Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 44 (28.10.1904)
- Date
- 1904-10-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 712 Dr. Llocb's MocdenscvrtN. Nr. 44 direktion der Schiffahrtsgesellschaften zu verdanken ist, ist durch die Tagespreffe bereits bekannt geworden. Wir möchten nur noch hinzufügen, daß der „Hilfsverein der Deutschen Juden" mit der von ihm vorgeschlagenen Organisation der jüdischen Auswanderung aus Osteuropa bereits begonnen hat. Es haben sich zunächst in Ostpreußen an den wichtigsten Grenzübergängen wie Eydtkuhnen, Insterburg, Tilsit, Prostken, Memel Lokalkomitees im Anschülß an den „Hilfsverein der Deutschen Juden" konstituiert, welche ihrerseits mit der Zentrale in Königsberg, dem Schutzkomitee für durchreisende Juden, verbunden sind. Diese Lokalkomitees, welche vom „Hilfsverein der Deutschen Juden" subventioniert werden, haben ihre Tätigkeit mit Eifer und Geschick begonnen und in zahlreichen Fällen den bedrängten Glaubensgenoffen Rechtsschutz und Unterstützung gewährt. Um die Auswanderer vor gewissenlosen Unteragenten und Herbergsbefitzern zu schützen, hat es sich als notwendig herausgestellt, in Tilsit eine eigene Herberge zu errichten. Es ist ferner in Aussicht genommen, durch Flugblätter und Plakate in hebräischer und der Jargonsprache unsere auswandernden Glaubensbrüder noch vor dem Betreten des deutschen Bodens aufzuklären und auf die zu ihrem Schutze bestehenden Komitees hinzuweisen. Mit weiteren Reformen und Erleichterungen jeder Art soll allmählich vorgegangen werden. Es wäre in hohem Grade wünschenswert, daß man die Auswanderer auf diese neuen Institutionen aufmerksam mache, damit sie von ihnen recht häufig Gebrauch machen. Wenn diese Organisation in Ostpreußen vollständig durchgeführt sein wird, beabsichtigt der „Hilfsverein der Deutschen Juden" dieselbe auch auf Westpreußen und Schlesien auszudehnen. Ganz unabhängig davon werden natürlich die Bemühungen des Hilfsvereines eifrig fortgesetzt, eine internationale Konferenz aller großen jüdischen Organisationen zur Regelung der Auswandererfrage einzuberufen, und es ist im Interesse unserer unglücklichen Stammesgenossen auf das Innigste zu wünschen, daß diese Konferenz sobald als möglich zu Stande kommen möge. Zum Schluffe seien nur noch die Namen der Vorsitzenden der Grenzkomitees in Ostpreußen genannt. In Königsberg in Preußen Herr Bankürektor George Nkarx, in Eydtkuhnen Herr Isidor Berlowitz, in Insterburg Herr Rabbiner Dr. Beermann, in Tilsit Herr Justizrat Cohn, in Prostken Herr Jakob Schidorsky, in Memel Herr Rechtsanwalt Jakobsohn. Lazar Brodsky. . Leber den Heimgang dieses Philanthropen wird gemeldet: Der Feuilletonist des „Odessky Listok" sagt anläßlich dieses Todesfalles folgendes: „Von dem Almosen an einen Bettler bis zur Förderung derjenigen, die Arbeit und Bildung suchten, fand das warme Herz des wahren Mäcens überall ein großes Feld der Tätigkeit, und Hunderte von ihm im Leben beglückte Menschen werden jetzt beim Tode seiner in Dankbarkeit gedenken, sowohl in Kiew als in Odessa, wie im Auslande, überall — wo er in großem Maßstabe einen Boden für seine guten Taten fand ... So war das Leben eines reichen Mannes, welches er nicht fruchtlos verlebte und das lange eine helle, lichte Spur jetzt nach sich zurück ließ, als dasselbe so unerwartet durchrissen wurde." Der Verewigte läßt eine Witwe, Frau Sarah, geborene Lurje (aus der bekannten alten Familie in Litauen) und drei Töchter, von denen die älteste an Oberst Dreyfus in Basel und die zweite an Baron Wladimir von Günzburg, den Sohn des weltbekannten Philanthropen Baron Horaz von Günzburg in St. Petersburg, verheiratet ist, zurück. Aus dem Testament des Verblichenen, deffen Nachlaß 30 Millionen Rubeln betragen soll, werden nachstehende Einzelheiten. bekannt: Aus den Zinsen (22.500 Rubel) eines Legats von 500.000 Rubeln erhalten jährlich das bakteriologische Institut 6000, das hiesige jüdische Krankenhaus 4000, die jüdische Schule 5000 Rubeln, von dem Rest sollen 10.000 Rubeln zu Stipendien von je 240 Rubeln an jüdische Schüler des Gymnasiums in Slatopol, 4000 Rubeln zur Verteilung an jüdische Institute verwendet, mit 1000 Rubeln am Jahrzeitstage jüdische Arme unterstützt werden. Ferner erhielten die hiesige von dem Verblichenen erbaute Synagoge 40.000 Rubeln, das hiesige Krankenhaus ein Haus, das jährlich 5000 Rubeln erbringt, das von seinem Vater begründete Hospital in Slatopol 30.000 Rubeln. Sein im Gouvernement Jekaterinoslaw belegenes, 2500 Hektar umfassendes Gut „Woltschaja Jaworko" soll