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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-18 · 47 (18.11.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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©eite 752 Dr. Dlocb's MocbenscbrlN. Sir. 47 v. Goldschmidt, die aber zur Zeit der Eröffnung des Testaments bereits verstorben waren, sodann die Herren Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Moses Löwy und Dr. Leopold Libitzky und ich. Dieses Kuratorium hat sich vor einigen Jahren durch Zuziehung des Herrn Oberingenieurs Arthur Edlen v. Mises verstärkt, dem es aber leider nicht lange vergönnt war, seine reiche Begabung und seine unermüdliche Hingebung der Errichtung dieser Anstalt zu widmen, da chn ein frühzeitiger Tod hinweggeraft hat. In der Geschichte dieser Anstalt bleibt ihm eine dankbare Erinnerung gewidmet. Auch- Herrn Dr. Moses Löwy war es leider nicht vergönnt, die Eröffnung dieser Anstalt zu erleben. Er hauptsächlich hat neun Jahre hindurch die Geschäfte geführt, die zur Verwirklichung der Stiftung zu erledigen waren, und auch ihm bleibt ein ehrendes Andenken gesichert. An seine Stelle wurde Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Felix Katzau in das Kuratorium berufen, das nunmehr im Verein mit dem von ihm erwählten Damenkomitee und Dank der unermüdlichen Sorgfalt der Frau Adele Edlen von Mises, die in der Nachfolge ihres Gatten Trost findet und fteiwillig die Stelle der Waisemnutter bekleidet, wie unter dem ärztlichen Beirat des Herrn Dr. Haase, die Anstalt eröffnen konnte, damit sie gleich ihren beiden älteren Schwesteranstalten in unserer Gemeinde eine der humansten Bestrebungen, die Waisenpflege, auf deren hohen sittlichen Wert zuerst unsere Religion hingewieseu hat, verfolge. Denn das heidnische Altertum hat der Waisenpflege keine Aufmerksamkeit gewidmet. Es hat überhaupt kein Verständnis für das Recht und die Heiligkeit des Kindes besessen. Dagegen ist es bezeichnend, daß die Geschichte des israelitischen Altertums dem egyptischen Kindermörder Pharao ein Kind gegenüberstellt, das dann von der besonderen Vorsehung Gottes errettet, erhalten und geführt unter dem Namen Moses der Befteier seines Volkes und der göttliche Lehrer der Menschheit wird. Es kann gewiß keine höhere Bewertung des Kindes geben, als sie in dem Ausspruch unserer Weisen enthalten ist, daß der Psalmvers „Rühret meine Gesalbten nicht an und fügt meinen Propheten kein Leid zu" sich auf die Kinder beziehe. Vollends das elternlose, das Waisenkind. Gott bezeichnet es nach einem Worte unserer alten Lehrer neben dem Lewiten, der Witwe und dem Fremdling als einen von seinen vier Hausgenossen, die den vier Hausgenossen des Menschen, Sohn, Tochter, Knecht und Magd als gleichberechtigt zur Seite gestellt werden. An zahlreichen Stellen der Bibel wird Gott als Vater und Sachwalter der Waisen bezeichnet, und ebenso nennen unsere alten Lehrer denjenigen den Vater des Waisenkindes, der es in seiner Familie aufzieht, und sie wenden auf ihn das Psalmwort an: „Er übt Barmherzigkeit zu jeder Zeit". Der Geist, der aus diesen Aeußerungen redet, ist auch in der edlen Stifterin mächtig gewesen, der wir dieses Haus verdanken. Die Darstellung der Entstehungsgeschichte dieses Hauses würde unvollständig sein, wenn ich nicht auch der Schwierigkeiten gedenken würde, die dem Kuratorium hinsichtlich des Baues gemacht wurden. Ich will Sie nicht dabei aufhalten, denn ich müßte aus dem Bereiche der Humanität auf die Inhumanität übergehen, welche jetzt vielfach gegen die Juden geübt wird und in der denn auch jene Schwierigkeiten ihren Grund hatten. Dank dem Gerechtigkeitssinne der hohen Behörden wurden sie überwunden, und das Kuratorium konnte Herrn Baurat Wilh. Stiaßny mit der Aufgabe der Erbauung dieses Hauses betrauen, das er denn auch im Vereine mit seinen Mitarbeitern in schöner, vielleicht zu schöner Weise jergestellt hat. Das Haus wird jedenfalls ein ehrendes Zeugnis der Kunst des Architekten und eine Zierde dieses Bezirkes bilden. Noch zeugt eine mächtig hohe Holzplanke, die der Nachbar zur Linken dieses Baues hat aufstellen lassen, nicht, wie es in der Uhlandffchen Ballade heißt, „von verschwundener Pracht", sondern von einer