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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-25 · 48 (25.11.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
48 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Biocbs Mocbens. )rllr. f euc 769 Herzen und Gemüte für die jüdische Sache, eingedenk jener Traditionen, irr welchen mein in Gott ruhender Bruder und mein ausgezeichneter Vater durch eine Periode von fünfzig Jahren an dieser Stätte gewirkt haben. In diesem Sinne stelle ich mich Ihnen zur Verfügung. (Langandauernder Beifall.) Vizepräsident kaiserl. Rat Moritz Hirsch, mit lebhaftem Beifalle begrüßt: „Ich danke den Herren für den freundlichen Empfang. Ich gehöre seit dem Jahre 1896 dem Vorstände der Kultusgemeinde an, und darf ich annehmen, daß Ihnen meine Tätigkeit, welche hauptsächlich auf die Ordnung unserer Gemeindefinanzen gerichtet ist, nicht fremd fei. Wie ich diese Aufgabe zur Ausführung zu bringen trachte, ersehen Sie aus dem Ihnen zugekommenen Rechenschaftsberichte, aus den jährlichen Voranschlägen und Rechnungsabschlüssen. Ich kann mit Genugtuung konstatieren, daß es mir mit Hilfe meiner sehr verehrten Kollegen im Vorstande gelungen ist, im Großen und Ganzen das Gleichgewicht im Haushalt der Gemeinde herzustellen und daß, wenn nicht besondere Anforderungen an uns herantreten, die Hoffnung besteht, daß dieses Gleichgewicht auch erhalten bleibe und wir nicht mehr wie früher bemüssigt sein werden, Schulden zu kontrahieren. Durch das Vertrauen meiner Herren Kollegen seit mehreren Jahren Mitglied des Vertreter-Kollegiums, bin ich anfangs dieses Jahres zum zweiten Vizepräsidenten der Kultusgemeinde gewählt worden. Ich werde, falls Sie mich durch eine Wiederwahl mit Ihrem Vertrauen beehren sollten, es mir angelegen fein lassen, im selben Sinne wie bisher im Interesse unserer Gemeinde weiter zu arbeiten. (Lebhafter Beifall.) Kultusvorsteher Emil Horner: Meine Herren! Vor sechs Jahren wurde ich durch Ihr Vertrauen in den Vorstand der Kultusgemeinde berufen. Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß ich meine Wahl nicht der hinreißenden Beredtsamkeit verdankte, die ich damals vor Ihnen entfaltete: Reden war nie meine starke Seite; vielmehr glaube ich ohne Ueberhebung annehmen zu dürfen, daß ich meine Wahl dem Umstande zuzuschreiben habe, daß Ihnen mein jahrzehntelanges Wirken im Interesse unserer bedrängten Glaubensgenossen nicht unbekannt geblieben war. Verlangen Sie von mir kein Programm für die Zukunft, mein Programm liegt in meiner Vergangenheit. Ich werde, so wie bisher, — das verspreche ich Ihnen — mit gleicher Liebe und Wärme für unsere armen Glaubensgenossen eintreten, wann und wo immer sich mir die Gelegenheit bietet. Die Bedeutung dieses Versprechens werden Sie, meine Herren, die Sie wissen, wie oft sich bei den systematischen Drangsalierungen, welche die Judenschaft zu erdulden hat, diese Gelegenheit ergibt, sicherlich voll ermessen können. Ich bin gewohnt, meine Pflicht allüberall, wohin mich mein Beruf und das Vertrauen meiner Mitbürger stellt, nach besten Kräften zu erfüllen, und ich glaube auch als Kultusvorsteher meine Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben. Wenn Sie, meine Herren, der gleichen Ansicht sind, werden Sie mir neuerlich Ihre Stimmen zuwenden und ich werde die Wiederwahl dankbar annehmen. (Lebhafter Beifall.) Kultnsvorfteher Sigmund Kauders: Vor 2 Jahren hatten Sie die Güte, mir Ihr Vertrauen zuzuwenden und mich in den Kultusvorstand zu wählen, es war dies eine Ehre, die nicht genug hoch anzuschlagen ist, ich halte es nämlich für den höchsten „Chowed", die einem Glaubensgenossen zukommen kann, wenn er zum Vorstand der altehrwürdigen israelitischen Kultusgemeinde Wien von seinen Glaubensgenossen gewählt erscheint. Ich will Ihnen, meine verehrten Herren, nun in Kürze mitteilen, was ich während der 2 Jahre gewirkt und geleistet habe. Ich habe vor 2 Jahren gerade an dieser Stelle den Wunsch ausgesprochen, es möge eine Erweiterung der Agenden der Bezirkskommissionen, seitens des Vorstandes, durchgeführt werden, nun ist es mir gelungen, unter Mithilfe des löblichen Präsidiums und unter besonderer Mithilfe des Herrn