Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 48 (25.11.1904)
- Date
- 1904-11-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 778 Dr. Mocb's Wocbenscbrttt Nr. 48 Jahve führt zum Heile des Homo sapiens Krieg gegen jene Geschöpfe, es ist ein Krieg, der von der Urzeit herstammt3 *). — Die Sodomie ist das Urlaster und die Erbsünde. Herodot hat II, 46 eine ganz merkwürdige Stelle: „Es heißen aber beide Bock und Pan egyptisch Mendes. In derselben (mendesischen) Mark begab sich zu meiner Zeit folgende Merkwürdigkeit: es paarte sich ein Bock mit einem Weibe vor aller Augen und alle Leute erfuhren es". Der „Bock" ist natürlich kein Ziegenbock in unserem modernen Sinn gewesen. Herodot selbst sagt ja, daß darunter der „Pan" verstanden sei. Ferner ist egyptisch but wirklich Affe*). Das ist jedoch nicht die einzige diesbezügliche Stelle aus der klassischen Literatur. Strabo, 6. 802 sagt, die Nachricht Herodot's ergänzend : „Mendes, wo man den Pan und den Bock der ,,Zoa"°) verehrt und wo sich, wie Pindar sagt, die Böcke mit den Weibern vermischen". Die Allen kannten diese Wesen nur zu gut; wie der Proteus in allen Gestalten, so erscheinen sie unter den verschiedensten Namen als: Hunde, Mäuse, Krokodile, Löwen, Schlangen, Fische^), ja sogar als „Vögel" (weil sie auf zwei Beinen gehen)! Am häufigsten ist jedoch die Bezeichnung „Dämon" und „Gott". Die Bibel nennt in offenkundiger Weise nur an zwei Stellen den „Affen" im 1. Buch der Könige X, 22 und im 2. Buch der Chronik IX, 21. Die Stellen sind glücklicherweise Parallelstellen und im hebräischen Grundtext beidemal aufs Wort gleichlautend. Salomon, so wird erzählt, bekommt von Tarschisch „Gold", „Silber", „Elfenbein" und „Affen". Auch die lateinische Bibel bringt beidemal die „Affen". Die griechische Bibel nennt, das ist sehr wichtig, nur in der einen Stelle den „Affen" (pitbelros), während sie in der Parallelstelle auf einmal von „behauenen und bearbeiteten Steinen (litboi)" redet. In ähnlicher Weise demonstriert Lanz durch Vergleichung der verschiedenen Bibelübersetzungen, daß „Holz, Gold?), Silber, Wasser, Wein, Blut, Brot, Fleisch, Lein, Feige, Zeder^) rc." Geheimworte für diese lebende Sodomsware sind. Die biblische Parodiesessage findet sich unter nunmehr leicht zu entfernender Vermummung bei allen anderen Kulturvölkern und merkwürdigerweise mit dem deutlich erkennbaren Hinweis auf Aramäa. Die Bibel selbst laßt die ganze Fabel im Garten Eden sich abspielen. Nun ist Eden eine aramäische Landschaft und erscheint in den Keilinschristen als Adini. Gerade diese Gegend ist es, wo die pagutu, udnmi und baziati besonders oft erwähnt werden. Einen merkwürdigen Hinweis auf Aramäa und zugleich auf das nach Lanz im Wasser lebende und — wie man auf der Darstellung sieht — mit einer Schuppenhaut versehene pagu enthält Hesiod: Theogonie 304: Die schönhüstige Nymphe Echidna, so erzählt er, wohne in den Arimerbergen und der Typhon habe, sich iu Liebe mit ihr vermischt. Strabo K. 626 berichtet nun wieder ausdrücklich, daß die Tyrrhener die „Affen" Arimer nennen, und Hesychius erklärt die auch in der Ilias VI, 783 erwähnten Arimerberge mit: „Affenberge". Das Hetiterland, so meldet Strabo K. 653, sei die Heimat der wilden „Mischeseln" (bernionoi), genau so wie in den Keilinschriften das damaszenische Syrien „Eselland" heißt. Es kann aber das semitische Wort edamor oder damor „Esel", „Amoriter" und „Wein" bedeuten. Nunmehr eine Probe von Belegen, mit denen Lanz die Sodomie nachzuweisen versucht. Bei Hofea IV, 2, werden die verflucht, die