Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Mocb s Mocbens »ritt. E-elte 751 Holz-Rollbalken; Julius Rosenthal Jalousien; Mich. Winkler & Sohn Aufschriftstafeln; Josef Viktorin, Hugo Burger Kohlen- und Gas-Herde; S. Blankenberg Speisen-Aufzug; Jul. & Jos. Herrmann Holzmöbel; Jos. & Leop. Quittner Eisenmöbel; August Czullik Gartenarbeiten; R. Ph. Waagner Abortschläuche; Jakob Spiegel Mauereckenschutz; Wm. Thursfield Desinfektor. In feierlicher Weise, bei Amvesenheit überaus zahlreicher Festgäste, wurde am 15. d. M. mittags die Schlußsteinlegung und in Verbindung mit derselben die formelle Einweihung vollzogen. Im geräumigen Zentralhofe, dem eigentlichen Mittelpunkte des Meisterwerkes des Baurates Wilhelm S t i a ß n y, vereinigte sich die dem feierlichen Akte beiwohnen wollende illustre Gesellschaft, in welcher zu bemerken waren: Reichsratsabgeordneter Dr. Ludwig Vogler, der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav Kohn und kaiserl. Rat Moriz Hirsch und den Vorstandsmitgliedern Doktor Alfred Berger, Salo Cohn, Emil Hör n e r, kaiserlicher Rat Wilhelm P o l l a k, Wilhelm Kuffner, Dr. Adolf Stein, Dr. Arthur- Kur a n d a, Oberfinanzrat Dr. B. Rappaport, Kommerzialrat Gottlieb Taussig, Hafenbaudirektvr Hosrat Sigm. Taussi g, kaiserlicher Rat Jonas Weil, Sekretärstellvertreter Dr. Emil Adler, die Bethausvorsteher Ad. S t i a ß n y, Albert Winterberg, kais. Rat Wilhelm und A. S. Wasservogel, kais. Rat Dr. S. K o h n, kais. Rat Lichtenstadt, Oberbaurat Michael Fellner, die Gemeinderäte Allmeder, Dr. v. Dorn, H o h e n s i n n e r und Dr. Theodor Reisch, der Vertreter der Polizeidirektion Polizeirat Pompe, Bezirksvorsteher Kuhn, Religionsschulinspektor Prof. Dr. Moritz K anitz, Börsenrat Steinhübl, Ortsschulrat S. H e i t, Dr. Alb. Wagner, der Präses des Tempelvereines im VIII. Bezirke Hermann Beck, die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Feuchtwang, Dr. T a g l i ch t, Dr. K a m i n k a, Chacham P a p o, Rabbiner Reich ans Baden, der Präsident der türkisch-israelitischen Gemeinde Licco A d u t t, der evangelische Militärseelsorger, Superintendent Dr. M. Sebereny, Professor Dr. Leopold K ö n i g st e i n, Landesgerichtsrat Dr. Spitzkopf, die Direktoren Hecht, Heller und Fischer, Bezirksrat Max H i ll er, Konsul Marek, die Baumeister Melcher und O t t e, die Damen: Baronesse von Rothschild, Hosrätin Emilie von Pfeifer, Frau Jda Güdemann, Feldmarschall - Lieutenantswitwe Madeleine G e r l i ch Edle von Gerlichsburg, Frau Regierungsrat Fanny G i n t l, Frau Baurat Stiaßny, Frau Prof. E h r m a n n, Frau Dr. David, Frau Dr. Feuchtw a n g, Frau Rosa Z i f f e r e r, Frau Dr. Käthe Reif, Frau Dr. ' Sophie G r ü n f e l d, Frau K a d i f ch, Frau Dr. Josef S. B l o ch, Präsidentin Frau Jda Diamant, die Mitglieder des Damenkomitees mit der Frau von Mises an der Spitze, Frau Präsidentin Amalie Beck. Der musikalische Teil der Feier unter der ausgezeichneten Leitung des Chordirektors Prof. Joseph S u l z e r, k. u. k. Hofmusiker, bestand im Vortrage des altbewährten, effekt- und stimmungsvollen Psalm 118 von Salomon Sulz er, welcher vom Oberkantor Singer und dem Tempelchore unter Assistenz des Organisten Prof. S. Storch vortrefflich exekutiert wurde, hierauf folgte die Verlesung der Schlußstein-Urkunde. Baurat Stiaßny richtete sodann an die Versammlung folgende Ansprache: Hochwürdiger Herr Oberrabbiner! Hochgeehrter Herr Präsident der Kultusgemeinde! Verehrte Festversammlung! Nach alter Sitte und mit jenem Brauche, wie er seit Jahrhunderten geübt worden und gefestigt ist, haben wir soeben den letzten Stein den Mauern dieses Hanfes eingefügt. Das Kuratorium dieser Stiftung, welche im Sinne der verewigten Stifterin einem Werke der Menschenfreundlichkeit dienen soll, hat mit der Durchführung desselben mich und eine große Anzahl von geschätzten Mitarbeitern betraut. Es hat der Vorsehung gefallen, unser Werk zu schützen, so daß unsere