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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-11 · 46 (11.11.1904) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Mocbs Moebens orttt, Seite 78» Verbindung mit dem jüdischen Chasarenfllrsten herzustellen möglich wäre, worauf ihm der Kaiser erwiderte, daß sowohl zu Land als auch zu Meer eine solche Reise wegen Unsicherheit der Wege und der Fehde unter den Völkern am Schwarzen Meer äußerst gefahrvoll wäre. Chasdai ließ auch den nachher gefaßten Plan, über Jerusalem und Nisibis einen Boten in das Chasarenland zu schicken, fallen, als er von den jüdischen Gesandten des sklavenischen Königs an dem adriatischen Meere hörte, daß Juden aus dem Chasarenlande direkt an die Küsten ihres heimatlichen Sklavenenlandes kommen, und benützte zur Beförderung eines Schreibens an den Chasarenfürsten diesen Handelsweg. Obwohl dieser Weg ein weiter war, wurde solcher der Sicherheit wegen als Handelsstraße zwischen Ost- und Westeuropa seewärts benützt und deshalb vielleicht vom Anfänge vorgezogen, weil von Ragusa nach den slavischen Kolonien in Andalusien die Seefahrt eine kurze war. — Diese Umstände finden von anderer, ganz außer Acht gelassenen Seite, nämlich von arabischen Schriftstellern jener Zeit nicht nur eine volle Bestätigung, vielmehr können ihre ganz objektiv gehaltenen Relationen auch einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung über das Wesen und den Umfang dieses Verkehrs liefern. Der bekannte Orientalist Sprenger veröffentlichte aus einem im Britischen Museum befindlichen Manuskript eine Notiz eines arabischen anonymen Schriftstellers des X. Jahrhunderts, die für unser Thema auch größeres Interesse hat. Diese lautet: „Die slavischen Kauflente führen Fuchs- und Biberfelle vom äußersten Ende des Slavenlandes, kommen zum römischen Meere (»ön^K Mittelländischen Meer) entrichten dem römischen (oströmischen) Kaiser die Zehntenabgaben, dann ziehen sie seewärts zum Juden Simchus?)" Diese Angaben scheinen von einem in Spanien lebenden und mit den Verhältnissen gut vertrauten arabischen Schriftsteller herzurühren, da er sogar den Namen des in seiner Provinz damals gewiß sehr bekannten Großkaufmannes angibt, und bestätigt dies, daß die slavischen Händler von weiter Ferne an das Mittelländische Meer (in der Nähe desselben, nämlich Ragusa) kamen, und von da sich seewärts zu ihrem gewiß konnationalen Großkaufmanne in einer slavischen Kolonie in Spanien, namens Simchus (slavisiert aus Simcha) begeben, der unter diesen Namen dort überall bekannt war. Weit ausführlichere und interessantere Nachrichten über den Handel der Juden des Ostens im_IX. Jahrhundert enthalten die Mitteilungen des arabischen Schriftstellers Jbn-Khordadbeh. Barbier de Meynard veröffentlicht aus einem Manuskript der Bodleiana in Oxford (Catalogue Fonds Uri Nr. 433), die dis dahin uuediert gebliebene Schrift dieses Autors mit einer Vorrede und französischer Üebersetzung »De Livre des Routes et des Provinces“ in dem Journal Asiatique vom Jahre 1865, von welcher ein Kapitel ganz den: Handel der Juden mit besonderer Berücksichtigung jener des Ostens gewidmet ist. Der Herausgeber gibt in der Vorrede an, daß Jbn- Khordadbeh unter der Regierung des Kalifen Mutamid (870-892) das wichtige Amt eines Chefs des Postwesens in Djebal (im alten Medien) innehatte, und bestätigen bedeutende zeitgenössische arabische Schriftsteller die Wahrheitsliebe Jbn-Khordadbeh's, wie auch die Wertschätzung seiner auf Wahrheit beruhenden Angaben. Da