Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021593--14028-3038713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 45 Dr. Dlocb s Mocbens. jrrtt. Lette 731 „Ach wie muß Joscf mich geliebt haben und wie krank und liebeleer muß jetzt sein Herz sein! Und habe ich ihn nicht geliebt, liebe ich ihn nicht noch, jetzt sester und inniger als jemals." In diesem Augenblicke wurde sie sich bewußt, daß Sie Egon nie geliebt. Aus Genußsucht und Eitelkeit hatte sie sich dem Rouö an den Hals geworfen und diese Entdeckung machte sie doppelt unglücklich. Nun begann eine Reihe schrecklicher Tage. Sie schlich im Hause umher, blaß und abgezehrt, ein Schatterl ihrer selbst. Wer die junge Frau vor Wochen gesehen, eine blühende Schönheit, jetzt ein Z rrbild davon! Sie setzte ibren Vater von der bevorstehenden Scheidung in Kenntnis und ersuchte ihn, sie nicht ansznsuchen, wenn alles vorüber, werde sie zu ihrn kommen. Sie wollte jetzt allein mit ihrem Schmerze sein. _ (Schlug folgt.) Neue Bücher. The New Era lllustr&ied Lagazine, Published monthly by The New Era Illustrated Magazine ■ Company. 38 Park Row, New-York. City. Bol. V. Oktober 1904. Nr. 5, Contents: Kol Nidre—Ulrich Frank: The Tale of Two Sabbath.- William L. Me. Pherson: National Convention». Morse Schawb: The Latest Rothschild Benefaction. — The Jews and the Europeans. — Boy Political Orators. Dr. C. D. Spivak: A Teilt, Sanitarium for Consumptives. Dr. Isidor Singer: Pros. Schlechter's Message to the Jews of America. — The New Russinn Minister of the Inferior. F. Cunlisfe-O wen: Some Influential Russian Jews. Joseph Sohn: Frederick Hymen Cowen. Albert M. Hymanson: In Jewish Rome. D. Hermalin: Light on the Roumanian Jewish Situation. The Jewish Encyclopedia. — Honoring the Jewish Dead of the Civil AYar. — A Chapter from Secret History. — The Editorial Survey. — The Book World. Rev. Dr. Max Schlesinger: An Anthology from Rabbinical Literature. — Of Interest to Jewish Readers. — A. Review of Jewish Reviews. Dr. Ludwig Philipps,,;?. Silo ah. (Neue Folge.) Girre Auswahl von Predigten. Aus dessen handschriftlichem Nachlasse herausgegeben von Dr. M. K a Y s e r l i n g. Verlag von M. W. K a u f m a n n, Leipzig. Dr. Beneliuuer Lusos. A zsidösäg eszemei es Tanai. Singer es AVolfner Kiadasa, Budapest 1904. Friedrich Hertz. Antisemitism u s und W i s se nschaft. (Preis 60 Pfennige.) Verlag C. W. S t e r n (Buch- Handlung L. Rosner), Wien, 1904. Kriefkasterr. Dr. Sz. Die Stelle findet sich nicht im Talmud, sondern im Jalkut zu Pinchas. R. B. Behufs Aufnahme eines Proselyten ins Judentum erteilen wir keine Ratschläge. Wißbegierig. Das Zitat „Landgraf, werde hart!" stammt ans einem Gedicht „Der Edelacker" von Wilhelm Gerlmrdt aus dem Jahre 1826. Gerhardt hat eine Episode, welche die Thüringer Chronik von Johann Roth erzählt, benützt. Danach ist der zweite Landgraf von Thüringen Ludwig der Eiserne, 1129 bis 1172, der so mild regierte, daß der llebermut der Großen dem Volke sehr empfindlich wurde, einmal auf einer Jagd, ans der er sich verirrte, zum Schmied von Ruhla gekommen. Während e. sich ausruhte, stand der Schmied beim Amboß und bearbei-ete ein glühendes Eisen mit dem Hammer, wobei er unter Anspielungen auf die zu weichmütige Regierung Ludwigs, scheinbar das Eisen meinend, aber zu Ludwig sprach: „Run, Landgraf, werde hart!" Der Landgraf soll dann die Unbotmäßigkeit der Edelleute gebeugt haben, indem er diejenigen, die ihre Bauern am härtesten bedrückt hatten, gezwungen haben soll, vor den Pflug gespannt in der Gegend von Freiburg einen Acker durchzupflügen, daher auch der Titel „Edelacker" des Gerhardtschen Gedichtes. E. A. E Der Sohn ist dort zuständig, wo der Vater war; er muß sich daher bei der Zuständigkeitsgemeinde stellen. Eine Strafe ist zu gewärtigen, da der Betreffende verpflichtet war, sich im vorigen November in der Aufenthaltsgemeinde als im Jahre 1904 stellungspflichtig zu melden. Wir raten Ihnen, so rasch als möglich sich bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft zu melden, da Sie sonst als stellungsflüchtig behandelt werden und im Falle der Assentierung ein Jahr über die Präsenzdienstpflicht dienen müssen. L. Oe. Inländer, welche an einem ausländischen Gymnasium maturiert haben, können an einer österreichischen Universität nur dann als ordentliche Hörer inskribiert werden, wenn sie sich an einem inländischen Gymnasium neuerdings der Maturitätsprüfung unterziehen. Was die Erwerbung des