Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-04 · 45 (4.11.1904) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
45 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021593--14026-3038711
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 45 Dr Vlocb s Wocbenscbrift Seite 729 Grunwald dem Dahingegangenen einen Nachruf hielt. Dem Sarge folgte der gefammte Vorstand der Chewra-Kadifcha in Fünfhaus mit den Herren Neufeld, Weinberger und D u s ch i n s k y an der Spitze. Der Verein Lias KU el Dol war durch feinen Präses Herrn S. Mohr und die Präsidentin des Damenkomitees Frau Rabbiner Dr. G r u n w a l d vertreten. Vom Vorstand des Ansspeisungsvereincs erschienen die Präsidentin Frau Regine L a n d e i s, die Vorstandsdamen Stern, S i in o n, Dr. F r i e dl ä n d e r, D u s ch i n s k y, Berliner, Dr. M o r g e n st e r n, S ch e r m a n n, M i l l h o f e r und F r i tz i L a n d e i s, sowie der Kassier des Vereines Herr L ö w y und die übrigen Herren des Ausschusses. Auch eine Abordnung von Knaben und Mädchen der Ansspeisung gab dem geliebten Wohltäter d.rs letzte Geleite. Montag den 91. p. M. gedachte Frau Jda Berliner vor den Schützlingen des Vereines des Verstorbenen in einer den kindlichen Gemütern angepaßten Ansprache. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Im Saale des wissenschaftlichen Klubs fand Mittwoch den 26. v. M. der erste diesjährige Vortrag statt. Es war ein glücklicher Gedanke des Vortragenden Herrn Dr. Paul W e i s e n g r ü n, Spinoza zum Gegenstände seiner Ausführungen zn wählen. Wie der Vorsitzende Herr Gemeinderat Oswald H o h e n s i n n e r einleitend in seiner Begrüßung hervorhob, führe von dem unsterblichen Spinoza zum „Verein zur Abwehr" insoferne ein gemeinschaftliches Band hinüber, als beiden die innere Humanisierung der Menschen den Lebenszweck bilde. Gleick d.m Dornenpfad dieses edlen Dulders und Denkers sei auch gegenwärtig der Boden recht steinig — dessen ungeachtet dürfe die Hoffnung nicht aurgcgeben werden, daß eS in absehbarer Zeit gelingen werde, über die Köpfe der Führer der gegenwärtigen antiliberaleu Bewegung bir.weg zu den Massen zu sprechen. Von lebhaftem Beifalle begrüßt, fixierte zunächst Tr. W c \) e ritz r ü n in kurzer Darstellung den gegenwänigeu Stand der Philosophie, welche sich von der früheren wesentlich durch die Erkenntnistheoric nnterscheide. Wiewohl auch Spinoza's philosophisches System ein dogmatisches, fast mathematisches oder geometrisches war, io übt dasselbe dockr noch heute einen großen Einfluß an«, was nicht allein auf seinen Lebenslauf als vielmebr darauf zmiickzufülnen sei, daß er, ungleich Kant, der nur Jntellektnalist geblieben, sich tief in die iiienschiichen Leidenschaften begab Spinoza's Ethik und Altruismus blüben unerreicht; ohne der Askese zu huldigen, wirkte und vervollkomninete er wie kein Anderer, und da er sich von jeder Einseitigkeit fernhielt, muß er auch heute noch als vorbildlich genannt werden. Tie Kenntnis der Persönlichkeit Spinoza's offenbart uns. worin das eigentlich Vorbildliche, ewig Lebende, ewig Wirkende des Philosophen besteht. In der Uebergangsperiode, in der wir uns befinden, macht sich ein Wiederaufleben des Interesses an der Philosophie allgemein bemerkbar. In den weitesten Schichten der Gelehrten und Halbgelehrten beginnt mim sich wiederum für logische