unter dem Namen „Lazarewka" in eine jüdische Kolonie umgewandelt, welche mit 56 Familien besetzt werden soll, die mit dem erforderlichen Land je 1000 Rubeln als Jnstallationskosten erhalten. Endlich hat der Entschlafene 50.000 Rubeln zur Errichtung einer Kredit- und Darlehenskasse für die hiesigen jüdischen Handwerker testiert." London. Chaim Guedalla der Neffe Moses Montefiore's ist am 2. d. M. im Alter von 89 Jahren aus dem Leben geschieden. Die Familie Guedalla ist im Jahre 1760 aus Mogador in Marokko nach England ausgewandert. Schon der Vater des Verstorbenen hat sich lebhaft für Palästina interessiert und errichtete in Jerusalem eine Beth Guedalla genannte Jeschibah. Sein Sohn Chaim, der ein bedeutender Linguist und großer Gelehrter war, erbte von ihm seine Vorliebe für das heilige Land, das er gemeinsam mit seinem großen Onkel 1855 zum erstenmal besuchte. Seitdem opferte er für Palästina soviel Geld, Zeit und Mühe, daß das Jerusalemer Rabbinat 1885 einstimmig beschloffen hat, den Titel eines Nässt der Diaspora, den Moses Montefiore geführt hatte, auf ihn zu übertragen Außer für die Juden Palästinas hat Chaim Guedalla sich auch für seine übrigen Brüder der gesamten Diaspora lebhaft interessiert. 1863 begleitete er Sir Moses Montefiore auf dessen Reise nach Marokko und knüpfte auf der Rückreise in Madrid Verhandlungen mit dem damals allmächtigen General Prim an, welche 1869 dazu geführt haben, daß Spanien viele Jahre nach der großen Judenvertreibung wieder den Juden geöffnet wurde. Noch war ihnen durch § 11 der Verfügung die freie Religionsübung nicht gestattet Md so ruhte Guedalla nicht eher, bis Herr Sagasta in einem vom 26. August 1881 datierten Schreiben den Artikel 11 der Verfassung dahin kommentiert hat, daß es den Juden in Spanien nicht genommen ist, eigene Bethäuser sowie Begräbnisplätze zu besitzen. Zwei Jahre später setzte Sennor Sagasta auf Betreiben Guedallas beim König Alfons XU. ein Dekret durch, welches die Juden in Spanien feierlich als naturalisationsfähig erklärte. Sehr interessant sind die Verhandlungen, welche der Verstorbene mit dem bekannten Reformtürken Midhat Pascha geführt hat und die keinen geringeren Zweck hatten, als Palästina für die Juden anzukanfen. Mr. Guedalla war nämlich Präsident der türkischen Dette- Publique und da schlug er Midbat Pascha, der 1876 Großvezier war, vor, an Stelle der fälligen Zinsen den Inhabern. der türkischen Bons ' Palästina abzotreten. Da die^öffentliche türkische Schuld damals-nicht weniger als fünf Milliarden betrug, so wäre ein Eingehen auf den Vorschlag einer Abtretung Palästinas an die Gläubiger der Türkei gleich gekommen. Midhat Pascha, dem eine Reform der türkischen Finanzen erwünscht gewesen wäre, begann über die Angelegenheit mit Guedalla ernstliche Verhandlungen, diese^zogen sich aber in die Länge, bis der kurz darauf ausgebrochene Krieg mit Rußland allen Reformplänen in der Türkei ein jähes Ende bereitete. VermLscbles. Kranzablösungsspenden zu gunsten der Chewra-Kadischa, Wien, I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glanbeusgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Oskar Kuffler: Von H. Neumann X 5.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Wilhelm Deutsch : Vom Personal der Firma Wm. Deutsch L 20.-, Firma Brückner & Sohn K 20.—, Anna Hein K 6.—, Albert Josef Weiß und FraU K 20. , Dr. Hermann Fialla K 20.—, Albert Schmeichler X 20.—, Adolf Schramek K 20.—, Ignatz Frankl K 20.—, Wilhelm X 20—, Philipp Frankl K 20.—, Eduard Paschka X10.-. Zusammen X196.-. Anläßlich des Ablebens der sel. Karoline Deutsch: Von Simon Wachtl K 20—, Ludwig Weishut und Frau X 20—, Arnold Weishut und Frau X 20.—, Alois Weishut und Frau X 20.—, Dr. Jakob Deutsch & Frau K 20.—. Zusammen X 100.—. Anläßlich des Ablebens der sel..Elise Blum: KarlBoscowitz X 10.—, Adolf Stern X 5. , Ignaz Krauß X 4.—, Dr. M. H. K 10 —. Zusammen X 29.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Fanny L o w Y: Von Albert Löwy X 20.—« Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Samuel Alt: Von Dr. Michael Alt X 10.—, - Emanuel Hoffmann X 4.—, Katharma Falle! X 1.—, Berta Schwarz X 1.—, Louise Steckler X 2.—, Rudolf Schwarz X 2 —, Leopold Schimalik X 2.—, Lomse Lang . k 2.—, Jakob Löbl X 4.—, Emma Kemeny X 2.—. Zusammmen X 30.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Auguste Schall: Von Moritz Altmann X 1.—. Anläßlich des Ablebens deslsel. Herrn Sigmund Singer: Von Dr. Samuel Roth, k. u. k. Regimentarzt X 6.-, Max Zerner X 5.—, I. N. Gerany X 10.—. Zusammen X 21.—.