Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 726 Dr. Mocb's MlocbenscbrM. Nr. 45 Sagher und gemischter Chor (Jüd. Turnverein, Odersurt). Anzünden des ewigen Lichtes. Hallelujah, Oberkantor Sagher und gemischter Chor (Jüd. Turnverein, Odcrfurt). Predigt. Sen Scheorim, Oberkantor Sagher und gemischter Chor (Jüd. Turnverein Oderfurt). Kaisergebet. Bolkshymne. Frank.urt a. M. (Ein Komitee zur Erhaltung und W i e d e r h e r st e l l u n g der Grabdenkmäler aus dem alten israelitischen Friedhof am B ö r n c p l a tz.) Der alte, seit dem 13. Jahrhundert benutzte und im Jahre 1828 geschlossene Friedhof der israelitischen Gemeinde (am Börncplatz), mit seinen nahezu 6000 zum Teil gut erhaltenen Grabsteinen, gehört zu den historisch und künstlerisch wichtigsten Denkmälern unserer Vaterstadt und zu den bedeutsamsten der jüdischen Gemeinden der Welt. Der initunterzeichnete Herr Rabbiner Dr. Horovitz, unser Ehrenvorsitzender, ließ vor 20 Jahren die Grabsteine mit einer Numerierung versehen und durch berufene Männer Abschriften der in hebräischer Sprache abgefaßten Inschriften anfertigcn. Diese Abschriften sind in dem von Herrn Rabbiner Dr. Horovitz herausgegebenen Buche „Inschriften des alten Friedhofes" veröffentlicht und bilden anerkanntermaßen wertvolle Dokumente unserer Frankfurter Geschichte. Nachdem durch die von Seiten der Stadt definitiv hergestellten Straßenanlagen das Fortbestehen des alten Friedhofes gesichert ist, hat der Vorstand der israel. Gemeinde die den Friedhof umgebende Mauer, sowie die Wege ausbessern und den zu dichten, den Zutritt an manchen Stellen erschwerenden Pflanzenwuchs teilweise lichten lassen. Die Unterzeichneten sind zufammengetreten, um diese Stätte mit ihren zahlreichen und bedeutsamen Erinnerungen für die Zukunft zu erhalten. Scho» sind von Nachkommen der auf dem Friedhöfe Ruhenden, Grabsteine renoviert worden, so daß der altehrwürdige Friedhof unserer Gemeinde bereits den zahlreichen Besuchern von der Pietät des lebenden Geschlechts Zeugnis ablegt. Um indessen dieses Werk fortzusübrcn. sind weitere Maßnahmen erforderlich, deren Ausführung die Unterzeichneten erstreben. Es ist in Aussicht genommen: 1. Denjenigen, welche die Grabstätten ihrer Ahnen erneuern lassen wollen, bei der Ausführung behilflich zu sein. Das Komitee, in dessen Mitte sich Sachverständige befinden, wird bestrebt sein, jeden einzelnen Fall nach jeder Richtung hin im Sinne der Anforderungen der Denkmalpflege zu prüfen 2. Grabsteine bedeutender Männer, deren Nachkommen nicht mehr festzußcllcn sind, sowie Grabsteine, welche einen kultur- und kunsthiüoiischcn Wert besitzen, zu renoviere» und vor weiterem Verfall zu bi wahren. 3. Auf Wunsch Abschriften in hebräischer Sprache und in deutscher Uebersetznng anfertigcn zu lasien. 4. Inschriften von Grabsteinen, die noch nicht veröffentlicht sind, abschreiben und sämtliche Steine mit neuen Nummer» versehen zu lassen. Zur Ausführung unseres Vorhabens bedarf es größerer Geldmittel, zu deren Beschaffung wir nicht allein alle Dielenigen aufrufen, deren Ahnen auf dem Friedhofe ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, sondern wir wenden uns auch an alle Kreise, welche der Erhaltung unserer vaterstädtische.i Kunst- und Kulturdenkmäler Interesse eutgcgenbriugen Wir hoffen zuversichtlich, daß Sic unser Unternehmen mit Freude begrüßen und durch einen einmaligen größeren Beitrag unterstützen werden. Hochachtungsvoll Das Komitee -ur Erhaltung und Wiederherstellung der Grabdenkmäler auf dem alten israelitischen Friedhof am Börneplatz. Rabbiner Dr. Horovitz, Ehrenvorsitzender, Raphael Al. Kirchhcim, Vorsitzender, Komn'erzienrat I. L. Beer, Martin Deutz, Louis Feist, I Eduard Goldschmid, Manfred S. Goldschmidt, Kassier, Architekt Dr. Jul. Hülsen, Direktor Hermann Maier, Moritz N. Oppenheim, Wilhelm S. Posen, Schriftführer, Ferdinand E. Schwarzschild, Siegmund Schwarzschild, Jakob H Weiller. Folgende Herren schließen sich diesem Aufrufe an: Louis Adler, Alfred Cahn, Max Dann, Joseph Dreher, Heinrich Emden, Eduard Feist, Martin Flersheim, Gustav Flörsheim, Justizrat Dr B. Geiger, Alfred S. Geiger, Max M. Kulp, Isaak M. Mainz, Maxim. Oppenheimer, Jak. L. Posen. Michael Rapp, Ludwig H. Reiß, Jakob Schwarzschild, Max Sänvarzschild, Michael Schniarzichild, Ludwig Schames, Wilhelm Schamcs, Robert Sieger, Sally A. Trier, M. A. Wolff, D. A. Worms. Frankfurt a. Wi. (Ein N e f o r m v e r s u ch.) An den vergangenen hohen Festtagen hat die hiesige Hauptgemeinde einen interessanten und vollgelungenen gottesdienstlichen Versuch unternommen, der allerwärts, vornehmlich in den großen Städten, Nachahmung verdient. Dein dringenden Wunsche