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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-04 · 45 (4.11.1904) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
45 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 728 Dr. Dlocv's MiocvenscbrM. Nr. 45 vorigen Jahre den Juden Mohilews ein Blutbad wie in Kischenew und Home! in Anssicht, doch wurde er jedesmal von reichen Juden mit der Summe von 50^ Rubel zur Ruhe gebracht. Wie der „Naprzod" berichtet, hat das Komitee der sozialdemokratischen Partei in Lodz einen Aufruf veröffentlicht, in welchem die Arbeiter darauf aufmerksam gemacht werden, das; die Lokalbehörden bestrebt seien, die Arbeiter und Rekruten zu antisemitischen Exzessen zu verleiten. Die Arbeiter mögen sich hüten, diesen nichtswürdigen und verbrecherischen Umtrieben Vorschub zu leisten. Die Polizei, welche gegen die Juden hetzt, möge nicht vergessen, das; statt der Wohnungen und Kaufläden armer Inden die Regiernngskassen erbrochen werden könntet!. Dr. Hermann Baar. Man schreibt uns aus New-Pork: Wir New-Iorker Jehudim haben das verflossene Jahr mit einem herben Verluste abgeschlossen. Wir haben unseren lieben, guten Doktor Baar am 7. September, 3 Tage vor Losch Huschono, zu Grabe getragen. Rabbi Hermann Baar hatte einen Leichenzng, den vielleicht kein Rabbiner je gehabt, mit militärischem Charakter. Eine Musikbande, ein Drum and piper chor, sowie ein kleines, uniformiertes Regiment geleitete den Trauerwagen durch die belebten Straften der Metropole. Und die kleinen Soldaten, die mit militärischer Präzision im Trauerschritt dahin marschierten, waren die Insassen des Hebrew Orphau Asyium von New-Aork, die schweren Herzens ihrem Direktor, ihrem Vater die letzte Ehre erwiesen. Am 9. Oktober, am Ende der gebräuchlichen 30 Traucrtage, veranstalteten die Trustees des Waisenhauies eine Gedächtnisfeier, die nicht nur dem Verstorbenen, sondern auch den Lebenden zur Ehre gereiht. Der Präsident der Hebrew Union College von Cincinnati, der gelehrte Rabbi Dr. K. Köhler, schilderte den Lebenslauf seines intimen Freundes: „Dr. H. Baar wurde in Stadthagen in Hannover geboren. Nach absolvierten Studien Lehrer an der berühmten Jacobsolm'schen Schule in Seesen, wurde er von da nach Liverpool als Prediger berufen, erregte durch feine herrlich n Vorträge ein solches Aussehen, das; an Samstagen sich Richtisraeliten als Zuhörer einfanden, so daß der Raum für die Mitglieder der Kongregation beengt wurde. Ein Halsübel, das ihn seiner Stimme' beraubte, war Ursache, daß er zu uns nach Amerika kam. Nach einem kurzen Aufenthalte in Washington H. C. wurde er nach Neu-Orleans, Lousianah, berufen. Als Louis Schnabel vor --8 Jahren seine Stelle am Orphan Asyium anfgad, übernahm Hermann Baar die Stelle und bekleidete dieselbe volle £7 Jahre in Gemeinschaft seiner edlen Frau, einer geborenen Wolf aus Breslau. Das edle Paar verstand es, bei Tansenden und Tausenden Waisenkindern die Elternstclle voll und treu ausznfüllcn. Dr. Baar war ein Jehudi, ein Mensch, der ein Herz besaß, voll Mitleid, voll Liebe. Aber dazu Halle er einen eisernen Willen nnd gebot über ein universelles Wissen. Er war ein glücklicher Mensch. Was er unternahm, gelang. Er hatte die schöne Gabe, Leute zu veranlaffen, Gutes zu tun. Vor vicleu Jahren besuchte ich den edlen Mann. Er führte mich in der Anstalt