wenig fteundlichen Gesinnung gegen dieses Haus der Menschenliebe. Aber das Judentum hat während seines mehr als dreitausendjährigen Bestandes die mächtigsten Bollwerke einer derartigen Gesinnung fallen gesehen und es wird auch die der Gegenwart überdauern und somit dürfen wir vertrauensvoll dieses Haus der Gnade Gottes befehlen, dessen Augen über alle Planken hinwegschauen, sowie dem Schutze und dem Gerechtigkeitssinne unseres erhabenen Kaisers, auf den ich Sie bitte mit mir ein dreimaliges Hoch' auszubringen. Se. Majestät Kaiser Franz Josef I. lebe hoch! hoch! hoch! Die Festversammlung, die sich wie e i n Mann von den Sitzen erhob, brach in ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus. Das Chorpersonal und die Waisenkinder stimmten die Bolkshymne an, worauf der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde das Wort ergriff: Rede des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Sehr geehrte Festversammlung!. Es sind wenige Tage her, daß die Munifizenz eines edlen Glaubensgenossen uns durch eine große Spende in den Stand setzte, eines unserer ältesten Wohltätigkeitsinstitute, unser Spital, einer bedeutend größeren Zahl armer Kranker zugänglich zu machen, und heute feiern wir hier die Schlußsteinlegung eines Gebäudes, welches auf Grund einer gleich großen Widmung einer Glaubensschwester errichtet wurde und armen israelitischen Waisenkindern eine Heimstätte zu gewähren bestimmt ist. Wenn in dem gegenwärtig so traurigen, drückenden Zeitverhältnissen der Strom der Benefizien und Subventionen, welcher aus öffentlichen Quellen nach anderen Richtungen so reichlich fließt, bei uns versiegt, wenn unseren Wohltätigkeits-Instituten selbst die in einer geringen Spende liegende Anerkennung versagt wird, so ist es ein Labsal und Trost für uns, daß unsere mit Glücksgütern gesegneten Glaubensgenossen dies erfassen, daß dem Bedürftigen, der da ruft: „Meine Brüder suche ich", auch der Hilfe bringende Bruder^ die stützende Hand reichet. Dort ist es der Bedürftige, den der Erwerb, die Arbeit entzogen, der aus einer Stelle gedrängt, in die Erwerbslosigkeit, in Not und Elend gestürzt wird, da ist es der arme Kranke, der Heilung sucht, hier ist es das arme Waisenkind. Wer unter ihnen mag als der Aermste der Armen erscheinen? Denjenigen aber, welche da oder dort Hilfe und noch dazu in so reichem Maße bringen, mögen sie unter uns auf dieser Erde wandeln oder aus den unerforschten Höhen auf uns herabblicken, gebührt unser voller, inniger, herzlicher Dank. Und so hat auch Frau Charlotte Merores, die edle Stifterin dieses Humanitäts-Institutes sich unser dankbares Gedenken für alle Zeiten gesichert. Das Andenken dieser edlen Glaubensschwester wird für alle Zeiten in unserer Gemeinde erhalten sein und bleiben. Es sei gesegnet! Mit dem Absingen von zwei Versen des Psalmes 118 wurde die schöne Feier beendet, die allen Anwesenden eine freundliche Erinnerung sein wird. Zum Schluffe erfolgte unter Führung des Architekten, sowie des Damenkomites die Besichtigung des, Hauses in allen seinen Teilen. Die Abstammung der Apostat«« und Prosetyten, eine geneatogische Untersuchung. Von Rabbiner Stark. Wer schafft Reines aus Unreinem? Nicht Eines! Hiob 14—4. Jüngstens ging durch die Blätter die überraschende Mitteilung, daß Richard Wagner, der Vater des literarischen Antisemitismus — seine Schrift „Das Judentum in der Musik" erschien schon in den Sechziger-Jahren — väterlicherseits ein Judenstämmling gewesen sei. Diese Nachricht wird indes diejenigen nicht sonderlich überrascht und in Staunen versetzt haben, die sich beim Lesen derselben erinnerten, daß nach einer ftüheren Zeitungsmitteilung auch der Vater des arisch-germanischen Antisemitismus durch die Abstammung seiner Frau in nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zum Hause Jakobs steht. . Das Prophetenwort: „Deine Verheerer und Deine Zerstörer werden von Dir Weggehen", hat schon vor Jahrhunderten die Deutung erhalten: „Deine Verheerer und Deine Zerstörer werden aus Dir hervorgehen", weil die Erfahrung gelehrt hatte, daß die verlogensten und gewissenlosesten Ankläger und Verleumder des Judentums seine eigenen, ihm treulos ge-

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