Blut mit Blut mischen, denn um ihretwillen trauert die Erde (i. e. Fauna) und alles degeneriert, die „Feldtiere", die „Himmelsflatterer" und die „Meeresfische". „Vertilgt soll werden der Same aus widernatürlichem (gricch. paranowosd) Beilager", sagt das Buch der Weisheit III, 16. Es geht hier nicht, „aus unehelichem Beilager" zu übersetzen, denn nirgends lesen wir in der Bibel von der Gott unwürdigen Grausamkeit, uneheliche Kinder umzubringen. Die Patriarchen und Könige haben uneheliche Kinder, nach unseren Begriffen, mehr als genug gezeugt, ohne daß die Bibel auch nur ein Wort des Tadels darüber ausspreche. Und wiederum sagt das Buch der Weisheit IV, 6: „Aus gesetzlosem Schlaf erzeugte Sprößlinge sind Zeugen der Verworfenheit wider ihre Erzeuger." Und lapidar heißt es in demselben Buche Kap. XIV, 26; „Tierschändung, Abänderung der Geburt (imntatio nativitatis), Wahllosigkeit der Ehen (inconstantia nuptiarum), der Kult der namenlosen Götter'") ist alles Uebels Ursach, Anfang und Ende". Lanz bringt zu diesem Gegenstand durchaus legislatorische Stellen, die daher eine mythische Deutung ausschließen. Er weist aber das Sodoms-Zoon auch im Gesetzbuch des Hammurabi nach. Das Wort tarbit kommt nämlich in einem Keilschrifttext") vor in Verbindung mit den pagntu und baziati, die aus 3) Job XL und XLI. *) Levi: Voeab. gerogl. copt.-hebr. XL. ä) Dies ist eine der Stellen, durch die Lanz die Benennung Anthropo-zoa begründet. 6) Nach Lanz wegen der im Wasser lebenden pagutu. 7) Fast in jedem Brief der Tell-Amarnatontafel vorkommend! fc) ständig in den Keilinschristeu. ") Paranomoi heißen auch die „Belialsmenschen", die im Buch der Richter XIX, 22 ein Weib zu Tode schänden. '") Bei Herodot heißt der Sodoms-„Bock" der „namenlose Gott". ") Smith: D. Keilschristtexte Assurbanibals. Theben in Egypten als Beute fortgetrieben werden; Hommel übersetzt die Stelle mit: „pagutu, das Gezücht ihrer Berge". Von dem Tarbit handeln § 185—193 des Hammurabi -Kodex, die Assyriologen übersetzen dort „Ziehkind" (Dav. Heinr. Müller), „Großgezogener" (Winckler). In der Tat kommt in diesem Gesetzabschnitt wieder etwas Erotisches vor. In § 187 werden „Buhlen" im Palastdienst genannt. Die Kinder eines solchen „Buhlen" werden in diesem sonst so humanen Gesetz mit ganz auffallender Strenge behandelt, so daß man deutlich merkt, daß es sich hier nicht um Vollmenschen handeln kann. Wenn ein solcher Bastard zu seinen „Zieheltern" sagt, „ihr seid nicht meine Eltern", so soll man ihm die Zunge abschneiden und das Auge herausreißen. „Da hört denn doch die Gemütlichkeit auf" sagt treffend D. H. Müller zu diesem § 192 ’2). Was sagt nun zu diesen Berichten die Anthropologie, d. h. haben sich von diesen Wesen Ueberreste erhalten? Für die Existenz von Pygmäen, wie sie die baziati und pagutu sind, haben wir speziell ans Egypten einwandsfreie Schädelfunde zu verzeichnen. Kollmaun schreibt in einem sehr beachtenswerten, von Lanz zitierten Artikel des Korrespondenzblattes der deutschen Gesellschaft für Anthropologie 1902, 119 ff. über die von Mac Jver untersuchten Gräber von Abydos in Egypten: „Unter den von Mac Jver photographierten Schädeln finden sich manche von so kleinen Durchmessern, wie sie nur bei Pygmäen zu finden sind. Die Bevölkerung von Abydos bestand also — nicht allein aus großen Rassen, sondern auch aus Pygmäen. Sie waren in ansehnlicher Zahl vorhanden — etwa 20%. — Nehmen wir an, die Einwohnerzahl von Abydos und den umliegenden Orten habe um die Mitte des VI. Jahrhunderts v. Ehr. aus 50.000 Seelen bestanden, so