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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-18 · 47 (18.11.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Vlocb's Mocbenscbrttt, Seite 757 Wie es mir vergönnt war, durch Jahrzehnte mit angesehen haben, um es zu würdigen. Und dieses Glück wurde noch aufs Höchste gesteigert durch den Besitz von Kindern, von denen ein jedes in Lebensführung, Erfolg und kindlicher Dankbarkeit den Erwartungen des Vaters nicht bloß entsprach, sondern sie weit übertraf. So hat er seine letzten Lebensjahre, von der Liebe der Seinigen und besonders von der unermüdlichen Sorgfalt der einzigen zartsinnigen Tochter umgeben, zugebracht und so ist er entschlafen. Wenn wir die Summe seines Lebens ziehen, so müssen wir sagen: er war ein Gesegneter, er wird auch ein Gesegneter bleiben." Wien. (Die j ü d i s ch e T v y n b e e h a l l e.) Die von Professor Keller gegründete jüdische Toynbeehalle war unter der Leitung des Rektors Dr. Schwarz allmählich materiell derart heruntergekommen, daß deren Auflösung unabwendbar erschien. Um dieses traurige Geschick von dem Institute abzuwenden, haben Mitglieder der B'nei B'rith-Loge für das Unternehmen sich zu interessieren angefangen und ihrem Eifer ist es zu danken, daß nunmehr die Fortexistenz der jüdischen Toynbeehalle gesichert ist. Die am 7. d. M. stattgefundene Generalversammlung brachte den Wechsel in der Leitung des Institutes. Rektor Dr. Adolf Schwarz eröffnete noch als Präsident die Versammlung und brachte dem verstorbenen Dr. Theodor H e r z l einen Nachruf. In kurzen Worten legte der Vorsitzende die Situation dar. Er entschuldigte die verspätete Cn^^tng damit, daß der Vorstand nicht gewußt habe, ob er zrW^M^ Wiedergeburt oder zu einer Leichenfeier hätte einladeH^^Dn. Umso freudiger bewegt müsse er bekanntgeben, daß die Bmei B'rith- Loge „Eintracht" die Toynbeehalle unter ihre spezielle Fürsorge genommen habe und daß nach menschlicher Voraussetzung ihr Bestehen nunmehr gesichert sei. Unter diesen Umstünden halte es der alte Vorstand für seine Pflicht, neuen Männern Platz zu machen. Und in der Tat wurden auch von den früheren zionistischen Mitgliedern nur die Herren Dr. Leopold Kahn und Johann Kremenetzki wiedergewählt. Der neugewählte Obmann Dr. med. S a m u e l y übernahm nach beendeter Wahl den Vorsitz, indem er-versicherte, daß die Toynbeehalle liebevolle und zärtliche Pflegeeltern erhalten habe. Am 9. d. M. fand dann die Eröffnung der regelmäßigen Abende statt. Herr Dr. Josef Jerusalem sprach in der ihm eigenen Weise über Pflicht, Sittlichkeit und Recht. Der geistvolle Redner erntete vielen Beifall. Im zweiten Teile gab er ein prächtiges Konzert, das von Fräulein Dora Popper (Piano) und Herrn Straßberg jun. (Violine) in vorzüglicher Weise absolviert wurde. Seitdem haben die regelmäßigen Vortragsabende begonnen und es wäre zu wünschen, daß alle unsere Glaubensgenossen sich nunmehr für das Gedeihen des Institutes interessierten. In der Toynbeehalle werden wie in den Vorjahren allabendlich Vorträge, jeden Samstag ein Vollkonzert und jeden Mittwoch womöglich ein sogenanntes Halbkonzert stattfinden. Die Kindernachmittage, Unterhaltung und Bewirtung von Kindern, werden jeden zweiten Sonntag stattfinden. Der erste Kindernachmittag soll als Chanukajause am 3. Dezember veranstaltet werden. Vortragsordnung: Sonntag, 20. November. Dr. Leopold Kahn: Menasse ben Israel. Montag, 21. November. Dr. Josef Jerusalem: Oesterreichisches Verfassungsrecht (Ein Zyklus). Dienstag, 22. November. Diskussion, Leiterin Fräulein M. Friedmann. Mittwoch, 23. November Dr. Siegfried Herz: Thema Vorbehalten. Donnerstag, 24. November. Dr. Siegmund Werner: Schiller (Ein Zyklus 2.). Freitag, 25. November. Bibelerklärung. Samstag, 26. November: Konzert. Wien. (K o n st i t u i e r u n g des jüdischen Kolonisationsvereines in Wien.) Nachdem die im Mai d. I. ausgearbeiteten Satzungen des jüdischen Kolonisationsvereines von den zuständigen Behörden einspruchslos zur Kenntnis genommen worden waren und bereits am 17. Oktober eine Vorbesprechung der Proponenten stattgefunden hatte, erfolgte am 14. November die formelle Konstituierung des Vereines im großen Sitzungssaale der jüdischen Kultusgemeinde in Wien. Die zahlreich besuchte Versammlung, welcher die Vertreter sämtlicher Vereine der Wiener Kultusgemeinde beiwvhnten, eröffnete Präsident Dr. Alfred Stern mit einer Ansprache, die das Entstehen des Vereines schilderte. Hierauf