herum. Im Empfangssalon hängt ein großes Gemälde von Rosa Bonheur, Kühe in der Schwemme darstellend. Da schrieb er ein Distichon des Inhalts: Was nützen mir die gemalten Kühe, brauche ich doch frische Milch für meine Kinder! Drei Tage steckte der Zettel im Goldrahmen. Ta wurden von einer edlen Frau 2 Jersey-Kühe (bekanntlich die reichlichst milchgebcndc Rasse des Rindes) der Anstalt geschenkt Und glücklich schmunzelte er: Jetzt haben meine Kinder frische Milch. Der Rabbi Baar führte der Disziplin wegen einen militärischen Drill ein. Die Direktoren, die uit höchsten Grade liberal alles hergcben, was zum Wohl und Besten der Waisenkinder nötig ist, bestritten freudig eine kleidsame Montur. Eine Anzahl Kinder, auf Blas- und Streichinstrumenten eingeschult, bildete die Regimcntsbande, sowie auch ein eigenes Drum au<1 piper chor. Und so hatte er statt ungelenke, mitleiderregende Waisenkinder ein strammes, wohldiszipliniert s Regiment stolz ausseheuder Kadetten, die auf ihre Kleidung und Gebühren die größte Sorgfalt anwendcten. Im Jahre 1891 wurde in New-Iork die Eentenarfeier der ersten Inauguration des Präsidenten Washington durch einen großen Umzug gefeiert Die Schuljugend wurde zugezogen. Alle Prinzipale der öffentlichen Schulen strengten sich zum Acußersteu an, den Preis, der in einer prachtvoll gestickten Fahne mit dem Bildnis Washington's bestand, für ihre Anstalt zu gewinnen. Und so marschierten hunderttansende von Schulkindern durch die berühmte Broadway. Aber als unsere uniformierten Waisenknaben mit ihrer Musikbande vorbeidefilierten, da war ein Tücherschwenken, ein Hurrah, so allgewaltig und einstimmig. Und General Batterfield überreichte später d,m in Parade stehenden Kadettenkorps des jüdischen Waisenhauses die ehrlich erworbene Trophäe, wo sie unter einem Glaskasten im Empfangssalon zu sehen ist. Die Zeitungen schrieben damals: Als die Ladieskiller (Damentöter) die Orpbans-Waisen u§ dem Hebrew Orphau Asyium aufmarschiert, n, da Hatte der Jubel keine Grenzen. — Diefer Kiddush Haschern war Dr. Baar's Werk. Jeden Samstag Hielt der Gute eine kleine Predigt seinen Soldaten in der schönen, großen Synagoge der Anstalt. Diese Reden, Meisterwerke ihrer Art, erschienen im American Hebrew jeden Freitag im Druck. Dieselben wurden begierig sowohl von den Israeliten wie von der Geistlichkeit der Nichtisraeliten gelesen. Als dieselben gesammelt publiziert wurden, da gebrauchte man in den Sonntagsschulen der christlichen Kirchen des jüdischen Rabbiners Baar Lektures als Lehrnnd Lernbuch. Auch das ist ein bleibender Kiddush Unser Waisenhaus in New-Aork ist eine Musteranstalt. Die Institute, gleichem Zwecke dienend, aber anderen Konfessionen angehörend, lernen und lernten von dem gelehrten, praktisch denkenden Dr. Baar zum Vorteil ihrer Pflegebefohlenen und so wirkte er unabsichtlich als Genie Gutes für weitere Kreise. Eine meisterhafte Ansprache sprudelte wie ein lebendiger Quell aus dem Munde des großen Advokaten Eduard Lauterbach. Nur einen Satz will ich guotiereu: „Vor 2 .0 Jahren wurden die Juden in New-Iork zugelassen untr der Bedingung, daß sie für ihre Notleidenden sorgen sollen. Und 2->0 Jahre haben die Juden ihr Versprechen gehalten" und dann zählte er die lauge Reihe der wohltätigen Anstalten auf, endigte mit dem Waisenhaus, und das; es das ist, was es ist, war zum großen