Einjährig-Freiwilligenrechtes betrifft, können die genannten Maturitätszeugnisse vom Landesverteidignngsministerium nach Vorlage des betreffenden Schnlstatutes als gleichwertig anerkannt we den. K. Bei den Vorbesprechungen der Münchener Konferenz zur Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels erklärte, wie nachträglich bekannt wird, der Vertreter des Hamburger Senates: „In den Hamburger Bordells dulden wir keine Ausländerinnen, sondern nur Einheimische". — Auch ein Beitrag zum „Schutz der nationalen Arbeit". J»l. H. Kranzablösungsspenden, welche der „Neuen Freien Presse" direkt zugemittelt werden, kommen nur in diesem Journal, nicht aber auch in der „Oesterreichischen Wochenschrift" zur Ausweisung. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, die zur Einhebung derselben von uns versendeten Postaufiräge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration. Herzliche Bitte! Eine arme, ganz mittellose Witwe bittet edle Menschenfreunde um eine Unterstützung. Es bietet sich ihr eben die Gelegenheit, ihre Tochter an einem braven tätigen Manne verheiraten zu können, sie ist aber aller Mittel entblößt und nicht in der Lage, eine noch so geringe Ansstattnng zu beschaffen. Es wird da ein wahrhaft menschenfreundliches Werk geübt, auch im Sinne unserer erhabenen Religion. Daher bittet der Gefertigte um gütigte Spenden für diese arme Witwe ,-£>3 nonrnb, die Frau Hirsch in Kobersdorf via Oedenbura, Ungarn, welche dankend angenommen werden vom Rabbinate Kobersdorf via Oedenburg, Ungarn. Ger st l Moritz. Aufruf. („Ist es denn wahr, daß die Juden herzlos find?") So betitelt sich eine Broschüre, die Adalbert H a f f n e r vor 3 Jahren der Oeffentlichkeit übergab und viele Anerkennungen und Zustimmungen selbst aus christlichen Kreisen gefunden hat. Seit Beginn der antisemitischen Bewegung war.Haffner in den Reihen jener wackeren Christen zu finden, die mit überzengungsvoller Kraft für die Erhaltung des Bürgerfriedens, für Recht und Freiheit. Wahrheit und Gleichberechtigung eintraten. Wenn er auch, wie er selbst in seinen Schriften sagt, nur ein ganz winziger Soldat war, so war doch sein Wille, einer guten und edlen Sache zu nützen, unentwegt, groß. Ter seinerzeit leidenschaftlich geführte Kampf gegen Volksverdummung brachte Haffner wiederholt mit dem Gesetze in Konflikt, so auch in seiner Eigenschaft als Redakteur der Gast- und Schankgewerbezeitung „Der Stammgast" zur Zeit, als Weiland der Vorsteher-Kandidat der freisinnigen Gastwirte war. Der sattsam bekannte Dr. P s e n n e r, der damals Herausgeber des heute nicht mehr existierenden „Oest. Volksf r e n n d", griff Haffner und Weiland nach bekannter Antisemitenart in der unflätigsten Wäse an. Haffner erwischte den Herrn Doktor in der Volkshalle des neuen Rathauses, als er gerade bemüht war, Stimmen für den antisemitischen Kandidaten zu werben, und versetzte ihm in Gegenwart von über 70o Gastwirten zwei kräftige Ohrfeigen. Er sühnte dieses „Verbrechen" mit 75 Gulden Strafe. Von Haffner sind viele contra-antisemitische Schriften, die alle volkstümlich gehalten sind, erschienen. Wir erwähnen nur die Broschüre: „Vexirbilder ans dem Antisemitenlager", „Was d' Frau Waberl über den Antisemitismus sagt", „Die Wahrheit über die Christlich-Sozialen", „Die Juden im Dienste der Menschheit und des Vaterlandes", ferner zwei Bände Erzählungen, und zwar: „Wiener G'schichtcn für Antisemiten unter'm Christbaum" und „Alte G'schicht'n eines alten Wieners". Ferner war er Mitarbeiter der von dem verstorbenen Freiherrn von Leitenberger heransgegebenen Zeitschrift: „Freies Blatt, Organ zur Abwehr des Antisemitismus", die Haffner nach dem Tode des Barons selbständig weiter führte und dabei zugrunde ging. Vor drei Jahren ist Haffner an einem Leiden erkrankt, für das es keine Heilung gibt. Dasselbe hat seine Arbeitskraft nahezu lahm gelegt, und seine ohnehin tristen Verhältnisse verschlimmerten sich immer mehr. Gegenwärtig hat der nahezu 60 Jahre alte Mann mit den bittersten Kümmernissen zu kämpfen. Haffner ist ein Sohn des im Jahre 1876 verstorbenen österreichischen Volksdichters Karl Haffner, der in seinem Romane „Scholz und Nestroy" seiner Judenfrenndlichkeit kräftigen Ausdruck verlieh. Wir bitten unsere Leser um Spenden für den alten, kranken Schriftsteller. Wir Juden t u n s e l b st unseren Feinden Gutes, umsomehr einem, der sich stets als Freund gezeigt, und schließen, wie wir begonnen: „I st e s d e n n w a h r, daß die Juden herzlos sind?"