Direktors von Taufsig es durchzusetzen, daß diese Erweiterung der Befugnisse der Bezirkskommissionen wirklich zur Ausführung kam. Diese Kommissionen wirken nun zum Segen der Gemeinde ganz vorzüglich und unterstützen durch dieses Wirken den Vorstand in ausgiebiger Weise. Es war ferner mein Bestreben, unseren bewährten aufopserungswürdigen Tempelvereinen den kräftigsten Beistand zu leisten, und will ich dies auch ferner, wann und wo es nur immer sein kann, in ausgiebiger Weise tun. Ich wurde von meinen werten Kollegen im Vorstande in die Friedhofskommissivn gewählt und habe ich dort einige kleine Verbesserungen angestrebt, und glaube ich, daß es speziell im Friedhofswesen schon um Vieles besser geworden ist. Ich lvurde weiters anstatt des seligen Vorstandes v. Mises in die Kommission l. für Kultus entsendet und wirke ich dort im konservativen Sinne, als konservativer Jude. Weiters gehörte ich dem „Mikwa-Komitee" und seit Kurzem dem „Fleisch-Komitee" an. Im „Mikwa Komitee" habe ich es soweit durchgesetzt, daß wir nahe daran sind, ein anständiges Badehaus zu errichten, doch sind die Beschlüsse hierüber noch nicht definitiv gefaßt. Im „Fleisch-Komitee" konnte ich wegen der kurzen Zeit noch wenig leisten, doch verspreche ich Ihnen, wenn Sie mir wieder Ihr wertes Vertrauen zuwenden, auch da fleißig zu arbeiten, um etwas Ersprießliches zu erwirken. Meine Herren! Selbst die radikalsten Mitglieder unserer Gemeinde geben zu, daß es bei uns besser geivorden, und dies allein ist ein Zeichen, daß ein neuer Geist in die Kultusstube eingezogen ist, ich bin Jude durch und durch, hänge mit jeder Faser an meiuenl Volk und an meinem Judentum, mein konservatives Programm ist noch nicht erschöpft, doch hoffe ich, nach und nach damit zu einem befriedigenden Resultate zu kommen. Wenn Ihnen dies, meine Verehrten, genügt und wenn Sie mit meinen wenigen Leistungen während der 2 Jahre zufrieden sind, dann schenken Sie mir wieder Ihr wertes Vertrauen und wählen Sie mich zum Vorstände der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. (Lebhafter Beifall.) Bezirksschulrat phil. u. jur Dr. Markus Spitzer. Nach einigen einleitenden Sätzen bekennt sich der mit lebhaftem Beifalle begrüßte Redner zu dem Grundsätze, daß das Judentum entweder konservativ oder gar nicht sein werde. In früheren Zeiten war jedes Familienhaus eine feste Burg des Glaubens und kein unjüdischer Geist konnte in das durch tiefe Religiosität geweihte Familienleben eindringen. Gegenwärtig zeigen viele Häuser Risse und Sprünge und wenn die alten priesterlichen Funktionen noch sortdauerten, würde man oft den Ausruf vernehmen „fürwahr ein Schaden ist sichtbar geworden am Hause". (Lebhafter Beifall.) Mit gerechtem Stolze konnte man emporblicken zu den Palästen der Reichen, in denen das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu ihrem Volksstamme lebendig war, welche das Emporblühen der jüdischen Wissenschaft kräftigst förderten, den Trägern derselben Verehrung zollten, ein warmes Herz für die armen bedrängten Glaubensbrüder hatten und ihren Einfluß, ihre Beziehungen, ihre Macht in den Dienst des Judentums stellten. Die meisten dieser Paläste sind verschwunden und oft zeugt nicht eine einzige Säule mehr von vergangener Herrlichkeit. In allen Berufs- und Gesellschaftsklassen gab es Männer, welche sich mit dem Studium der jüdischen Lehre befaßten, sich in dieselbe vertieften und mit freudiger Begeisterung für die Verbreitung in den weitesten Kreisen sorgten. Heute ist diese Quelle steter Verjüngung fast gänzlich versiegt; die jüdische Wissenschaft, statt Gemeingut Aller zu sein, ist ein fach- und berufsmäßiges Wissen geworden. Und so sind die öffentlichen Institutionen der Gemeinden, Unterrichts-, Kultus-, Wohltätigkeits-Anstalten, die letzten Bollwerke des Judentums, welche in wahrhaft jüdischtraditionellem Geiste geleitet und entwickelt werden müssen und in denen kein fremdes Feuer unterhalten werden darf. Der Religionsunterricht soll nicht allein das trockene Wissen vermitteln, sondern die Jugend mit Begeisterung für den angestammten Glauben erfüllen. Der Gottesdienst soll nicht nur die Andacht

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