erkenntnistheoretische Probleine zu erwärmen. Da wir dergestalt einerseits einer Renaissance der Philosophie entgegengeheu, anderseits uns mehr wie je davor hüten müssen, die großen theoretischen Leistungen der Denker als etwas Ewiges und absolut Vorbildliches anznnehmen, so bedarf gerade unsere Zeit eines Philosophen, der in erster Linie durch das „Menschliche" in ihm und nicht durch die Richtigkeit seiner Hauptgedanken uns beeinflußt. Wiewohl die Antisemiten versucht hätten, Spinoza zu verkleinern, so ändere dies nichts an der Tatsache, daß auch Goethe zu den eifrigen Bewunderern S p i n o z a's zählte und von denl Einflüsse Spinoza's Nutzen zog, sowie auch, daß er genau wußte und es ausdrücklich hervorhebt, daß er ans einer „feinen jüdischen Familie" stamme. Der Vortragende gelangte zu dem Schlüsse, als Antwort auf die den Gegenstand seiner Darlegungen bildenden Frage: .was soll uns.Spinoza sein?": Vielmehr wie alle Denker, ja sogar in höherem Maße als Kant seifürdie Menschheit am Anfänge des XX. Jahrhunderts Spinoza der w a h r e. „L e h r e r im Ideal". Reicher Beifall lohnte die mit außerordentlichem Fleiße znsammengestellten geistvollen Ausführungen des Redners. Nach einigen schwungvollen Dankesworten des Vorsitzenden ging die Gesellschaft, welche dem ganzen Vortrage andächtig gelauscht hatte, hochbefriedigt auseinander. Wien. Der Mädchen- und Frauenverein „Bikur-Chaulim" (Krankenbesuch) gibt bekannt, daß Sonntag den 6. November, halb 4 Uhr Nachmittags, ein Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Grün über „Berufskrankheiten" im Sitzungsfaale der ifrael. Kultusgemeinde, I. Bez., Seitenstettengasse, stattfindet. — Gäste herzlich willkommen! Wien. Der Ausschuß des Verbandes der israel. Religionslehrer an den österr. Mittelschulen hielt am 23. Oktober d. I. unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Rabbiner Doktor Feucht wang seine erste Sitzung im neuen Schuljahre ab. In dieser wurde die Frage der Feststellung eines einheitlichen Lehrplanes beraten und der Modus vereinbart, wie diese Frage einer glücklichen Lösung zugeführt werden könne. Es wurde beschlossen, daß außer den Ausschußmitgliedern eine Anzahl hervorragender Fachulänner aus Wien und aus der Provinz, sowie Vertreter der ansehnlichsten Gemeinden zur Mitwirkung eingeladen werden sollen. Die vorgeschlagenen Fachmänner werden zunächst um ihre Bereitwilligkeit, der Kommission beizutreten, befragt und dann ihre Namen veröffentlicht lverden. Dabei wurde darauf Rücksicht genommen, daß alle Kronländer vertreten seien. Der von Prof. Weiß ausgearbeitete Entwurf einer Petition an die hohe Unterrichtsbehörde in betreff der Rechtsstellung der israel. Religionslehrer befindet sich bereits in Zirkulation bei den dlusschußmitgliedern. Loschitz. Am 20. v. M. haben wir einen der besten Männer unserer hnsigen Gemeinde zn Grabe getragen. Unser Knltusvorsteher Herr Karl Ehrlich ist nach kurzem Leiden verschieden. Der Verblichene, der fünf Jahre unserer Gemeinde in seiner Eigenschaft als erster Vorsteher die größten Opfer erwies, zeichnete sich durch seltene Hingebung an seine Muttergemeinde aus und entfaltete eine außerordentliche, ersprießliche und gemeinnützige Tätigkeit, die ihm die Anhänglichkeit seiner Mitbürger und die Achtung aller Gemeindemitglieder ' eintrng. In Anerkennung seiner hohen Verdienste ließ daher