einer größeren Anzahl freigesinnter Gemeindemitglieder entsprechend, hat sie für Neujahr und Versöhnuugstag in einem Saale des westlichen Teils der Stadt einen besonderen Gottesdienst errichtet, der nach einem eigens hierfür namens der Gemeinde durch Herrn Rabbiner Dr. Scligmann bearbeiteten Gebetbuch abgehalten lvurde. Die in diesem Gebetbuch niedergelegte Ordnung der Gottesdienste hält im Gegensatz zur Berliner Reformgcmeinde an der durch Tradition und Geschichte überlieferten Einteilung der alten jüdischen Gebetordnung fest, sieht den Vortrag der für das Wesen des jüdischen Gebets wesentlichen Stücke auch weiterhin in hebräischer Sprache vor, begleitet diese Stücke aber mit einer entsprechenden Uebersetznng. Die Psalmen, der größte Teil der Gesänge, sowie eine große Anzahl der Hauptgebete sind in deutscher, weihevoller und eindrucksvoller Sprache gehalten. Der Gottesdienst ist durch Weglassung von Wiederholungen ivesentlich und noch weit über das der bisherigen Orgelgottesdieuste hinaus gekürzt; andererseits aber sind erhebende Gesänge, sowie ethisch und poetisch wertvolle Einschaltungen, insbesondere anregende Ansprachen des Rabbiners eingefügt. Der Gottesdienst tvar überraschend zahlreich besucht, besonders von solchen Gemeindemitgliedern, die seit Jahren jedem Gottesdienst fern geblieben waren, und von Kindern, die diesen Gebeten mit Andacht folgen konnten, er fand allgemeine Zustimmung und erntete großen Beifall. Ge«eral Ottolenghr gestorben. Turin. Der gewesene Kriegsminister, GeneralOttolenghi, Kommandant des ersten Korps, ist gestorben. General Giuseppe Ottolenghi stammte, aus einer alten, angesehenen jüdischen Familie Italiens und war einer der hervorragendsten Generale und Strategen seines Landes. Am 11. April 1859 trat er, 20 Jahre alt, als Freiwilliger in die Militärakademie zu Turin ein, drei Monate später, nach mit Auszeichnung abgelegtem Offizicrsexamen, empfing er die Epauletten als Leutnant, nach weiteren 15 Monaten wurde er Oberleutnant, machte die Feldzüge in beit Jahren 1859 und 1861/62 mit, während dieser Kiegsepochen avanzierte er von Stufe zu Stufe und im Jahre 1865 ward er bereits zum Oberst befördert. Im Jahre 1866 gehörte Oberst Ottolenghi dem Liaison milltairo des Königs Viktor Emanuel an, der ihm beiCustozza eigenhändig den savoy'schen Hausorden für militärische Verdienste überreichte. Im Jahre 1878 war er Mitglied der internationalen Kommission zur Festsetzung der neuen türkischmontenegrinischen Grenze auf Grund des Berliner Vertrages. Im Jahre 1888 wurde Ottolenghi vom König Humbert in den Grafenstand erhoben und zum Generalleutnant ernannt. In dieser Eigenschaft lvurde er in Neapel Brigadier und als solcher Vorgesetzter des damaligen Kronprinzen, jetzigen König Viktor Emanuel III. Im Jahre 1895 wurde er zum Festungskommandanten in Turin ernannt und erhielt gleichzeitig das Kommando der Turiner Division. Im Jahre 1899 wurde er zum Kommandanten des 12. Armeekorps in Palermo ernannt und von da zum Kommando des 4. Armeekorps in Genua transferiert. Viele Orden und Ehrenzeichen schmücken seine Brust, aber mehr noch als diese zeugen ton seiner Tapferkeit und Kaltblütigkeit in Schlachten und Treffen die Wunden, welche er erhalten. Der ganze Leib des tapferen Juden ist bedeckt von Narben; insgesamt erhielt er von dem Feinde acht durchwegs schwere Nertvundungcn. Bei der Belagerung von Gaeta schickte dem Kriegssreilvilligen bei der Artillerie unter Cialdini ein bourbonischer Schweizerschütze eine Kugel in die rechte Hüfte, nachdem er vor Capua am linken Schenkel eine tiefe Wunde erlitten hatte. Im Kampfe gegen die Briganten in den Abruzzen wurde ihm der rechte Arm durchbohrt und durch zwei Schüsse mit gehackten Blei der ganze Brustmuskel der rechten Seite bis zur Achselhöhle zerrissen. 1864 erlitt er im Kampfe gegen eine Räuberbande in der Basilikata eine lebensgefährliche Verwundung am Unterleib und erhielt für einen äußerst kühnen, mit kaltem Blute durchgeführten Angriff am Monte Croee das Militärkreuz von Savoyen; auch dabei wurde der damalige Führer der Guiden und Feldgendarmen des Generalstabes schwerverletzt. Auch als Militärschriftsteller hat er sich vielfach bewährt. Der Politik hat sich Ottolenghi bis jetzt ferngehalten. König Viktor Emanuel III. hat Ottolenghi übrigens drei Monate vor seiner Ernennung zum Kriegsminister zum „Heerführer" im Kriegsfälle vormerken lassen; es '.st dies der höchste Grad in der italienischen Armee, welchen außer Ottolenghi nur noch die Generale Mirri, Baldissera und Luigi Pelloux erreicht haben. Der Verblichene war ein treuer Sohn des Judentums, der nicht bloß im Herzen seiner Religion anhing, sondern auch