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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-11 · 46 (11.11.1904) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 738 Dr. Mocb's Mocbenscbrttl, Nr. 46 gerade wenn sie an ihrem Glauben festhalten und die Grundsätze desselben offen bekennen, mit zu den besten Bürgern des Vaterlandes gehören und daß es eine Ungerechtigkeit und auch eine Unklugheit derbster Art ist, „auf den Abfall vom Glauben, gewiffermaßen von Staatswegen" eine Prämie zu setzen. Lassen Sie auch durch unsere Arbeiten und unser Wirken nicht bloß im öffentlichen, sondern auch im wirtschaftlichen und privaten Leben dahin wirken, daß diese Wahrheit immer mehr erkannt wird; dann und nur dann haben wir unsere Pflicht sowohl gegen unsere Religion wie gegen Fürst und Vaterland erfüllt." (Beifall.) Nach Bildung der drei Kommissionen für Budget, Verfassung und Petitionen wurde die Sitzung geschlossen. Nächste Sitzung: Dienstag 11 Uhr. Präsident Dr. Friedberg eröffnet um 11 Uhr die heutige Sitzung mit geschäftlichen Mitteilungen und Anzeige neuer Eingaben. Rechtsanwalt Dr. Bielefeld berichtet namens der Verfaffungskommission über den Verordnungsentwurf, die Rabbinerbezirke und die Rabbiner, die Bezirksverbände und die Bezirkssyna wgen betreffend. Dieselbe beschäftigt sich mit der Anstellung und Entlassung der Rabbiner, Befugnisse und Pflichten derselben, der Zuruhesetzung, dem Diensteinkommen der Rabbiner, sowie deren Ansprüche auf Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung und dem Disziplinarverfahren gegen Rabbiner. Der Berichterstatter erläutert die einzelnen Paragraphen und die von der Verfaffungskommiffion vorgenommeneu Aenderungen, die in der Hauptsache unwesentlicher Natur sind. Der zweite Teil der Verordnung handelt von den Bezirksverbänden und den Bezirkssynagogen und deren Neuregelung der Organisation. Der Antrag geht auf Annahme der Verordnung. Regierungsrat Mayer dankt namens des Oberrates für die rasche und gründliche Durcharbeitung der Verordnung und erklärt, daß der Oberrat mit den vorgenommenen Abänderungen sich einverstanden erkläre. Es wird die Verordnung hierauf ohne erhebliche Debatte in der von der Verfaffungskommission festgestellten Form angenommen. Hierauf wird die Sitzung nach halb 1 Uhr geschlossen. III. Nachmittagssitzung. Präsident Dr. Friedberg eröffnet um halb 5 Uhr die Sitzung. Zur Beratung kam der Voranschlag der in der Zentralkaffe zur Verrechnung kommenden Ausgaben und Einnahmen für allgemeine kirchliche Bedürfnisse. In der Kommission hat die Frage der Aufbesserung gering besoldeter Religionslehrer eingehende Erörterung gefunden. Man mußte aber diese Wünsche im Hinblick auf die finanzielle Lage und auf die schon cintretende Steuererhöhung verschieben. Nach dem Voranschlag betragen die Ausgaben für ein Jahr Voranschlagperiode 59.650 M. Dieser Summe stehen 1800 Mark Deckungsmittel gegenüber. Es sollen erhoben werden von den Kapitalrentensteuerkapitalien 6 Pf. von 100 M., von den Grund-, Häuser- und Gewerbesteuerkapitalien 9 Pf. und von den Einkommensanschlägen 12 Pf. Die Budgetkommission hat eine Reihe Abstriche gemacht, die nach längerer Debatte zum Teil gutgeheißen wurden, so daß der Steuerfuß sich auf 55, 8, 25 und 11 Pf. stellt. Nachdem noch mehrere Petitionen dem Oberrat zur Kenntnisnahme überwiesen, wurde die Synode unter den üblichen Dankesworten geschlossen. Aandcist>eiirh»rnUen der Juden Mische« Ost- und Westeuropa im Mittelalter. II. Das IX. und X. Jahrhundert. Bei jeglichem Mangel an gesammelten Material bezüglich der Stellung und Bedeutung der Juden im Wirtschaftsleben der verschiedenen Nationen Europas, besonders im Mittelalter, und da eine Handelsgeschichte mit spezieller Rücksicht auf die Juden fehlt, die klar darstellen sollte, welchen Anteil sie an der Entwicklung des Handelsverkehres vom frühen Mittelalter bis gegen Ende dieser Epoche und demzufolge auch an der wirtschaftlichen Prosperität der Länder, wo sich derselbe erstreckte, nahmen, dürfte man einer Sammlung von Notizen, die sich zur Aufgabe stellen, wenigstens in einem Teile dieses großen Gebietes, nämlich in die Handelsbeziehungen der Juden zwischen Ost- und Westeuropa im Mittelalter etwas Licht zu bringen, einiges Interesse entgegenbringen; umsomehr, als solche auch Streiflichter in Gebiete, die noch