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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-04 · 45 (4.11.1904) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
45 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Blocb’s MllocbenscdrM. «Seite 719 wenigstens nicht zur Blutsteuer zugelassen wurden, verlangt man von den Juden Gut und Blut, jegliche Pflicht wird ihnen aufgebürdet, nur kein Recht soll ihnen zugebilligt werden. Nur ein Redner fand sich, der seiner sittlichen Entrüstung Ausdruck gab: „Auf die Gefahr hin, als Judenknecht verschrieen zu werden, sage ich: ich finde es als einen öffentlichen Skandal, daß es in Wien jüdische Unterlehrer gibt, die überhaupt, auch mit zwanzig und mehr Dienstjahren, im Gehalt nicht aufsteigen können. Das ist eine Brutalität, wie es keine ärgere mehr gibt. Es ist unmenschlich, niedrig, geradezu tierisch, einen Menschen deshalb zu verfolgen, weil er das Unglück hat, irgend einem bestimmten Religionsbekenntnis anzugehören. — Was haben sie denn davon, wenn so ein armseliger jüdischer Unterlehrer unter der Peitsche seiner materiellen Not katholisch wird". Der Mann aber, der so sprach, das ist das — „blöde Mistvieh". Whig. Indische Well-Kanstente im Mittelalter. Mainz, 24. August. Als Eigentümer des ausgedehnten Gelände am Nordende der Mainzer Altstadt und der Kurie „zum Eigel" mit ihren monumentalen Bauresten wurde wiederholt ein großes jüdisches G. schlecht angesprochen, das über Jahrhunderte dort wohnte, bis es im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts der zunehmenden Unsicherheit und der Verfolgung weichen mußte. Es lag nach dieser Annahme nahe, in diesen potenten Besitzern jüdische Groß- und Welt-Kaufleute zu sehen, wie sie u. a. für Köln im frühen Mittelalter nachgewiesen sind. Es waren jene unternehmenden Leute, die bereits in fränkischer, dann aber in ausgedehntem Maß von der karolingischen Zeit an den Warenverkehr zur See mit dem Orient vermittelten. Fast ausschließlich lag in ihren Händen die Beifnhr von Gewürzen, Arzneimitieln, Farbstoffen, kostbaren Geweben, namentlich von Seidenstoffen, Waffen, ausländischen Tieren und Seltenheiten aller Art. Jüdische Kaufleute bereisten um die Mitte des 9. Jahrhunderts auf vier, in einem zeitgenössischen Bericht näher beschriebenen Routen die ganze Strecke vom Lande der Franken bis nach Indien und China. Mit Erstaunen vernimmt man ans beu Aufzeichnungen eines wegekundigen arabischen Postmeisters von diesen Verkehrsverbindungen, wo die abendländischen Quellen nur seltene und gelegentliche Beziehungen zwischen Europa und den östlichen Kulturländern annehmen ließen. Daß auch mit Mainz solche Beziehungen gepflegt wurden, ist gerade in den neuesten Zeiten durch Funde belegt, die sich auf dem Gebiet der ältesten Judenansiedlungen in der Stadt zwischen der heutigen Betzelsgasse bis nördlich zur Eigel-Kurie ergeben haben. Dahin zählen die ungewöhnlich reichen Schmuckfunde frühmittelalterlicher Art, die unzweifelhaft im Besitz von Händlern waren, die mit dem griechischen Osten, mit Unter* italien und Venedig im Austausch standen. Es sind die großen emaillierten Adlerfibeln und vor allem der unglaublich reiche Schmuckfund, der jetzt im Besitz des Baron Max v. Heyl in Darmstadt das köstlichste an byzantinischem Geschmeide in einer solchen Fülle und Mannigfaltigkeit enthält, daß man nur an die Vorräte eines Großkaufmanns denken kann. In neuerer Zeit ist innerhalb des. bezeichneten Geländes abermals ein kostbarer byzantinischer Anhänger mit Goldfiligran und Steinschmuck verziert gefunden worden, daneben das Bruchstück einer byzantinischen Bronze-Einlage kirchlichen Ursprungs. Das Bild wird aber vervollständigt durch den in beträchtlicher Tiefe gefundenen Schädel eines Zieraffen. Ist es nun nicht ein seltsames Spiel des Zufalls, daß die Stätte dieses Fundes alter Judenbesitz war und die beiden dort stehenden Häuser im Mittelalter den Namen „zum großen" und „zum kleinen Affen" trugen? Sehr wohl könnte einst dort einer jener Orientfahrer gesessen haben, der, ein „Hagenbeck" seiner Zeit, seltene Tiere und namentlich die so begehrten Affen nach dem Abendland