäßig Palästina mit seinen Grenzländern erwiesen. Hier gedeihen die Kolonien aus wirtschaftlichen und moralischen Gründen am besten. Noch günstigere Resultate werden erzielt werden, wenn die Kolonisationsvereine sich die gesammelten Erfahrungen zunutze machen und nicht mehr vereinzelt und planlos Vorgehen werden. Das zu kolonisierende Gebiet muß erforscht, die Kolonisation muß durch rationelle Maßnahmen vorbereitet werden und dann in planmäßiger Weise auf wachsender Stufenleiter erfolgen, wobei die Kolonisten zu wirtschaftlicher Selbständigkeit zu erziehen sind. Eine derartige, wahrhaft moderne Kolonisation ist aber nur dann möglich, wenn alle Kolonisationsvereine, ja, sämtliche im Orient tätigen Organisationen sich dauernd untereinander verständigen. Der neugeschaffene Jüdische Kolonisationsverein inauguriert diese vom Referenten angedeutete neue Phase des Anfiedelungswerkes, da er alle Hauptprinzipien einer gesunden Kolonialpolitik in sein Statut ausgenommen hat. Es ist dies aus dem § 2 des Statuts ersichtlich, welchen wir hiermit Rücksicht auf seine reformatorische Bedeutung vollinhaltlich folgen lassen: § 2. V e r e i n s z w e cke. Der Verein hat den Zweck, allein oder in Verbindung mit anderen, gleiche Ziele anstrebenden Institutionen die planmäßige Ansiedelung von Juden in Palästina und seinen Nebenländern zu fördern. Es fallen daher in seinen Wirkungskreis insbesonders: a) die Förderung der Erforschung Palästinas und seiner Nebenländer unter dem Gesichtspunkte der Ermittelung geeigneter Kolonisationsgebiete und geeigneter Kolonisationsmethoden, unter anderem durch Errichtung von Versuchsstationen aller Art; d) Förderung des Verständniffes für eine planmäßige Ansiedelung von Juden in Palästina und seinen Nebenländern durch Versammlungen, Vorträge, Veröffentlichungen aller Art, Entsendung von Rednern, Unterstützung von Institutionen, die dieser Idee dienen, Enqueten und dergl.; e) die Förderung der Kolonisation selbst durch 1. Erwirkung günstiger Anfiedelungsbedingungen jeder Art; 2. zweckmäßige Heranbildung geeigneter Ansiedler; 3. unentgeltliche Erteilung von Ratschlägen und Anleitungen; 4. Unterstützung der Ansiedler, insbesondere von Ackerbauern, Gärtnern, Handwerkern und Gewerbsleuten, z. B. durch Darlehen und ausnahmsweise durch Beihilfen, stets mit dem Ziele, die wirtschaftliche Selbständigkeit und die volle geschäftliche Unabhängigkeit und eigene Verantwortlichkeit der Ansiedler herbeizuführen; 5. die Förderung von jüdischen Vereinen, Genoffenschaften, Gesellschaften rc., die sich zur Aufgabe setzen, in Palästina und dessen Nebenländern Grundbesitz zu erwerben, zu pachten oder zu bearbeiten, und die ihnen von ihren Mitgliedern oder anderen Personen aus privatwirtschaftlichen, humanitären oder religiösen Motiven zur Verfügung gestellten Mittel dazu benützen, den Grundbesitz der Bewirtschaftung durch die Genoffeuschaster selbst, durch jüdische Pächter und jüdische Arbeiter für Rechnung der Genossenschaft oder von jüdischen Einzelbefitzern oder Korporationen zuzuführen oder sonst der Bestimmung der Eigentümer entsprechend zu verwenden und zu verwalten; 6. Ankauf oder Pachtung von Grundstücken in Palästina oder dessen Nebenländern behufs Ansiedelung, ihrer Vorbereitung und Förderung; 7. Förderung des wirtschaftlichen Gedeihens jüdischer Kolonien in Palästina und dessen Nebenländern, namentlich durch Begünstigung des Absatzes der dortigen Boden- und Gewerbeerzeugniffe; 8. Herausgabe von Druckschriften und periodischen Mitteilungen. — Nachdem Präsident Dr. Alfred Stern die formelle Konstituirung des Vereines festgestellt hatte, schritt man an die Wahl des leitenden Ausschusses, der sich vorläufig aus nachstehenden Herren zusammensetzt: Dr. Rudolf Auspitz, Prof. Dr. Ehrmann, David R. v. Gutmann, Emil Horner, Dr. Alfred Stern, kais. Rat Sachs, Rabbiner Dr. Schmiedl, Baurat Wilhelm Stiaßny, Dr. F. E. Weist, Dr. S. Zins, Jgn. Schiff, Dr. I. Bloch, Oskar Mamorek,