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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-11 · 46 (11.11.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 740 Dr. Dlocb's Mlocbenscbrttt. Nr. 46 ich entspreche hiedurch nicht einer bloßen Form, sondern einem tiefgefühlten Herzensbedürfnisse. Herr Baron Nathaniel Rothschild hat sich bewogen gefunden, zur vollen Ausgestaltung des von seinem Vater gegründeten und von ihm und seinen Brüdern erweiterten Spitales, beziehungsweise zur Fundierung von 50 Betten einen Betrag von zwei Millionen Kronen zu spenden, mit der Maßgabe, daß diese Plätze zur Aufnahme zahlungsunfähiger Personen dienen sollen. Durch die Errichtung des chirurgisch-gynäkologischen Pavillons ist der Fassungsraum des Spitales auf 150 Betten erweitert worden, welcher Fassungsraum aber mangels der für den Betrieb erforderlichen Geldmittel nicht voll ausgenützt werden konnte. So geschah es, daß die edlen Intentionen, welche die Stifter bei der Errichtung jenes Pavillons leiteten, nicht in vollem Maße zur Ausführung kamen, daß ungeachtet wir alljährlich einen sehr bedeutenden Zuschuß aus Kultusgemeindemitteln dem Spitale leisteten, dennoch nicht wenige arme Personen, deren Aufnahme in das Spital ein Gebot der Notwendigkeit gewesen wäre, zurückgewiesen werden mußten. Von dieser Sachlage hat unser ausgezeichneter, hochverdienter Spitalsdirektor, Herr Hoftat O s e r, Herrn Baron Nathaniel Rothschild Kenntnis verschafft und hat sich infolgedessen Herr Baron Rothschild zu jener hochherzigen Spende veranlaßt gefunden. Ich wollte Ihnen diese für uns so hocherfreuliche Nachricht auch nicht einen Tag vorenthalten und bringe sie Ihnen zur Kenntnis, bevor die Angelegenheit zu einem formellen Abschlüsse gelangt, bevor das Vertreterkollegium sich, wie es statutengemäß erforderlich ist, mit dieser Angelegenheit befaßt und Ihnen einen konkreten Antrag zur Beschlußfassung vorgelegt hat. Getreu den Traditionen seines Hauses, mit jener Großzügigkeit, die alle seine Werke kennzeichnet, hat Herr Baron Nathaniel Rothschild durch seine neueste Tat dem Kranze menschenfreundlicher Werke seines Hauses ein neues unv-rwelkliches Blatt hinzugefügt. Ich bin überzeugt, in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich hier an dieser Stelle dem hochherzigen Spender den innigsten und tiefgefühltesten Dank der ganzen Gemeinde ausspreche, und Sie sind gewiß damit einverstanden, daß das Präsidium der Kultusgcincinde diesem Danke entsprechenden Ausdruck gibt. (Allgemeine lebhafte Zustimmung.) Nachdem wir jetzt unserem Dankgefühle gegenüber dem hochherzigen Spender Ausdruck gegeben haben, geziemt es sich, auch jener Persönlichkeiten dankend und anerkennend zu gedenken, welche ihm bei der Durchführung dieses edlen Werkes zur Seite gestanden sind. Es ist dies zunächst der hochverdiente Direktor unseres Spitales Hoftat Prof. Dr. O s e r, dessen von hingebungsvollcin Interesse für das Spital geleitete Bemühungen in dem Spender den Gedanken an jene hochherzige Spende erweckten und diesen zur Tat reifen ließen, und wir können uns nur dem uneingeschränkten Lobe anschließen, welchem der Zentraldirektor des Herrn Barons in dessen Namen in einem mir vorliegenden Briese an Herrn Hofrat Oser in überaus warmen Worten Ausdruck gegeben hat. Unseren aufrichtigsten Dank verdient auch unser Kollege Emil Horner für seine mühevolle Mitwirkung, für seine hingebungsvolle Tätigkeit in dieser Angelegenheit. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende erteilt sohin Herrn Hofrat O s e r das Wort, welcher in kurzen Zügen über die Entwicklung der Angelegenheit berichtet und für die ihm ausgesprochene Anerkennung dankt. Herr Horner dankt für die ihn ehrenden Worte des Vorsitzenden. Schluß der Sitzung 7 Uhr Abends. Wien. (Eine Aktion für die russischen Flüchtlinge.) Die infolge der Kriegswirren gesteigerte unbeschreibliche Not unter der jüdischen Bevölkerung in Rußland hat in den letzten Monaten zu einem außerordentlichen Anwachsen der russisch-jüdischen Emigration über Wien geführt. In dankenswerter Weise hat die hiesige Israelitische Allianz eine Hilfsaktion zu Gunsten der Unglücklichen eingeleitet und seit mehreren Wochen ist das Bureau in der Weihburggasse täglich von Flüchtlingen überfüllt, denen in berücksichtigenswerten Fällen die Reisekosten nach den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien ergänzt oder sonst Unterstützungen gewährt werden. Die Wiener Allianz ist auch bereits seit Monaten mit den verwandten Organisationen bezüglich einer systematischen Regelung der Auswanderung in Korrespondenz getreten und eine Verständigung dürfte in nächster Zeit erzielt werden. Der Verein hat sich gegenüber dieser jüngsten, durch so traurige Verhältnisse hervorgerufenen Bewegung, wie anläßlich der seit vier Jahren andauernden rumänischen Emigration auf der Höhe seiner Aufgabe erwiesen. Wie wir hören, hat die Allianz, obwohl ihre neueste Aktion bereits größere Summen verschlang, von der Einleitung einer besonderen Sammlung Abstand genommen. Sehr vereinzelt finden sich Wohltäter, denen das Elend der dem Tode entronnenen Flüchtlinge ans Herz geht und die spontan dem Bureau (I., Weihburggasse 10) Spenden zugehen lassen. Wien. (Todesfall.) Donnerstag den 3. November ist Herr Adolf R o s e n b a u m, Seniorchef der Firma Adolf R o s e n b a u m u. S o h n, nach längerem Leiden in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Heimgegangene entfaltete trotz seines leidenden Zustandes eine vielverzweigte gemeinnützige Tätigkeit. Jahrelang war er Vorstandsmitglied der „Oesterr.- Jsrael. Union" und Beirat des „Ferienheims". Besonders segensreich war sein Wirken als Vorstandsmitglied der Chewra- Kadischa und als Mitglied des Bethausvorstandes, und er erfüllte die Agenden seiner Aemter mit großem Eifer und peinlicher Gewissenhaftigkeit. Sonntag um 10 Uhr vormittags fand die Beerdigungsfeier statt. Unter den Anwesenden bemerkte man: den Vize-Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav K o h n, bte Banräte Flei sch e r, G o l d s, ch m i e d und Stiaßny, <Salv Cohn, kais. Rat Wilh. Pollak, S. Kanders und kais. Rat I. Weil, die Bethausvorsteher: Jakob I a i t e l e s, Dr. Hermann L ö w y, Ad. S t i a ß n y, Adolf S ch r a m e k, kais. Rat Wilhelm, S. A. W a s s e r v o g l, Alb. Winterberg, die Vorsteher der Chewra-Kadifcha: S. H e i t, A. Kann, S. Steiner, ferner die Vereinsvorsteher: Herm. Lieberm a n n, kais. Rat Ad. Lichtblau, Leop. W e r t h e r, von der „Oesterr.-Jsrael. Union" die Herren Dr. S ch r e i b e r, Dr. Zins und Sekretär Fleischer, die Präsidentin des „Ferienheim" Frau Dr. Grünfeld und die Vize-Präsidentin Frau Dr. Zins, die Präsidentin des Ausspeisungsvereines Fünfhaus Frau Regine L a n d e i s u. s. w. Im Trauerhause widmete Herr Rabbiner Dr. Taglicht dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Auf dem Zentral-Friedhof sprach Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann und widmete den trauernden Hinterbliebenen Worte des Trostes. Im Namen des Bethausvorstandes sprach der Vize-Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, der Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, im Namen der Chewra-Kadischa hielt der stellvertretende Obmann, Herr Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer eine Ansprache an die Trauerverfammlung und im Aufträge der. „Oest.-Jsrael. Union" stattete Sekretär Siegfried Fleischer dem Verblichenen einen Dank für seine ersprießliche Tätigkeit ab. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Singer mit dem verstärkten Chor. Alexander Scharf. In seiner Wohnung, Kolingasse 20, ist Donnerstag, den 3. d. M., mittags der Chefredakteur der „Sonn- und Montagszeitung", Herr Alexander Scharf, im 71. Lebensjahre einem Schlaganfalle erlegen. Geboren zu Budapest am 24. Mai 1834, gab er zuerst eine politische und volkswirtschaftliche Zeitungskorrespondenz heraus und gründete 1863 die „Wiener Sonn- und Montagszeitung", als deren Eigentümer, Herausgeber und Chefredakteur er bis jetzt figurierte.

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