brachte. War es doch auch ein jüdischer Kaufmann Isaak, der den berühmten Elefanten Abulabaß für Karl den Großen zu Schiff bis an die ligurische Küste und von da, mit Ueberwinterung in Vercelli, an den kaiserlichen Hof nach Aachen brachte. Was nun für Mainz im allgemeinen damit bewiesen wird, erhält für die Stätte der jüdischen Groß-Kuric „zum Eigel" aus einem neuesten Fund ihre überraschende Bestätigung. Auch hier saßen Weltkaufleute. Es wurde nämlich im Juni dieses Jahres bei den Erdarbeiten auf diesem Gelände eine ganze Sammlung von sogenannten Bleiboletten oder Warenplomben gesunden, die dem heute noch üblichen Brauch entsprechend im frühen Mittelalter im Orient, wie auch an griechischen und italienischen Handelsplätzen zur Sicherung von Ballen, Packen u. s. w. wertvollen Inhalts an deren Verschnürung angelegt wurden. Die Stücke sind teils rund, teils viereckig und von ganz verschiedener Bezeichnung: sie bewegen sich in der Größe von 1 Zentimeter Durchmesser bis zu 3 Zentimetern. Alle tragen irgend ein bildliches Kennzeichen. An einem Stück ist ein Verschluß zum Ueberbiegen rückwärts angebracht: ein anderes hat an einem rückseitigen Buckel eine Oese zum Durchziehen eines Fadens und so fort. Die Mehrzahl der Stücke trägt antike Darstellungen, Viktoria, Neptun, Fortuna, Delphin: andere das Bild von Ruderbooten. Dieser Umstand darf nicht wundernehmen, nachdem im früheren Mittelalter in Byzanz, wie in Italien selbst von Fürsten und Kaisern artike Gemmen zum Siegeln benutzt wurden. Als spezifisch jüdisch läßt sich eine der Boletten mit dem Reliesbild eines Kelches deuten. Ein anderes trägt eine Sigle, ein diplomatisches Zeichen, das den Namen des Absenders ausdrückt in einer Ausbildung, wie sie der spätkarolingischen bis in die ottonische Zeit eignet. Ein weiteres Stück ist mit einem roh gezeichneten Kopf und der Umschrift MEA EST versehen, also das Bild des Besitzers mit der Beifügung: „Das ist mein". Dieses Stück ist von besonderer Wichtigkeit, sofern es nach der Buchstabenform als das jüngste der ganzen Folge gekennzeichnet ist und nicht wohl über das 12. Jahrhundert zurückgeht. An Inschriften ließen sich drei erkennen, wovon die eine CARVNDICO und aus der Rückseite.... VENAVS lautet, also sichtlich Eigennamen, die den Absender oder den Besitzer anzeigen. Die kleinen, unscheinbaren Stücke, die sicher einst kostbare Sendungen zu sichern hatten, sind offenbar früher schon gesammelt worden, wie man auch heute Plomben, Bleikapseln und ähnliches zur Verwertung sammelt, und so kamen sie jetzt an einer nicht genau nachzuweisenden Stelle auf dem Gelände zu Tag. Infolge ihres an sich geringen Wertes haben derartige Stücke bis jetzt kaum oder nur sehr ungenügende Beachtung gefunden, wiewohl sie orts- und kulturgeschichtlich von hohem Interesse find. In einzelnen Sammlungen trifft man solche Bleimarken nur als Kuriosa; eine zusammenfassende Behandlung haben sie jedoch nicht gefunden. Das fachmännische Urteil spricht dem Mainzer Fund auf dem Gebiet des Hauses „zum Eigel" große kulturhistorische Bedeutung zu. Wenn die Seltenheit und anscheinende Geringfügigkeit der Stücke deren Erwerbung für die in Frage kommenden Sammlungen seinerzeit hat übersehen lassen, so find sie glücklicherweise nicht zerstreut worden oder ganz verschwunden. Sie sind vereint »rhalten und redende Zeugnisse für die kos.nopolitischen Beziehungen der jüdischen Großkausteute in Mainz, die daselbst den Welthandelsverkehr und umfangreichen Besitz vertraten. _ E—r. Schiller und das jüdische UaUr. ii. Cicero, den man als einen Schüler des Apollvuius Molon und Geistesverwandten Apions „der Lärmtrommel seines Ruhmes" („tympanum tamae publicae;‘ bei Pliuius „Vorrede zur Naturgeschichte") füglich als einen Antisemiten des Altertums bezeichnen kann, sagt in einer Rede, daß die Juden ein Volk seien, gegen die sich der Zorn der Götter gerichtet habe, und Dichter und Geschichtsschreiber des Altertums haben es nachgc sprachen. Daß aber Diodor, Lysimachus, Strabo und Tacitus von den Juden sonst nichts zu sagen gehabt hätten, als was schon Manetho von ihnen erzählte

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