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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-18 · 47 (18.11.1904) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 750 Dr. Dlocb's Mocbenscbrltt. Nr. 47 f. i,; ■j;; Dem Verlangen wurde nicht Folge gegeben. Das Wort „christlich" wurde nicht in die Bedingung ausgenommen. Aber nur nicht zu hitzig! Noch ist es nicht an der Zeit, eine jüdische Daukesdeputation an Dr. Lueger zu entsenden. War cs ein Rest von Schamgefühl, der die Majorität abhielt, dem Anträge in der ursprünglichen Form zuzustimmen, oder hat die bessere Regung die Oberhand gewonnen, daß es doch nicht angehe, der Bevölkerung noch ein neues und krasses Beispiel offenbarer Ungerechtigkeit zu bieten? Keines von beiden. Es war einfach überflüssig, so zu stinunen. Minima praetor non curat und das Selbstverständliche wird nicht erst kodifiziert. Und damit ja nur kein Mißverständnis aufkomme, wurde nach der Abstimmung bemerkt: „Mit den Karten können wir ja tun, was wir wollen!" Und der, der das frank und frei bemerkte, war kein anderer als der Dr. Lueger, das vergötterte Oberhaupt der Wiener Bürgerschaft, der Mann, der berufen ist, das Interesse der gesamten Bevölkerung zu vertreten und Gerechtigkeit walten zu lassen für alle und ohne Hinterhalt. Ohne Hinterhalt! Man stimmt für die freisinnige Fassung, aber — man weiß schon, was man tun wird! Wer wollte sich darüber noch auftegen? Der Jesuitismus ist obenauf in Oesterreich — es ist eine Freude, zu leben! sagt Ulrich van Hutten so schön — und die reservatio mentalis ist zu Ehren gelangt bei den hochmögenden Ratsherren der Stadt Wien. Was hat es daneben noch zu bedeuten, wenn ein Stojalowski — ein Stojalowski! — im Lemberger Landtage die österreichische Verfassung anflegelt und auf einen ironischen Zwischenruf: „Es lebe Rußland!" Pathetisch ausruft: „Jawohl, es lebe Rußland, das die Juden unterdrückt!" Es begreift sich, daß diesem Priester der Religion der Liebe die Diebe äußerst sympachisch sind, die bei den verschiedenen Judenplünderungen in Rußland so gute Geschäfte gemacht haben. Ebenso begreiflich wäre das Bedauern, daß seine weitverzweigte Tätigkeit ihm nicht erlaubt hat, dort mitzutun und seine vielfach erprobten, einschlägigen Talente auch dort zu verwerten. Ganz einleuchtend ist schließlich auch seine Schwärmerei für Rußland, weil ja dort seine wahlverwandten „Gesinnungs" genossen doch noch vielfach frei herumlaufen, gegebenenfalls auch freigesprochen werden, während in Oesterreich die Meinungen und Taten der Diebe sich gelegentlich doch einer gewissen eingehenden Beachtung von Seiten der Behörden zu versehen haben. Aber immerhin ist doch auch in Oesterreich noch manches möglich, und das sollte der illustre „Politiker" mit der flinken Hand bei all seiner Begeisterung für Rußland doch auch im Auge behalten. So ist es beispielsweise möglich, daß in einer Körperschaft von unbescholtenen Männern — ein Stojalowski eine Rede hält. Das ueue Israelitische Waisenhaus in Wien. Am Dienstag den 15. d. M. fand in Döbling in der Gebhardgasse die Schlußsteinlegung und Einweihung in dem neuen Waisenhause für israelitische Mädchen statt. Die im Jahre 1896 verstorbene Frau Charlotte Lea Merores-Jtzeles vermachte einen Betrag in der Höhe von fast 2 Millionen Kronen zur Errichtung und Fundierung eines ihren Namen tragenden Heimes, das nunmehr seinem philanthropischen Zwecke zugeführt werden soll. Aus einem Teile des Kapitals wurde das Stiftungshaus im IX. Bezirk, Währingerstraße 24, erbaut und für den Rest das eben vollendete Gebäude. In einem Gartengrunde von 7600 Metern erhebt sich das neue monumentale Gebäude. Durch ein geräumiges Vestibül gelangt man zu dem im Hochparterre gelegenen Zentralhof, der auf allen Seiten von einer breiten, durch Säulen getragenen Galerie umgeben ist; der Hof selbst, sowie die beiden Galerien vermitteln den Zugang zu sämtlichen Räumlichkeiten. Das Hochparterre enthält einen geräumigen Speisesaal, sodann die Verwaltungskanzlei, dann die Wohnung der Anstaltsleiterin, einen Turnsaal, sowie eine daranstoßende Terrasse mit Abgang in den Garten, endlich eine allen modernen hygienischen Anforderungen entsprechende Jsolierstation mit Krankenzimmer und Bad. In der Längenachse des Gebäudes, gegenüber dem Vestibül, erhebt sich eine große geräumige Stiege, welche