Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 46 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 46 Dr Blocb s Mocbenscbrttt. Seite 735 nicht Verbote gegen diese Schlachtmethode zu erlassen, sondern die allgemeine Einführung derselben zu bewirken. Mit Zustimmung der Versammlung erklärte Geheimrat Spinola das volle Einverständnis der Versammlung mit den Ausführungen des Vortragenden. (Hört, Hört.) Ende September 1894 hielt in Paris Herr Professor I. V. Laborde, Chef des physiologischen Instituts der dortigen Universität, in der Sitzung der Acadömie de mödicine einen Vortrag über die „verschiedenen Schlachtmethoden vom physiologischen Standpunkte". Er gelangt ebenfalls zum Schlüsse (liest): „Resümieren wir also, so glaube ich aus Grund sowohl der auseinandergesetzten Motive der experimentellen Beobachtung, als auch der praktischen Tatsachen, daß bei dem gegenwärtigen Stand der Verhältnisse die Blutentziehung durch den Halsschnitt, — das ist also das jüdische Schächten — ausschließlich vom physiologischen Standpunkte betrachtet und frei von jeder Frage der Sekte und des Ritus, diejenige Schlachtmethode bildet, welche am wenigsten dazu angetan ist, den Tieren, bei welchen sie Anwendung findet, Schmerzen zu verursachen." Zu dem gleichen Resultat gelangen 254 Gutachten, welche von hervorragenden Autoritäten der Wissenschaft über das beste Schächtverfahren abgegeben worden. Diese Gutachten sind erstattet von 23 Professoren der Physiologie, Pathologie rc. in Deutschland, welche sämtlich zugleich Direktoren physiologischer, pathologisch-anatomischer oder hygienischer Universitätsinstitute sind; von 7 Universitätsprofessoren Oesterreich-Ungarns, von 6 Universitätsprofessoren Hollands, von 3 Universitätsprofessoren Englands, von 3 Univerfitätsprofessoren Dänemarks, von 3 Universitätsprofessoren der Schweiz, von 3 Universitätsprofessoren Italiens, von 2 Universitätsprofessoren Frankreichs; im Ganzen von 50 Universitätsprofessoren. Dazu kommen: 14 Direktoren von Tierarzneischulen, 24 Professoren der Arzneikunde, sowie 152 Tierärzte in verschiedenen Stellungen. . Endlich haben sich diesem Gutachten 14 Großschächter¬ und Metzger-Innungen angeschlossen. Im DeutschenReichstag wurde über eine Petition der Tierschutzvereine das jüdische Schächtverfahren zum Gegenstände der Verhandlung gemacht, und aus den Debatten konstatieren wir blos die Tatsache, daß die Petitions-Kommission einstimmig anerkannte, „das das jüdische Schächten zu gesetzgeberischem Einschreiten keine Veranlassung bietet, weil es sich mit den Grundsätzen der Humanität nicht in Widerspruch setzt", und daß der Abgeordnete Dr. Brömel konstatierte: „Mir ist selten ein Fall vorgekommen, wo allgemein aufgestellte Behauptungen so gründlich und schlagend widerlegt worden sind, wie die Behauptung, daß das jüdische Schächten in hohem Maße eine Tierquälerei enthalte." Der spätere Finanzminister und Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums Dr. M i q u e l sagte damals wörtlich: „Wir wollen doch die rituellen Vorschriften der Inden beachtet wissen bei jeder neuen Gesetzgebung, und zwar erstens weil wir uns überzeugt haben aus den Gutachten hervorragender Gelehrter, daß diese Art des Tötens von Tieren keine Grausamkeit ist, gegen die Humanität nicht verstößt und anderenteils darüber kein Zweifel walten kann, daß das Schächten durch den religiösen Glauben einer großen Anzahl Deutscher gefordert wird Ich bin überzeugt, daß, so lange in Deutschland die Grundsätze der Toleranz und der gegenseitigen Achtung der deutschen Bürger noch Geltung haben, man über solche unzweifelhaft tief eingewurzelte religiöse Gefühle unmöglich hinweggehen kann bei einer Frage wie der vorliegenden, wo es doch mindestens für zweifelhaft gehalten werden muß, ob das rituelle Schächten nicht geradezu als eine besonders zweckmäßige und humane Einrichtung anzusehen ist." Wenn es dem niederösterreichischen Landtag mit seiner Tierfreundlichkeit Ernst ist, warum schafft er nicht ein Gesetz, um die