Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 44 (28.10.1904)
- Date
- 1904-10-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 710 Dr. DIocb's MlocbenscbrM. 'Ar. 44 des Druckesherbeiführen, der die Schaffung gesicherter jüdischer Existenzen verhinderte (Langanhaltender Beifall.) Der Vorsitzende Herr Präsident Sigmund Mayer dankt für das ausgezeichnete Referat und erteilt Herrn R e i ch sratsabgeordneten Dr. Ofner das Wort, welcher, lebhaft begrüßt, die im niederösterreichischen Landtage eingebrachten Schulvorlagen bespricht. Hand in Hand mit diesen Vorlagen, welche den Versuch der Klerikalen bedeuten, die Macht über die Schule und damit über das Volk an sich zu reißen, gehen. die Vorlagen bezüglich der Gehaltsregulierung der Lehrer Niederösterreichs. Wenn der Landesausschuß das bisher von den einzelnen Gemeinden geübte Recht der Ernennung und Beförderung von Lehrpersonen erhält, so werden die Avancementverhältniffe der jüdischen und aller nicht absolut zur christlichsozialen Fahne schwörenden Lehrer, insbesondere der provisorischen jüdischen Unterlehrer noch traurigere. Redner geht zur Lage der bereits von dem jetzigen Regime angestellten j ü d i s ch e n B e a m t e n der Stadt Wien über, welche selbst unter Bedingungen, welche das sonst übliche Maß überschreiten, pensioniert werden. Viel schlimmer als der Antisemitismus der Gemeinde sei aber derjenige des Staates, welcher es zu verhindern weiß, daß jüdischeRechtspraktikanten ausgenommen werden. Diejenigen, welche vor dreißig Jahren eine staatliche Anstellung erlangt haben, werden wohl befördert, doch bleiben die Tore seither geschlossen. Es sei zu hoffen, daß die Vernunft des Bürgertums in absehbarer Zeit die Macht der herrschenden Partei, welche das Volk in mittelalterliche Zustände zurückschleudern würde, brechen wird. Wenn sich die Spitzen der Justiz rühmen, modern zu sein, so müssen sie vorerst die Verletzungen, welche die verfassungsmäßig gewährleistete Rechtsgleichheit der Konfessionen erfahren, beseitigen. Die Zurücksetzung, der jüdischen Intelligenz gehe weniger vom Staate, der Gemeinde oder dem Lande aus, sondern von privater Seite. Die Theoretik der Politik hat verkündet, daß die Majoriät stets Vorteile bringe, doch auch die Minorität bringt solche, indem sie ihre Mitglieder zwingt, an innerer Kraft zu ersetzen, was an äußerer fehlt. Es wird den Juden immer zum Vorteile gereichen, wenn sie durch ihr tadelloses Verhalten mit der Bevölkerung, hervorragendes Wissen und Charakterstärke ihre Ueberlegenheit beweisen. Wenn eine Woge des öffentlichen Lebens eine Partei emporträgt, so darf man nicht glauben, daß diese Woge Stand hält, daß nicht wieder ein Rückgang folgt, der fast so tief führt, als man hoch gestanden ist. Wir brauchen zwar nicht zu fürchten, daß die Zeit vor dem Jahre 1848 wiederkehren werde, aber wenn wir wieder in die Höhe kommen, müffen wir Vorsicht und Besonnenheit bewahren. Die Juden müssen ihre Feinde zwingen, anzuerkennen, daß trotz des ihnen entgegengebrachten Hasses ihr Charakter und ihr Wissen nicht zu bemängeln seien. (Beifall.) Herr Lucian Brunner erklärt eine Organisation der Juden für notwendig, deren erste Bedingung die Disziplin sei. Die Juden müssen sich verteidigen und für ihre Rechte eintreten. Die Gründung der „Union" sei der Anfang einer derartigen Organisation gewesen. Redner geht zur Besprechung der im n.-ö. Landtage eingebrachten Schulvorlagen über und beantragt folgende Resolution: „Die heute ins Restaurant Guth einberufene Plenarversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" erblickt in dem am 14. d. M. anläßlich der Beratung des Landesbudgets für das Jahr 1904 gefaßten Beschlüsse des niederösterreichischen Landtages, gemäß welchem zwei Stipendien für Hörer arischer Abkunst an der Wiener Exportakademie kreiert werden, eine grobe Verletzung der Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes vom 21. Dezember 1867, gemäß welchem alle Staatsbürger gleich und alle Volksstämme gleichberechtigt sein sollen; dieselbe protestiert dagegen, . daß Gesetze beschlossen, sanktioniert