den Zugang zum Tiefparterre und den oberen Etagen vermittelt. Das Tiefparterre enthält außer der Mittelhalle eine große Küche, ein mit Eisenkonstruktion überdachtes Kesselhaus für die Dampfheizung, welche in alle Räume des Gebäudes geführt ist, zwei Badezimmer mit sechs Badewannen und allen hiezu nötigen Apparaten und eine Desinfektionsstativn. Im ersten Stockwerke befinden sich vier Schlafsäle mit 50 Betten, bei jedem Saale Wasch- und Toiletteräume, in welchen große Waschtische mit besonderen Waschbecken für jedes Kind vorhanden sind, und die Wohnung der Lehrerin. An den gegen den Garten zu gelegenen Schlafsaal grenzt eine Terrasse. Das zweite Stockwerk enthält das Ordinationszimmer, ein Marodenzimmer und Arbeitsräume für die Dienerschaft, sowie gegen den Garten zu zwei geräumige Terrassen. Alle Räumlichkeiten sind licht und luftig und entsprechen den hygienischen Rücksichten vollkommen. Heizung und Ventilation, Beleuchtung, Wasserversorgung und Sanitätsanlagen sind den neuesten Erfahrungen entsprechend eingerichtet; alle Zimmer sowie Nebenlokalitäten empfangen direktes Licht von der Straße oder vom Garten. Die im Renaissancestil gehaltene Gassenfront ist in ihrer architektonischen Gliederung aus Kunststein herc,estellt, die glatten Mauerflächen mit gelben geschlemmten Ziegeln verkleidet; die Hoffatzade ist im Rohbau ausgeführt. Hinter dem Hause dehnt sich eine bis zur Heiligenstädterstraße reichende Gartenanlage mit vielen Obstbäumen aus. Das prachtvolle Gebäude, das nunmehr den ärmsten der armen Wesen, den Waisenkindern, und zwar fünfzig, zum Aufenthalte dienen soll und sowohl für die Winterszeit mit aller Vorsorge eingerichtet ist, als es auch während der Frühlings- und Sommerszeit durch eine große Gartenanlage den Kindern Gelegenheit zum angenehmen Aufenthalt in frischer Luft gewähren wird, ist nach den Plänen des k. k. Baurates Wilhelm Stiaßny erbaut, der mit demselben wieder ein Meisterwerk geschaffen hat. Das Kuratorium besteht derzeit aus den Herren Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, Dr. Felix Katzau und Dr. Leopold Libitzky; die verdienstvollen Kuratoren k. k. Oberingenieur Arthur v. Mises sowie Dr. M. Löwy haben leider >ie Beendigung des von ihnen kräftig geförderten Werkes nicht erlebt. Die k. k. Statthalterei ist bei dem Baue durch Herrn k. k. Oberbaurat Michael Fellner vertreten gewesen. Die Führung und Leitung des Waisenhauses, das bereits seit September mit 25 Kindern einstweilen besetzt ist, hat ein Damenkomitee übernommen, an dessen Spitze Frau Adele v. Mises steht; die ärztliche Leitung wurde Herrn Doktor Heinrich Haase übertragen. Die unmittelbare Bauleitung hat Architekt Reiser geführt. Mit der Ausführung der Erd- und Maurerarbeiten wurde der Stadtbaumeister Edmund Melcher, derzeit Bezirksrat im IX. Wiener Gemeindebezirke und von diesem mit der Leitung der Arbeiten Herr Karl A n t a l i k betraut. Die Arbeiten für den Bau und die innere Einrichtung wurden von den nachfolgenden Firmen ausgeführt: Konopischter Granit und Syenitwerke, M. Sonnenschein, Steinmetzarbeiten; S. Steiner Kanalisierung; Hermann Otte Zimmermannsarbeiten; Max Biß Spenglerarbeiten; Em. Knopfmacher's Witwe Dachdeckerarbeiten; I. Voglhut Tischlerarbeiten; Baiersdorf & Biach Fußböden; Franz Hartmann, Siegfried Herschau, Gustav Klepetak, R. Schwarz Schlosserarbeiten; Albert Milde & Co., Franz Gratzl's Nachf. Eisenkonstruktionen; A. Herm. Frankl & Söhne Träger und Säulen; Lederer & Neffenyi Wandverkachelung; Johand Meerkatz, Hutter & Schrantz Einfriedungsgitter; Brüder Schwadron Plattenpflaster; Jos. Rankl's Wtwe. & Sohn Glaserarbeiten; Jakob Mensch & Sohn Anstreicherarbeiten; Joses Wenzl's Wtwe. Kunststein-und Bildhauerarbeiten; Otto Grafe's Nachf. Gipszementwände; N. Scheffel Holzzementeindeckung, Asphaltarbeiten, Asbestfußböden; Ludwig Hatschek Asbestschiefer; Anton Schlepitzka Trottoirherstellung; H. Bella & Co. Granitarbeiten; Karl Kaufmann, S. Feuer Malerarbeiten; Oesterr. Maschinenbau-A.-G. Körting Zentralheizung; S. Brod & Co. Gas- und Wasserleitung; Sigmund Weil Waschtische und Bäder; D. Suchmann Sanitätsanlagen, Beleuchtungsobjekte; Bernhard Spielmann Telegraph und Telephon; E. & L. Hirsch Elektr. Beleuchtung; Karl Tagleicht Blitzableiter; Louis Magaziner

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