Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 46 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 736 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Kr. 46 weiter an. Er brachte der Wissenschaft den Tribut der Huldigung dar, indem er in Zeitschriften über die Fortschritte derselben referierte und die Forscher vor seinen Lesern gleichsam nachfühlte und nachempfand. Im Jahre 1880 fühlte er sich gedrängt, seine Klinge mit der Heinrich von Treitschke's zu kreuzen. Ein hohes Verdienst hat sich der Heimgegangene in den Siebziger-Jahren dadurch erworben, daß er den schriftlichen Nachlaß Mannheimers herausgab; seiner mit kritischem Blicke gepaarten Begeisterung für das Wahre, Gute und Schöne haben wir die Wiederauferstehung der „gottesdienstlichen Vorträge" jenes Predigers von Gottesgnaden zu danken, der, wie kaum ein Anderer, den Zaubcrschlüssel zu den Herzen seiner Znhörer besaß. Das weitaus bedeutendste Werk Hammers ch l a g's, sein Lebenswerk, durch daser sich ein dauerndes Monumentgesetzthat, istdieisraelitische Gemeindebibliothek, auf welche die Gemeinde mit Stolz blicken kann. Er wirkte an ihr seit dem Jahre 1857 als Bibliothekar. Freilich, um Biblia thekar zu sein, bedarf es einer Bibliothek. Bibliothekar und Bibliothek sind untrennbare, korrelative Begriffe. Gleichwohl mußte Hammerschlag die Bibliothek, an deren Spitze er walten sollte, buchstäblich erst schaffen. Als er seinen Einzug in die Bibliothek hielt, fand er eine kleine Sammlung von für Religionslehrer bestimmten Lehrbüchern vor, und diese war in einem kleinen, schmalen Kabinett untergebracht, in welchem kein Platz für Leser war. Ein tüchtiger Pädagog, hat er das schwache, keine Aussicht auf eine Entwickelung bietende, resignierte Geschöpf, in dem nur trüb das Lebenslichtlein flackerte, allmählich groß gezogen, ihm einen lebendigen Odem eingeblasen und es durch liebevolle Hingebung auf eine Höhe gebracht, auf der es sich selbstbewußt und mit Würde sehen lassen kann. Wenn auch die spezifisch jichische Literatur in ihrem ganzen Umfang in erster Linie berücksichtigt werden mußte, so ließ er doch andere Fächer nicht unbeachtet. Religionsgeschichte, respektive Quellen derselben, Rcligionsphilosophie, wenigstens in ihren Hauptwerken, die patristische Literatur, soweit sie für die jüdische Geschichte insbesondere und für die Entwicklung des religiösen Gedankens im allgemeinen als Quelle dient, die christlich - theologische Literatur, soweit sie sich mit jüdischen Literaturerzeugnissen beschäftigt, Polemik gegen Judentum und Judenheit, sowie Schutzschriftcn für dieselben, — alles dies wurde nach Maßgabe der kargen Dotation kultiviert. Diese zwang ihn, antiquarischen Anschaffungen ein intensives Augenmerk zuzuwenden. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, machte er es sich in den ersten 24 Jahren, wo die Dotation sehr gering und überdies durch verschiedene Nebcnauslagen belastet war, zum Prinzipe, nur die unentbehrlichsten Werke neu anzuschaffen, mit allen anderen aber so lange zu warten, bis sie antiquarisch zu haben sein werden. Daß der Heimgegangene, nachdem er sich im Mai 1873 durch ein zunehmendes Gehörleiden veranlaßt sah, das Lehrfach aufzugeben, an dem er mit Leib und Seele hing, in dem er mit allen Fasern und Fibern seines Seins wurzelte, sich nicht mißmutig in sich selbst zurückzog, sondern mit Unverdrossenheit in dem Berufe des Bibliothekars aufging, kann ihm nicht hoch genug angeschlagen werden. Er war von echt jüdischem Optimismus erfüllt. Auf diesen ist es zurückzuführen, daß er sich noch ein Bierteljahrhundert an der Bibliothek wie an einem Jugendbrunnen labte. In die letzte Zeit seiner Anltstätigkeit fiel ein für die Gemeindebibliothek außerordentlich erfteuliches und bedeutungsvolles Ereignis. Geschwellten Herzens vernahm der Hingeschiedene die Kunde, daß der Kultusvorsteher Herr Salo Cohn einen stattlichen Teil der Büchersammlung des bekannten gelehrten Bibliographen S. I. H a l b e r st a m m in Bielitz um den Preis von 12.000 Kror.en angekauft und in munifizenter Weise der Gemeindebibliothek zum Geschenk gemacht habe. Sein Gesicht strahlte vor Freude, als die Bücher vor ihm aufgestapelt lagen, und feine Augen leuchteten, als er auf 28 Inkunabeln aus den Jahren 1476—1492 und auf eine große Zahl von äußerst seltenen Büchern mit handschriftlichen Zutaten stieß. Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Sterblichen zuteil. Es schmerzte den Heimgegangenen tief, daß nur ein relativ kleiner Teil der Gemeindemitglieder von der Existenz der Bibliothek Notiz nahm. Und doch würde gerade sie es in hohem Grade verdienen, daß sich ihr das allgemeine Interesse intensiv, wie extensiv zuwende. Zunächst schon deshalb, weil es für eine Glaubensgenossenschaft, deren Glieder in alle Weltgegenden zerstreut und durch Sprache, Sitte und Staatsangehörigkeit von einander geschieden sind, nur ein geistiges Band geben kann und dieses vor allem in ihrem altehrwürdigen, heiligen Schrifttum und der daran sich knüpfenden Literatur gefunden werden muß. Dann aber aus einem speziell lokalen Grunde. So klein die Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde auch im Vergleiche zu den großen öffentlichen Bibliotheken, die über ungleich reichere Mittel verfügen, sein mag, so bleibt sie doch eine Institution, auf welche die Gemeinde mit Stolz Hinweisen kann. War sie doch die erste unter den modernen Gemeinden und lange Zeit hindurch die einzige, die eine von ihr angelegte und verwaltete Bibliothek besaß. Der Name des Verstorbenen ist und bleibt für alle Zeiten mit der Gemeindebibliothek unlöslich verknüpft und verwachsen. Solange sie bestehen und eine segensreiche Wirksamkeit entfalten wird, wird das Andenken des Mannes fortleben, der sie geschaffen und ihr seinen Stempel aufgedrückt hat. D r. Bernhard Münz. Israelitische Haadrssynode im Großherzogtum Kadr«. Karlsruhe, 24. Oktober. Heute vormittag 11 Uhr begannen im Sitzungssaale des Ständehauses die Verhandlungen der israelitischen Landessynode, die durch Geh. Rat Becherer, als Ministerialkommissär des Oberrates 'der Israeliten, mit folgender Ansprache eröffnet wurde." ' Hochwürdige, Hochgeehrte Herren! Zur vierten Tagung der Synode heiße ich Sie im Namen und Auftrag des Großherzoglichen Oberrates herzlich willkommen. Die Zahl der Gegenstände, welche Ihrer Beratung und Beschlußfassung unterbreitet sind, ist eine verhältnismäßig kleine und wird Ihre Aufmerksamkeit und Tätigkeit voraussichtlich nur kurze Zeit in Anspruch nehmen. Neben dem Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben der Zentralkasse für die Jahre 1905, 1906 und 1907, ist der Ihnen vorliegende Entwurf einer Verordnung, die Rabbinatsbezirke und die Rabbiner, die Bezirksverbände und die Bezirkssynagogen betreffend, von erhöhter Bedeutung. Der Entwurf ist in wiederholten Plenarsitzungen des Oberrates eingehend beraten und in der Ihnen vorliegenden Fassung festgestellt worden. Er enthält eine zusammenfassende Regelung der Zuständigkeiten und Amtspflichten der Rabbiner und der Aufgaben der Bezirkssynagogen. Eine Kodefizierung der bezüglichen Vorschriften erschien uns dringend geboten und möchten wir den Entwurf Ihrer wohlwollenden Prüfung und Zustimmung angelegentlichst empfehlen. Was den Voranschlag betrifft, so erfordert dessen Durchführung eine mäßige Erhöhung des Steuerfußes; letztere ist geboten, um die Mittel zur Besserstellung der Religionslehrer insbesondere in den kleinen Gemeinden zu gewinnen. Die Notwendigkeit dieser Besserstellung ist in den Erläuterungen zu der betreffenden Voranschlagsposition eingehend dargelegt und darf ich wohl auf das dort Gesagte verweisen. Der Großherzogliche Oberrat hat zu der gegenwärtigen Synode das Vertrauen, daß sie gleich ihren Vorgängerinnen die ihr unterbreiteten Vorlagen sachlich und wohlwollend prüfen und schließlich genehmigen werde. Sie, verehrte Herren, können dies um so leichter tun, als ich Ihnen die Versicherung geben kann, daß der Großherzogliche Oberrat bei Bearbeitung der Vorlagen überall von dem Grund-