Arbeit ohne Fehl und Unbill zu gedeihlichem Abschlüsse gebracht werden konnte. Verehrte Versammlung! Die Schlußsteinlegung an einem, öffentlichen Zwecken gewidmeten Hause ist ein Fest der Arbeit! Bei allen zivilisierten und ethisch hochstehenden Völkern ist zu allen Zeiten die Arbeit in hohem Ansehen gestanden. So auch bei uns Juden. Im Deuteronomium, Kapitel 80, Vers 19, sagt Mose s, der erhabene Stifter unseres Glaubens: Ich habe Dir Leben und Tod vorgelegt, auf daß du das Leben erwählest! Einer unserer berühmten Lehrer und Weifen, Rabbi Jsmael sagt in Keduschin, daß eine der 1 Hauptpflichten, welche ein Vater gegen seinen Sohn zu erfüllen hat, darin bestehe, daß er ihn eine Arbeit erlernen lasse, und er fügt hinzu: „Das Leben, 86b imnu8, das ist die Arbeit". Und in dieser geehrten Versammlung ist gewiß nicht einer, der diesem Satze ,.Leben ist Arbeit" nicht unbedingt beipflichten würde. Was ist auch zu vergleichen mit dem Hochgefühl, das die Brust des Mannes erfüllt, der mit Befriedigung auf eine glücklich vollendete Arbeit blicken kann. Und so wird immer der Satz gelten: „Meister ist nur der, der sein eigenes Werk achtet'^, und ein zweiter Satz: „Nur das ist ein gelungen Werk, das seinem Meister Achtung einflößt." Möge der allmächtige Baumeister aller Welten, der Ehrwürdige aller Zeiten, attik jomin, dieses Haus in seinen erhabenen Schutz nehmen, es schirmen und behüten, auf daß es noch in fernen Zeiten den menschenfreundlichen Sinn seiner Begründer bekunde. Bevor wir nun dieses Haus seiner künftigen Bestimmung übergeben, richte ich an Sie, hochwürdiger Herr Oberrabbiner, an Sie, verehrter Herr Präsident und an Sie alle, verehrte Festgenossen, die Bitte, das Werk der 3 Hammerschläge zu vollführen. Sie werden dadurch die Vollendung dieses Baues feierlich verkünden. Sie werden dem neuerbauten Haufe damit die volle Weihe verleihen. Sie werden aber auch, indem Sie die symbolische Arbeit der 3 Hammerschläge leisten, der Arbeit jenen Tribut an Ehre zollen, welchen ihr auch der Höchste im Staate nicht versagen darf. Mir aber sei es vergönnt, mit dem von mir erwählten Meisterspruche zu schließen: Wer den wahren Sinn der Dinge will erschauen, muß den Stein mit eigener Hand behauen! Nach der Zeremonie der Hammerschläge, an welcher alle Festgäste teilnahmen, ergriff Oberrabbiner Dr. Güdemann das Wort: Rede des Oberrabbiners Dr. M. Güdemann. Hochgeehrte Versammlung! Im Namen des Kuratoriums dieses Waisenhauses begrüße ich Sie und heiße Sie herzlich willkommen. Ich widme das erste Dankeswort dem Herrn mit dem üblichen Segensspruche: „Gelobt sei der Ewige unser Gott, der Herr des Weltalls, der uns bis heute erhalten und uns diesen Tag hat erleben lassen." Das zweite Dankeswort gilt der edlen Stifterin, der seligen Frau Charlotte Merores- Jtzeles. Ich habe sie nicht selbst gekannt, aber ein Freund von ihr, der nun ebenfalls verstorbene Herr Albert Kaufmann, von dem sie in ihrem Testamente wörtlich sagt, daß er von ihrem „öden, einförmigen, freudenleeren, höchst unglücklichen, als auch tätigen und rastlofen Leben nur zu gut unterrichtet" sei, hat mir schon vor zwanzig Jahren Mitteilung gemacht, daß eine Frau, deren Namen er nicht nannte, sich mit dem Gedanken trage, ein Waisenhaus für israelitische Mädchen zu errichten. Als nun nach dem vor neun Jahren erfolgten Tode der Frau Charlotte Merores-Jtzeles deren Testament eröffnet wurde, ergab fich, daß sie jene Wohltäterin war, von deren Abfichten mich Herr Kaufmann solange vorher unterrichtet hatte. Auch ihm gebührt ein Wort der Anerkennung für seine der Stifterin und ihren Absichten gewidmete Teilnahme, sie selbst aber, die über ihr Leben ein so schmerzliches Urteil gefällt, hat durch die Stiftung dieses Hauses dafür gesorgt, daß ihr Andenken freundlicher fich gestalte, als es ihrem Leben beschieden war. In dem Testamente waren zu Kuratoren eingesetzt die Herren Moritz Freiherr von Königswarter und Julius Ritter