und promulgiert werden, gemäß welchen aus Steuergeldcrn, zu denen alle Staatsbürger gleichmäßig beigetragen haben, nur Staatsbürgern einer bestimmten, übrigens gar nicht nachweisbaren Abstammung Benefizien zukommen sollen. Dieselbe bedauert auf das Lebhafteste, daß gegen das Zustandekommen eines solchen gegen das Reichsgcsetz verstoßenden Landesgesetzes seitens des berufenen Vertreters der Regierung im Landtage keine Einsprache erhoben wurde, und beauftragt den Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", nach Tunlichkeit geeignete Maßnahmen zu treffen, damit die Durchführung eines solchen Beschlusses unterbleibe." Vizepräsident kaiserl. Rat Wilhelm A n n i n g e r übernimmt den Vorsitz und erteilt Herrn Ortsschulrat F u ch s das Wort; derselbe empfiehlt, sich gleich der evangelischen Gemeinde die Zurücksetzung der jüdischen Vertreter in: Ortsschulrate nicht bieten zu lassen, und schlägt folgenden Antrag zur Annahme vor: Der Vorstand der „Oesterreichisch-Jwaelitischen Union" wird aufgefordert, gegen die Zurücksetzung der Vertreter der jüdischen Konfession im Ortsschulrate gegenüber den Vertretern der katholischen Religionsgenossenschaft, die in den neuen Schulgesetzvorlagen des Landesausschusscs für das Land Niederösterreich statuiert ist, an kompetenter Stelle Einsprache zu erheben und für den Fall, als diese Bestimmung vom Landtage beschlossen werden sollte, die Regierung aufzufordern, daß sie diesen Gesetzentwurf der kaiserlichen Sanktion nicht unterbreite. Es sprachen ferner die Herren Nassau, Dr. P. Weisengrün, M. Zerkowitz, Dr. Lifcziz, Dr. Schalit, Bezirksrat Brill, Dr. Hausmann, Dr. Zins, Sekretär Fleischer, worauf die beiden von den Herren Lucian Brunner und Ortsschulrat Josef Fuchs eingebrachten Resolutionen zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen wurden. Der Vorsitzende schließt die Versammlung in der Mitternachtsstunde. Spendenliste aus der Plenarsitzung der israelitischen Kultnsgemeinde vom 16. Oktober 1904. Vom Präsidenten Dr. Alfred Stern für Arme ... . K 188.— Von Herrn Karl Rinz. anläßlich der Verheiratung seiner Tochter, für die Arinenanstalt.K 1000.— je X 100.— für die Versorgungsanstalt, Blindeninstitut, Ebewra-Kadischa, Kinderbewahranstalt, Mädchen-Unterstützungsverein, ifr. Taubstummeninstitut, Volksküche, Handwerksverein, Waisenverein, Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten . . .... „ 2000.— Von Frau Therese von Leon, anläßlich des Ablebens ihres Gatten Herrn k R> Jaques Ritter von Leon, kür die Ehewra-Kadischa .K 500.— für würdige, in Wien ansässige Arme. . „ 500.— „ 10i 0.— Entnahme aus den Sammelbüchsen im Stadttempel für die Armenanstalt.„ 158.33 für die Ehewra-Kadischa ... . „ 109.54 für die Armen der österreichisch-ungarischen Gemeinden im heiligen Lande . . . „ 56.57 „ 324.44 Von Herrn Arnold Fröhlich für die Frauenhort IX. Bezirk . ....... 50.— für den Handwerkerverein. ..„ 25.— für das Blindeninstitut „ 25.— für das Taubstummeninstitut ....... 25.— für die „Allianz" ...... 50.— für das Heim obdachloser Familien . . . „ 25.— für den Handwerkcrverein 25.— für den Verein für Brustleidende 25.— „ 250.— Von Anonymus für den Frauenverein „Providentia" . „ 20.— für das israelitische Blindeninstitut. . . „ 20.— für den Frauenverein I. Bezirk .- „ 20.— für den Wöchnerinnenvcrband . - „ 20,— für beit Verein „Frauenhort" VIII. Bezirk „ 20.— für die Arme lanstalt 100.— „ 200.— Von Herrn Heinrich Kunstadt für Arme „ 100.— Von Max und Ida Barber für die Ausspeisung armer jüdischer Schulkinder der Brigittenau . ,, 50.— Von dem Bethausvorstande für den I. Bezirk als Ergebnis einer Sammlung für den Präsidialfond . . „ 50.— Von Familie Rudolf Perger für die Arinenanstalt . „ 50.— Von Frau Betti Förster für das Sicchenhaus . . „ 30.— Von Herrn Bethausvorsteher A. Winterberg für eine Arme „ 30.— Von Herrn Josef Herzog für eine arme jüdische Familie „ 10.— Von Herrn Bernhard Perlsee für Armenbeteilnng für 5 Parteien ......... „ 10.— Von Herrn Gustav Przibram s. A. für die israelitische Volksküche in der Leopoldstadt . . . > . X 10.000.—