erstattete Dr. Alfred Nvssig das Referat über die im Statut präzisierte Bestimmung des Vereines. Nach einer Diskussion, an welcher sich Dr. Weist, Herr Lucian Brunner, Baurat Stiaßny u. a. beteiligten, schritt man zu Konstituierung des Vereines und zur Wahl des leitenden Ausschusses, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Präsident Dr. Alfred Stern, Dr. Rudolf Auspitz, David Ritter von Guttmann, Professor Dr. Ehrmann, Emil Horner, kaiserl. Rat Sachs, Rabbiner Dr. Schmiedl, Baurat Wilhelm Stiaßny, Dr. F. Weist, Oskar Marmorek, Dr. I. Bloch, Dr. Zins, Ignaz Schiff, Dr. Pappenheim. Der Ausschuß trat sofort zusammen und verteilte die statutenmäßig vorgesehenen Funktionen in folgender Weise: Präsident Dr. Alfred Stern, Vizepräsident kaiserl. Rat Sachs, Schatzmeister Emil Horner, Stellvertreter Dr. W. Pappenheim, Schriftführer Dr. F. Weist, Stellvertreter Dr. Zins. Ein ausführlicher Bericht über den Verlauf der Versammlung, sowie über die Zwecke und den Arbeitsplan des Vereines gelangt demnächst zur Veröffentlichung. Wien. Ein Vorkommnis ans bom Zentrum unserer Metropole illustriert so recht den Ton, der leider in Wien jetzt herrscht. Es war vor wenigen Tagen, am 12. d. M. gegen halb 8 Uhr abends, als eine größere Wagenreihe bei strömend-m Regen vordem Saal Bösendorfer in der Herrengasse — in der Nähe des niederösterreichischen Landtagsgebäudes, bekannt durch den nicht besondees judenfreundlichen Ton in seinen Räumen — sich staute, um eine größere Zahl von Besucherinnen des Erstlingskonzertes einer sehr begabten und später vielfach ausgezeichneten Sängerin, zu dieser Premiere zn bringen. Da ruft plötzlich ein uniformierter Wachmann dem Portier beim Haupteingange in der Herrengasse zu: „Wie lange wird es noch da dauern? Es seien ja „lauter" st . . . Jüdinnen? Die 2 letzten Schmähworte wurden besonders betont und verließ der Sprecher die Einfahrt so rasch, daß im Gedränge seine Nnmmer nicht gesehen werden konnte. Was sagt aber dieser famose Herr dazu, daß seine Kollegen gerade in den letzten Tagen jüdische Firmen und Familien aufsuchen, — wie Schreiber dieses selbst sah — um bei ihnen Karten zu einem ihrer Wohltätigkeitsfeste, das demnächst stattfindeu soll, abzusetzen? Und wem kommt der Fährlohn zu Gute, den die „geschmähten Jüdinnen" bei einer solchen Gelegenheit splendider als sonst zukommen lassen? u. s. w. ZVien. Verehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir anläßlich des zu gewärtigenden 40jährigen Amtsjubiläums des allgemein verehrten Herrn Oberkantors Leon Kartschmaroff in Groß-Kanizfa einige Worte dankbarer Erinnerung in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen. Wenn es auch persönliche Eindrücke sind, die ich mir wiederzugeben erlaube, so dürften dieselben bei der beliebten Persönlichkeit des Jubilars und zum Unterschiede von einst und jetzt auch noch weitere Kreise interessieren. Was Herr Oberkantor Kart schm a r o f f in feinem Fache geleistet hat, bleibt berufeneren Federn überlassen. Nicht bloß ich danke ihm viele erhebende Stunden der Andacht, sondern die ganze damalige Heranwachsende Jugend ist ihm zu Dank verpflichtet. Freiwillig wohnten wir jeden Freitag Abend dem Gottesdienste bei, und viele unserer katholischen Mitschülerinnen baten um den Vorzug, uns regelmäßig in den Tempel begleiten zu dürfen, um dort dem edlen Sänger ebenso andächtig zu lauschen, als wir selbst es taten. Kartschmaroff wußte den Gottesdienst so weihevoll und erhebend zu gestalten, daß es nichts Seltenes war, an Festtagen hohe christliche Beamte und Militärs zu sehen, die in den Tempel kamen, um Kartschmaroff's Gesang zu bewundern und feinen wohlgeschulten Chor zu hören. Ich hatte das Glück, zu den nahen Freunden des Hauses Kartschmaroff zu gehören und dort Musik im edelsten Sinne des Wortes zu hören und zu treiben. Am Klavier faß ein feinsinniger Künstler und Musikschriftsteller, der Sohn eines Berliner Pastors, Franz Pyllemann, der, nebenbei bemerkt, der Vater unserer unvergleichlichen, vornehmen Konzertfängerin Agnes Bricht-Pyllemann. Franz Pyllemann kam mit dem berühmten Geiger Jos. Hellmesberger sen. und dem Cellisten Gustav Röwer nach Gr.-Kanizsa, um ein Konzert zu geben. Pyllemann lernte da seine nachmalige Gattin kennen und lieben, und so blieb der große Künstler einige Jahre als Klavierlehrer der kleinen Stadt erhalten. Mit diesem, meinem verehrten Meister sang und übte

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