dieses Buch sehr selten ist und diese Angaben für die Geschichte des Handels der Juden besonders der des Ostens von Bedeutung sind, will ich dieses Kapitel in französischer Üebersetzung hier in extenso wiedergcbeu: Intlnerairedes mar c han d s, j uif’s dits Radanits (V)*) Ces marchands parlent le persan, le romain (grec) l’arabe les langues franque, espagnole et slave. Ils voyagent de FOccident en Orient, et de l’Orient en Occident, tantöt par terre, tantöt par mer. Ils apportent de l’Oceident des eunuques, des esclaves femelles, des garqons de la soie. des pelleteries et des epees. Tis sembarquent dans le pays des francs sur la mer occidentale, et se dirigent vers Farama (pres des ruins de l’ancienne Peluse); lä ils chargent leurs marchandises sur le dos des betes de sommes, et se rendent par terre ä Kolzoum (Suez) ä cinque journees de marches, sur nne distance de 20 farfehs. 11s s’embarquent sur la mer orientale (la mer Rouge) et se rendent de Kolzaum ä El- Djar (E-D. est un port ä trois de Medine et pres de Djedah) et a Djedah; puis ils vont dans le Sind, l’Jnde, et la China. A leur retour, ils se chargent de musc, d’aloes, de camphre, de cannelle et d’ autres productions des contrees orientales. Quelques-uns font volle pour Constantiuople, afin d’y vendre leurs marchandises; d'autres se rendent dans le pays des francs. 2) Harkavy führte diese Notiz aus dem Journal of the assatic society of Bengal, Calcutta 1844 p 525 an, in der Meinung, daß diese welchen Bezug auf die Geschichte der Inden der Krim hat, da er annimmt, daß mit dem römischen Meere das Schwarze Meer gemeint sei, was aber samt den daraus dort gefolgerten Schlüssen und Deutungen entschieden unrichtig ist, weil im X. Jahrhundert nur das Mittelländische Meer „Bahr el Rourn14 genannt wurde, und wurde bekanntlich bei der Einfahrt in dasselbe, wie damals Überall Üblich war, an das byzantinische Reich ein Seezoll entrichtet. Hier ist Ragusa gemeint, und heißt es ja unzweideutig, sie kommen vom Ende des Slavenreiches an das Mittelländische Meer. Uebrigens bestätigt dies auch der weiter unten zitierte Jbn-Khordadbeh deutlich, und gibt unter allen Reiserouten keine über das Schwarze Meer an, was in der Antwort des Kaisers voll Byzanz au Chasdai seine Aufklärung findet. *) Arabisch mx-nba. Quelque fois les marchauds juifs, en s’embarquant sur la mer occidentale, se dirigent (ä l’emboucbure de l'Oronte) vers Antioche. Au bout de trois jours de marche, ils atteignent les bords de l’Euphrate et arrivent ä Bagdad. Lä ils s’embarquent sur le Tigre et descendeut ä Abollah, d’ou ils mettent ä la volle pour FOuiau. le Sind, l’Jnde et la Chine. Le voyage peut donc se faire sans interruption. Les russes, qui appartiennent ä la race slave, ses rendent, des regions les plus eloiguees du pays des slaves, sur les eötes de la mer Roum (la Mediterranee) et y rendent des peaux de castor et de renard, aiusi que des epees. L’empereur (grec) se contente de prelever un dixieme sur leurs marchaudises.3) Les negociants russes descendeut aussi de fleuve des Slaves traversent le bras qui passe par la ville des Khozar,') ou le souverain du pays preleve sur eux un dixiäme; puis ils entrent dans la mer de Djordjan (Caspienue), et se dirigeut sur le point qu’ils ont en vue. Cette mer a 500 facs de diametre. Quelquefois les marchandises de russes sout transportees a dos des chameaux, de la ville de Djordjan jusqu’ä Bagdad. Ces divers voyages peuvent se faire egalement par terre. Les marchands qui partent de