hätte darunter die beträchtliche Zahl von 10.000 Pygmäen oder Rassenzwergen gelebt." „Leider ist niemand im stände, abgesehen von der Kleinheit des Körpers" — so fährt Kollmann weiter fort — „etwas über ihre sonstige körperliche Beschaffenheit auszusagen, da keine Extremitätenknochen gesammelt wurden. Es wäre wünschenswert, um kleine plastische Werke richtig zu deuten, die von Petrie in den Gruben der oberegyptischen Steinzeit gefunden wurden und die Frauenkörper mit stark entwickelter Steatopygie darstellen." Den Kunstwerken ist hierin nach Lanz Glauben zu schenken, denn wir haben Mumien, die die Steatopygie deutlich zeigen''"') Es ist daher kein Grund vorhanden, an der Existenz von Zwergen, wie sie z. B. in der „Umschau" 1904, S. 89 dargestellt sind, für Egypten zu zweifeln, nachdem die Pygmäen nach Kollmann's Aufsatz: Pygmäen in Europa und Amerika ") und anderen neueren Untersuchungen und Funden so ziemlich auf der ganzen Welt festgestcllt sind. Ein ferneres anthropologisches Indizium für die ehemalige Existenz dieser Wesen findet Lanz in der Tatsache, daß noch heute dort ein kleinerer Menschenschlag zu finden ist, wo diese Zwergen- und Nickerwesen historisch nachgewiesen sind. Dies gilt z. B. von Sizilien und Zentralafri"a. Andererseits sieht Lanz in den „Schuppenmenschen" der Familie Lambert'^) eine Erinnerung an das pagn. ■ Das Anthropozoon gibt uns nunmehr den Schlüssel zu den eingangs erwähnten Bibelrätselu. Eine gnostische") Schrift sagt uns, daß das „Holz des Erkennens . und der „gefallene Engel" eins sein. Der Talmud berichtet Sabbath XXII, 2, daß der gefallene Engel der Eva beigewohnt habe. Eva und Adam sind udumi, die sich mit dem Amoriter, dem höher organisierten homo sapiens oder besser den Vorfahren desselben kreuzen. Nun begreifen wir, warum Adam und Eva nach dem Sündenfall „gottähnlicher" werden. Die Geschichte der Engelehen in Genesis VI wiederholt dasselbe nur in kürzeren und schlichteren Worten. Aus den bereits erwähnten Stellen ist zu ersehen, daß die in der Bibel stets formelhaft vereinten „Tiere des Feldes", „Erdkriecher", „Meeresfische,,, „Himmelsflatterer" besondere, dem Menschen nahestehende Wesen, wie Lanz behauptet, die udumi, baziati, pagutu (in der Bibel, Buch Job XL: Leviathan) und issuri sami, also „Anthropozoa" seien. Sie werden vom Homo sapiens verknechtct, und teils auch ausgerottet; Noah, der Repräsentant des Homo sapiens, weiß sich ein Schiff zu zimmern, er nimmt sich der Vorsicht halber, um weiterhin Sklaven zu haben, die vier Arten Anth-opozoa in den Kasten mit. Aber kaum war die Flut verronnen, so begann die Vermischung von neuem, besonders arg trieb es Eham, d. h Egypter, die Erzsodomiten waren! Ehanaan, d. h. die Phönizier, waren die „Händler" (Job. XL, 25), denn, wie wir gesehen, war gerade das hinter ihren Küsten gelegene Land noch bis in spätere Zeiten der letzte Zufluchtsort der wild lebenden pagutu, baziati und udumi. Esau verkauft um ein udumu, (die auch „egyptische Linsen" heißen) sein Erstgeburtsrecht, d. h. er verwirkt es dadurch. Denn er wird der Stammvater der Edomiten, eines inferioren Bastardenstammes, der den reinrassigeren Jakobssöhnen weichen muß. Ebenso waren die Sichemiten, wie schon der Name Hernor Esel andeutet, nur Halb- ") Die Gesetze Hammurabis, Wien, 1903. Sehr handsame, kritisch beleuchtete Ausgabe mit Urtext und Faksimile-Fragment. '3) Siehe „Umschau" 1904, S. 86. ") Globus 1902, 325. '5 6 7) Tilesius: Beschreib, u. Abb. d. sog. Stachelschweinmenschen. Altenburg 1802. '«) Eugen Schmitt: Gnosis (1903) 320.