grausamen Hetzjagden abzuschaffen, deren sich die Menschheit in Wahrheit zu schämen hat. Mit der Jagd haben aber die Juden von jeher wenig zu schaffen, und daher finden fich auch unsere modernen antisemitischen Tierfreunde nicht veranlaßt, bei den Regierungen gegen diese großartige Tierquälerei zu protestieren und zu petitionieren. Aus einigen vor wenigen Jahren veröffentlichen Berichten ersehen wir, daß im Jahre 1891 im Wienerwalde 341 Hirsche, Rehe und Kälber, 345 Hasen, 137 Rebhühner u. s. w., im Ganzen bei tausend Stück Wild erlegt wurden, in den fürstlich Schwarzenberg scheu Revieren, in Böhmen und Steiermark 380 Stück Edelwild, 24.097 Hasen, 26.082 Rebhühner, im Ganzen bei 56.000 Stück Wild. In ganz Zisleithanien werden durchschnittlich im Jahre 2 Millionen, in Preußen dritthalb Millionen Stück Wild erlegt. Und was bedeuten gegenüber diesen Millionen die paar tausend Ochsen, welche nach den jüdischen Vorschriften geschlachtet werden? Und wie schmerzlos ist verhältnismäßig ihr Tod gegen die Qualen des von Treibern aufgeschreckten, mit gierigen Hunden gejagten, angeschossenen, verwundeten, gehetzten Wildes. Stundenlang jagt die Meute dem angeschossenen Wilde nach, seinen Blutspuren folgend; endlich wird es erreicht, gierig schlagen die Hunde ihre Zähne in das Fleisch des Hirsches, bis endlich der Jäger auf atemlosem Pferde herankommt und ihm den Gnadenstoß versetzt. Das edle Tier bricht zusammen, den letzten vorwurfsvollen Blick auf seinen Mörder werfend. Und der Jäger ist gar nicht so grausam, er hat vielleicht, bevor er zur Jagd aufbrach, eine Petition gegen das „orientalische Schächtverfahren" unterschrieben, Ein ebenso tierfreundlicher Mann ist vielleicht auch jener Naturforscher, der ein kleines Jagdvergnügen in Afrika mit folgenden Worten schildert: „Unten schlägt eine Sporengans im Todeskampfe den blutgeröteten Sandboden, ihre Genossen find entflohen und ließen sie allein mit zerschossenen Flügeln zurück. Jagdeifrig stürzt fich der Hund auf die Beute, aber verendend versetzt das Tier dem Feinde mit den dornbewehrten Flügeln noch dermaßen Schläge, daß er winselnd zurückweicht." Ja, auch den armen Hunden ergeht es mitunter recht schlecht bei solchen Vergnügungen. So ist auf einem Bilde von Seyders im k. k. kunsthistorischen Hosmuseum (Saal XVIII) zu sehen, wie ein Eber die ihn anfallenden Hunde zurichtet, und an derselben Wand sieht man wieder einen von Hunden angefallenen Hirsch, der mit flehenden Augen und weit geöffnetem Munde, den Kopf gegen den Himmel wendet, als wollte er die bösen Menschen anklagen, die den Unschuldigen verfolgen. Die Jagd wird man wohl trotz aller Humanitäts- und Moralphrasen nie abschaffen, aber könnte man sie nicht ein wenig schonender machen? Der jüdische Schächter muß sich doch über eine gewisse Fachkenntnis ausweisen, das Wild kann aber von den ungeschicktesten Sonntagsjägern nach Belieben gequält werden. Wie wäre es, wenn man da eine Art Befähigungsnachweis einführen möchte? Nein, nicht um Tierschutz, sondern um eine Judenhatz ist es diesen Herren zu tun. Samuel Hammerschlag. Ein psychologisch vollkommen zutreffender Spruch lautet: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. An der Hand dieses untrüglichen Prüfsteines gemessen, war die Wesenheit des Heimgegangenen eine durch und durch ideale. Er bewegte fich mit Vorliebe in den heiteren Regionen, wo die reinen Formen wohnen. Seine besten Freunde warengute, in die Tiefe gehende Bücher. Er war Bibliophile, bevor er Bibliothekar wurde. Ein immerwährender Student, war er unermüdlich bestrebt, die alten Bekanntschaften mit den edlen und großen Geistern, welche ersprießlich im Weinberge des Herrn gearbeitet hatten, fortzuspinnen und neue Bekanntschaften auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft zu machen. Die Eindrücke, welche er von den jeweiligen neuen Erscheinungen empfing, schloß er nicht engherzig und selbstsüchtig in sich ein, sondern er gab ihnen in gehaltvollen Aufsätzen Ausdruck und regte so, selbst angeregt,