l’Espagne et du pays des francs se rendent ä Tanger et ä Maroc. d’ou ils se mettent en marche pour la proviuce d’Afrique et l’Egypte. De lä ils se dirigent vers Ramlah, visiteut Damas, Koufah, Bagdad et Basrah, penetrant dans l’Ahvaz, le Fars, le Kermau, le Bind et arrivent dans l’Inde et la Chine. On peut eucore prendre la route d’Armenie et se rendre, ä travers le pays des Slaves, aupres de la ville de Khozars; on s’embarque sur la mer de Djordjan, puis on arrive ä Balkh, dans la Transoxiane, le pays des Tagazgat et le Chine. La terre a ete partagee eu quatre parties L’Europe, comprenant l’Andalouse, le pays des Slaves, des Grecs et des francs. — Etc Mau gewinnt schon bei Angabe dieser Routen den Eindruck, daß es sich hier größtenteils um die jüdischen Kaufleute ans den Slavenläudem handle, und die Juden aus dem Frankenlande und Andalusien nur mehr ans den slavischen Kolonien daselbst gemeint seien, und da überdies alle hier aufgezählteu Ausfuhrgegenstände wie Sklaven, Rauhwaaren und geschmiedete Waffen fast ausschließlich slavischer Provenienz sind, bestärkt dies nur in dieser Annahme. Sollte aber diese Annahme nicht richtig sein, und auch außer den Slaven, den aufgezählteu Sprachen nach Inden ans oem bt^antinischen Reiche, wie auch aus Andalusien und dem Frankenlande an diesem Handel teilgenommen haben, zeigt diese Schilderung jedenfalls, daß der Hanoelsverkehr, auch der Inden der Slavenländer, einerseils über das Mittelländische Meer zu Land über Tanger und Marokko. die Küstenländer Afrikas, Egypten, Syrien rc. oder via Suez, Arabien rc. und eine andere Route über Antiochia, den Euphrat und Bagdad bis nach Indien und China ging; andererseits verband die Handelsstraße der Slavenländer das Abendmit dem Morgenland und führte der Verkehr über diese durch das Chasarenland und das Caspische Meer durch ganz Asien. Man kann sehen, daß die ganze damals bekannte und bewohnte Erde von den jüdischen Kauflente» bereist wurde, um einen Austausch der Erzeugnisse des Occidents mit denen des Orients zu ermöglichen und zu begünstigen, und förderten sie dadurch nicht nur den Wohlstand der Heimatländer, indem sie ihre Produkte verwerteten und wiederum die unentbehrlichen ausländischen aus weiter Ferne heimführten, sondern sie können auch als Pioniere der Kultur gelten, da sie alle Kulturstätten besuchten und dann in ihrer engen Heimat den Sinn für solche weckten. S. Spinner. Korrespondenzen. Ans der Plenarsitzung des Knttusvorstandes vom 5. November Z.SV-L unter dem Borsitze des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 6 Uhr Abends. Der Präsident eröffnet die Sitzung und hält folgende Ansprache an die Versammlung: Es ist ein Akt hochherziger Munifizenz, der mich veranlaßt hat, Sie heute ad hoc zu einer Plenarsitzung einzuladen; u) Da wird auch dasselbe bestötigt, daß die slavischen Juden bis zum Mittelländischen Meer (Ragusa) kommen und ist die Waare an diesem Meer, d. i. in Spanien geblieben, und aus den slavischen Kolonien daselbst reexportiert. 4) Der französische Uebersetzer 'schaltet ein zur Erklärung des Fleuve des Slaves (Volga), was an und für sich unrichtig ist und den Worten des Autors widerspricht. Hier wird gemeint der Dnjeper, der bei den Karpathen entspringt, die Slavenländer durchjchneidet und über Kiew dem Schwarzen Meere zuströmt. Von da wird der Arm übersetzt in die Stadt (Residenz) der Chasaren zu gelangen, von wo man über den Caspischen ^ce nach Dschodschau sich einschifft.

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