ganz in Dunkel gehüllt sind, werfen und gleichsam teilweisen Aufschluß über manche geschichtliche Folgeerscheinungen bieten, die sonst noch einer Erklärung harren. Bei Behandlung dieses Themas ist man nur auf zerstreute Notizen angewiesen, die auch nur sehr spärlich fließen, da man zu jener Zeit in externen Quellen diesen Erscheinungen wenig Beachtung schenkte und selbe nur zufällig mit wenigen Worten erwähnte, oder man überging dies absichtlich mit Stillschweigen, weil es nur Juden betrifft, wenn man nicht schon vorgezogen hatte, die Tatsachen ganz zu e n t st e l l e n; wiederum in hebräischen Schriften ritualen und kasualen Inhaltes werden solche nur gelegentlich höchstens mit einigen Worten gestreift, dafür aber desto glaubenswürdiger erscheinen, weil ihnen jede Tendenz fehlt. Diese dürren Notizen müssen daher im Gerolle wie zerstreute Bausteine gesammelt werden, und wenn richtig kombiniert und konstruiert, können solche ein Fundament eines rohen Unterbaues für ein späteres Gebäude abgeben. Im X. Jahrhundert, als die Bedürfnisse des Ostens noch mehr primitiver Art waren, beschränkte sich der Handel des Westens dorthin neben anderer Waare westlicher Provenienz hauptsächlich auf Oberkleider (D'b’Pö eine Art Tunica), für welche größtenteils dort Landesprodukte im Tauschhandel genommen wurden. Mainz war danials ein Hauptstapelplatz für diesen Handel, und ersieht man aus einem Responsum R. Gerschom's aus Mainz (gegen 960—1020), daß diese Oberkleider aus Flandern, das damals schon in dieser Industrie bedeutend war, oder aus England importiert worden sind (Resp. da ■ Käbbins Fräncais et Lorrains, ed. Müller "Nr. 98, 8ä Heißt es cn fü'Nöö); damit wurde auch ein lebhafter Handel, mittelst Schifffahrt des Rheins befördert, auf den Messen betrieben. (Ibid. Nr. 97, wo der Rhein nnrn genannt wird.) Die Oberkleider wurden nach der bereits erwähnten Aussage des R. Elieser b. Nathan aus Mainz (gegen 1100) schon seit langer Zeit von dort nach Russia ausgeführt. Er sagt wörtlich: pKtp minc* D'b'pi: bspb X'v'i oSn ö'iittfKTJ pöd |K3ö jöt *in*6 “W s'2iLp ofvtn j«» „Die ersten Reisenden nach Russia pflegten Oberkleider und andere Waare zu nehmen, deren Preis absolut nicht festgestellt war im Geldschätzungswerte bis nach Ablauf einer gewissen Zeit", woraus hervorgeht, daß der Preis vorerst nur mehr relativ gegolten, weil die Waare im Tauschwege für andere Produkte abgegeben wurde, und daher der faktisch erzielte Preis erst später ermittelt werden konnte.') Der Tauschhandel war damals überall üblich, (u. A. ibid. Nr. 101) und wurden im Osten neben anderen Landesprodukten größtenteils Pelzbälge in Tausch gegeben, die dort damals sehr reichlich vorhanden waren und mit welchen die Einwohner dort sogar die Landes¬ und Zehntesteuern an den Staatsschatz entrichteten. (Dlugosz, Historia Poloniae 1. p 43) Solche Tierbälge u. A. Biber- und Bisamfelle sehen wir wiederum in Mainz gegen Goldgeschmeide eintauschen. (Resp. des Meschnlom b. Kalonymos an Simon b. Jizchak in Mainz (gegen 1000) in Resp. der Gaonim ad. Eassel Nr. 66.) Diese Nauhwaaren bildeten schon sehr früh im Osten einen Hauptzweig des lebhaft betriebenen Exporthandels, der über den bereits beschriebenen Handelöweg via Ragusa auch seewärts größere Dimensionen annahm. — Zur richtigen Beurteilung der damaligen Lage, warum der Verkehr diesen Weg eingehalten hatte, verdient noch nachträglich hervorgehoben zu werden, daß sich Chasdai Jbn-Schaprut zuerst an den Byzantinischen Hof nach Konstantinopel um Auskunft wendete, ob nicht über Konstantinopel und das Schwarze Meer eine ') Dieses Zitat kann indessen auch einen anderen Sinn haben oder eine andere Deutung zulassen, und nach wortgemäßer Uebersetzung lauten: Daß die ersten (früheren) Reisenden nach Rnssia pflegten die Waare offen bis nach Ablauf einer gewissen Zeit zu nehmen, mit der Parenthese öPN ,“6pro jpistp DH'öl pKitf „Da ihr Geld keinen festen Kurs hat, in der Wertschätzung einer Valuta" was eventuell klar bestätigen würde, daß die Juden schon im X. Jahrhundert in Polen eine staatliche Konzeffion zu eigener Geldemission besaßen und diese Münzen vielleicht nur im Handel des eigenen Landes als vollgültig zirkulierten, im Auslande dagegen keinen festen Valutakurs hatten. (Vergl. darüber weiter unten.)

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