Teil das Werk Dr. Baar's. Er erwähnte auch, daß auf Veranlassung Dr. Baar's der Verstorbene Herr Lehmann einhuuderttausend Dollars dem Asyium vermachte, daß die Graduierten aus dem Asyium weiter studieren können. Zu Tränen rührte Reverend Samuel Langer das Auditorium, als er, der Zögling und Graduierter der Anstalt war, vom inneren Leben der Anstalt unter Dr. Baar sprach. Und als nach dem Minchagebet eine Kompagnie Waisenknaben vor der Bima marschierte und Kadisch für unseren Dr. Baar sagte, blieb kein Auge trocken. Es sei erhöhet und geheiligt der Name unseres Gottes, der in unser Herz die Wohltätigkeit gepflanzt, daß der Glückliche und Gelehrte dem Unglücklichen und Niedergetretenen aushelfet. Das Andenken des Frommen ist ein Segen. M, T. Vermischtes. Wie». Sonntag den 6. November l. I., um 3 Uhr nachmittags, findet im israelitischen Tempel, Wien, X., Humboldtgasse, die Trauung des Fräulein Luise SuschitzkY, Tochter des Herrn Jakob S u s ch i tz k y, mit Herrn Eduard Weiß statt. Wien. (S p e n d e.) Dein Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen widmete ein Anonymus aus Paris durch Herrn Dr. Albert Engel den Betrag von 3000 K für Zwecke des geplanten Knaben- und Waisenhauses. Wien. (Jüdischer Männer - G e s angv ere i n „S ch i r Z i o n".) Die statutenmäßige ordentliche Generalversammlung des Jüdischen Männer-Gesangvereines „Schir Zion" findet Montag den 7. d. M., 8 Uhr Abends, im Uebungslokale, IX., Türkenstraße 9, mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Bericht des abtretenden Ausschusses. 2. Neuwahlen. 3. Eventualia. Ab Mittwoch den 9. d. M. allwöchentlich Mittwoch 8 Uhr abends Uebungsabend. Aufnahme neu eintretender Sänger jedesmal eine halbe Stunde vor Beginn der Proben. Wien. (Erster Wiener jüdischer Turnv e r e i n.) Die diesjährige ordentliche Hauptversammlung findet Montag den 7. November, 7 Uhr Abends, im Turnlokale, -I., Mölkerbastei 5 mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Allgemeiner Bericht des Obmannes. 2. Bericht des 1. Turnwarts. 3. Bericht des Kassiers. 4. Bericht der Revisoren 5. Bericht des Zeugwarts. 6. Bericht über den Turnhallenbaufond. 7. Erteilung des Absolutorinms. 8. Neuwahlen. 9. Anträge. Wien. Donnerstag den 10. November d. I., l/-,8 Uhr abends, findet in M. Edclhoser's Volks-Orpheum, 1L, Rotesterngasse Nr. 7, eine vom Hilfskomitee zur Unterstützung russisch-jüdischer Emigranten veranstaltete Wohltätigkeitsvorstellung statt, deren Besuch wir wärmstens empfehlen. Karten sind zu haben bei Herrn Dr. Carl Lisczis, Hof- und Gerichts- Advokat, I., Gonzagagasse 14 (Telephon 16.341), wo auch Spenden entgegengenommen werden. Wien. Unter großer Beteiligung wurde am 30. v. M. Herr Michael Steiner zu Grabe getragen. Mehr als 50 Jahre lebte der Verstorbene, welcher ein Alter von 78 Jahren erreichte, allgemein geachtet und geschätzt, in Fünfhaus. Seit der Gründung des Ausspeisungsvcreincs für arme israelitische Schulkinder widmete der Dahingegangene alle seine Kräfte diesem Wohltätigkeitswerke, und betrauert der genannte Verein in dem Verstorbenen sein erstes Ehrenmitglied. Die imposante Trauerfeier wurde durch den von Herrn Obcrkantor S. Jnrberger zum Vortrag gebrachten Trauerchoral eingeleitet, worauf Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max

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