der Vorstand unserer Gemeinde den Verblichenen in dem hiesigen Tempel amvahren, wo sich die Trauerfeier zu einer imposanten Kundgebung gestaltete. Der Tenrpel war dicht gefüllt, cs fanden sich ein: Deputierte n.id Vertreter vieler Gemeinden und Vereine von Nah und Fern, der Ortss-chnlrat uns die gesamte Repräsentanz der Stadtgemcinde. Tie herrlichen Eigenschaften des Entschlafenen wußte unser ehrwürdiger Rabbiner A. I. G ü n z i g in seinem Nachrufe zu einem rührenden und ergreifenden Bilde zn vereinen. Nach ihm sprach Se. Ehrivi'l den Herr Rabbiner A Oppenheim, der als Vertreter der Olmützer Gemeinde crfrfneiieii war, nud schilderte den Eharakter des Verblichenen mit herzlichen Worten. Skole. E'nen schw.ren Verlust erlitt unser Gemeinwesen durch den am 26. v. M. erfolgten Heimgang des überaus verdienstvollen Mitbürgers Herrn M. Liebes m a n n. Durch Intelligenz, sowie .Herzensgute hervorragend, stand derselbe mehr als 20 Jahre an der Spitze der Kultnsge'neinde, gehörte feit dem Bestände der A n t o n o in i e dem G e m e i n d e r a t an, der ihn auch durch mehrere Jahre mit der Würde des Bürgermeisters betraut h a t t e, und bekleioete das Amt eines Bezirksschulrates, sowie andere Ehrenämter. In allen diesen Stellungen war er stets dar, nf bedacht, seinen Glaubensgenossen zn helfen und namentlich für die Hebung der Kultur unter denselben tätig zu sein. Die Kreierung der Baron Hirsch-Schule in Skole ist nicht znm geringen Teile den Bemühungen des Verstorbenen >u verdanken. Vor 2 Jahren, als ihn eine schwere Krankheit überfiel, zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück und nun erlöste ihn der Tod. Budapest. Der Präsident der israel. orthodoxen Landes- Durchführungskommission, Leopold L i p s i c z, ist gestorben. Der Verblichene war ein hervorragender Talmudist und erfreute sich großen Ansehens. Jahrzehnte war er Oberrabbiner in Abauj- Szanto, und als der Präsident der orthodoxen Landes-Durchführungskommission, Reich, starb, wurde Lipsicz an seine Stelle gewählt. In dieser Eigenschaft wirkte er ein Jahrzehnt hindurch in patriotischer Richtung. — Zum Leichenbegängnis des Verblichenen hatte sich eine große Trauergemeinde eingefunden. Im Namen der Familie verabschiedete sich von dem Verblichenen Rabbiner Moses Schiff. Der Rabbiner der Budapester ifrael. orthodoxen Gemeinde Koppel R e i ch hielt die Trauerrede. Es sprachen noch der Berettyo-Ujfaluer Rabbi Abraham Blum und Rabbiner S i l b e r st e i n aus Waitzen. Hierauf wurde der Leichnam nach dem Ostbahnhofe überführt. Die Beisetzung fand in Abauj-Szanto statt. Mitrowitz. Zur feierlichen Grundsteinlegung unseres neuen Tempels waren erschienen: die Spitzen sämtlicher Be- Hörden, Magistrat, Gerichtshof, Bezirksgericht, Post- und Telegraphenamt re. Den feierlichen Akt vollzog der Vinkovcer Rabbiner Salomon N e u in a n n, der an die Versammlung eine gehaltvolle Rede in kroatischer Sprache richtete. Nach der Rede unterschrieben sämtliche Anwesenden die Denkschrift. Den ersten Hammerschlag führte der Präses der Kultusgemeinde Joseph Fleisch m a n n, durch dessen Rührigkeit es zum Bau des Tempels kommen konnte. An Unterstützungen sind folgende Beträge eingelaufen: Von der kön. Landesregierung K 3000, vom Stadtmagistrat K 300, vom kroatischen Minister Erivin Cseh K 100 :c.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.